Dragon Quest Builders 2 - Test: Weit mehr als nur ein Minecraft-Abklatsch

Beim Erbauer …

Als ich im Februar 2018 über Dragon Quest Builders geschrieben habe, hob ich lobend hervor, wie Square Enix euch an die Hand nimmt und lehrt, wie ihr etwas baut, ohne dass euch das vorkommt wie ein allzu lernintensives Tutorium. Und doch fühlte sich Dragon Quest Builders für mich mit ein bisschen zeitlichem Abstand eher an wie Minecraft als wie Dragon Quest.

Jetzt gibt es den Nachfolger für die Switch und die PS4 und ich kann sagen: Genau das ist jetzt anders. Und das ist gut so. Dragon Quest Builders 2 legt insgesamt mehr Wert auf seine Geschichte und noch mehr darauf, euch als Spieler ein geführtes Erlebnis zu bieten, ohne euch aber die entscheidenden Freiheiten zu nehmen, die ein Aufbauspiel dieser Art nun mal braucht.

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Schon der Bau eines kleinen, simplen Schlafzimmers ist in Dragon Quest Builders 2 ein Erfolgserlebnis. (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Im Gegensatz zum ersten Dragon Quest Builders erzählt dieser Titel hier keine Geschichte nach, sondern schließt an die Ereignisse von Dragon Quest 2 an. Ich habe nicht viel mit dieser Geschichte am Hut, aber im Wesentlichen geht es darum, dass ihr gegen eine Gruppe kämpft, die es sich zum Auftrag gemacht hat, alle Erbauer auszulöschen und somit die Welt von all jenen freizumachen, die in der Lage sind, irgendwas Kreatives zu erschaffen. Eine klassische Kindergeschichte gewissermaßen: Bösewicht bekämpft die Kreativität in der Welt. Im Rahmen von Dragon Quest Builders 2 funktioniert das allerdings überraschend gut, weil sich so erklären lässt, dass ihr der Einzige seid, der in der Lage ist, ein Klötzchen auf ein anderes zu setzen. Wie die Gesellschaft dieser Spielwelt ohne euch überhaupt hätte überleben sollen: Ich habe keine Ahnung, denn ohne euer Talent wäre niemand in der Lage in den eigenen vier Wänden zu schlafen oder Gemüse anzubauen.

Genau das müsst ihr nämlich im Verlauf des Spiels machen: Ihr sorgt nicht nur für euch selbst, sondern kümmert euch auf verschiedenen Inseln auch jeweils um eine Siedlung. Eine Gruppe von Dorfbewohnern ist bereit, darüber hinwegzusehen, dass ihr ein verhasster Erbauer seid und schließt sich euch an, um gemeinsam mit euch in einem Dorf zu leben, das ihr aufbauen müsst.

Schlafräume, Gemüsefelder, Toiletten, Tische, Stühle, all das kommt nur von eurer Handwerkskunst. Und die Einwohner nutzen es ganz organisch - was ich damit meine: Wenn ihr einen Tisch aufstellt und daneben einen Stuhl, dann werden sich nach kurzer Zeit Einwohner finden, die das Ensemble nutzen, um daran ihre Nahrung zu sich zu nehmen. Die sie sich ebenfalls selbst machen, indem sie die Lagerfeuer nutzen, die ihr gebaut habt und indem sie sich die Lebensmittel vom Feld holen, die ihr dort angebaut habt: Weizen, Kohl, Tomaten und vieles mehr. Danach gehen sie auf die von euch konstruierte Latrine und legen sich anschließend in die von euch gebauten Betten.

Alles greift ineinander und wenn ihr den Eindruck habt, dass eure Einwohner ein Badehaus gebrauchen könnten, dann baut ihr eben einfach ein Haus mit vier Wänden und stellt eine Badewanne hinein. Handtuchhalter an der Wand steigern den Komfort. Nach und nach schaltet ihr neue Inseln frei. Während die erste den Schwerpunkt des Spiels noch sehr auf die Landwirtschaft legt, geht es auf der zweiten eher um den Bergbau. Dragon Quest Builders 2 ist gewissermaßen lebenslanges Lernen.

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Im Spielverlauf schaltet ihr immer mehr Inseln frei, auf denen ihr euch austoben könnt. (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Natürlich müsst ihr auf all das aber nicht selbst kommen, die Kampagne nimmt euch auch diesmal wieder bei der Hand und erklärt euch Schritt für Schritt, was ihr zu tun habt. Manchmal ist das zugegeben ein bisschen arg textlastig, vielleicht wäre es hier und da sogar besser gewesen, wenn sich die Entwickler kürzer gefasst oder dem Spieler ein bisschen mehr zum Spielen zwischendurch gegeben hätten. Überhand nehmen die Textboxen aber nicht, Dragon Quest Builders 2 bleibt unterhaltsam und wird nicht langweilig. Auch weil die Kampagne euch neben der ganzen Bauarbeit natürlich auch in die Welt hinausschickt, um dort Monster zu erschlagen. Das macht ihr mit Hilfe einer simplen Hack-and-Slay-Mechanik, im Gegensatz zu den Spielen der Hauptreihe läuft bei Dragon Quest Builders 2 nichts rundenbasiert. Ihr geht zum Gegner, haut auf die Knöpfe und erschlagt die Gegner, fertig. Die lassen dann immer wieder nützliche Gegenstände fallen, etwa Samen für neue Nutzpflanzen, die ihr dann wieder anpflanzen könnt, um neue Bewohner anzuziehen, die wiederum neue Häuser benötigen - und so greift hier eine Mechanik in die andere.

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Mein Gott, ruft die EDF! (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Auch weil es euch Bewohner danken, wenn sie irgendwas machen können, das ihnen Spaß macht. Für jede geliebte Tätigkeit lassen sie Herzen fallen, die ihr sammeln könnt, um so eure Siedlung weiter auszubauen. Dabei lernt ihr, neue Dinge herzustellen, mehr Bewohner kommen ins Dorf, neue Quests werden freigeschaltet und und und ... Ein großer Reiz an Dragon Quest Builders liegt darin, dass es eigentlich immer unendlich viel zu tun gibt und ihr euch frei entscheiden könnt, was ihr als nächstes tut. Natürlich könnt ihr euch auch jederzeit entscheiden, einfach kein Quest zu verfolgen und auch eure Siedlung nicht weiter aufzubauen, sondern einfach zu versuchen, das Raumschiff Enterprise auf der grünen Wiese zu konstruieren. Was in Minecraft geht, geht auch hier, erst recht, weil ihr praktisch jeden Block im Spiel frei versetzen oder in seine Einzelteile zerlegen könnt. Ein magischer Krug gibt euch zudem die Fähigkeit, jede von Steinen umschlossene Fläche mit Wasser zu füllen. Damit könnt ihr hübsche Teiche in euer Dorf setzen oder aber ihr nutzt diese Fähigkeit, um Bambus anzubauen - der wächst nämlich nur unter Wasser. Und auch eure Tomaten wachsen besser, wenn sie von einem Wassergraben umgeben sind, zumindest dann, wenn es nicht gerade regnet.

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Ja, ihr könnt diesen riesigen Golem benutzen wie einen Mech. (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Wenn ich abends nach einem harten Tag der Kämpfe gegen diverse Monster in meine Siedlung zurückgekommen bin, hat sich stets ein Hauch von Harvest Moon breitgemacht, denn euer Gemüse, das holt ihr manuell vom Feld. Allein damit könnte ich mich ewig beschäftigen und genau das macht auch den großen Reiz von Dragon Quest Builders 2 aus. Jede einzelne Mechanik ist dazu geeignet, euch für Stunden vor den Bildschirm zu fesseln. Bis ihr einmal durch die Story seid, könnt ihr locker 60 Stunden einplanen, wenn ihr euch am Wegesrand immer ein bisschen umseht. Genießt ihr, was ihr vorfindet, könnt ihr noch weit mehr in das Spiel stecken.

Ein Traum ist die Tatsache, dass sich die Entwickler stets sämtlicher Mechaniken gewahr waren, die es gibt. Wenn euer nächstes Questziel irgendwo hinter einem Gebirge ist, hält euch nichts davon ab, euch einfach unter diesem Gebirge durchzugraben und so einen persistenten Tunnel in der Spielwelt zu schaffen, den ihr jederzeit wieder nutzen könnt. Habt ihr Schwierigkeiten, irgendwo hochzukommen, baut euch einfach eine Treppe. Macht euch die Welt, wie sie euch gefällt, genau dafür ist Dragon Quest Builders 2 gemacht.

Als wäre all das nicht schon genug, gibt euch Square Enix noch ein paar äußerst interessante Online-Funktionen. Ihr könnt nicht nur mit bis zu vier Spielern durch die Spielwelt streifen, nein, ihr könnt auch in die Welten anderer Spieler abtauchen, indem ihr eine Anschlagtafel nutzt. Nun habe ich Dragon Quest Builders 2 auf der PS4 vor dem Release gespielt, aber schon zu diesem Zeitpunkt hatten andere Spieler regelrechte Disneyschlösser aus dem Boden gestampft, die ich besuchen konnte. Wäre das nötig gewesen? Sicher nicht, aber es ist eben einfach drin und es hat zumindest meine Neugier ungemein befriedigt, zu sehen, was andere mit den Möglichkeiten des Spiels so anstellen. Dragon Quest Builders 2 präsentiert sich als eine Mischung aus Spiel und Spielzeug, einerseits erledigt ihr ganz klassische Quests und erschlagt Monster, andererseits werdet ihr auch dazu animiert, einfach stundenlang Spaß zu haben, indem ihr Häuser baut oder euch anseht, wie die Häuser von anderen aussehen. Das ist großartig, weil es euch in jeder Sekunde die alleinige Entscheidung darüber lässt, wonach euch gerade ist.

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Auf Knopfdruck könnt ihr euch die Werke anderer Spieler ansehen. (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Die Entwickler haben außerdem ein paar Erleichterungen gegenüber dem Vorgänger eingebaut. Für mich am angenehmsten: Waffen gehen nicht mehr kaputt. Das macht das Spiel nicht prinzipiell leichter, es macht es nur weniger nervig. Nintendo, wenn ihr einen Tipp für die Fortsetzung von Breath of the Wild haben wollt, hier ist er.

Wenn ich etwas an dem Spiel aussetzen muss, dann ist es wohl am ehesten die Präsentation. Die matschigen Texturen haben sich seit dem Vorgänger nicht großartig verbessert, die Musik dümpelt auf durchschnittlichem Niveau vor sich hin und enthält neben dem Dragon-Quest-Theme keine wirklichen Ohrwürmer. Hier hätte Dragon Quest Builders 2 sich noch deutlicher von anderen Minecraft-likes abheben können. Die simple Grafik macht das Spiel natürlich nicht schlecht, aber gerade wenn ich mich nach Minuten in einer selbstgebauten Mine wieder ans Tageslicht gebuddelt habe, hätte ich mich gefreut, mit ein paar schönen Effekten den lang herbeigesehnten Kontakt zum Tageslicht versüßt zu bekommen. Übrigens hat Dragon Quest Builders 2 etwas sehr Meditatives. Sprachausgabe gibt es nicht, die Musik bleibt im Hintergrund, also könnt ihr sehr gut auch nebenbei spielen, während ihr beispielsweise Podcasts hört - habe ich so stundenlang gemacht, hat bestens geklappt. Die Zeit fliegt nur so an euch vorbei.

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Um bestimmte Gegenstände zu bekommen, müsst ihr natürlich oft auch in unbekannte Lande reisen. (Dragon Quest Builders 2 - Test)

Dragon Quest Builders 2 ist ein Pflichtkauf für alle, die den ersten Teil mochten, weil diese Fortsetzung hier noch besser macht, worin das Original schon gut war. Ihr kommt wahnsinnig leicht in durchaus komplexe Baumechaniken, indem ihr einfach der Geschichte folgt. Ihr lernt, wie man baut, indem ihr zwischen Quests einfach ein bisschen herumprobiert. Square Enix legt euch hier wirklich so wenige Hürden wie möglich in den Weg. Nur wenn ihr mit der etwas veralteten Grafik nicht klar kommt oder wenn ihr Klötzchen-Spielen vielleicht grundsätzlich nichts abgewinnen könnt, wird auch der Dragon-Quest-Anteil das Spiel nicht für euch retten. Aber ich möchte frei heraus sagen: Ich hatte noch nie so viel Spaß damit, virtuelle Steinchen zu stapeln wie hier. Dragon Quest Builders 2 hat mich zum Erbauer gemacht. Vielleicht geht's euch ja ähnlich.

Entwickler/Publisher: Square Enix, Omega Force/Square Enix - Erscheint für: PS4, Switch - Preis: 59,99 Euro - Erscheint am: 12. Juli 2019 - Gestestete Version: PS4 - Sprache: deutsche Texte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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