Assassin's Creed Unity: Positives Review-Bombing auf Steam macht Valve ratlos

"Wir wissen wirklich nicht, was wir hier tun sollen." Und einige User schreien Zensur!

In einem langen Blogeintrag sinniert Valve darüber, was als Review-Bombing durchgeht und was nicht. Anlass dafür war die gewaltige Schwemme an positiven Spielerbewertungen, nachdem Ubisoft wegen des Brandes in der Notre Dame das Spiel reihenweise verschenkte (und gleichzeitig versprach, eine halbe Million Euro für den Wiederaufbau zu spenden).

Die Aktion brachte ihnen so viel guten Willen bei den Spielern ein, dass der eigentlich recht alte Titel - seither erschienen Syndicate, Origins und Odyssey - schwarmartig postivie Bewertungen einfuhr.

Aber ist das schon Review-Bombing? Die Firma beschäftigt sich schon seit einer Weile mit dem Thema, da das Bewertungssystem immer wieder genutzt wurde, um politische Statemens zu setzen.

Valves Posting zufolge hatte man über die Möglichkeit positiver Review-Bomben beim Design der Gegenmaßnahmen zwar nachgedacht. Allerdings gab es damals keine Beispiele dafür.

"Seit 2017 definieren wir „Review Bomb" als ein Ereignis, bei dem Spieler innerhalb sehr kurzer Zeit eine große Anzahl von Reviews veröffentlichen, um die Gesamtbewertung eines Spiels zu verschlechtern", so Valve.

"Die Daten zeigen nicht dasselbe Muster wie man es bei negativen "Review Bombs" beobachten kann. Bei AC: Unity ist die Anzahl der Reviews gleichzeitig mit der Anzahl der Spieler gestiegen. Das ist bei nicht themenbezogenen "Review Bombs" nicht unbedingt der Fall (obwohl es auch vorkommen kann)."

Valve sagt, die Daten zu Unity ähneln Fällen von Spielen, die es im Sale gab oder ein Update erhalten hätten. Und obwohl viele der neuen Bewertungen explizit die Notre Dame erwähnen, sähen die meisten einfach nach normalen Reviews neuer Spieler aus oder von solchen, die nach einer Weile zu einem einst gekauften Produkt zurückkehrten."

Zählt es also als Review-Bombing? Valve ist sich nicht sicher, zumindest sei es keine im Sinne der 2017 getroffenen Definition. "Es wäre gut, eine neue neutrale Terminologie zu finden, aber diese Entscheidung wollen wir der Community überlassen", folgert der Post.

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Dennoch ringt das Unternehmen in dem Post noch weiter ein wenig mit sich selbst, vor allem über die Frage, wie "themenbezogen" beziehungsweise "Off-Topic" die Review-Schwemme sei. Das sei ein Kriterium für eine Review-Bombe, weil das Unternehmen möchte, dass die Bewertungen nützliche Informationen für die Spieler beinhalten. Persönliche Ansichten beteiligter Entwickler gehörten nicht dazu, wie man in einem Absatz über "situationsbezogene Änderungen" mit Hinblick auf ein Spiel wissen lässt:

"Einige solcher Änderungen haben nichts mit dem Spiel selbst zu tun, so beispielsweise Neuigkeiten über die politischen Ansichten des Entwicklers. Einigen Kunden ist diese Information sicher wichtig, aber wir können nicht davon ausgehen, dass dies für alle der Fall ist und wollen daher davon absehen, solche Informationen standardmäßig in der Spielbewertung zu berücksichtigen."

Was die Situation um Unity angeht, gibt Valve zu bedenken, dass "Unity die weltweit beste virtuelle Nachbildung der unbeschädigten Notre Dame" beinhalte. Aber selbst hier sei man sich nicht sicher, ob dies due Güte das Spiels maßgeblich steigere. "Oder geht es vielleicht darum, dass Spieler Ubisofts Spenden für die Restauration des Sakralbaus schätzen? Handelt es sich unabhängig von den tatsächlichen Beweggründen um eine zeitlich begrenzte Reaktion auf aktuelle Geschehnisse?"

"Wir sind daher nicht ganz sicher," zweifelt Valve weiter, "wie wir in diesem Fall vorgehen sollen. Es handelt sich nicht eindeutig um eine "Review Bomb" im Sinne unserer Definition, doch vielleicht stimmt unsere Definition nicht. Und selbst wenn wir die vielen positiven Bewertungen als eine solche einstufen, bleibt die Frage des Themenbezugs offen."

"Daher sind wir zu dem Entschluss gekommen, in diesem Fall nichts zu unternehmen. Hoffentlich hilft Ihnen dieser Beitrag zu verstehen, welche Gedanken zu dieser Entscheidung geführt haben. Falls Sie eine Idee haben, wie wir diesen Fall oder ähnliche Fälle in Zukunft angehen sollten, freuen wir uns auf Ihr Feedback in den Kommentaren unten."

Teile der User-Basis fassen diese Unschlüssigkeit nicht gerade positiv auf, Anschuldigungen von Zensur (natürlich) und Heuchlerei machen die Runde, weil positives Review-Bombing, das zu höheren Verkäufen führe (und damit Valve zu Gute komme), im Gegensatz zu negativem nicht entfernt werde.

Wie seht ihr das? Ich für meinen Teil finde es nur selbstverständlich, dass Spieler ein umsonst erhaltenes Produkt nicht so kritisch sehen. Gleichermaßen ist es für mich nun durchaus von gesteigertem Belang, wie genau Notre Dame im Spiel abgebildet ist - und ja, das steigert für mich im Nachhinein eindeutig die Güte des Spiels. Diskutiert in den Kommentaren.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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