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Boxboy wirkt wie ein Held aus den ganz frühen Jahren der Videospielgeschichte. Er ist eine Schachtel mit Beinen, die weitere Schachteln aus sich selbst hervorbringen kann. Per Zell(stoff)teilung praktisch. Boxboy hat aber auch einen bürgerlichen Namen, er heißt nämlich Qbby. Auf dem Nintendo 3DS gab es insgesamt drei Download-Titel mit ihm in der Hauptrolle. Verabschiedet hat er sich mit Bye-bye Boxboy!, aber wohl nicht von seinen Spielern, sondern hauptsächlich von Nintendos dahinscheidender Handheld-Konsole.

Jetzt ist Boxboy zurück, diesmal auf der Switch und das nicht allein - er hat Boxgirl mitgebracht, die wiederum mit bürgerlichem Namen Qucy heißt. Die unterscheidet sich von ihrem Lebensgefährten ganz nach dem Pac-Man-Muster, hat also Wimpern und eine Schleife auf dem Kopf. Aber das sind Äußerlichkeiten. Ansonsten hat Boxgirl die exakt gleichen Fähigkeiten.

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Hier arbeitet sich Pirat-Qbby gerade durch ein Stück Sand. (Boxboy! + Boxgirl! - Test)

Ganz zentral bestehen diese Fähigkeiten - wie schon gesagt - darin, aus dem Nichts innerhalb einer 2D-Welt Blöcke zu erschaffen. Je nach Level sind das unterschiedlich viele, aber ihr könnt sie beliebig anordnen - horizontal, vertikal oder auch in Form einer Treppe oder eines Tetris-Steins. Zunächst kleben die an euch, aber auf Knopfdruck könnt ihr sie werfen und so diverse Hindernisse im Spiel überwinden. Simpelstes Beispiel: Eine Plattform, die zwei Blöcke über eurem aktuellen Standort liegt. Boxboy springt nur einen Block hoch, also erzeugt ihr schlichtweg einen weiteren, werft ihn davor und habt so eine kleine Treppe gebaut. Boxboy! + Boxgirl! nimmt sich viel Zeit, das Spielprinzip in einigen simplen Spielabschnitten zu erklären. Ihr baut Treppen, kleine Brücken oder nutzt die erzeugten Blöcke, um euch selbst vor Stacheln zu schützen.

Boxboy! + Boxgirl! hat eine derart simple Grafik, es hätte fast auf dem Original-Game-Boy erscheinen können. Von wenigen Farben mal abgesehen, wird das Spielgeschehen in Schwarz und Weiß dargestellt, seine Handheld-Herkunft merkt man dem Titel deutlich an. Und auch auf der Switch eignet sich Boxboy am ehesten für den Handheld-Modus. Auf einem modernen, großen Wohnzimmer-Fernseher sieht das kubistische Pärchen schon fast aus wie eine Karikatur ihrer selbst. Und wo wir schon bei Pärchen sind: Das Highlight des Spiels ist definitiv sein Multiplayer-Modus. Dafür haben die Entwickler eine separate Kampagne spendiert, in der ihr getrennt voneinander Qucy und Qbby steuert. Wahlweise könnt ihr auch allein zwischen beiden hin- und herwechseln, aber wer will das schon! Diese Level sind jedenfalls so gebaut, dass ihr zwangsläufig zusammenarbeiten müsst. Erneut ein simples Beispiel: Ihr müsst eine Treppe aus drei Blöcken bauen, könnt aber pro Spieler maximal zwei erzeugen.

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Romantisch: Qbby wirft Qucy eine Brücke zu Füßen. (Boxboy! + Boxgirl! - Test)

Gerade der Multiplayer hat mich frappierend an jenen von Snipperclips erinnert. Meistens kommt einer von beiden Spielern zuerst auf die Lösung und versucht dann dem anderen klarzumachen, was er zu tun hat. "Okay, zwei Boxen nach links. Abwerfen. Nein, nicht da. Zurück. Zwei Boxen. Nein, nach links. Super, jetzt hast du mich in den Abgrund geworfen, alles von vorn." Wobei "alles von vorn" bei Boxboy! + Boxgirl! nicht wirklich schlimm ist, denn ihr startet jeweils ziemlich genau wieder dort, wo ihr gerade euer letztes Leben beendet habt und ihr habt unendlich viele.

Trotzdem möchte ich euch gewarnt haben: Solltet ihr eher ungeduldiger Natur sein, ist Boxboy! + Boxgirl! vielleicht nicht das perfekte Spiel, um eine Paartherapie zu ersetzen. "Ich hatte eine viel bessere Lösung! Wegen dir haben wir jetzt die Krone verpasst!" Als besonders interessant empfand ich im Multiplayer-Modus übrigens solche Level, in denen ihr getrennt voneinander startet und euch gegenseitig den Weg freischalten müsst. Ihr könnt auch aufeinander hüpfen, um so besonders hohe Stellen zu erreichen und auch das haben die Entwickler ausgenutzt. Ein wirklich sehr schön durchdachtes Multiplayer-Leveldesign.


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Natürlich bleibt es aber nicht bei simplen Rätseln. Im Verlauf des Spiels erlernt ihr von eurem zuckersüßen Box-Nachwuchs mehrere Spezialfähigkeiten - etwa eine, mit der ihr euch an einen Abhang hängen und euch dann per Knopfdruck zum Ende eurer Boxkette teleportieren könnt. Die Kirby-Entwickler von HAL Laboratory haben diese und weitere Spezialfähigkeiten geschickt genutzt, um eine Reihe äußerst abwechslungsreicher Level zu schaffen. In jedem davon gibt es außerdem eine oder mehrere Kronen als Bonus zu finden, außerdem bekommt ihr Marken, wenn ihr es schafft, ein Level mit so wenig erzeugten Boxen wie nur möglich zu beenden. Die wiederum könnt ihr dann im Shop für hilfreiche oder weniger hilfreiche Items ausgeben. Neben kosmetischem Allerlei wie einem Piratenhut findet ihr dort auch einmalig einsetzbare Fertigkeiten wie einen höheren Sprung. Soll heißen: Kommt ihr mal bei einem Level partout nicht weiter, muss euch das nicht auf ewig frustrieren, ihr könnt euch einfach das Weiterkommen über eure zuvor sauer verdienten Errungenschaften erkaufen. Auf die gleiche Weise könnt ihr einen Herausforderungsmodus freischalten, in dem ihr so schnell wie möglich zehn Ballons zerplatzen lassen müsst.

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Der Ballon-Modus: Kann man machen, hätte aber nicht unbedingt sein müssen. (Boxboy! + Boxgirl! - Test)

Neben der Single- und der Multiplayer-Kampagne wartet übrigens noch eine dritte auf euch, die ihr aber erst freischalten müsst. Mehr zu selbiger verraten möchte ich an dieser Stelle nicht, aber insgesamt kommt ihr so auf 270 Level. Das sind zwar viele - einige davon könnt ihr aber auch in weniger als einer Minute durchspielen, weshalb die Gesamtspielzeit bei etwa drei bis vier Stunden liegt. Länger oder kürzer natürlich, je nachdem wie doof ihr euch allein anstellt und wie gut ihr im Multiplayer-Modus miteinander kommuniziert.

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Nicht immer spielt sich der Multiplayer-Modus allzu harmonisch. (Boxboy! + Boxgirl! - Test)

Man muss durch ein Spiel wie dieses aber auch nicht rennen, es macht auch mal Spaß, mit den Mechaniken einfach ein bisschen herumzuexperimentieren und auszuprobieren, welche Möglichkeiten ihr eigentlich wirklich habt. Think outside the box, haha! In späteren Spielabschnitten wird Boxboy! + Boxgirl! auch schon mal ein bisschen knifflig, wirklich schwierig wird es aber nie. HAL Laboratory wollte hier einen Wohlfühl-Puzzler produzieren und das spürt man auch.

Neben all den tollen Gameplay-Mechanismen möchte ich aber an dieser Stelle auch noch erklären, wie liebenswert Boxboy! + Boxgirl! wirkt. Das ist schon erstaunlich, schließlich haben wir es hier mit zwei Schachteln mit Beinen zu tun. Aber irgendwie bringt es HAL Laboratory mit kleinen Details fertig, dass ihr eure Figuren lieben lernt. Springt ihr beispielsweise mit mehreren Boxen nach vorne auf eine Wand, hängt eure Figur in der Luft. Sie zappelt dann hilflos mit den Beinen, als würde sie darum bitten, dass ihr sie befreit und das tut mir mit einem Knopfdruck natürlich umso lieber. Und wenn ihr eurer Figur einen Piratenhut aufsetzt, fühlt sich das ein bisschen an, als hättet ihr euren Hamster verkleidet. Es ist doof, aber es ist sympathisch.

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Auf Wunsch könnt ihr euch für eure Marken kleine Erleichterungen kaufen. (Boxboy! + Boxgirl! - Test)

Und sympathisch ist auch Boxboy! + Boxgirl! insgesamt. Es mag ein relativ kurzes Spiel sein, aber es kostet knapp zehn Euro. Mit seinen kurzen Abschnitten ist es perfekt für die Bushaltestelle oder die U-Bahn-Fahrt geeignet und das grundlegende Gameplay spielt sich so wunderbar leicht weg von der Hand, dass es Spaß macht, immer wieder neue Möglichkeiten auszuprobieren und zu sehen, wohin ihr euren Boxboy oder euer Boxgirl noch bringen könnt. Klar, die Grafik ist simpel, aber das gehört nun mal zu dieser Reihe. Ihr seid eine Schachtel und ihr sollt es auch bleiben. Mit all der Simplizität, die das mit sich bringt. Fühlt die Schachtel. Werdet zur Box!

Entwickler/Publisher: HAL Laboratory/Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: 9,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Gestestete Version: Switch - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.