Ich möchte mit einem Bekenntnis anfangen: Ich bin ein wirklich großer Fan von Mario Kart. Ich verfolge die Reihe seit dem SNES, habe die Einführung des blauen Schildkrötenpanzers erlebt und verdaut und lasse auf diesen für mich nahezu perfekten Fun-Racer nichts kommen. Mario Kart 8 besitze ich selbstredend sowohl auf der Switch als auch auf der Wii U und den Wii-Vorgänger habe ich sogar mit dem Plastiklenkrad gespielt und weitgehend gemeistert. Als ich also Team Sonic Racing zum ersten Mal gestartet habe, war ich der Auffassung, es könne wenn überhaupt, höchstens entfernt an Mario Kart erinnern.

Nach einem kompletten Wochenende, das ich mehr oder weniger ohne Essen vor der PS4 verbrachte, muss ich sagen: Ich habe mich getäuscht. Das Ding kratzt am Mario-Kart-Thron, dass es einem eiskalt den Rücken herunterläuft. Es stößt ihn aber dennoch nicht um.

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Fahrt ihr auf dem gelben Streifen, den euer Vordermann hinterlässt, werdet ihr deutlich schneller. (Team Sonic Racing - Test)

Warum es nicht ganz klappt, will ich euch gern erzählen. So ein Fun-Racer lebt bekanntlich nicht nur von seinen grundlegenden Spielmechaniken. Die sind bei Team Sonic Racing nämlich großartig. Ihr wählt einen von 15 Fahrern aus dem Sonic-Universum und brettert dann über herrlich bunte Fantasiestrecken. Fahrt ihr über Fragezeichen, bekommt ihr ein zufälliges Item, das ihr dann gegen eure Feinde einsetzen könnt. Darunter gibt es so ziemlich alles, was es auch in Mario Kart gibt, nur halt in anderer Form. Aus dem roten Schildkrötenpanzer wird die Rakete, aus der Bananenschale eine blaue Schachtel. Das wirkt teilweise schon etwas sehr dreist ... geborgt, aber hey, wenn's denn funktioniert ...

Was dagegen weit weniger gut funktioniert, ist das Streckendesign. Von Mario Kart ist man es gewohnt, dass die Strecken recht abwechslungsreich sind. Schnelle Strecken mit größeren Höhenunterschieden wechseln sich mit flacheren und weitläufigeren ab. In Team Sonic Racing sehen die Strecken zwar schon sehr unterschiedlich aus, spielen sich aber allesamt recht ähnlich. Es gibt Sprungschanzen, Gravitationsspielereien, von allem reichlich und gefühlt alles in jedem Spielabschnitt. Das hat leider dafür gesorgt, dass mir keine der insgesamt 21 Strecken wirklich im Gedächtnis geblieben ist, alles fühlt sich irgendwie sehr ähnlich an. Stark überzogen ist zudem die Gummiband-KI von Team Sonic Racing, die dazu führt, dass sich der Fahrerpulk immer wieder genau gleich sortiert und wenn ihr nicht kurz vor Ende des Rennens mittels Item eingreift, wisst ihr meistens schon vorher, wie ein Rennen ausgehen wird, von eurer eigenen Platzierung mal abgesehen.

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... fahrt ihr aber daneben, werdet ihr unter Umständen schnell abgehängt. (Team Sonic Racing - Test)

Team Sonic Racing führt aber auch Neues ein: eine Team-Mechanik nämlich. Ihr gehört stets zu einem Trio an Fahrern. Deren Punkte werden nach jedem Rennen addiert und wer am Ende eines Grand Prix die meisten Punkte hat, gewinnt das ganze Fest. Punkte gibt es natürlich für die Platzierung im jeweiligen Rennen, aber beispielsweise auch für gesammelte Ringe. Die verliert ihr übrigens Sonic-typisch nach einem Treffer, weshalb ihr schon froh sein müsst, wenn ihr eine höhere zweistellige Zahl ins Ziel bringt. Denn bei Team Sonic Racing ist es wie bei Mario Kart. Ihr werdet oft von irgendwas getroffen und könnt nicht wirklich was dagegen tun. Den blauen Schildkrötenpanzer gibt es zwar nicht, aber gegen so eine gut abgefeuerte Rakete könnt ihr letzten Endes auch nicht viel machen.

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Diese Team-Mechanik ist im Singleplayer recht seltsam, weil ihr manchmal nicht gewinnt, obwohl ihr immer Erster werdet, einfach, weil der Computer schlecht fuhr. Im Multiplayer wird das aber zu einem großen Spaß, weil ihr dann nämlich aktiv zusammenarbeiten könnt, etwas, das in Mario Kart praktisch nicht geht. Aktiv zusammenarbeiten heißt in diesem Fall auch, im Windschatten des jeweiligen Teammitglieds zu fahren. Denn: Wer erster eines Teams ist, zieht eine gelbe Spur hinter sich her. Fahrt ihr darin, werdet ihr schneller, fahrt ihr danach wieder aus ihr heraus, bekommt ihr einmalig einen zusätzlichen Boost. Der führt sehr oft dazu, dass ihr den ersten eures Teams überholt, was bedeutet, dass ihr selbst die gelbe Spur hinter euch herzieht. Nutzt ihr das effizient, könnt ihr euch permanent gegenseitig nach vorne katapultieren. Eine wirklich sehr schöne Mechanik.

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Im Story-Modus schaltet ihr nach und nach Herausforderungen frei. (Team Sonic Racing - Test)

Ebenfalls für Teamplayer ist das Feature, das es zulässt, Gegenstände zu tauschen. Das geht per Knopfdruck, wobei ihr im Spiel gegen den Computer immer wieder Items angeboten bekommt. Auch hier gilt aber: Im Multiplayer (für bis zu vier Spieler im Splitscreen) ergibt das deutlich mehr Sinn, denn dann könnt ihr beispielsweise einem weit hinten liegenden Kollegen einen Turbo zuschustern oder alternativ dem vorne fahrenden ein defensives Item zukommen lassen. Am besten funktioniert das wie gesagt lokal, wenn ihr euch gegenseitig zurufen könnt, was ihr gerade bräuchtet.

Als sehr nett empfunden habe ich, dass das Spiel sogar eine kleine Kampagne enthält. Ihr bewegt euch über eine 2D-Oberwelt und wählt dort verschiedene Herausforderungen. Neben klassischen Einzelrennen und Rennserien warten dort auch Herausforderungen auf euch, bei denen ihr etwa innerhalb einer bestimmten Zeit eine Anzahl Ringe sammeln müsst. Das lockert den Singleplayer merklich auf und sogar eine kleine Story gibt es dazu.

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Besonders viel Spaß macht Team Sonic Racing im lokalen Multiplayer. (Team Sonic Racing - Test)

In jedem Rennen verdient ihr außerdem Punkte, die ihr - Vorsicht, Reizwort! - dann in Loot-Boxen investieren könnt. So tragisch ist das hier aber nicht, weil ihr sie nämlich nicht für Echtgeld kaufen könnt. In diesen Boxen findet ihr Teile für eure Karts, die beispielsweise die Höchstgeschwindigkeit erhöhen, dafür aber die Beschleunigung ein bisschen langsamer werden lassen, es gibt immer Vor- und Nachteile und natürlich ändern diese Elemente eure Karts auch optisch. Wenn ihr euch also schon immer mal eine gülden glänzende Proletenkarre basteln wolltet und dann Sonic hineinsetzen: Das ist euer Spiel! Natürlich könnt ihr aber nicht nur Sonic, sondern eine von 15 Figuren aus dessen Spielewelt hineinsetzen, darunter etwa Tails und Dr. Eggman.

Ein Wort verlieren möchte ich noch zum Soundtrack. Der enthält zwar keine Melodien, die euch wirklich langfristig im Kopf hängen bleiben, aber während ihr spielt, passen die teils rockigen, teils Elektro-Songs schon sehr gut. Blöd nur, dass sie immer wieder von Sprachausgabe unterbrochen werden. Eure Teamkollegen kommentieren wirklich jede Kleinigkeit und wie schon beschrieben - die deutsche Sprachausgabe kommt teilweise schon sehr kindlich daher, so dass ihr manchmal das Gefühl habt, zwar einen schönen Fun-Racer zu spielen, aber eine Kinderserie zu hören.

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Mit euren verdienten Punkten könnt ihr Fahrzeuge aufrüsten. Sonic ist hier schon relativ gülden unterwegs. (Team Sonic Racing - Test)

Hat mir Team Sonic Racing Spaß gemacht? Ja, sehr viel sogar. Die Entwickler haben einige spannende Ideen umgesetzt, etwa das Rennen als Team und den Story-Modus. Das funktioniert im Fun-Racer-Genre wirklich gut und fühlt sich erfrischend an, eine Runde Team Sonic Racing ist nie verkehrt. Das Spiel leidet nur daran, dass es dem großen Vorbild Mario Kart 8 sehr ähnlich ist - und unterm Strich eben doch nicht besser. Einerseits, weil die Strecken abwechslungsreicher sein könnten, andererseits aufgrund der ziemlich stoischen Gummiband-KI. Solltet ihr aber entweder längst genug von Mario Kart 8 haben oder keine Switch kaufen wollen, ist Team Sonic Racing für seine günstigen knapp 40 Euro sicher eine tolle Alternative.

Entwickler/Publisher: Sumo Digital/Sega - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: 21. Mai 2019 - Gestestete Version: PS4 - Sprache: deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Redakteur

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.