Retroplace.com - Das Discogs für Games im Aufbau

Einer wird es am Ende werden. Warum also nicht das hier. 

Die kleinen Dinge der Gamescom, die man meist liegenlässt ... Ich werde zumindest ein paar davon heute mal durchgehen. Eines davon war in der Retro-Ecke, die fröhlich wächst und inzwischen keine reine Aneinanderreihung von alten Konsolen, Computern und Arcades mehr ist, an denen man nostalgisch ein Stündchen schnell totschlagen kann, sondern immer mehr neue Hersteller für Technik-Lösungen, Zubehör und neue-alte Spiele findet. Jedes Jahr ein wenig spannender. Einer der Stände, dem ich alles Glück der Welt wünsche, aber nicht sehe, dass sie diejenigen sein werden, die es dann am Ende schaffen... aber dann, einer muss es ja schaffen, und vielleicht wird retroplace.com doch das Discogs der Spiele, das ich und viele andere vermissen.

Für alle, die nicht wissen, was Discogs ist: Es ist eine gewaltige Community-Datenbank für physische und auch digitale Musik- und Musikdatenträger. Von 8-Track-Tapes bis zu FLAC-Releases findet ihr dort praktisch alles, was jemals an Musik veröffentlicht wurde. Nicht nur das, ihr findet es in jeder Version, die jemals erschien. Zudem habt ihr dort eine sehr aufmerksame, weit gefächerte Community, die sich um praktisch jede Ecke der Musikwelt dort kümmert. Und schließlich: Sofern es kein Bootleg oder reines Audio-File ist, wird es dort auch direkt gehandelt. Ihr könnt sehen, was die Verkaufspreise über einen langen Zeitraum waren, ob euch jemand abzocken möchte, oder ob es vielleicht einfach wirklich der Preis ist, der gefordert wird. Schließlich ist da noch die persönliche Sammlung innerhalb von Discogs. Wenn ihr brav seid und alle eure Musik da eintragt, habt ihr eine wunderbare Übersicht, was ihr eigentlich im Regal gehortet habt.

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Das Angebot im Marktplatz ist recht ausgewogen und nicht nur retro: Es reicht von Magnavox bis zur Switch. Insoweit weiß ich auch nicht, wie glücklich der Name gewählt ist.

Für Spiele gibt es das noch nicht, aber ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass die Gaming-Community es haben will, sogar braucht und das irgendjemand das Rennen machen wird. Retroplace.com ist ein ganz solider Start, ins Rollen gebracht von den Betreibern des Ladens Nippondreams aus München, Christian Corre und Armin Hierstetter. Letztes Jahr startete man den Marktplatz, der aktuell auch noch vor allem als solcher beworben und dargestellt wird. Ich starte aber mal mit der Datenbank an sich, weil ich glaube, dass diese am Ende der Schlüssel zum Erfolg sein wird, wenn sie gut strukturiert und benutzbar sein sollte.

Geht ihr auf die Seite, klickt ihr auf ein System, das euch interessiert, dann seid ihr auf dem besten Weg, wie man aktuell die Seite besucht. Die Datenbank ist schon ganz ordentlich gestartet, ihr findet zu selbst obskuren Systemen wie dem Atari Falcon 030 ein paar Einträge - nicht, dass es viel mehr für solche Exoten geben würde -, andere sind schon gut gefüllt. Es gibt die wichtigen Querverweise zu unterschiedlichen Benennungen des gleichen Titels und den verschiedenen Releases, es gibt oft die Produktcodes. Die Bilderdatenbank ist natürlich noch Lichtjahre von einem Mobygames entfernt, aber das ist auch verständlich und wird sich bei einem Erfolg und größerer Verbreitung schnell ändern. Und das ist auch der Schlüssel: Community. Wie auch Discogs kann retroplace nur den Startschuss mit der Seite und der Technik geben, die eigentliche Arbeit muss von den Ameisen wie mir gemacht werden. So ist es natürlich gut, dass ich sagen kann, dass die Eingabe eines neuen Titels oder das Bearbeiten eines vorhandenen intuitiv und simpel genug gelöst wurde. Wenn ihr einen Exoten im Regal habt und es euch angucken wollt, versucht es, es geht schnell und einfach genug.

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Wie bei Discogs: Ihr sehr die verschiedenen Releases auf einen Blick und wer es in seine optional öffentliche Sammlung gepackt hat.

Mit einer Datenbank lockt man aber nicht so schnell die Leute an, also wird natürlich aktuell der Marktplatz in den Vordergrund gerückt. Derzeit findet ihr 2000 Angebote und zu praktisch jedem System sind mindestens ein paar Titel dabei. Selbst ein Vectrex-Titel war zu finden, aber viele gar nicht so exotische Systeme wie 3DO oder CD32 sind noch schwach besetzt. Die Angebote sind natürlich direkt mit der Datenbank verknüpft, ihr seht alle Angebote auf einen Blick, die letzten Verkaufspreise und auch den Durchschnittspreis. Wiederum, die Ähnlichkeiten zu Discogs sind so offensichtlich wie willkommen und es macht durchaus Spaß, ein Weilchen herumzuklicken, zumal die Preise, die ich bisher sah, in den meisten Fällen nicht den Sofortkauf-Phantasien von Ebay entsprachen, sondern ein guter Mittelweg zwischen diesen und den realen Gebotspreisen einer Auktion waren. Solange die Zahl der Verkäufe und Angebote auf retroplace noch so übersichtlich ist, bleibt die Gegenprobe bei Ebay nicht aus, aber bisher war ich von den Preisen durchaus angetan. Keine Superschnäppchen, aber auch nicht die Abzocke, die auf Ebay gern um sich greift und das wäre auch meine generelle Discogs-Erfahrung.

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Auch Systeme werden verkauft, aber sehr viele Angebote sind da noch nicht zu finden.

Die große Frage ist natürlich die Verlässlichkeit. Es gibt da ein paar wirklich böse Jungs auf Ebay und damit meine ich nicht mal die offensichtlichen Betrüger. Das wären die Leute, die einem ein Top Gun in der Hülle eines Duck Tales verkaufen. Weit häufiger wird ein Spiel als neuwertig bezeichnet und wenn es dann ankommt fragt man sich, ob man besser das Institut für exotische Krankheiten anrufen sollte und ob sie nicht mal dieses Modul checken wollen. Der Aufbau des Vertrauens wird eine der größten Herausforderungen sein. Von dem, was ich bisher an Beschreibungen sah, scheinen sich die Verkäufer Mühe zu geben, Kratzer und Fehler nicht zu verschweigen, aber Garantien gibt es nicht. Man will sich um Beschwerden kümmern, bei Spielen im vierstelligen Bereich kontaktierte man die Verkäufer und lies sich Bilder schicken und versicherte sich so gut wie möglich, dass es "the real deal" ist, aber am Ende ist es ein Peer-to-Peer-Markplatz mit PayPal-Zahlung. Vertrauen ist die wichtigste Währung, entsteht nur über die Jahre und bis dahin wird es eine der wichtigsten Aufgaben der Betreiber sein, die Angebote sauber zu halten.

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Wenn es mehrere Angebote gibt, seht ihr sie im Überblick.

Für Verkäufer dürfte es reizvoll sein, dass die Gebühren recht übersichtlich sind: Mindestens 50 Cent sind fällig, 7 Prozent des Verkaufspreises inklusive angegebener Versandkosten sind es danach. Das liegt leicht unter Ebay - 10 Prozent - und Discogs - 8 Prozent - und ist deutlich besser als Amazon-Marketplace - 15 Prozent für Spiele, 8 für Konsolen. Dort zahlt man natürlich für etwas anderes: Jeder kennt Amazon, kaum jemand retroplace. Solche Popularität lässt man sich natürlich bezahlen.

Retroplace.com ist ein guter Anfang, der zu dem wachsen kann, was es sein möchte. Es ist noch nicht der Platz an den ihr geht, um ein bestimmtes Spiel zu finden, sondern mehr, um ein wenig zu stöbern und herumzuklicken. Vielleicht die eigene Sammlung im Regal durchgucken, sehen, was man vielleicht loswerden möchte oder was in der Datenbank noch fehlt. Der Aufbau des "Gaming-Discogs" wird Jahre dauern, retroplace ist noch nicht nah dran, aber es ist ein valider Kandidat, dem ihr ruhig einen Besuch abstatten könnt. Und falls ihr schon dort wart, was waren eure Erfahrungen?

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Über den Autor:

Martin Woger

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