E3 2019 - FIFAs Legacy Edition beweist: Nicht alles ist "besser auf Nintendo Switch"

"Die Leute kaufen keine abgespeckten Versionen" - "Okay, specken wir weiter ab!"

Eine der unschöneren Traditionen im Sportspiel-Segment sind "Legacy" Editionen - und ich bin gerade nicht sicher, wie das bei PES hieß. Aber ihr erinnert euch: Seit einer ganzen Weile schon versorgen EA und Konami die jeweils aktuelle "Last-Gen"-Konsole mit einer eigenen Version, an denen abseits aktueller Trikots, Lizenzen und Spielertransfers im Vergleich zu den Vorjahren wenig wirklich neu ist.

All die coolen neuen Features, die in Trailern und auf Messen wie der E3 genussvoll der neugierigen Fangemeinde präsentiert werden und die Lust auf darauf machen, auch dieses Jahr auf die nächste Jahreszahl umzusteigen, sind in der Regel nicht mit von der Partie. Die Zielgruppe für Legacy-Editionen sehen aber trotzdem dieselben Trailer und denken sich, "vielleicht dieses Jahr mal auf der Switch?"

Was man dann jedoch kauft, sind von B- und C-Teams größtenteils nur minimal optimierte Sparversionen. Und die kosten dann, wie im Fall von FIFA 19 für die PS3 (PES lieferte mit der 2018er Version das letzte Mal ein Spiel für Sonys 13 Jahre alte Konsole aus) natürlich immer noch 50 Euro. Und machen wir uns nichts vor: "Nice Price" ist das nicht.

Das, meine Damen und Herren, ist FIFA 20. Nicht zu verwechseln mit FIFA 20.

Schon in den beiden letztjährigen Versionen für die Switch (18 und 19) konnte man Parallelen zu den Legacy-Varianten ziehen. Wenig Neues, andere Engine, seltsam vertrautes Spielgefühl, allgemein der Eindruck, etwas Aufgewärmtes und Beschnittenes zu bekommen. Selbst für 50 Euro fühlte man sich noch als User zweiter Klasse. Aber immerhin ein paar Dinge aus den "großen" Versionen haben sie versucht zu integrieren. Damit ist jetzt Schluss. Seit gestern steht der Switch-Support FIFAs offiziell dem Legacy-Abstellgleis.

Sicher, ich bin auch kein Betriebswirt (ein paar Semester fehlen) und es wird definitiv Kalkulationen geben, die in dieser Hinsicht Sinn ergeben. Die der User ist aber die mit der meisten Räson: "50 Euro für ein Spiel, das quasi unverändert zum letzten Jahr ist, während ich für 10 Euro mehr alle Neuerungen plus den coolen Straßenfußball-Modus auf den anderen Plattformen bekomme?" Viel effektiver kann man den Reiz der Nintendo Switch nicht kastrieren.

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'Alex Hunter aus dem exzellenten The Journey Modus. Kennt ihr nicht!? Seid ihr Switch-Spieler oder was?!'

Und das ausgerechnet in diesem Jahr, wo Voltas Spaßfußball doch wie prädestiniert scheint für eine schnelle Unterwegs-Runde mit Freunden, am besten am Rande des Hartplatzes an der Autobahnunterführung, wie die Trailer vor dem Launch der Switch uns das immer verkaufen wollten.

Man hätte das auf zwei Arten richtig machen können: Zum einen ... nun ja ... so wie sie es jetzt machen, nur zu einem bedeutend schmaleren Preis. Oder - riskanter - als komplette Eigenentwicklung, mit anderem Grafikstil, betontem Spaß-Fokus und ein paar lustigen Steuerungseinfällen für die Switch zu einem normalen Preispunkt. So hätte man wenigstens ein wenig Distanz zum "richtigen" FIFA geschaffen und würde von den Fans eher für voll genommen.

Dass EA sich jetzt zum Schritt Richtung Switch-Legacy-Version gezwungen sieht, beweist nur eines: Die Spieler haben die letzten Jahre hindurch signalisiert: Sie wollen keine abgespeckten Versionen von Sportspielen. Die Katze beißt sich in den Schwanz, nicht wahr?

Entwickler/Publisher: EA Erscheint für: Nintendo Switch, PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 27. September - Angespielt auf Plattform: -

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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