Fans rufen zum Boykott von Borderlands 3 auf, weil Take-Two gegen einen Youtuber ermitteln lässt

"[Sie] drangen auf meinem Privatbesitz ein und verhörten mich."

Ihr lest das hier besser ganz.

Aufgebrachte Fans rufen aktuell zum Boykott von Borderlands 3 auf, weil ein Youtuber davon berichtet, Take-Two habe ihm Privatdetektive nach Hause geschickt - im Großen und Ganzen aufgrund von Leaks zum Spiel, die er auf seinen Kanälen verbreitete. Das Hashtag #BoycottBorderlands3 trendete zwischenzeitlich sogar auf Twitter. Tatsächlich bestreitet Take-Two nicht einmal, dass gegen Matt "SupMatto" Somers ermittelt wird, allerdings ist der Fall offenbar nicht ganz unkompliziert.

Laut Somers tauchten am 25. Juli zwei Privatdetektive im Auftrag Take-Twos "bei mir zuhause auf, betraten widerrechtlich meinen Privatbesitz und begannen, mich zu verhören". Die Fragen hätten sich um seine Berichterstattung zu SteamDB-Entwicklungen und die Seltenheit der Rainbow-Items aus dem Fight for Sanctuary DLC gedreht. Er sei während der Befragung sehr angespannt gewesen.

In seiner Video-Stellungnahme nach zwei Wochen Funkstille erklärt Somers auch, wie er an die Informationen, die er schließlich leakte, gekommen sei: Im Trailer zu der Borderlands-3-Twitch-Erweiterung seien User-Accounts von Borderlands-Testern zu sehen gewesen sein, denen er auf Twitch nur folgen musste, um das eine oder andere Neue zu erfahren.

Somers besteht darauf, dass diese Accounts öffentlich waren und er keinen "kniffligen Workaround" benutzt habe. Etwa 185.000 Leute hätten dieses Video geschaut und ergo ebenfalls den Namen des Entwickler-Accounts gesehen.

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'Seit ich Zeit hatte, über die Situation nachzudenken, würde ich sagen, dass mich die Aufregung übermannt hat', so Somers. 'Als erwachsener Mensch, als jemand, der darüber nachgedacht hat ... es war ein bisschen doof von mir.'

Aber Take-Two scheint dennoch Probleme mit Somers Verhalten zu haben, wie eine Stellungnahme gegenüber IGN zu verstehen gibt. Der Publisher bestätigt die Nachforschungen über Somers, sagte aber, dass viele der Informationen, die der Youtuber jetzt in seinem Video zur Situation mitgeteilt habe, "unvollständig und in manchen Fällen unwahr" gewesen seien.

"Take Two und 2K nehmen die Sicherheit und Vertraulichkeit von Branchengeheimnissen sehr ernst", so der Unternehmenssprecher. "Unsere Maßnahmen sind das Resultat einer zehnmonatigen Ermittlung und des wiederholten Profitierens dieses Creators an dem Bruch unserer Geschäftspolitik, am Leak vertraulicher Informationen über unsere Produkte und dem Bruch unseres Copyrights."

"Viele seiner Handlungen waren nicht nur illegal, sie beeinträchtigten auch das Erlebnis anderer Content Creators und unserer Fans im Anlauf auf das Spiel."

Das klingt ein wenig wischiwaschi, vor allem in Bezug auf die angeblichen illegalen Aktivitäten. Aber 2K erzählte IGN, dass die Twitch-Streams, die Somers als Quellen für seine Informationen angibt (und angeblich öffentlich waren) in Wirklichkeit auf privat gesetzt waren. Von anderen Quellen erfuhr IGN zudem, dass Somers zuvor angeblich unter den Perks für eine 5-Dollar-Mitgliedschaft mit Leaks zu Borderlands 3 auf seinem Discord-Kanal geworben habe. Natürlich könnte man das als "Handel mit vertraulichen Informationen" auslegen, aber genau so gut könnte es sein, dass man sich hier nur über die neuesten News ("Leaks") austauschen wollte. Ein Zugang zu einem Discord-Server eines Creators ist keine ungewöhnliche Belohnung für Unterstützer.

So oder so, der Zorn der Massen ist erregt. Viele Fans sehen eine Einschüchterungstaktik dahinter. Unter dem Hashtag #BoycottBorderlands3 gibt es lange Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit, manche sagen, ein Boykott bestrafe die Entwickler mehr als die Verantwortlichen auf Management-Ebene und natürlich ist auch eine Menge Häme dabei ...

Das ist nicht das erste Mal, dass man im Zusammenhang mit Take-Two von Privatdetektiven hört. 2015 wurde das Unternehmen bereits beschuldigt, einem GTA5-Modder solche Ermittler nach Hause geschickt zu haben. Dort ging es dem Modder zufolge darum, dass man ihn dazu gedrängt habe, sein Projekt FiveM zu beenden - eine Mod-freundliche Alternative zu GTA Online.

Ich könnte mir vorstellen, die Entwickler hinter Borderlands 3 hätten ebenfalls mal gern ein wenig Ruhe. Neben dem Aufschrei über die Epic-Exklusivität war auch CEO Randy Pitchford mehr in den Medien, als man sich das wohl für sein Spiel wünschen würde.

Somers hat in der Zwischenzeit viele seiner Videos über die Borderlands-3-Leaks gelöscht, sein Discord wurde wegen "Verkaufens, Bewerbens und Verbreitens von Cheats, Hacks oder gecrackten Accounts" gelöscht. Er werde bis September eine Pause machen und seine Position überdenken

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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