Sniper Elite V2 Remastered - Test: Trefft den Führer (zwischen die Augen)

Hübscher, aber nicht besser.

Grafische Verbesserungen machen Sniper Elite V2 im Remaster zu einem hübscheren Spiel, alte spielerische Probleme bleiben indes erhalten.

Vorsichtig. Ganz vorsichtig. Behutsam heranpirschen und den richtigen Moment abpassen. Der Blick ist durch das Visier gerichtet, das Fadenkreuz schwebt über einem deutschen Soldaten. Dann ertönt die nächste Lautsprecherdurchsage, die alle anderen Geräusche in der Umgebung kurzzeitig überdeckt. Jetzt schnell den Atem anhalten. Die Zeit verlangsamt sich, noch einen kurzen Augenblick warten und den Abzug durchziehen. In einer Szene, wie sie Hollywood nicht besser umsetzen könnte, verlässt die Kugel den Lauf des Gewehrs, rauscht in hohem Tempo durch die Luft und bohrt sich - dank Sniper Elites Bullet-Cam inklusive Röntgenblick - in verlangsamter Zeit durch den Schädel des Feindes.

Einer weniger. Und keiner der umstehenden Soldaten hat was mitbekommen. Besagte Bullet-Cam ist zwar das Markenzeichen der Reihe, ganz so detailliert bräuchte ich es nicht unbedingt. Zu sehen, wie einem Gegner buchstäblich die Hoden platzen, wenn ihr gut genug zielt, ist für einen Mann nicht der angenehmste Anblick. Komplett deaktivieren lässt sie sich nicht, allein eine Reduzierung auf eine "minimale" Stufe ist möglich.

Sieben Jahre ist es mittlerweile her, seit Sniper Elite V2 erschien. Und natürlich baut das jetzt veröffentlichte Remaster exakt darauf auf. In manchen Aspekten tut es das ein wenig zu originalgetreu. An dieser Stelle sei euch mein ursprünglicher Test zu Sniper Elite V2 ans Herz gelegt, der umfassend auf die spielerischen Aspekte eingeht. Hier blicken wir weitestgehend auf die technische Seite des Remasters. Insgesamt macht die Neuauflage Sniper Elite V2 nicht großartig besser. Das Gute ist: Schlechter ist's ebenso wenig.

An Gürteln hängende Granaten lassen sich mit gezielten Schüssen sprengen. (Sniper Elite V2 Remastered - Test)

Vor allem optisch hat sich einiges getan. Bessere Texturen, eine höhere Auflösung (4K), HDR-Support und Überarbeitungen in vielen anderen Bereichen wie den Umgebungen und Charakteren sind bei einem Remaster zu erwarten. Daher wirkt das Spiel in dieser Form moderner, wenngleich zwischen Sniper Elite V2 Remastered und den grafisch anspruchsvollsten Titeln auf dem Markt noch immer eine große Lücke klafft. Es sieht gut aus, zum Nonplusultra zählt es nicht.

Zugleich bleiben alte Probleme erhalten. Zu denken, "ist ja nicht mehr als ein Remaster, kein Remake", wäre hier falsch. Auch bei einem Remaster spricht nichts dagegen, tiefgreifendere Anpassungen vorzunehmen. Die zum Teil fragwürdige KI ist eines dieser Probleme. Das betrifft unter anderem ihr Erscheinen aus der sicheren Deckung. Regelmäßig wirkt es so, als hielten sie ein "erschieß mich"-Schild vor sich, während sie aus ihrer geschützten Position hervorkommen, um ohne Grund die Stellung zu wechseln. Ebenso sind ihre Laufwege bisweilen ... verwunderlich.

Hinzu kommen an einigen Stellen Schwierigkeiten mit der Treffererkennung und Kollisionsabfrage. Den Animationen von Protagonist Karl Fairburne hätte eine umfangreichere Überarbeitung ebenso nicht geschadet und das Cover-System ist nicht das beste. Zusammenfassend lässt sich hier sagen: Die Entwickler haben einen Eimer frische Farbe auf Sniper Elite V2 Remastered geklatscht, was dem Spiel auf jeden Fall gut tat. Woran es mangelt, ist die Arbeit an den feineren Nuancen des Spiels. Hierdurch hätte dieses Remaster glänzen können. Hätte ...

In manchen Levels übertönen Umgebungsgeräusche die Schüsse. (Sniper Elite V2 Remastered - Test)

Seine besten Momente hat das Spiel dann, wenn ihr den stillen und heimlichen Scharfschützen spielt. Wenn ihr in eurem Versteck lauert und eure Feinde aus der Distanz ausknipst. Geht es in den Nahkampf, zeigen sich die Schwächen im Third-Person-Gameplay. Hier tragen die teils merkwürdigen Animationen und Bewegungen nicht zu einem guten Feeling bei, es fehlt die angesprochene Detailarbeit. Diesen Aspekt hätten die Entwickler überarbeiten können, es bleibt bei einer Wunschvorstellung.

In diesen Augenblicken seid ihr weit anfälliger. Ihr seid nicht länger der nahezu allmächtige Scharfschütze. Das ergibt, mit ein wenig Realismus betrachtet, in gewisser Weise Sinn, denn keiner ist in allem der Beste - das gibt es nur in Videospielen. Es bleibt im Endeffekt der Eindruck von zwei qualitativ unterschiedlichen Spielen in einem. Der Scharfschützen-Part ist durch die Bank weg gut, der Third-Person-Shooter-Part im Nahkampf eher meh.

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Das Remaster ist im Grunde eine ultimative Version von Sniper Elite V2, wenn ihr das mit Bezug auf den Inhalt betrachtet und die spielerischen Probleme außen vor lasst. Wenn ihr keine Lust auf Karl habt, spielt ihr mit sieben anderen Charakteren aus der Zombie Army Trilogy. Den Multiplayer-Modus haben die Entwickler auf 16 Spieler ausgeweitet (acht auf der Switch) und alle veröffentlichten DLCs sind mit dabei, darunter "Assassinate the Führer". Was ihr darin macht, ist in Anbetracht des Namens selbsterklärend.

Auch Panzer sind kein Problem für Karl. (Sniper Elite V2 Remastered - Test)

Ansonsten haben wir hier noch einen neuen Fotomodus, der euch mittels diverser Einstellmöglichkeiten und Filter Aufnahmen machen lässt. Ebenso habt ihr die Option, das Geschehen dabei Frame für Frame weiterlaufen zu lassen - alles für den perfekten Schnappschuss. Einen Koop-Modus gibt es ebenso, wenngleich der mit der Kampagne nichts zu tun hat. Vielmehr sind es mehrere verschiedene Spielvarianten, in denen ihr es zum Beispiel mit Gegnerwellen aufnehmt, vor einer Bombardierung einen Truck repariert und entkommt oder die Ziele ausschaltet, die euer Mitstreiter für euch markiert. Ein unterhaltsamer Zeitvertreib.

Eine nette Geste seitens der Entwickler bleibt indes PC-Spielern vorbehalten. Wer das Original auf Steam oder GOG besitzt, hat die Option, für schmale 9,99 Euro ein Upgrade auf das Remaster zu erwerben.

Am Ende hat sich das Remaster die Bezeichnung "Komplettpaket" redlich verdient. Hier ist alles drin, was mit Sniper Elite V2 zu tun hat - und obendrein gibt's ein paar schicke grafische Verbesserungen. Dass sich diese Optimierungen nicht auf problembehaftete spielerische Aspekte erstrecken, ist bedauerlich. So bleibt Sniper Elite V2 Remastered hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ein in großen Teilen gutes Remaster und ein gutes ist Spiel es, ja. Es wäre hier aber mehr drin gewesen. Somit ist es trotz seiner vorhandenen Qualitäten kein Pflichttitel.

Entwickler/Publisher: Rebellion/Sold Out - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 34,99 Euro (Upgrade für 9,99 Euro auf Steam und GOG möglich) - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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