F1 2019 - Test: Aufgehübscht, Detailverbesserungen und jetzt mit der Formel 2

Einiges läuft besser, anderes stagniert.

Es ist immer aufs Neue ein Nervenkitzel. Eins nach dem anderen gehen die roten Lichter der Startampel an, bis alle aufleuchten. Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt und der Zeigefinger auf dem rechten Trigger weist nervöse Zuckungen auf. Dann gehen die Lichter aus, das Rennen ist eröffnet. Erst langsam und dann immer schneller setzen sich die Rennwagen in Bewegung. Das Feld ist dicht beieinander und rast auf die erste Kurve des Kurses Circuit Paul Ricard in Frankreich zu. Links und rechts von mir sprinten die beiden Red Bull an meinem Ferrari vorbei, nehmen mich ins Sandwich.

Vettel biegt in die erste Kurve ein, dahinter die beiden Red Bull mit mir dazwischen. Mein Frontflügel nimmt dabei leichten Schaden und ich gebe mich vorerst mit Rang vier zufrieden. In den folgenden Runden gelingt es mir, mich auf Platz zwei nach vorne zu kämpfen, bis ich es schaffe, Vettel an der Spitze hinter mir zu lassen. Nicht lange, denn in der nächsten Runde setzt er sich erneut vor mich, da ich mir den Frontflügel beim Überholmanöver weiter beschädigte. Ich arbeite mich mit dem leicht beschädigten Wagen heran und durch den Zweikampf wittert Max Verstappen seine Chance, zieht an mir vorbei.

Bis zum Ende des Rennens zieht sich das, bis ich in der allerletzten Kurve ein gewagtes Überholmanöver starte, spät mit dem Finger auf der Bremse in die Kurve vor mir schieße und dabei Verstappen mit Glück nicht von der Strecke ramme. Trotz eines kurzen Ausflugs von der Strecke reicht es, um mir noch Platz zwei zu holen. Und das war ein spannenderes Hin und Her, als es derzeit in der realen Formel 1 der Fall ist. Wenngleich es nicht in jedem Rennen in F1 2019 so abläuft. Es war das spannendste, was ich bis jetzt erlebte.

Im Regen von Montreal. (F1 2019 - Test)

Wenn ihr euch wie ich wundert: Ja, Codemasters' F1-Spiel ist in diesem Jahr zwei Monate früher dran als gewohnt, ich hatte es ebenso vergessen. Kennt ihr den beziehungsweise die Vorgänger, habt ihr direkt das vertraute Fahrgefühl, wenn ihr in einen der virtuellen Wagen steigt. Das ließe sich kritisch sehen, spricht es eher dafür, dass sich wenig verändert zu haben scheint. Das Gegenargument: Es funktioniert, warum großartig was daran ändern?

Erwartet euch von F1 2019 ebenso wenig eine spielerische Revolution wie von einem neuen FIFA. Es gibt Detailänderungen hier und da, ein paar Neuerungen und das alles verpackt mit den Lizenzen der neuen Saison. Die größte Neuerung ist die Einführung der Formel 2. Hier habt ihr die Möglichkeit, diese Rennserie als Startpunkt für eure Karriere zu verwenden - wenn ihr möchtet, keiner zwingt euch dazu. Wenngleich die Implementierung weniger spektakulär ausfällt als erhofft.

Entscheidet euch für diese Option, gilt es, eine Reihe von Herausforderungen in drei F2-Rennen zu absolvieren. Dabei nehmt ihr an der 2018er Saison teil, in der Fahrer wie Lando Norris und Alex Albon, die jetzt in der Formel 1 unterwegs sind, noch in F2-Wagen saßen. Keine Sorge, Codemasters liefert die 2019er Saison der Formel 2 später per Update nach. Wann, ist noch offen.

F1_2019_Test_Enge_Angelegenheit
Der Start ist immer eine haarige Angelegenheit. (F1 2019 - Test)

In der aktuellen Form ist die Formel-2-Karriere nach weniger als einer Stunde vorbei, was nicht viel mehr Inhalt in der Karriere bedeutet. Abseits des primären Karrieremodus erwartet euch als Ersatz ein F2-Saison-Modus, der mit der Karriere nichts zu tun hat. Wie gesagt, es ist schade, dass die F2 in der eigentlichen Karriere keine größere Rolle spielt. Das möchte nicht zwingend jeder haben, als optionaler Punkt wäre es aber eine coole Sache gewesen. Nächstes Jahr dann?

Nett: In den Zwischensequenzen habt ihr mit eurem Teamkollegen Lukas Weber und eurem Rivalen Devon Butler zwei zusätzliche Charaktere, die euch begleiten, wenn ihr in der Formel 2 loslegt. Sie steigen nach dem Beginn der Karriere mit euch in die Formel 1 auf und ersetzen zwei der anderen Fahrer. Das ist in seiner Gesamtheit nichts Spektakuläres, aber es muss ja auch nicht alles gleich spektakulär sein. Und Reporterin Claire kehrt ebenso zurück und stellt ihre zum Teil dämlichen Fragen. Yay. Ernsthaft: Neben ein paar vernünftigen Interviewfragen und Antworten gibt es häufig genug unpassende Fragen und Reaktionen darauf, die mit meinem Rennerlebnis wenig zu tun haben. Wie im letzten Jahr. Schade, dass es hier nach allem Anschein keinen Feinschliff gab.

Ansonsten präsentiert sich der Karrieremodus so, wie ihr ihn kennt. Die Reaktionen in Interviews wirken sich auf euren Ruf beim eigenen Team und den Konkurrenten aus, ihr betreibt Forschungsarbeit mit verdienten Punkten und absolviert Trainingssessions, das Qualifying und als Höhepunkt das jeweilige Rennen. Das alles einmal mehr individuell anpassbar mit verschiedenen Renndistanzen, Regelauslegungen, Schaden und so weiter. Von komplett manuell bis So-gut-wie-Autopilot ist alles möglich.

F1_2019_Unterwegs_in_China
China ist einer der vielen Austragungsorte. (F1 2019 - Test)

Neben dem Herzstück des Spiels absolviert ihr einzelne Meisterschaften und Rennen oder geht auf die Jagd nach der besten Rundenzeit. Die echten F1-Nerds haben die Möglichkeit, sich die F1- und F2-Wagen im Detail und in aller Ruhe anzuschauen, weiterhin ist es möglich, sich die Highlights absolvierter Rennen später noch einmal zu Gemüte zu führen. Für die besonderen Momente und Erfolge.

Das Fahrgefühl hängt zum einen natürlich davon ab, in welchem Wagen ihr sitzt. Die Fahrzeuge liegen insgesamt gut auf der Strecke und lassen sich präzise um die Kurse legen, gefühlt mit mehr Grip als letztes Jahr. Die Rennwagen der Formel 2 und die klassischen Fahrzeuge sind erwartungsgemäß langsamer unterwegs. F1 2019 profitiert insgesamt von der Vorarbeit, die Codemasters in den letzten Jahren geleistet hat. Dazu zählen die Qualität der KI, mit der ihr euch spannende Zweikämpfe liefert, und die Liebe zum Detail, die sich in verschiedenen Bereichen äußert. Fahrt zu lange hinter einem Konkurrenten und euer Wagen kühlt nicht mehr so gut ab, ebenso managt ihr ERS und DRS, seid immer auf der Suche nach der Lücke und Überholmöglichkeiten. Das Fahren macht einfach Laune.

Technisch hat Codemasters erneut eine Schippe drauf gepackt, was sich zum Beispiel in der besseren, feineren Darstellung von Licht und Schatten äußert. Die Fahrzeuge strahlen den Glanz der Königsklasse aus, sind bis ins Detail modelliert und die Umsetzung der Schauplatz fällt ein Stück weit detaillierter aus. Optisch gibt es wenig zu meckern und soweit ich es bisher erlebt habe, flutscht alles (auf der Xbox One X) flüssig über den Bildschirm.

Wer doch mal in einen Gegner kracht, kann - sofern aktiviert - die Rückspulfunktion nutzen. (F1 2019 - Test)

Im Multiplayer erwartet euch unter anderem ein neues Ligasystem und ein verbesserter Modus für Rennhighlights, was dem gesteigerten E-Sport-Fokus der Reihe zugutekommt und vor allem die professionellen Fahrer freut. Des Weiteren rückt die optische Individualisierung stärker in den Fokus. Es gibt individuelle Lackierungen, Rennanzüge und Helme. Es ist nicht mehr länger eine virtuelle Cosplay-Veranstaltung, ihr erstellt Fahrer und Fahrzeug optisch nach euren Vorstellungen. Bei vielen Optionen ist zuerst eine Freischaltung nötig. Das geschieht durch eine In-Game-Währung, die ihr im Spiel anhäuft. Einzelne Dinge scheinen aber allein über Mikrotransaktionen verfügbar zu sein. Die Kosten belaufen sich dabei auf je 1,19 Euro für Anzüge, 1,79 Euro für Helmdesigns, 2,39 Euro für Fahrzeuglackierungen und 0,99 Euro für Fahrerabzeichen. Ob es das jetzt gebraucht hätte...

Das richtige Werkzeug ist bei der F1 alles. Hier findet ihr die besten Lenkräder für PS4 und PC.

Und natürlich gibt es in diesem Jahr erneut eine Extra-Edition, bei denen diesmal die Legenden Ayrton Senna und Alain Prost im Fokus stehen. Kauft ihr diese Variante des Spiels, erhaltet ihr Zugriff auf das entsprechende Paket - das darüber hinaus einzeln käuflich zu erwerben ist - mit acht Herausforderungen, exklusiven Multiplayer-Fahrzeuglackierungen und habt die Möglichkeit, mit dem Aussehen von Senna und Prost in der Karriere zu fahren.

Ich kämpfe mich derzeit nebenbei durch The Crew 2 und uff, ist das viel Holz... Und dabei habe ich Forza Horizon 3 und 4 noch nicht angerührt. Und Forza 7. Zwischen diesen ausufernden Rennspielen freue ich mich über das fokussierte, übersichtliche F1-Spiel von Codemasters. F1 2019 baut auf dem gut funktionierenden Vorgänger auf und übernimmt viele Dinge, verbessert manche davon - Grafik, KI, Fahrverhalten - und andere nicht, zum Beispiel die nervige Reporterin. Schön ist die Ergänzung der Formel 2, auch wenn ihre Implementierung in der Karriere ein wenig knapp ausfällt. Ob das für euch einen Kauf rechtfertigt, ist eine Frage, die ihr für euch beantworten müsst. Wer ein F1-Spiel mit den aktuellsten Daten haben möchte, kommt nicht um den neuesten Serienableger herum. Und der macht seine Sache insgesamt gut, ist angenehm zu steuern und verspricht spannendere Unterhaltung als derzeit die echten Rennen.

Entwickler/Publisher: Codemasters - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: 47 bis 73 Euro (abhängig von Plattformen und Jubiläums/Legends Edition) - Erscheint am: erhältlich in der Legends Edition, Jubiläums Edition ab dem 28. Juni - Getestete Version: Xbox One - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: Ja (Multiplayer, kosmetisch)

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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