Deponia für die Switch: DAS IST VIEL ZU TEUER!!1!

Oder vielleicht doch nicht?

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Dass Switch-User für ältere Spiele oft deutlich mehr zahlen müssen, ist nichts Neues. Skyrim kostet auf Nintendos-Halb-Handheld 50 Euro, auf anderen Plattformen die Hälfte oder weniger. Das Final Fantasy X Remake auch ungefähr das, bei Diablo 3 ist es ähnlich. Sicher, es steckt etwas frischer Aufwand dahinter, ein oft technisch doch recht anspruchsvolles Spiel auf die kleinere Hardware zu bringen, die "Module" sind Hardware, die in der Herstellung auch was kostet und Nintendo war nie der preiswerteste Lizenzgeber. Alles gute Gründe, mit denen man das Ganze für sich irgendwie noch rechtfertigen kann. Was ich tat, nachdem ich noch mal Skyrim kaufte.

Und jetzt sollte eigentlich ein Ranting kommen, dass Daedalic es mit Deponia übertreibt. Vor ein paar Tagen trudelte die Switch-Version von Deponia ein und es ist eine einfach nette, wenn auch unspektakuläre Umsetzung eines sehr charmanten, aber auch schon etwas in die Jahre gekommenen Adventures. Trotzdem, wer das mag, sehr nett, fast schon Pflichtprogramm, wenn auch mit etwa 35 Euro nicht gerade ein Schnäppchen. Um es vorsichtig zu sagen, denn aktuell kostet die PC-Version auf Steam 99 Cent, sonst immerhin einen Zehner. Wie weit und fernab von allen anderen Versionen dieser Switch-Preis jedoch ist, wurde klar, als ich eben die PS4-Version aus dem Briefkasten zog.

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Auf der PS4 bekommt ihr nicht ein, nicht zwei, nicht drei, sondern alle vier Deponia für knapp unter 40 Euro. Auf dem PC gibt es die sogar für 20. In der Box. Man kann also noch nicht mal das "es ist aber eine Box und nicht nur Download"-Argument anbringen. Ein Gespräch mit Daedalic später bliebt jedoch erstmal zu sagen, dass ein paar für den Kunden am Ende des Tages nur bedingt relevante Argumente für diesen Preis gibt. Denn am Ende ist es nun mal so, dass ihr auf einer Plattform ein Spiel für das gleiche Geld bekommt, das auf der anderen vier davon kosten. Daran führt am Ende des Tages kein Weg vorbei.

Aber. Erst mal muss man bedenken, dass Daedalic als Entwickler und Publisher international gesehen nicht gerade groß ist und sich Großzügigkeit nur bedingt leisten kann. Und sie sind schon ziemlich großzügig was Sonderangebote, Humble Bundles, Zeitschriftendeals und ähnliches angeht. Aber bei der Switch muss es enden, denn:

1. Die Herstellungskosten sind mit Lizenzen und allem Drum und Dran sehr viel höher. Das ist jetzt kein Geheimnis, aber die Differenz ist vielleicht nicht jedem klar. Die oben genannte PS4-Disc zu produzieren kostet um die 3 Euro. Ein Switch-Spiel kostet um die 15, weniger, wenn man mehr produziert, aber da man davon ausgehen muss, dass sich Deponia nicht wie Smash Bros. Verkauft, macht es wohl wenig Sinn, für den Rabatt eine Million davon in die Welt zu setzen.

Hier kommt dazu, dass in manchen Ländern zwar bestimmte Abnahmemengen an einem Spiel garantiert werden und der Entwickler damit planen kann, in Deutschland aber zum Beispiel ist das nicht der Fall. Wenn jetzt 10.000 Einheiten produziert werden, kann es passieren, dass die Hälfte zurückwandert oder verramscht werden muss, der Publisher trägt das ganze Risiko. Damit muss der Verkauf des einen Teils also ein wenig den Verlust aus dem anderen Teil abfedern. Es ist schnell eine schwierige Pi-mal-Daumen-Kalkulation, bei der man baden gehen kann.

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2. Der Einzelhandel will auch Geld sehen. Nach der Herstellung muss das Spiel in die Läden, diese wollen ihren Anteil, am Ende des Tages bleiben nur wenige Euro bei solchen Mid-Price-Spielen beim Publisher hängen. Was auch der Grund ist, warum ihr selbst kleine Indies so gut wie nie unter 30 Euro in einem Laden seht, es sei denn, es sind alte Spiele, die ihre Entwicklung schon drin haben und nun mit minimaler Marge praktisch als Bonus zum E-Shop-Geschäft angeboten werden.

3. Es ist eine neue Version auf einer neuen Plattform. Die PS4-Spiele gab es bereits und wurden damals für mehr verkauft, haben also schon Entwicklungskosten eingespielt. Die Assets des Spiels wie Grafiken, Musik und Ähnliches sind vorhanden, aber eine Konvertierung muss trotzdem entwickelt werden, das ist bei der Switch nicht anders.

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4. Wenn es so teuer ist, warum dann überhaupt eine Box-Version? Nun, damit Nintendo gewisse Spiele im E-Shop überhaupt führt und pushed, müssen sie eine gewisse Relevanz des Produktes sehen und dazu gehört auch noch immer eine Box-Version. Was wiederum bei einigen Titeln der Grund ist, dass man sie überhaupt in der Kiste sieht. Will man also auf das lohnende(re) E-Shop-Geschäft hin, muss eine Box her. Wiederum, da bei einem Spiel wie Deponia auch online nicht mit Millionenverkäufen zu rechnen ist, kann man als kleiner Hersteller nicht zu großzügig an die Kalkulation bei der Box und damit gekoppelt der E-Shop-Version herangehen.

Deponia Collection auf PS4 (Amazon.de)

Deponia Switch (Amazon.de)

Deponia PC (Steam)

All das läuft darauf hinaus, dass es Daedalic vor allem darum ging ihr Vorzeige-Adventure Deponia zwar einerseits auf möglichst viele Plattformen zu bringen, aber gleichzeitig zumindest keine Verluste damit zu machen - woraus sich auch der hohe E-Shop-Preis ergibt, der Teil einer Mischkalkulation in Richtung eines halbwegs sicheren Break Even ist. Klingt für ein Unternehmen nicht zu verwerflich.

Und dazu kommt, dass es jetzt nicht so ist, dass Deponia hier allein das schwarze Schaf gibt. Jedes Mal, sobald Limited Run einen neuen Indie als Box veröffentlicht, wird ihnen die Tür eingerannt und keiner beschwert sich über die Preise von ebenfalls um die 30 bis 40 Euro. Deponia auf der Switch ist damit in der Box am Ende wenig anderes als ein solcher vielleicht nicht unbedingt maximal gewinnorientierter, aber doch verlustwachsamer Fan-Service für alle, die sich ein Deponia auch auf der Switch in Regal stellen wollen. Denn damit, dass man mit der Deponia-Box - oder überhaupt Deponia auf der Switch - trotz dieses Preises viel reicher wird, rechnet in Hamburg aktuell niemand.

Für alle anderen gibt es bei dem Spiel ja genug teilweise sehr preiswerte Alternativen. Und als Spiel ist Deponia bis heute:

Test zu Deponia (2012)
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Über den Autor:

Martin Woger

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