Das Indie Roundup: Kämpfe im Mittelalter, gegen Pixelmonster und im Rhythmus von Elektromucke

Nehmt es mit den Wikingern auf, spielt als betrunkene Ziege und tanzt als Würfel virtuell im Rhythmus.

In unserem Indie-Roundup präsentieren wir euch einmal die Woche (meist) aktuelle Indie-Spiele, die ansonsten in der Masse der Releases leicht untergehen könnten.

Ancestors Legacy

Wuchtiges Massaker im Mittelalter

Ist auf dieser Welt noch Platz für ein weiteres Echtzeitstrategiespiel? Ja, sage ich, zumindest, seitdem ich Ancestors Legacy gespielt habe. Gar nicht so sehr, weil sich hinter diesem Titel großartige neue Spielmechaniken verbergen, nein, es handelt sich im Wesentlichen um ein ins Mittelalter versetztes Company of Heroes. Es ist mehr die Art der Präsentation, die dieses Spiel für mich ausgemacht hat, seine skrupellosen Schlachten und das blutige Aufeinandertreffen größerer oder kleinerer Truppenteile. In zahlreichen Missionen verkörpert ihr Angelsachsen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, Slawen und Sarazenen.

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So muss das aussehen, wenn die Wikinger über ein Dorf herfallen.

Und, und das nicht zuletzt, sondern gleich zu Beginn, die Wikinger. So dürft ihr euch im Übrigen auch benehmen, denn etwas wie die Genfer Konvention gibt es selbstredend noch nicht, also dürft ihr plündernd und brandschatzend durch die Lande ziehen. Besonders beeindruckend ist es immer wieder, wenn zwei Armeen aufeinandertreffen. Es ist wunderbar sichtbar, welche gerade überlegen ist, wie die eine die andere wegschiebt. Ein Traum ist es, wenn ein paar schwer gepanzerte Ritter in einen Haufen leichte Infanterie rennen, die fliegen dann nämlich nur so durch die Gegend. Anders sieht es aus, wenn die gleichen Ritter beispielsweise gegen Speerkämpfer antreten - ein typisches Schere-Stein-Papier-Prinzip, ja, aber eins, das selten so gut inszeniert wurde wie hier. Das hier wirkt eben gerade nicht, als könnten alle Figuren auf dem Schlachtfeld auch durch Ascii-Zeichen ersetzt werden, es fühlt sich an, als hätte hier alles ein Eigenleben, die Bewegungen wirken natürlich und wenn so ein Wikinger durch die Gegend fliegt und auf seinem Genick landet, dann tut das Zuschauen fast schon weh.

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Und weil die alten Rittersleut sich natürlich auch nicht nur geprügelt haben, gibt's auch einen reduzierten Basisbau, wobei ihr die Gebäude nur an dafür vorhergesehene Plätze stellen könnt. Auch gewinnen eure Truppen an Erfahrung, ihr könnt sie dann spezialisieren und wieder frisch gestärkt in die nächste Schlacht schicken. Denn letzten Endes geht's eben doch hauptsächlich darum - und während sich der Verlauf der Kampagnen relativ linear anfühlt, müsst ihr bei den einzelnen Gefechten schon aufpassen, was ihr tut. Weil: Ihr könnt auch aus Versehen eure eigenen Truppen treffen. Mit einem Trupp Bogenschützen wüst mitten in ein Nahkampfgefecht hineinschießen, ist also nicht das schlauste. Gemacht habe ich das zu Beginn natürlich trotzdem. Und kam mir anschließend vor wie der dümmste mittelalterliche Feldherr aller Zeiten. Darauf ein Schluck aus meinem Horn!

Preis: 29,99 Euro
Erhältlich für: PC, Xbox One soll folgen

Warlocks 2: God Slayers

Allzu generischer Name - aber mit betrunkener Ziege!

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Meine Schamanin im Kampf - in ihrer eigenen Blutlache. (Warlocks 2: God Slayers)

Manchmal frage ich mich ja schon, ob es für Spiele eigentlich so etwas wie einen Namensgenerator gibt. Und, falls es sowas gibt, warum ihn jemand benutzt. Im Fall von Warlocks 2: God Slayers ist das nämlich augenscheinlich passiert und der Titel verrät so rein gar nicht, dass sich dahinter ein wirklich charmantes Sidescroller-Pixel-Rollenspiel verbirgt, das noch dazu eine Menge trockenen Humor mitbringt. Ihr selbst seid ein Hexenmeister (oder eine Hexenmeisterin) und müsst, ähm, die Götter entthronen. Einer der Hexenmeister ist übrigens eine betrunkene Ziege. Warum, das weiß ich auch nicht so genau, aber warum, das ist auch wirklich egal. Denn bei Warlocks 2 könnt ihr euch mit bis zu vier Spielern gleichzeitig im lokalen Koop durch hübsch gepixelte 2D-Umgebungen prügeln und zaubern und erledigt neben mehreren Hauptquests meist auch einige Nebenaufgaben. Mein Herz ging etwa auf, als ich mit meiner Schamanin eine Herde niedlicher Kuhmammuts zurück in ihr Dorf eskortieren durfte. Schaut sie euch an, sind sie nicht herzallerliebst?

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Majestätische Kreaturen! (Warlocks 2: God Slayers)

Aber auch abgesehen von solchen Nettigkeiten, Warlocks 2 macht einfach Spaß. Gegner lassen einen Haufen nützlicher Items fallen, Stufenaufsteige gibt es ebenfalls in relativ engem Takt und allein deshalb spürt ihr förmlich wie ihr immer stärker werdet - selbst als betrunkene Ziege übrigens. Pixelgrafik und Animationen wissen zu gefallen und vor allem die Kämpfe gegen größere Bosse sind mächtig spannend. Außerdem gibt's auf jeder Karte viel zu erkunden und an jeder Ecke irgendwas zu entdecken. Und: Hab ich schon erwähnt, dass ihr als betrunkene Ziege spielen könnt? Es gibt Fernangriffe, Nahkampfangriffe, Zaubersprüche - was ihr euch nur wünschen könnt. Alles wunderhübsch gepixelt, leicht zugänglich aber nie zu leicht.

Falls euch die 2 im Namen wundert. Warlocks 2: God Slayers ist die Fortsetzung von einem Titel namens Warlocks vs. Shadows. Das müsst ihr aber nicht weiter kennen, dessen Geschichte spielt hier keine Rolle. Erfreut euch stattdessen daran, euch nach jeder Mission ein paar Minuten den hervorragenden Soundtrack anzuhören - ihr dürft euch von der Band in eurer Lieblingsbar sogar ein Lied wünschen. Besonders viel Spaß macht God Slayers zwar im oben erwähnten Koop - aber ich hatte selbst im Einzelspieler-Modus eine tolle, unbeschwerte Zeit damit. Dank Kuhmammuts, betrunkener Ziege und trotz extrem generischem Namen.

Preis: 17,99 Euro
Erhältlich für: PC, Switch

Vectronom

Der Rhythmus, bei dem man mit muss

Der Kölner Entwickler Ludopium macht laut Selbstbeschreibung "Crazy music games!" (mit Ausrufezeichen, ganz wichtig). Ob Vectronom jetzt wirklich so crazy ist, vermag ich nicht zu beurteilen, ein interessantes Spielkonzept verbirgt sich hier aber allemal. Ihr steuert eigentlich nur einen Würfel, der sich von Feld zu Feld bewegt und ein Ziel erreichen muss und das fühlt sich frustrierend und unfair an - solange ihr die Musik nicht anhabt. Dreht ihr die Lautstärke aber hoch, bekommt ihr nicht nur tolle treibende Elektrobeats zu hören, ihr wisst auf einmal auch viel besser, wann ihr euch bewegen solltet und wann nicht.

Denn die Level in Vectronom sind natürlich voller Fallen, vornehmlich Stacheln und Abgründe. Die erscheinen und verschwinden wieder, aber sie machen das im Takt. Viel besser als auf euer Auge könnt ihr euch also darauf verlassen, dass es immer in einem bestimmten Moment des Soundtracks sicher ist, eine bestimmte Stelle zu überqueren. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ihr das schafft und ihr fühlt euch dann fast, als würdet ihr virtuell tanzen - so sehr man sich als Würfel halt so fühlen kann. Aber ja, es hilft wirklich, im Takt mit den Füßen zu wippen und den Titel von vorne bis hinten in diesem Rhythmus zu spielen. Dafür gibt's nach Abschluss eines Levels auch Punkte.

Tanzen könnt ihr im Übrigen auch zusammen mit menschlichen Mitspielern, denn Vectronom bietet auch einen lokalen Koop-Modus. Erschienen ist Vectronom sowohl für den PC als auch auf der Switch, bei letzterer auch sehr gut für den Handheld-Modus der Konsole geeignet. Nur solltet ihr da besser einen Kopfhörer verwenden. Und falls nicht: Fragt eure Mitfahrer in der U-Bahn zumindest, ob sie Lust haben, bis zur nächsten Haltestelle mit euch zu tanzen.

Preis: 9,99 Euro
Erhältlich für: PC, Switch

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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