The Witcher 3 auf Nintendo Switch am 15. Oktober - Die Macht des kleinen Screens ...

... lässt den Witcher richtig gut aussehen.

Die spannende Frage ist nicht, ob man Witcher 3 auf ein System mit dem Gaming-Prozessor-Äquivalent eines Taschenrechners - hart gesprochen, ich weiß - umsetzen kann, sondern ob man es sollte. Ein Spiel, das zwar sicher auch von brillanten Erzählungen, aber ebenso sehr von seiner so üppig ausgestatteten Welt lebt, mit zig NPCs aller Art, die durch Dörfer und Städte wuseln ... Was bleibt von einem Witcher, wenn hier die Kompromisse zu groß werden? Die Antwort drauf lässt sich relativ leicht emulieren: Nehmt eine PC-Version, stellt sie auf 720p, setzt alle Details auf niedrig bis mittel und setzt die Frames auf etwa 25. Klingt jetzt nicht so reizvoll, oder?

Die Wahrheit ist wie immer nicht so einfach und binär. Ja, auf dem großen Screen ist Witcher 3, aus dem Switch-Dock heraus gespielt, sicher nicht die Erfüllung. Um genau zu sein, ist es mit Ausnahme vielleicht eines absoluten Non-Gaming-Laptops als Plattform die schlechteste Version, mit der ihr eines der besten Spiele am Markt genießen könnt. Sicher, es ist immer noch Witcher 3, es erzählt immer noch seine legendären Stories und nimmt einen gefangen. Es ist der SD-Film-Effekt. Nach einer Stunde ist man im Spiel drin und achtet nicht mehr so sehr auf die niedrige Auflösung oder die matschigeren Texturen. Und ist keine PS4 in der Nähe, zu der man rüberschielen könnte, dann spielt man es halt, glücklich, ein solches Spiel in seiner Gänze in den Händen halten zu dürfen.

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Erwartet nur kein Nvidia Hairworks.

Aber wie viele Leute spielen eigentlich Switch-Titel auf einem TV? Es gibt keine wirklich verlässlichen Zahlen, aber der Konsens ist eindeutig: nicht so viele. Gut für den Witcher, denn der erste Kontakt im Rahmen eines Anspiel-Events fand auf dem kleinen Screen mit seiner übersichtlichen Auflösung statt. Und siehe da, der visuelle Effekt war gleich ein ganz anderer. Auf so kleiner Fläche reduziert, fallen die Mängel der Switch-Witcher-Grafik weit weniger ins Gewicht. Der Effekt ist hinlänglich bekannt, siehe so ziemlich jedes Bethesda-Spiel für Nintendos Kleinste. Im Gegensatz zu einem Doom kommt aber noch hinzu, dass bei einem vergleichsweise ruhigen RPG - zum jetzigen Zeitpunkt, es wird noch etwas gefeilt - die weder besonders hohe noch super-konsistente Framerate stört. Im Gegensatz zu Doom und Wolfenstein fällt weder bei Witcher oder Skyrim ins Gewicht, dass der weite Blick über das Land mal ein wenig ins Zittern kommt. Wer so Technik-verliebt ist, muss dann eben auf Reisen oder am Zweit-Gaming-Platz in der Wohnung zu mehreren Kilo Laptop greifen.

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Die Sichtweite ist hoch und der Eindruck einer großen Welt bleibt trotz der niedrigen Auflösung gut erhalten.

Sicher, auch sonst merkt man hier und da, dass es Kompromisse geben muss. Reitet ihr im Eiltempo durch das schöne Toussaint, dann kommt das Spiel nicht immer hinterher, seine NPCs zu laden, und sehr untermittelt tauchen Wachen oder Bauern vor euch auf der Straße auf. Nicht, dass es spielerisch jetzt viel machen würde, es ist halt ein kleiner Knick in der sonst so dichten Immersion in diese Welt. An anderen Stellen gibt es keine Einbußen: Die Sichtweite, egal ob von höchsten Punkten über Toussaints weite Felder oder über Skelliges endlose Ozeane, ist kaum, wenn überhaupt, geringer als auf den anderen Plattformen. Die Dichte der NPCs scheint nicht gelitten zu haben, die Ausleuchtungseffekte sind so geschickt genutzt, dass die dichte Atmosphäre erhalten bleibt. Die Ladezeiten liegen auf dem Niveau der anderen Plattformen, mit Ausnahme der schnelleren PCs natürlich. Und auch, wenn nicht jede Wache immer von Weitem zu sehen ist, das Buffern neuer Gebiete scheint tadellos zu funktionieren, sodass ihr die großen Gebiete genauso nahtlos erkunden könnt. Und da man auch an Dinge wie größere Schrift gedacht hat, kann ich es kurz wie knapp zusammenfassen: Witcher 3 spielt sich schlicht gut auf dem kleinen Screen.

Nett ist erstmal natürlich auch, dass es gleich das ganze Paket gibt, also alle bisherigen Add-ons, von denen bekanntermaßen Blood and Wine allein so groß ist, wie so manches gesamte Konkurrenzprodukt. Das ist eine Menge Witcher, locker 50 bis 100 Stunden je nach Spielweise und dafür sind die kommenden 60 bis 70 Euro doch ein echtes Schnäppchen, oder? Nun, ja, solange man nicht daran denkt, dass es die PC-Version oft genug für 20 Euro und weniger gab und auch die Konsolen-GOTY-Ausgaben um die 35 Euro liegen. Es ist die übliche Crux: Ihr zahlt das meiste Geld für das, was technisch gesehen die schlechteste Version ist. Mit dem Problem steht der Witcher sicher nicht allein da, es gab auch schon ganz andere Exzesse und das ist eine Frage, die jeder für sich selbst mit seinem Portemonnaie abklären muss.

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Hier ist am Ende eh die Story das Wichtigste.

Ich persönlich liebe ein gutes RPG auf Reisen, gerade auf so langwierigen Bahnfahrten wie in diesem Moment. Es sieht alles danach aus, als wäre der Witcher dafür so gut geeignet wie ein Skyrim oder Zelda und als Zweit-Version auf meiner Zweit-Konsole stören mich die technischen Unzulänglichkeiten herzlich wenig. Auf dem kleinen Screen sieht es jetzt schon gut aus, generell spielt es sich ausgezeichnet, als Spiel ist es eh in den Olymp aufgestiegen. Ich würde jedem raten, Witcher 3 das erste Mal in der technisch möglich besten Version auf einem möglichst großen Screen mit einem möglichst dicken Soundsystem zu erleben. Danach spielt man es später noch mal auf der Switch und freut sich, dass diese Version auf dem winzigen Gerät viel besser läuft, als es eigentlich der Fall sein sollte und genießt überall und unterwegs ein Wiedersehen mit lieb gewonnenen Freunden und Feinden in einem der besten Rollenspiele aller Zeiten.

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Über den Autor:

Martin Woger

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