Observation hat den besten Start eines Videospiels seit langer, langer Zeit

Alien-Isolation-Fans aufgepasst: Dieser Sci-Fi-Thriller wird euch packen.

Wow, das kam komplett aus dem Nichts. Nach dieser Eröffnung musste ich erst einmal kurz Pause machen und mich kurz über das Team No Code schlaulesen, dem ich diesen stilvollen Low-Sci-Fi-Thriller zu verdanken habe. Was ich herausfand, rückt das Spiel in neues Licht. Einige der Entwickler haben unter anderem an Alien: Isolation mitgewirkt. Observation fängt auf seiner gleichnamigen, dem Untergang geweihten Raumstation das betont geerdete, nachvollziehbare Technikverständnis von Creative Assemblys Horrortitel perfekt ein.

Die Station, die im niedrigen Orbit um die Erde kreist, könnte schon heute existieren. Meint man jedenfalls. Keine futuristischen Hologramme, kein Touch-Quatsch oder künstliche Schwerkraft. Stattdessen Laptops an Wandhalterungen, Thermoskannen, die durch die Gegend schweben, persönlicher Tand von Crewmitgliedern, über deren Verbleib die Astronautin Dr. Emma Fisher nur Böses ahnen kann. Sie ist plötzlich allein hier. Zumindest fast, denn ihr seid ja auch noch da. In Form der Schiffs-KI namens SAM (Systems Administration and Maintenance).

Kameraeffekte_und_St__rungen_geben_Observation_seinen_unheimlich_realen_Look
Die Ausleuchtung und die Kameraeffekte und -Störungen sorgen für einzigartige Atmosphäre. Die Einrichtung der Station wird echt, funktional. (Observation)

Als das eigentliche Spiel losgeht, ist etwas längst gehörig schiefgelaufen. Ihr fahrt gerade wieder hoch, als ihr hört, wie Dr. Fisher (gespielt von Kezia Burrows, die in Alien Isolation die Amanda Riplay gab) in verzweifelten Hilferufen gen Houston ihre Panik nur mit Mühe im Zaum hält. Was ihr seht? Nur den leeren Raum vor euch, spärlich erleuchtet. Wie ein Suchscheinwerfer huscht ein Strahl Sonnenlicht wieder und wieder von oben die Wand rechts hinunter. Das bedeutet: Die Raumstation dreht sich. Und zwar schneller als sie sollte.

Als von Houston keine Antwort kommt, versucht Dr. Fisher, über Stimmkommandos in eure Richtung die Autorisation über die Schiffssystem zu erlangen. Dafür braucht sie euer O. k. Eure erste Interaktion mit dem Spiel überlässt euch, ob ihr sie nach Analyse ihres arg verzerrten Stimmmusters gewähren lasst oder sie bittet, das Kommando zu wiederholen. Natürlich helft ihr - auch wenn ihr harte HAL-9000 Vibes bekommt, als ihr das erste mal die R-Taste haltet und meldet, dass ihr Betriebsbereit seid: "I am here."

Wie es scheint, seid ihr in Modul 8 gebootet, ohne Möglichkeit, euch selbst in andere Teile der Raumstation zu verlagern. Offenbar hat das Ereignis euch schwerer beschädigt, als ihr ahnt. Fisher holt euch mit etwas Programmierarbeit nach Sektion 9, von wo aus - sagt sie - ihr Zugang zur Systemdiagnostik bekommen solltet.

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Aber steht ihr zwei wirklich auf derselben Seite? Oder ist das nur meine KI-Paranoia, die ich gerade spüre?

Sie behält recht. Ihr fahrt die Diagnostik hoch und bekommt euren ersten Eindruck davon, wie das weitere Gameplay verlaufen wird: Seichte Rätsel, Beobachtungs-Checks und ein wenig Navigation im luftleeren Raum. Ihr öffnet Türen, aktiviert Stationssysteme, zum Beispiel um Feuer zu löschen, und ruft die Blaupause der Observation auf, um den Status der einzelnen Module auszulesen. Ihr wechselt von Kamera zu Kamera, greift auf Terminals zu, um ihre Funktionen zu aktivieren oder scannt bestimmte Dokumente, um den zerstörten Speicher SAMs wieder ein Stück weit aufzufrischen. Es bleibt auf der Suche nach der Wahrheit - und einen Weg in Sicherheit - fortwährend auf dem Teppich, wirkt auf erfrischende Weise nie videospielig durchsystemisiert und kein Rätsel stoppt euch wirklich. Lediglich ab und an kann man einen Hinweis übersehen oder sich nach einem gesuchten Gegenstand etwas länger umschauen, als es dauern müsste.

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Das Spiel versprüht schon in diesen ersten fünf Minuten eine wahnsinnig intensive Atmosphäre, auch wenn ihr zunächst nichts weiter tut, als Emma Druck, Verbindungsstatus der Segmente zueinander, Stromversorgung und Zugänge zu den Stationssystemen von der Schmematik der Station durchzugeben. Als ihr entdeckt, dass die Modulverbindung zwischen Abschnitten 10 und 12 nicht mehr gegeben ist und sich Modul 12 jeden Moment von der Station ablösen könnte ... Nein. Das wird nicht verraten. Nur, dass es für mich einer der stärksten Starts eines Spiels ist, seit ich in Doom 2016 im Aufzug die Schrotflinte durchladen durfte.

Observation_l__sst_euch_die_Schiffssysteme_untersuchen
Die Kartenansicht der Schiffssysteme ist exzellent gemacht. Ihr fühlt euch beinahe wirklich wie der Schiffscomputer.

Jeder sollte selbst erleben, wie Observation nach Art eines guten, angenehm geerdeten Space-Thrillers seine spezielle Marke Spannung erzeugt. Ich habe in den ersten 25 Minuten zwei Momente erlebt, die mich schlichtweg sprachlos zurückgelassen haben und hätte ich vorher darum gewusst, der Effekt wäre nicht der gleiche gewesen.

Hier also meine Empfehlung: Ihr holt euch Observation am PC für 18,99 Euro - sorry, nur Epic Store - oder für etwa 20 auf PS4, vergesst, dass ich was von Spannung und "What-the-fuck"-Momenten geschrieben habe und drückt euch dann am besten dieses Wochenende noch irgendwann Abends die Nase am Bildschirm platt, um dieses edle Stück Science-Fiction voll einzusaugen. Am besten mit lauten Kopfhörern auf den Ohren und einem Getränk, das für euch gleichbedeutend mit Gemütlichkeit ist, auf dem Tischchen neben euch.

Ihr werdet es nicht bereuen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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