Rainbow Six' neuer Showdown-Modus: Viel schnörkelloser wird Siege nicht mehr

Lustig, dass das trotzdem funktioniert.

Ok, damit das erstmal vom Tisch ist: Natürlich ist auch der neue, zeitlich begrenzte Showdown-Modus von Rainbow Six Siege, wie schon Outbreak im letzten Jahr, nicht zuletzt eine Möglichkeit für Ubisoft, euch mithilfe seiner Alpha-Packs ein Sortiment kosmetischer Items feilzubieten, die es nur gibt, bis das Event am 16. Juli vorüber ist. Die sind thematisch im Wilden Westen angesiedelt und mal wieder leider ziemlich gut geworden, weshalb man sie natürlich gerne hätte.

Und natürlich schaltet man das eine oder andere so frei - aber am schnellsten und frustfreiesten bekommt man sie, wenn man echtes Geld bezahlt. Ich bin kein Fan davon, Rechnungen à la "Alles Showdown-Loot kostet zusammen 70 Euro" aufzumachen, denn das entspricht nicht der Realität der meisten Spieler, die erstens nicht alles haben müssen und zweitens dieses Spiel ohnehin so viel spielen, dass sie das eine oder andere Goodie kostenfrei als Spielbelohnung einstreichen werden. Aber es ist und bleibt eine philosophische Debatte, die sich nicht alleine im "Braucht/will man das Zeug überhaupt?" erschöpft.

7
Sechs Schuss in der Trommel des Revolvers, zwei im Gewehr. Diese Sorte Katz und Maus spielt sich komplett anders als man Siege üblicherweise kennt.

Ich persönlich halte mich von Bezahl-Skins, die ich nicht mit dem Renown-Spielgeld kaufen kann, fern und kann in Siege ganz gut damit leben - und deshalb auch neue Modi wie nun Showdown ganz gut genießen. Wo Outbreak noch darunter litt, dass es zwar eine nette und überraschend aufwendig umgesetzte Dreingabe war, aber nie aus dem Schatten vergleichbarer, besserer Spiele heraustreten konnte, ist dieser Wildwest-Modus nun eine erfreulich andere Art, dieses Spiel zu erleben. Dabei ist er deutlich simpler gehalten als das Koop-Gemetzel von Anfang letzten Jahres.

Ich meine, wie aufwendig kann es schon gewesen sein, mit Fort Truth eine verfallene Westernkulisse zu basteln, in der es einzig und allein darum geht, dass sich drei Räuber und drei Sherriffs ohne Vorbereitungsphase nur mit Revolvern und zweischüssigen BOSG-Gewehren bis aufs Blut bekriegen? Klar, irgendwer muss die Map entworfen haben, auf der die Banditen in einer kleinen Kapelle einen Goldschatz bewachen, bevor die Deputys durch die bretternen Seiten einfallen. Aber die meiste Arbeit dürfte hier in den Skins stecken.

Umso lustiger, wie unterhaltsam sich jede dieser nur 90 Sekunden dauernden und um ihre Drohnen- und Verbarrikadierphase erleichterten Runden spielen. Die mit Ausnahme der offensiven und defensiven Gadgets - Granaten gegen Stacheldraht und Barrikaden - gesamte Asymmetrie aus einem Spiel zu streichen, das gerade davon lebte, ist schon ein gewagter Zug, unterstreicht aber, wie gut die Basics des stabil unter den Top-5 meistgespielten Shooters auf Steam doch sind.

Nur über Kimme und Korn zu zielen, schon eine Sekunde nach dem Startschuss die Granaten herbeifliegen zu sehen und allgemein wenig Raum zum Manövrieren zu haben, das kocht das Erlebnis effektiv auf die pulstreibende Action der entscheidenden Phase eines normalen Matches Siege herunter. Jeder danebengegangene Schuss fühlt sich wie ein Drama an, wenn man nicht auf automatische Waffen setzen kann und der weitgehende Verzicht auf ein HUD samt Fadenkreuz - Pings funktionieren zwecks besserer Kommunikation aber - erzeugt die Art konzentrierten Tunnelblick, in dem nicht anderes zählt, als das, was da jeden Moment am anderen Ende des Laufes meiner Flinte auftaucht.

Man ist schnell drin, ebenso schnell wieder raus und ich hatte die vergangenen drei, vier Stunden einfach eine sehr gute, kurzweilige Zeit. Einzig der Grafikfilter, der wohl den Eindruck einer staubigen Einöde erwecken soll, nervt mich ein wenig. Fast, als würde ich am Laptop draußen spielen und nicht unter optimalen Kontrastverhältnissen spielen. Ich fühle mich nie so richtig, als hätte ich optisch den kompletten Durchblick - aber da das den anderen genauso geht, ist es nicht allzu schlimm.

Mal wieder eine der besseren kostenlosen Dreingaben, die sich ein Service-Game in den vergangenen Jahren einfallen ließ. Wenn man bedenkt, wie lange Ubisoft brauchte, um mit neuen Spielmodi für Siege um die Ecke zu kommen - waren seit Launch auf der Roadmap -, wundert es schon, dass sie mittlerweile schon im zweiten Jahr in Folge etwas mehr als Brauchbares liefern. Und sei es auch nur für kurze Zeit.

Entwickler/Publisher: Ubisoft - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One - Preis: kostenlos - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: ja, Kosmetisches - Getestete Version: PC

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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