Star Trek Timelines ist abschreckender als die Borg

Widerstand ist sinnvoll.

Wäre Star Trek Timelines eine Star-Trek-Folge, die Story verliefe aller Wahrscheinlichkeit nach so: Ein paar Ferengi reisen auf der Suche nach Profit - was sonst? - zurück in die Vergangenheit. Auf der Erde der Gegenwart stoßen sie auf das Free-to-play-Modell, das große Profite verspricht, und entwickeln auf Basis dessen ein Spiel. Eines, das euch an vielen Ecken und Enden darauf hinweist, dass ihr hier Geld ausgeben könnt, um ganz, ganz tolle Dinge zu erhalten.

Zugegeben, Star Trek Timelines gibt es seit einer Weile. Vor kurzem stieß ich zufällig auf Steam darauf und dachte mir, dass ein Blick darauf trotz gemischter Reaktionen nicht schaden kann. Im Hinterkopf die schönen Erinnerungen an die goldene Ära der Star-Trek-Spiele vor knapp zwei bis drei Dekaden. Eine Zeitperiode, die uns Spiele wie Starfleet und Klingon Academy bescherte, Elite Force, Armada, diverse klassische Adventures und so weiter. Es ist traurig, an welchem Punkt das Franchise in puncto Videospiele heute steht.

Und Timelines macht es nicht besser. Die Entwickler bezeichnen es als Strategie-RPG, im Kern ist es ein Sammelkartenspiel. Eines mit diversen Solo-Episoden, was es für Einzelspieler reizvoll macht. Am Anfang habt ihr als Captain die Kontrolle über ein Föderationsraumschiff der Constellation-Klasse. Dass ihr nicht sofort mit der majestätischen Sovereign-Klasse oder einem anderen schicken Raumschiff durch den Weltraum düst, ist nicht überraschend.

Timelines vereint dabei Inhalte aller Star-Trek-Serien: TOS, TNG, DS9, Voyager, Enterprise und Discovery. Und scheut sich nicht, alles davon kräftig durchzumischen. In meiner Crew befanden sich zuletzt zum Beispiel Picard, Spock, Seven of Nine, Data, Jadzia Dax sowie Shran und Saru. Es ist im Kern halt ein Kartenspiel, bei dem ihre eure Crew beziehungsweise euer Deck aus allen verfügbaren Protagonisten zusammenstellt, wie ihr es möchtet. Jeder von ihnen verfügt über unterschiedliche Fähigkeiten. Picard ist zum Beispiel ein guter Diplomat, Seven of Nine versteht sich im Umgang mit Technik. Wer die Serien kennt, ordnet die Fähigkeiten gedanklich direkt zu, ohne hinzuschauen. Durch Erfahrungspunkte steigen die Charaktere zudem im Level auf und ihr lasst sie zusätzliche Ausrüstungsgegenstände zur Verbesserung einzelner Fähigkeitenwerte nutzen.

Die Quests bestehen zum einen aus Außenmissionen, für das ihr nach Möglichkeit das passende Team zusammenstellt. Ihr hangelt euch dann von einer Aufgabe zur nächsten und wählt den hoffentlich geeigneten Charakter dafür aus. Die benötigten Eigenschaften seht ihr bei jeder einzelnen Questaufgabe und vor der Mission erhaltet ihr ebenso einen Überblick darüber. Klingt auf dem Papier spannend, ist aber dröge. Klicken, Ergebnis abwarten, Text lesen, wiederholen. Funktioniert nicht? Mission erneut mit anderen Crewmitgliedern starten.

Ähnlich verhält es sich in den "atemberaubenden 3D-Raumschiffkämpfen", wie die Entwickler sie beschreiben. Wobei davon keine Rede sein kann. Gut möglich, dass das vor ein paar Jahren auf einem Smartphone okay aussah. Heutzutage, auf Steam und vor allem auf einem potenten Rechner ist es ... alles außer atemberaubend. Die Qualität der Grafik bewegt sich maximal auf Xbox-360-Niveau und spielerisch sieht es in diesem Bereich nicht besser aus. Die Schiffe feuern automatisch auf ihren jeweiligen Gegner und fliegen herum, ihr betätigt einzig ein paar Knöpfe für spezielle Aktionen eurer für den Kampf ausgewählten Crewmitglieder. Somit steigert ihr zum Beispiel die Ausweichchance oder die Angriffskraft. Spannend geht anders.

Eure Crew könnt ihr mit Charakteren aus allen Zeitperioden bunt durchmischen.

Ich gebe zu, dass Timelines zeitweise nett wirkt. In den Momenten, in denen vertraute Melodien zu hören sind, ihr bekannte Charaktere freischaltet. Das sind Augenblicke voller Nostalgie. Wenn das Spiel seine Sache ansonsten vernünftig machen würde ... Es ist wie häufig bei Free-to-play-Titeln: Die Entwickler werfen euch ein paar Leckerlis vor die Nase, um dann bei der nächsten Gelegenheit zu sagen, gib doch ein wenig Geld aus, um tolle Sachen zu bekommen. Vielleicht. Keine Garantie. Ich freute mich zum Beispiel, in einer kostenlosen Lootbox "Baupläne" für einen K'Tinga-Schlachtkreuzer zu bekommen. Um dann festzustellen, dass ich 200 Teile von diesen Bauplänen benötige und nicht zehn Stück. Und wie erhöhe ich meine Chance auf mehr? Natürlich primär durch Käufe mit Echtgeld.

So ist Star Trek Timelines am Ende trotz interessanter Ansätze und nostalgischer Gefühle aufgrund des mehr als flachen Gameplays und des Pay-to-win-Aspekts nichts, was mich vor den Bildschirm fesselt. Bekämen Spiele im Star-Trek-Universum doch nur die gleiche Aufmerksamkeit wie aktuell die Serien ... Liebe Lizenzinhaber: Wie wäre es, wenn ihr einfach ein paar Indie-Studios zusammentrommelt und sie mit der Lizenz herumspielen lasst? Ich bin überzeugt, da kämen einige gute Sachen dabei herum. Ein Roguelike à la FTL? Ein Birth of the Federation 2 oder ein geistiger Nachfolger? Eine Art Privateer im Trek-Universum? Das ist nichts, was ein Mega-Budget bräuchte. Und besser als Timelines wäre es allemal.

Entwickler/Publisher: Disruptor Beam - Erscheint für: PC, Mobile - Preis: Free-to-play - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: PC - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Ja

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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