F1 2019: Die realistischste Grafik, die Codemasters je geschaffen hat

Seht, wie sich das Spiel PlayStation und Xbox One schlägt.

Ist F1 2019 die fotorealistischste Rennsimulation ihrer Art? Entwickler Codemasters hat in dieser Generation schon einige umwerfende Spiele entwickelt. Dirt Rally 2.0 gehört zum technisch Besten, was es gibt und noch in diesem Jahr kommt das Grid-Reboot auf PS4 und Xbox One heraus. Aber am Ende sind es doch die F1-Spiele, die in jedem Jahr ein Upgrade für die EGO-Engine des Studios mitbringen. Es fühlt sich zwar eher nach einer Evolution den nach einer Revolution an, aber das jüngste F1-Spiel ist definitiv beeindruckend.

Obwohl sich das grafische Erlebnis genauso die Konsolen-Nahrungskette hinaufskaliert, wie man es erwarten würde, täte man Codemasters Unrecht, auch nur eine der Versionen eine Enttäuschung zu nennen. Für jede einzelne Konsole wurde gut optimiert. In den Rennen, sei es nun Yas Marina mit seinen wundervollen volumetrischen Lichtern oder der klassische Spa-Kurs, ist die Materialqualität auf jedem System gleichwertig. Eine physikbasierte Pipeline bildet das Herzstück der EGO-Engine in Dirt 2.0 und auch hier ist es am Werk. Schon auf den ersten Blick wirken die Effekte auf den Reifen oder die Art, wie Wasser gegen Karosserien spritzt, authentisch und natürlich.

Auch die Beleuchtung wurde verbessert, mit einem neuen volumetrischen System, das eine sichtbare Steigerung gegenüber dem letzten Jahr darstellt, dessen Ausleuchtung stellenweise ein wenig flach wirkte. Diesmal werfen jede Lampe am Straßenrand und jeder Scheinwerfer echte Lichtstrahlen von sich. Atmosphäreneffekte wie Staub und Dreck füllen die Luft dazwischen. Die Beleuchtung war das fehlende Puzzlestück, um die Serie auf Höhe mit den besten des Genres zu hieven. In Kombination mit dem HDR - das schon vorher sehr solide war - ist F1 2019 ein echtes Showcase für moderne Fernseher.

Einige Nachteile sollten wir allerdings nicht unter den Teppich kehren. Das Kamera-Motion-Blur ist großartig, aber leider ist auch das Temporal Anti-Aliasing zurück und erzeugt einmal mehr einen Banding-Effekt. Das geschieht nur in bestimmten Momenten und ist meistens kaum zu sehen. Aber vor Zäunen oder anderen Szenen mit großer Detaildichte sieht man deshalb leichte Artefaktbildung. Das gilt für alle Konsolenversionen, auf der PC lässt sich der Effekt allerdings abstellen.

Alle Konsolenversionen von F1 2019 im Video.

Und dann ist da das, was abseits der Rennen passiert - also die Sachen, die ihr aller Wahrscheinlichkeit nach überspringt, um schnell in die Action zu kommen. Die Mechanikertruppe fällt besonders negativ auf und steckt mit steifen, leblosen Gesichtern und roboterhaften Animationen tief im Uncanny Valley fest. Vielleicht ist das kleinlich, besonders wenn der Kern des Gameplays so gut aussieht. Die Action auf der Strecke sieht herausragend aus und letzten Endes ist es doch das, was zählt.

Wie schlägt sich das Spiel also über alle Plattformen hinweg? Es überrascht vermutlich nicht, dass die Xbox One X in Führung geht. Mit einer Auflösung von 3840x2160, die über eine Art temporaler Rekonstruktion gewährleistet werden. Dass dies der Fall ist, sieht man in Bewegung an Schachbrett-artigen Artefakten. Inmitten eines Rennens machen die sich aber nicht störend bemerkbar, den TAA und Motion Blur wirken dem entgegen. Das Resultat ist nicht so gestochen scharf wie ein natives 4K-Bild. Trotzdem ist das Bild noch bis in die Distanz gefällig knackig.

Alles in allem eine respektable Leistung der X-Hardware, die zudem ein paar Vorzüge gegenüber der normalen Xbox One genießt. Die zielt nämlich auf niedrigere 1080p ab, nutzt aber ebenfalls eine durch Rekonstruktionstechnik, mit derselben Artefaktbildung wie auf der X. Andere Unterschiede sind eher subtiler Natur. Auf der X gibt es schönere, schärfere Screen-Space Reflektionen and regennassen Straßen oder Seen. Auch die Schatten sind feiner definiert und mit verbessertem Filtering belegt. Aber das war es auch schon, die Unterschiede beschränken sich ansonsten weitestgehend auf Auflösung und Performance.

Die zusätzliche GPU-Leistung stellt sich in den Dienst, 60fps bei der bestmöglichen Auflösung zu erreichen. Auffällig ist, dass es anders als in Dirt Rally 2.0 keine Option gibt, den 4K-Modus abzuschalten. Vielleicht ist das auch einfach nicht nötig, denn die X erreicht das Performance-Ziel fast durchgängig. Die Option wäre vielleicht trotzdem nett, falls einige Strecken die Hardware doch zu sehr strapazieren um 60 Bilder pro Sekunde zu halten. Von dem, was wir bisher sahen, gab es aber keine echten Probleme.

F1 2018F1 2019
F1 2019 verbessert vor allem das volumetrische licht. Nun wirkt die Luft dichter und dicker, weil Spot-Lichter den Staub am nächtlichen Himmel erleuchten.
PS4 ProXbox One X
Die upgegradeten Konsolen trennt in erster Linie die Auflösung. Die Xbox One X liefert 3840x2160, nutzt aber temporales Supersampling eines niedrigeren Outputs, während diePS4 Pro mit einem ähnlichen Setup auf 3200x1800 Bildpunkte abzielt.
PS4 ProXbox One X
Ansonsten gibt es zwischen Pro und X nur bei den Schatten Unterschiede. In Bewegung trennt die beiden nur wenig.
Xbox OneXbox One X
Wie steht es um den Vergleich zu den Standard-Konsolen? Die Xbox One läuft mit 1080p und demselben temporalen Upscaling, aber die Screen-Space-Reflektionen und Schatten sind auf den stärkeren Maschinen besser.

Die Basis-PS4 ist insofern interessant, als dass sie die 1920x1080 nativ und ohne jedwede Rekonstruktionstechnik schafft. Es sind rohe, native 1080p, wenn man näher an Details herangeht, ist das Bild sauberer, schimmert an seinen Details weniger und weist keinerlei Checkerboarding-Artefakte auf. Beide Konsolen trennt tatsächlich hauptsächlich die Auflösung. Ambient Occlusion um Objekte herum ist auf der PS4 etwas betonter, aber abgesehen davon sind die Assets, Beleuchtung und alles andere identisch.

PS4 Pro liefert rekonstruierte 3200x1800 - eine im erwartbaren Rahmen niedrigere Auflösung als auf der X also. Aber ich muss sagen, in Bewegung sieht es immer noch großartig aus. Das Spiel liefert hier immer noch bessere Lesbarkeit der Strecke, was ein spürbares Update gegenüber der normalen PS4 markiert. Weitere messbare Unterschiede davon abgesehen, fallen sehr überschaubar aus. Schatten und Reflektionen machen den größten Unterschied aus, aber die zentralen Assets sind identisch.

Die Performance ist das letzte Puzzleteil: 60fps sind in einem Spiel wie diesem so wichtig. Es ist schnell und Überholmanöver sind eine so enge Kiste, dass kein Raum ist für plötzliche Stotterer oder Framedrops. Die Realität ist allerdings, dass sich jede Version abseits der Xbox One X zwischen 50fps und 60fps bewegt. Wie schlimm es wird, das bestimmen die Anzahl der KI-Fahrer im Bild und natürlich das Wetter.

Auf der Xbox One X läuft das Spiel mit Abstand am stabilsten. Ich habe es wirklich versucht, es in die Knie zu zwingen. Schwere Regenfälle, 19 KI-Autos und eine komplexe Strecke vor mir, aber die Konsole liefert immer eine exzellente Performance. Adaptives V-Sync ist aktiviert, theoretisch sollte man also Tearing am oberen Bildrand sehen, bevor das Spiel mal einen Frame verliert. Das erkennt man daran, dass HUD-Elemente ab und an tearen, wenn man die Menüs aufruft. Aber im Gameplay ist es schwer zu sehen. Die Xbox One X liefert das bestaussehende und performende Erlebnis dieses Konsolen-Quartetts.

Den zweiten Platz holt die PS4 Pro mit der zweitbesten Bildrate. Probleme bekommt die Sony-Konsole, wenn in schlechten Wetterbedingungen viele Fahrzeige auf dem Bildschirm sind. Es stört ein wenig mehr, als ich mir wünschen würde, wird aber nur auf bestimmten Strecken zu einem echten Problem. Man muss schon ein gutes Stück hinter das Fahrerfeld zurückgefallen sein, um das zu sehen. Auf Strecken wie Hockenheim tritt dann Bild-Tearing auf. Ziemlich sicher, dass die Alpha-Effekte dafür verantwortlich sind, angesichts der Tatsache, dass es hauptsächlich in der Nähe der auf Alpha-Effekte setzenden Bäume auftritt - und wenn mehrere Autos durch Pfützen fahren. Ideal ist es nicht, aber viel von der Action läuft mit der angepeilten Bildrate.

Die temporale Rekonstruktion beeinträchtigt die Bildqualität der Xbox One ein wenig, hilft aber dabei, die Performance nah an die der in nativem 1080p laufenden PS4 zu bringen. In Extremsituationen laufen beide Versionen schlechter als die der PS4 Pro, fallen in niedrige 50er-Bereiche. Tearing ist in allen Bildbereichen deutlicher sichtbarer und tritt aus den gleichen Gründen auf. Allerdings muss man betonen, dass es bei schönem Wetter nur selten zu sehen ist. Selbst hier unterlaufen der Xbox One einige der deutlicheren Einbrüche auf 50fps, aber das betrifft ebenfalls eher Situationen, in denen viele KI-Autos vorausfahren. Insgesamt die schwächste der vier Versionen, aber immer noch ein respektabler Auftritt.

Die verbesserten Konsolen sind eindeutig die bessere Wahl, wenn es um Bildqualität und stabilere Bildrate geht. Auf der Xbox One X gibt es die wenigsten technischen Auffälligkeiten beim Spielen eines der bestaussehenden Rennspiele dieser Generation. Die PS4 Pro liefert eben solide ab. Trotzdem ein starker Release auf jeder Konsole. Und obwohl ich selbst nicht der größte Fan von Rennsimulationen bin, besteht kein Zweifel daran, dass F1 2019 eine Menge Mainstream-Reiz versprüht und ich eine gute Zeit hiermit hatte.

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Über den Autor:

Thomas Morgan

Thomas Morgan

Senior Staff Writer, Digital Foundry

32-bit era nostalgic and gadget enthusiast Tom has been writing for Eurogamer and Digital Foundry since 2011. His favourite games include Gitaroo Man, F-Zero GX and StarCraft 2.

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