Astro A40 TR Gaming Headset + MixAmp Pro TR - Test: Dynamisches Duo?

Wenn Gaming-Headsets erwachsen werden.

Meine Berührungspunkte mit Astro-Hardware waren bisher überschaubar. Auf dem einen oder anderen Event lag mal das A4 samt MixAmp-Tischverstärker herum, aber in unserem Testlabor war bisher keines eingetrudelt, was ich mit der letztens erschienenen vierten Version endlich ändern wollte.

Astro-Headsets schlagen nämlich einen schönen Spagat zwischen eher martialischer Gamer-Optik und einem eher nüchternem Look, den man in diesem Segment zu selten sieht. Vor allem aber reizte mich der modulare Aufbau, der zumindest dem Kopfhörer ein langes Leben verspricht. Aber vielleicht von vorn: Was ist im Paket?

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Einmal für PS4 ...

Nun, davon gibt es erst einmal zwei: Eine Version für PS4 und eine für Xbox One, während beide mit dem PC kompatibel sind. PC-User entscheiden also je nach Zweitspielgerät, das zuhause steht oder - wenn sie exklusiv am Computer daddeln - zwischen blauen (PS4-Version) und roten (Xbox-Ausgabe) Farbakzenten. Mehr als die Ohrmuscheln und die Lautstärkeregler sind mit diesen Details nicht versehen, aber ich muss sagen, die Xbox-Ohrmuscheln gefallen mir besser.

So viel zu den Unterschieden. In der Box für nicht ganz 280 Euro befinden sich das Headset und der Mixamp, die man jeweils auch einzeln kaufen kann. Die Schallwandler schließt man mit normaler, zum Glück abnehmbarer 3,5mm-Klinke an den solide wie ein Ziegelstein wirkenden Verstärker an, der wiederum findet über USB (plus optischem Kabel der Konsole) Anschluss am Spielgerät eurer Wahl. Am Kopfhörer gefällt, dass neben dem Kabel wirklich alles abnehmbar ist: Standardmäßig wird er in offener Bauweise geliefert, die für Räumlichkeit, Natürlichkeit und den Nebeneffekt bekannt ist, dass man sich nicht wie im Inneren eines Luftballons vorkommt, wenn man das Headset trägt.

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... einmal für Xbox One.

Wer mag, kann allerdings nicht nur das Mikro links oder rechts anstöpseln sondern mithilfe eines Mod-Kits auch die "Rücken" der Hörer und die Ohrpolster gegen geschlossene Varianten tauschen und das A40 so in ein eher isolierendes, geschlossenes Headset verwandeln. Dieses Mod-Kit kostet allerdings um die 60 Euro (enthält dafür zusätzlich ein stimmisolierendes Mikro, das "turniertauglich" sein soll). Alles ist mit Magneten verbunden, das Mikro sehr solide gesteckt. Hier Bestandteile abzunehmen und wieder anzubringen, ist eine Freude. Vor allem, wenn wirklich mal was kaputt sein sollte, denn mit Ersatzteilen hält man die Kannen so auch länger am Leben. Besser ginge es nur, wenn man noch die Lautsprecher selbst einfach tauschen könnte - aber mal schauen, vielleicht ja in der 5. Generation.

Ansonsten fasst sich das A40 aber bestens an, zumal die metallenen Arme, an denen man die Kopfhörergröße stufenlos einstellt, ebenfalls eine gute Verarbeitung und damit Langlebigkeit zu garantieren scheinen. Der Rest ist aus einer Mischung aus rauem und glänzendem Kunststoff recht wertig und tatsächlich eher auf der schweren Seite. Nicht so schwer, dass es anstrengend zu tragen wäre, sondern so, dass man das Gefühl hat, was in der Hand zu haben. Einzig das ebenfalls gesteckte Polster im Kopfband sieht nicht so wertig aus wie der Rest. Zudem sind vor allem die glänzenden Elemente (aber auch die matten) nicht gerade unempfindlich, wenn es um Kratzer geht. Nun denn, es ist auch ein Gebrauchsgegenstand. Eine Transporttasche wäre dennoch nett gewesen. Wer damit nur zuhause seine Zeit verbringt, für den ist es kein Problem. Mir gefällt, was ich hier seit gut zwei Monaten vor mir habe.

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Alles abnehmbar - mit Ausnahme der Treiber.

Der MixAmp gefiel mir vor allem wegen seiner Anpassungsmöglichkeiten und wegen seiner separaten großen Drehregler für Spiel- und Chat-Lautstärke, die hier eine noch bessere und feinere Justierung zulassen als bei Sennheisers GSX 1200. Per "Aux" schließt ihr ein externes Mikro an und ein Stream-Ausgang schleift den Sound zum Capturen durch, wenn ihr wollt. Dazu kommt noch die Möglichkeit, mehrere MixAmps für direkte und verzögerungsfreie Kommunikation mit euren Teammitgliedern zu vernetzen. Neben den Drehreglern für die Abmischung von Spiel- und Stimmlautstärke wechselt man auf Knopfdruck zwischen Dolby Audio (nur bei Dolby-Digital-Signal von Konsole empfehlenswert) und einem normalen Durchgeschliffenen Signal (was sich der MixAmp in dem einen Lapsus für PC-User leider nicht merkt und jedes Mal neu abgeschaltet werden muss).

Und noch ein nettes Detail: Ist das Mikrofon an der Kabelfernbedienung stummgeschaltet, leuchten die LEDs an den Lautstärkereglern rot. Man muss also nicht aufs Kabel runterschauen, sondern sieht aus dem Augenwinkel, was Sache ist. Konsolenspieler sollten natürlich wissen, was sie sich ins Haus holen, denn logistisch haben Leute mit klassischem TV-Schrank-Aufbau weniger komfortable Optionen. Der MixAmp steht dann Konsolennah, man selbst sitzt auf der Couch in bis zu zwei Metern Entfernung, muss zum Lauter- und Leisermachen dann aber aufstehen, weil die Kabelfernbedienung nur die Stummschaltung beherrscht. Aber hey, in solchen Wohnzimmern ist man mit kabellosen Headsets am Ende wohl ohnehin besser bedient.

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Die Hörer verfügen über eine gute Passform, auch wenn die Polster große Ohrmuscheln durchaus ein wenig umklammern. Ein kompaktes aber nicht gerade leichtes Headset, das dennoch angenehm zu tragen ist.

Zurück zum MixAmp. Mit einer weiteren Taste schaltet ihr durch bis zu vier Presets, die ihr am PC mit dem Astro Command Center recht handlich anpassen und aufs Gerät zurückspeichern dürft. Die Software läuft also nicht durchgängig und drängt sich auch nicht dafür auf. Aber nett ist sie schon, denn hier bestimmt ihr nicht nur, was zum Streaming-Anschluss durchgeschliffen wird, sondern auch, ob und wie laut ihr den Sidetone hören wollt (also eure eigene Stimme beim Reden). Weiterhin bestimmt ihr, welche Art von Rauschsperre genutzt werden soll und - was viel zu wenige Hersteller machen - schiebt in den Equalizer-Voreinstellungen die Frequenzbereiche so rauf und runter, wie es euren Hörgewohnheiten entspricht.

Kommen wir zum Klang und hier liefert das A40 ziemlich genau das, was man von einem 170 Euro Headset erwartet, mit dessen Kauf man zufrieden ist. Für ein Gaming-Headset gibt es sich im Musikbetrieb erfreulich spielfreudig und pegelfest. Die gläsernen Höhen der 300-Euro-Konkurrenz von Beyerdynamic - MMX300 (Test) - oder meines persönlichen Lieblings, dem ebenfalls offenen Audio Technica ADG1X (Test) werden zwar erwartungsgemäß nicht erreicht. Dafür tönt es am oberen Ende eben doch noch ein wenig belegt. Aber das Astro A40 vereint trotzdem Klarheit und Kraft mit einer Selbstverständlichkeit, von der einige andere Spiele-Headsets in vergleichbaren Preisregionen nur träumen.

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Der MixAmp ist so solide gemacht, wie er hier aussieht.

Überhaupt kann man Astro nur gratulieren, schon seit einer Weile auf den Zug offener Headsets aufgesprungen zu sein. Sicher, wer beim Spielen Gefahr läuft, etwaige Nebenleute mit der Geräuschentwicklung zu verschrecken, für den ist das hier nichts. Aber wenn das keine Rolle spielt, wer ohnehin sein eigenes "Spielzimmer" oder tolerante Partner hat, der freut sich über eine weiter offene Soundstage und allgemein einen natürlicheren Klang als bei geschlossenen Headsets. Es ist wirklich so: Ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit der Leute, die einmal einen offenen Kopfhörer testeten, fortan keinen geschlossenen mehr tragen wollen.

Noch ein Wort zu Dolby Audio: Das sorgt wie schon Sennheisers Surround-Lösung beim GSX (die im Gegensatz zum MixAmp allerdings auch am PC funktioniert) für eine gute Ortung im Raum, verfälscht durch sein Processing aber natürlich auch das Klangbild ein wenig. Mir hat der Astro auch wegen seiner offenen Bauweise jedenfalls eine breit genug abgebildete Bühne geboten, dass ich mit der Ortung im Stereobetrieb absolut keine Probleme hatte.

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Und noch einmal die Anschlüsse an der Rückseite.

Aber ja, wenn es um die Klang-Performance geht, macht das Duo aus MixAmp und A40 einen wirklich guten Job. In Rainbow Six Siege gelingt die Ortung bestens, der Punch der BOSG 12 kommt im zeitlich begrenzen Showdown-Modus bestens zur Geltung, während das tiefe Rumpeln eines V8-Motors in Forza Horizon 4 die Ohrläppchen zum Schlackern bringt oder die ferne Detonation einer Dynamitstange in Hunt in Mark und Bein geht. Der Sound ist insgesamt eher auf der warmen Seite, was in der oberen Preisklasse nicht ungewöhnlich ist, aber auch selten als störend wahrgenommen wird. Für Audiophile ist er aber natürlich nicht präzise genug - wenngleich auch hier wieder stimmt: Andere Gaming-Headsets schlagen sich da deutlich schwächer als der A40.

Auch im Musikbetrieb lässt es sich nichts zu Schulden kommen. Von der Streichelstimme Lianne La Havas' bis zum Zahnarztbohrer-Black-Metal von Deafheaven bin ich eigentlich sehr zufrieden über ein nie zur Überreibung neigendes Klangbild, das Details angemessen auflöst und auch leise transparent und dynamisch genug aufspielt, um im Direktvergleich mit deutlich teurerer Hardware nicht das Bedürfnis zu verspüren, ihn direkt wieder abzusetzen. Sehr respektable, alles andere als selbstverständliche Leistung!

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Meine Bügel sind bis auf den letzten Zentimeter ausgezogen. Ein bisschen Luft für richtig große Köpfe sollte also noch sein.

Das Mikrofon klingt ebenfalls recht unverfälscht, klar genug und angenehm rauschfrei, auch wenn Astro gerne einen Popschutz hätte beilegen dürfen. Ich wurde jedenfalls immer bestens verstanden, wenngleich Sprachaufnahmen ebenfalls ein wenig zu belegt klangen, um Ansprüchen jenseits von solider In-Game-Kommunikation zu genügen. Es macht, was es soll, liefert keinen Grund, sich darüber aufzuregen. Unterm Strich ordentlich und das, was man erwarten konnte.

Am Ende sind 280 Euro kein Pappenstiel, diese Kombination zweier gehobener Mittelklasse-Geräte, die den Namen nicht nur preislich, sondern auch qualitativ verdienen, ist es aber durchaus wert, so tief in die Tasche zu greifen. Ich bin nicht sicher, ob ich für den MixAmp alleine 139 Euro hinblättern würde, dazu gibt es zu viele Alternativen, aber im Komplettpaket sieht das schon wieder anders aus. Ansonsten, ja: Offene Bauweise, gute Verarbeitung, modularer Aufbau, sehr gute Klangleistung und ein durchdachtes Bedienkonzept machen das A40 in der vierten Generation zu einem guten Griff.

Hersteller: Astro - Kompatibel mit: PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 280 Euro, Kopfhörer einzeln 169 Euro, MixAmp Pro TR 139 - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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