GRID - Comeback des Klassikers

Rivalen der Rennbahn.

Und da purzeln sie wieder: Jedes Mal wenn ich einen Konkurrenten aus dem Fahrerfeld überhole, eine Kurve perfekt nehme, einen Drift hinlege oder ein haarscharfes Slingshot-Manöver ausführe bekomme ich massig Punkte gut geschrieben. Es scheint fast schon egal, was ich auf der Piste veranstalte, der Zähler rast ohne Unterlass und belohnt wirklich jede Asphalt-Aktion.

Christopher Smith, Game Director von GRID bei Codemasters, nennt das Feature ein "Virtuelles Schulterklopfen", einen kleinen psychologischer Trick, der auch Anfängern im digitalen Motorsport gleich von Beginn an Erfolgserlebnisse liefert und so einen frustfreien Einstieg ermöglicht.

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Das längst überfällige Serien-Reboot von Codemasters orientiert sich an dem ersten Teil: Race Driver GRID und zeigt sich actionlastig.

Für Smith und sein Team stehen bei dem Serien-Reboot, der sich an dem starken ersten Teil Race Driver: GRID aus dem Jahr 2008 orientiert, klar der Fahrspaß und die Zugänglichkeit im Vordergrund. "Anschalten, einsteigen, loslegen" lautet die Devise. Es gibt keine hohen Einstiegshürden, langwierige Fahrprüfungen, knackige Zeitlimits oder zwingende Platzierungen auf dem Siegertreppchen, die Neueinsteiger am Weiterkommen hindern könnten. GRID ist auf actionreiche Rennen und spektakuläre Crashs getrimmt. Das bedeutet aber nicht, dass Simulations-affine Zocker sich entsetzt abwenden müssten.

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Mehr als 70 Fahrzeuge unterschiedlicher Klassen, von Muscle Cars, GT, Touring oder Klassikern aus den 1960er-Jahren, könnt ihr in GRID steuern.

Ihr könnt von Beginn an fast alle Rennen der eigenen GRID World Series bestreiten und euch mit mehr als 70 Boliden der unterschiedlichsten Klassen, wie Muscle Cars, GT, Touring oder Stock Car, auf die Piste begeben und einfach euren Spaß haben. Dank umfangreicher Fahr-, Lenk- und Bremshilfen, einer in den unteren Schwierigkeitsstufen sehr gemütlichen Konkurrenz-KI, deaktivierbarem Schadensmodell und der Flashback-Rückspulfunktion, mit der ihr fatale Fahrfehler einfach ungeschehen macht, könnt ihr euch einfach auf die actionreichen Rennen konzentrieren und Spaß haben. Zu den arcadigen Annehmlichkeiten gehört auch die Hot Lap-Funktion, bei der ihr optional eine schnelle Runde vor einem Rennen fahrt, um die Startposition zu bestimmen. Müsst ihr nicht, dann startet ihr aber auf einer der hinteren Positionen.

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Eure Fähigkeiten könnt ihr bei Tag- oder Nachtfahrten, bei Regen oder strahlendem Sonnenschein auf zwölf Strecken rund um die Welt unter Beweis stellen.

Bei einigen Proberunden während meiner Anspielmöglichkeit von GRID hatte ich meine wahre Freude daran, einfach mal die Gegner vom Feld zu schubsen und zu beobachten, wie der lästige Konkurrent sich vor mir filmreif fünfmal überschlägt, bevor sein sündhaft teurer Sportwagen als Altmetall am Pistenrand endet. Dass ich am Ende nur irgendwo im Mittelfeld über die Ziellinie gefahren bin, war mir erst einmal egal, dafür waren die Schauwerte auf der Strecke einfach zu gut und die Asphalt-Scharmützel zu spannend in Szene gesetzt.

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Zu der Auswahl der Straßen- und Rundkurse gehören unter anderem: Shanghai, Brands Hatch, Indianapolis, Silverstone, Okutama und der Sepang International Circuit.

Das Schadensmodell lässt sich zweistufig einstellen und liefert entweder nur optische Effekte, bei denen neben Beulen und Kratzern auch schon mal die Motorhaube effektvoll über die Windschutzscheibe fliegt, oder hat wahlweise auch einen Einfluss auf das Fahrverhalten. Während man in der Arcade-Einstellung noch in einem halben Wrack das Ziel erreicht, ist mit einer realistischeren Einstellung das Rennen schnell zu Ende, wenn die Reifen platt sind oder der Motor Feuer fängt. Während ihr bei kleinen und mittleren Karambolagen unbeeindruckt weiter eure Runden fahrt, hat ein Aufprall mit Höchstgeschwindigkeit auf Beton schon andere Auswirkungen. "Terminal Damage" wird angezeigt, während euer Wagen in Zeitlupe durch die Luft fliegt und in seine Einzelteile zerbricht. Aber keine Sorge, nach ein paar Sekunden Wartezeit steht ihr wieder halbwegs unversehrt auf der Piste.

Wenn ihr nicht so viel für Arcade-Racer übrig habt und authentischen Motorsport bevorzugt, dann liefert euch GRID dafür eine solide Basis. Nicht in der ausgefeilten Form eines schweißtreibenden DiRT Rally oder eines F1, aber wenn ihr die zahlreichen Fahrhilfen ausschaltet, auf manuelle Schaltung umstellt und die KI von der Leine lasst, dann kommt Realismus ins Spiel und die Kämpfe um die Pole-Position erfordern hohes fahrerisches Können und das nahezu fehlerfreie Beherrschen der verschiedenen Fahrzeugklassen, die sich durch die Bank spürbar unterschiedlich auf dem Asphalt verhalten. Auf Simulations-Features, wie das Erstellen eines eigenen Rennfahrer-Charakters oder das Tunen der Fahrzeuge, müsst ihr allerdings verzichten. Mehr als einen Namen für den Avatar einzugeben und ein paar Aufkleber oder Lackierungen für euren Fuhrpark sind nicht drin.

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Die Fahrzeugmodelle sind allesamt detailliert dargestellt, selber schrauben dürft ihr allerdings nicht. Lediglich Lackierungen und Aufkleber lassen sich individualisieren.

Die insgesamt über 100 Herausforderungen der GRID World Series zeigen sich angenehm abwechslungsreich: Ihr könnt die Classic Mini Trophy bestreiten, mit einem Ford Falcon F6 Supercar Stadtkurse in San Francisco oder Havanna befahren, mit DTM-Boliden über den Sydney Motorsport Park in Australien rasen oder eine eigene Fernando Alonso-Challenge bestreiten, bei der ihr auch den Renault R26 des ehemaligen Formel 1-Weltmeisters, der Codemasters übrigens als Berater tatkräftig zur Seite stand, steuern könnt. Genial fand ich die Herausforderungen mit den Jedi Race Cars, die man in Rennspielen nicht häufig vorfindet. Kleine Flitzer, wie der F1000, die bedrohlich in Bodennähe über die Pisten rasen, das war mal ein ganz neues Renngefühl. Gerne mehr davon.

Ein weiteres Feature macht die World Series spannend: Ihr könnt euch aus dem KI-Fahrerfeld Teamkameraden aussuchen, die euch tatkräftig auf dem Weg zum Sieg unterstützen. Dabei wählt ihr beispielsweise zwischen Blockern, die die Konkurrenz an Überholmanövern hindert oder aggressiven Piloten, die sich gleich an die Spitze setzen. Ihr habt aber natürlich nicht nur Freunde auf den Rennstrecken, sondern setzte euch auch mit Rivalen auseinander.

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Wenn ihr authentische Rennspiele bevorzugt, könnt ihr alle Assistenten ausschalten, die Rückspulfunktion deaktivieren und die KI-Stufe hochsetzen: Dann müsst ihr schon richtig Fahren lernen, um einen Platz auf dem Siegertreppchen zu ergattern.

Wenn ihr einen Konkurrenten zu sehr ärgert, zum Beispiel mehrfach rammt, dann wird aus dem Rivalen ein Feind fürs Leben. Wie bei Mittelerde: Schatten des Krieges, bekommt ihr es mit einem Nemesis-System zu tun, in dem sich bedrängte Mitfahrer dauerhaft an euer unsportliches Verhalten erinnern und in kommenden Rennen alles daran setzen, euch in die Quere zu kommen.

Gut drei Stunden konnte ich eine ganze Reihe unterschiedlicher Strecken und Fahrzeuge ausprobieren und bei Tag oder Nacht, Regen oder Sonnenschein die Pisten von Brands Hatch, Silverstone oder dem Zhejiang International Circuit befahren. Kurzfazit: Mir hat das sorglose Vollgas-Prinzip richtig gut gefallen und ich hatte meinen Spaß, immer neue Wagen auszuprobieren und einfach nur die Rennen zu genießen. Ein Sieg war mir gar nicht so wichtig und für das Fortkommen eben auch meistens nicht notwenig. Ich freue mich auf jeden Fall, wenn GRID nach einer kurzfristig anberaumten Verschiebung um ein paar Wochen am 11. Oktober erscheint.

Entwickler/Publisher: Codemasters Erscheint für: PS4, Xbox One, PC - Geplante Veröffentlichung: 11. Oktober 2019 - Angespielt auf Plattform: PC

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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