Devil May Cry auf Switch und warum diese Serie immer frisch bleiben wird

Auch wenn's mal wieder viel zu teuer ist.

Ich will ehrlich sein: Ich habe länger kein Devil May Cry mehr gespielt und auch Bayonetta schon eine Weile nicht mehr angefasst. Die vergangenen Jahre und Monate an Soulsborne-Spielen hatten also längst ihre Spuren hinterlassen, als ich die Switch-Version des ersten PS2-DMC anging, die dieser Tage erschien. Aber meine Güte, hatte ich direkt wieder Spaß mit Dante. Und das liegt vor allem an einer Sache.

Ich hatte tatsächlich irgendwie verdrängt, dass es in Devil May Cry weder einen Block noch eine dedizierte Dodge-Taste für flinke Ausweichrollen gibt. Klar, Letzteres ist möglich, aber fummelig: Zieltaste halten, Stick zur Seite - relativ zum Charakter - und Sprung drücken. Nach kurzer Eingewöhnung kam ich aber immer besser damit klar, weil ich verstand, was das Spiel mir sagen wollte: "Geh nach vorne, Du verdammter Feigling und diktier' gefälligst den Rhythmus dieses Kampfes!"

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An die Hideki-Kamiya-Weirdness musste man sich damals erst gewöhnen. Ein schöner Wegweiser, wo es irgendwann mal mit PlatinumGames hingehen würde, ist das Spiel aber auf jeden Fall.

Es ist eine komplett andere Denke, die Devil May Cry einem vorlebt, und sich durch alle Teile des Spieldesigns zieht - bis runter zu Dantes Charakterzeichnung als endlos unbeirrbare Kampfmaschine, für die das Gemetzel so selbstverständlich ist, dass sie eigentlich nur drüber lachen kann. Ich weiß, wir lieben Souls und alles, was in die Richtung geht, gerade weil wir uns von Character-Action-Spielen wie diesem hier mal entschleunigen wollten.

Nach langer Abstinenz wieder hierher zurückzukehren, ist wie an einem unerträglichen Sommertag wie diesem einen Eimer köstliches kaltes Wasser ins Gesicht zu bekommen. Immer nach vorne, immer offensiv, bloß nicht die Kombo abreißen lassen und jede Sekunde Stille im Kampf mit dem Zischen kochenden Bleis füllen - es ist einfach wunderbar frisch, fließt toll vor sich hin und gibt direkt Feedback darüber, wie ihr euch so macht. Und noch was, das ich fast vergessen hatte: Wie gut die Karte doch eigentlich darin ist, euch immer in Bewegung zu halten. Auch hier: Vorwärtsgang rult, um mal angemessenen Anfang-2000er-Jargon zu verwenden.

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Das Szenenbild ist auch heute noch sehr stimmungsvoll.

Die Umsetzung auf die Switch lässt sich dabei wenig zu Schulden kommen. Außer natürlich der einen Sache, die wir in letzter Zeit so oft bei Switch-Umsetzungen schreiben müssen: Sie ist wieder einmal zu teuer. Es ist im Grunde der gleiche HD-Port des Klassikers, den auch die PS4 und Xbox One letztes Jahr bekamen. Nur dass Sony- und Microsoft-Spieler die komplette erste Trilogie für nicht mal 30 Euro erhielten - boxed wohlgemerkt -, wo Teil 1 auf der Switch mal wieder alleine 19,99 kostet. Wenn man woanders ein Paket bekommt, das für einen unwesentlichen Aufpreis den besten Serienteil (Nummer drei) gleich mit enthält, ist das einfach schwierig zu empfehlen.

Dem Spiel selbst schadet es nicht. Es ist die Sorte HD-Aufbereitung, die man kennt und schätzt, weil sie es erlaubt, das Ursprungsspiel endlich in einer Schärfe zu erleben, die mit alten Konsolen an neuen TVs schwerlich machbar ist - und in einer Bildrate, die das Spielerlebnis auch Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Erscheinen noch deutlich aufwertet.

Ein richtiges Remake der Marke Resident Evil 2 ist das hier nicht - was auch nicht weiter verwerflich ist, denn wie sich Capcom Devil May Cry in neuem Gewand vorstellt, das vermittelt auch DMC 5 ziemlich gut (lest dazu auch den Devil May Cry 5 Test, aber machen wir uns nichts vor, habt ihr ja sowieso schon)!

Der Punkt ist: Sobald man sich daran gewöhnt hat, ganz wie damals oftmals auf etwas zu schießen, das sich jenseits der voreingestellten Kameraperspektive aufhält, und sich darauf einigt, es eher mit dem Pro Controller als den Joy-Con anzugehen, spielt sich Devil May Cry wieder wie am ersten Tag und hat sich noch dazu weit besser gehalten, als ich befürchtet hatte. Lustig auch, es mit dem Bewusstsein noch einmal zu erleben, dass die Entwicklung als Entwurf für einen vierten Teil von Resident Evil begann.

Ist euch der Unterwegs-Faktor der Switch wichtig, kann man über den Kauf nachdenken oder wahlweise auf einen Sale warten. Pfeift ihr drauf, seid ihr mit der Devil May Cry HD Collection für PS4 und Xbox One, die Martin letztes Jahr testete, weit besser bedient.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: digital für Nintendo Switch, PS4, Xbox One Versionen in einer Collection erhältlich - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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