Die Entwicklung von Star Citizen: "Das Spiel ist wohl der BER-Flughafen der Spielebranche"

Was ihr zu sagen hattet.

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Star Citizens nicht enden wollendes Crowdfunding und die lange Entwicklungszeit sind immer ein heißes Thema. Beide Seiten diskutieren zuweilen hitzig miteinander, die Wahrheit liegt am Ende vermutlich irgendwo in der Mitte. Dauert es schlicht zu lange? Oder braucht ein so ambitioniertes Projekt einfach die nötige Zeit - und das Geld?

Forbes hatte zuletzt eher Unschönes berichtet, was natürlich Wasser auf die Mühlen der Kritiker war. Am Ende hat keiner von uns wirklich einen genauen Einblick darin, was tagtäglich bei Cloud Imperium Games passiert. Dass es während der Entwicklung mal Probleme gibt, ist normal, aber weisen sie auf tiefgreifendere Schwierigkeiten hin?

Wie gesagt, es ist ein schwieriges Thema und je mehr Zeit verstreicht, desto schwieriger dürfte es werden. Ich selbst warte seit damals, als ich 40 Dollar in das Projekt investierte, auf Squadron 42 - der Online-Part interessiert mich nicht wirklich. Die lange Wartezeit macht mich nicht glücklich, aber immerhin dürfte ich mittlerweile einen Rechner haben, der das Ganze vernünftig stemmen kann. Ist ja schon mal was.

Seid ihr noch glücklich mit dem Verlauf des Projekts? Oder wartet ihr einfach darauf, dass irgendwann eine fertige Version erscheint und ihr es spielen könnt? Seid ihr unzufrieden oder seht das alles von Grund auf kritisch? Am Wochenende wollten wir von euch wissen, was ihr davon haltet.

"Ich habe das Spiel gebackt", schreibt Schnubbii. "Ich denke, es macht seine Fortschritte, auch wenn es aktuell nur eine hübsche Tech-Demo ist. Klar ist für mich aber auch, das Chris Roberts ein schlechter Projektmanager und Opfer seines eigenen Perfektionismus ist. Selbst mit der mittlerweile veröffentlichten Roadmap, die signifikante Updates jedes Vierteljahr vorsieht, kommt es immer wieder zu Verschiebungen, weil Features einfach nicht die Deadlines schaffen. Dazu wird jedes Mal wieder das Mantra abgespielt, man wolle ja keine Kompromisse bei der Qualität eingehen und den Spielern dafür ein besseres Spielerlebnis bieten. Die Frage ist nur: wann? Ich denke, Star Citizen kann sehr gut und spaßig werden, sobald mal fünf fertige Sternensysteme (von den versprochenen 100) und die wichtigsten Spielmechaniken fertig und bugfrei sind. Ich hoffe nur, dass CIG bis dahin nicht das Geld ausgeht und sie sich nicht in Details verlieren."

rudi_rauschgift sieht es von einer anderen Seite: "Eigentlich hätte ich nicht übel Lust, bei CIG als Entwickler einzusteigen... keine Deadline, keine Regeln, keine Roadmap, kein Management, das Geld fließt", merkt er an. "Hin und wieder ein paar Mopeds modellieren und einbauen. Hoffentlich gibt's wenigstens guten Kaffee im Büro. So etwas wie Crunch wird es sicher auch (noch) nicht geben. Ich alte Rebellennatur habe keinen Bock mehr auf einen normalen Boss."

"Eigentlich ist mir Star Citizens vollkommen egal", sagt Sid_Burn. "Bin bisher eh kein großer Fan von Weltraumspielen gewesen. Des Weiteren war mir Chris Roberts zu suspekt, sodass ich sowieso nicht in das Projekt finanziert hätte, selbst wenn es mich interessiert hätte. Heißt natürlich nicht, dass ich dem Projekt etwas Schlechtes gönne. Wäre natürlich toll, wenn es irgendwann mal etwas Spielbares gibt und eine finale Version herauskommt. Eventuell würde ich es mir dann mal anschauen. An die, die immer noch Geld hinein investieren, weil sie hoffen, es wird irgendwann ein tolles Spiel: Ich drücke euch die Daumen, dass euer Traum erfüllt wird. Und für diejenigen, die Geld investiert haben und sich über den aktuellen Status aufregen: Ich kann euren Unmut verstehen, aber letztendlich sind das nun mal die Risiken von Crowdfunding."

"Ich habe das Spiel mit ca. 40 Euro gebackt und habe aktuell nur die ersten Alpha Builds vor ein paar Jahren gespielt", erzählt HombreLoco. "Egal was passieren wird, bin ich mir ziemlich sicher, dass mir selbst die aktuelle Alpha als Sandbox genügend Gegenwert für die 40 Euro bieten würde. Dass es erwachsene Menschen gibt, die scheinbar genug Geld haben, um dieses Projekt zu unterstützen, als Kritikpunkt zu nutzen, ist mir jetzt nicht ganz greifbar. Ich stelle an dieser Stell mal die Behauptung auf, dass Leuten, die im Crowdfunding-Bereich unterwegs sind, bewusst ist, dass das Geld in die Entwicklung fließt und die Goodies, die sie dafür bekommen, eher symbolischen Charakter haben. Ich frage mich bei dieser Diskussion einfach, woher genau die Fakten bezogen werden. So ziemlich alles, was wirklich gesichert ist, sind das Budget und die Entwicklungszeit. Nahezu alles andere, was hier in die Diskussion eingebracht wird, ist reine Spekulation."

"Ein weiter wichtiger Punkt ist, dass man hier auch ganz klar zwischen Squadron 42 und Star Citizen unterscheiden muss", fügt er hinzu. "Zu behaupten, es wäre Geld verbrannt worden oder nichts vorhanden, um ein Spiel herauszubringen, finde ich anhand dessen, was schon vor Jahren als Alpha gespielt werden konnte und die Möglichkeiten der Engine gezeigt hat, sehr vermessen. Das Problem, das Herbert auch schon angesprochen hat, ist, dass es einfach kein vergleichbares Projekt gibt, von dem so viel bekannt ist. Ich würde wirklich gerne mal ein paar Zahlen zu dem Titan-MMO-Projekt von Blizzard sehen. Es wurde ja bekanntermaßen aufgegeben und Teile davon für Overwatch genutzt. Es bleibt einfach spannend zu sehen, was aus dem Projekt wird. Heftig ist, dass die Engine und das, was bereits 2013 in der Alpha möglich war, selbst aktuellen AAA-Releases technologisch noch um Jahre voraus ist."

Sehr viel skeptischer betrachtet Heartz_Fear das alles. "Ich hab mich nie groß mit dem Spiel beschäftigt, aber für mich wirkt das wie ein Gerüst, das nur dazu da ist, die Fassade zu halten und Investoren Geld aus der Tasche zu ziehen", findet er. "Innen ist das Ganze aber leer und es werden nur kleine Zierelemente hinzugefügt, wenn die Investoren ungeduldig werden."

KaeptnQuasar findet einen gänzlich anderen Vergleich dafür: "Das Spiel ist wohl der BER-Flughafen der Spielebranche. Ich erinnere mich an 2013, da fand ich das echt spannend und habe auch in ein Founder Pack investiert. Das hat mich damals glaube ich 30 Euro gekostet. Irgendwann bin ich mal durch den Hangar spaziert und dachte mir, das wird wohl noch eine Weile dauern. Parallel dazu ist mir aufgefallen, dass Fans hunderte oder tausende Euro für virtuelle Raumschiffe ausgeben und irgendwelche Design-Challenges ausgetragen worden sind. Ich musste mit dem Kopf schütteln. Mittlerweile haben wir das Jahr 2019, Herr Roberts hat immer noch kein fertiges Produkt abgeliefert und verliert sich in Details. Er scheint ja Visionen zu haben, aber man muss das dann auch mal als fertig betrachten oder bestimmte Features streichen. Ich dachte damals schon, das sei überambitioniert. Dass die Kampagne als Beta 2020 herauskommen soll, ist aber immerhin ein Hoffnungsschimmer."

"Ich glaube, das ist das Entscheidende bei ihm", antwortet Rispin. "Diese permanente Vision, die immer weiter ausgebaut wird. Eine Vision zu haben ist ja super, davon gibt es eh zu wenig in der Branche, nur muss man dann auch irgendwann das Konzept aus der Vision in in die richtigen Bahnen lenken. Mir kommt es so vor, dass er versucht, das parallel zu schaffen, nur kommt er nicht aus der Visionsebene heraus und spinnt immer weiter und weiter und.. Es ist schade um so einen 'Kopf', er arbeitet nur auf dem falschen Posten. Es gibt ja anscheinend keinen, der ihn reguliert."

"Roberts ist ja nicht erst seit Star Citizen genau dieser Schlag Mensch", findet KleinerMrDerb. "Exakt das gleiche Theater gab es ja schon damals bei Freelancer. Auch dort hat man die exakt gleichen Beschwerden gehört... Roberts will Perfektion, mischt sich in alles ein, kommt ständig mit neuen Ideen um die Ecke und der Realease wird verschoben, verschoben und weiter verschoben. Irgendwann kaufte Microsoft die Firma von Roberts, hat ihn abgesetzt und Freelancer dann auf den Markt gebracht, sonst wäre es wohl nie erschienen. Die Geschichte wiederholt sich..."

"Ich habe nichts in das Spiel investiert also kann mir seine Entwicklung eigentlich egal sein", ergänzt er. "Wenn am Schluss ein gutes Spiel dabei herauskommt, werde ich es kaufen, wenn nicht.... Pech. Die Art und Weise, wie hier Geld an Land gezogen wird, finde ich persönlich allerdings alles andere als gut.Der ganze Laden besteht aus einem riesigen E-Shop, in dem es unzählige Bundles zu kaufen gibt - und das zu Preisen, die jenseits von Gut und Böse sind. Das sind Produkte, die ganz normal verkauft werden, aber nur Hoffnungen und Versprechungen beinhalten. Mit der Anfangsidee der Schwarmfinanzierung hat das ja eh nichts mehr zu tun."

Auch Skyclad ist überzeugt, dass Roberts den falschen Posten hat: "Visionäre sollten nicht Projektmanager oder gar Chefs sein", lautet seine Meinung. "Dann kommt nämlich so was bei raus. Statt sich auf A, B und vielleicht C, gut, möglicherweise noch Steckenpferd D zu konzentrieren, hat Roberts jetzt schon unser Alphabet hinter sich und ist bei Delta angelangt. Das kann so eher nichts werden, wenn man sich als Chef in Details verzettelt und das große Ganze aus dem Blick verliert."

Indes zeigt sich saxxonde äußerst skeptisch. "Ganz ehrlich: Wäre schon geil, wenn es was würde", schreibt er. "Aber die Probleme sind so unzählbar viele dass ich mir überhaupt keine Hoffnungen mache, dass das Ding jemals fertig wird. Angefangen bei der ständig wachsenden Featureliste, obwohl überhaupt noch nichts fertig ist. Dann die Entwickler, die mal mit Roberts zusammengearbeitet haben und durch die Bank weg berichten, dass er, vorsichtig ausgedrückt, schlecht im Projekt-Management ist. [...] Dann dieser Planet, der komplett mit einer Stadt bedeckt ist, den sie mal vorgestellt haben. Mal im Ernst: Da kann doch niemand ernsthaft erwarten, dass eine Spielwelt von dieser Größe auch nur mit halbwegs interessanten Missionen gefüllt werden kann, noch dazu so dicht, dass es sich nicht alles nach einer Kulisse anfühlt. Ein Studio wie Rockstar, mit bestehender Infrastruktur, viel mehr Mitarbeitern, viel mehr Budget, Engine und Workflow, braucht acht Jahre, um eine Spielwelt, die nur einen kleinen Bruchteil so groß ist wie dieser eine Planet, mit interessanten Missionen zu füllen. Und Star Citizen soll das aus dem Stehgreif mit einem Bruchteil der Ressourcen noch viel gigantischer hinbekommen?"

"Zu all dem könnte man noch eine ganze Weile weiterschreiben", fügt er hinzu. "Es wäre wirklich geil, wenn es was würde. Aber wirds nicht. Irgendwann geht das Ganze als brennendes Wrack unter, auf die eine oder andere Weise. Und wenn es auch nur dadurch passiert, dass Roberts vor lauter Druck und Stress einen Herzinfarkt kriegt."

Herbert234 ist wiederum der Ansicht, das von Außenstehenden zu viel kritisiert wird, ohne dass sie wirklich Einblick haben. "Dass die Technologie zu einem großen Teil in deutschen Standorten produziert wird und wegweisend ist, wird verdrängt", sagt er. "Kein gutes Haar wird daran gelassen, wieso denn auch, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf. Star Citizen zeigt, dass Transparenz und Einsicht in den Entwicklungsprozess eine tolle Sache sind, so kann man alles verfolgen und versteht besser, was alles bei der Entwicklung eines gigantischen Softwareprojektes ansteht. Selbst wenn es gegen das Projekt verwendet wird, die Anzahl der Befürworter überwiegt."

"Um so ein Projekt zu stemmen, sind hunderte von hochqualifizierten Arbeitskräften notwendig, so was entsteht nicht über Nacht und verschlingt Unmengen von Ressourcen", ergänzt er. "Schaut man sich die Kommentare hier an, könnte man den Eindruck, gewinnen dass CIG die größte Trollfabrik der Welt ist, von Betrug und Schneeballsystemen ist die Rede - und alle sind angeblich dabei, vom Geschäftsführer bis zu den Grafikern, Designern, Entwicklern und Backern. SC wird eine vielversprechende Weltraumsimulation, deren Kerntechnologien und Basissysteme sogar in Deutschland entstehen, nur wird das noch lange dauern und viel Hass auf sich ziehen - der sich dann in Luft und Liebe auflöst, wenn es dann wider Erwarten die Erwartungen übertrifft."

"Ich wäre beinahe mal Unterstützer geworden, habe es dann aber doch sein lassen", äußert sich SectionOne. "Zum Glück, wie ich aus heutiger Sicht sagen muss! Roberts hat meiner Meinung nach jeden Bezug zur Realität verloren. Er verzettelt sich in kleinen Details, verliert dabei aber das große Ganze aus den Augen. Je mehr Geld von Unterstützern geflossen ist, desto schlimmer wurde es. Frei nach dem Motto 'Wir ham's doch'. Das Entwicklerteam ist mittlerweile riesig, dementsprechend fallen auch die Lohnkosten aus. Vom Organisatorischen reden wir besser erst gar nicht, auch der Verwaltungsapparat dürfte mittlerweile einiges an Geld schlucken."

"Meiner Meinung nach hat aber jemand, der Geld von Spielern sammelt, um damit ein Spiel zu verwirklichen, auch eine gewisse Verantwortung den Spendern gegenüber", fügt er hinzu. "Klar, beim Crowdfunding gibt es immer ein gewisses Risiko. Roberts hat aber dermaßen viel Geld eingenommen, das ein Misslingen fast schon unmöglich gewesen wäre, wäre man etwas mehr auf dem Teppich geblieben. Dazu kommt dann noch dieses ständige Entwickeln von monetarisierbaren Inhalten, für das Entwickler abgestellt werden müssen, die dann bei der eigentlichen Fertigstellung wieder fehlen. Natürlich braucht CIG diese Inhalte, denn ohne dieses Geld könnte die Entwicklung gar nicht weiterlaufen. Roberts kalkuliert mit dem ständigen Geldfluss seiner Unterstützer. Ich frage mich, wie lange es dauert, bis diese Blase platzt? Da ist dann zwar immer wieder von Investoren die Rede, aber eigentlich wollte man genau das doch nicht. Man wollte doch niemanden, der Roberts in seiner kreativen Freiheit einschränkt."

Sein Interesse gilt jetzt anderen Projekten: Elite Dangerous ist ein super Spiel, das nächstes Jahr eine große Erweiterung bekommt . Dual Universe entwickelt sich ebenfalls prächtig, der Release ist am Horizont schon erkennbar. Ubisoft hat mit Beyond Good & Evil 2 auch ein heißes Eisen für Freunde von Space-Sims im Feuer. Das ist mehr als genug für mich, da brauch ich dann kein SQ42 oder Star Citizen mehr."

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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