Superhot verliert auf der Nintendo Switch nichts von seiner Einzigartigkeit

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Seien wir ehrlich: Dass Shooter originelle Ideen haben, passiert jetzt nicht so häufig, wie wir das gerne hätten. Es ist mit Sicherheit keine einfache Aufgabe, sich innovative Ideen einfallen zu lassen, die ein Spiel bereichern - ich beneide keinen um diesen Job. Ab und an kommt dann ein Spiel, das dieses Kriterium erfüllt und seine neuen Ideen so gut umsetzt, dass es aus der schieren Masse an Spielen hervorsticht.

Eines dieser Spiele war und ist Superhot. Dessen Ansatz unterscheidet sich deutlich von dem anderer, schnellerer Shooter wie zum Beispiel Doom. In Superhot steht die Zeit still - okay nicht ganz, sie bewegt sich extrem langsam, solange ihr euch nicht bewegt. Macht ihr einen Schritt, dreht die Kamera oder führt eine beliebige Aktion durch, bewegt sich zugleich die Zeit. Das klingt auf den ersten Blick extrem simpel, ist es aber nicht, weil euch das Spiel in schwierige Situationen steckt.

Die Herausforderung ist, dass ihr immer in der Unterzahl seid und keine Waffe habt. Oh, nicht vergessen: Ein Treffer bedeutet euren sofortigen Tod und der Level startet von vorne. Trotz der verlangsamten Zeit braucht es präzise Bewegungen, eine gute Auffassungsgabe - erkennt Dinge, ohne euch zu bewegen - und zum Teil ein wenig Glück, wenn eine übersehene Kugel wenige Zentimeter an euch vorbeischießt.

Zu Anfang lernt ihr, wie das alles hier funktioniert. Die Level sind noch vergleichsweise einfach.

Rechnet damit, dass ihr des Öfteren scheitert. Es ist einer der Reize, die das Spiel ausmachen. Ihr wisst, dass ihr das packt und ärgert euch, wenn ihr einen dummen Fehler macht oder nicht richtig aufgepasst habt. Also stürzt ihr euch nach dem sofortigen Neustart gleich erneut ins Getümmel und macht es dann besser. Jedes Scheitern hat einen Lerneffekt und ihr freut euch über jeden Level, den ihr ohne zu sterben abschließt.

Zu Anfang wirkt das noch wie eine große Herausforderung, mit der Zeit legt sich das. Habt ihr die Kniffe des Spiels erlernt und verstanden, wie ihr euch am besten bewegt, lauft ihr elegant durch die Level und schaltet einen Widersacher nach dem anderen aus. Das Coole daran: Nach jedem erfolgreich abgeschlossenen Level präsentiert euch das Spiel eine Wiederholung eures Runs, der in Echtzeit abläuft - und ihr erkennt, dass ihr das alles so ohne Zeitlupe nie in der Geschwindigkeit geschafft hättet.

Es ist ein Gegenentwurf zum erwähnten Doom, in dem ihr ständig in Bewegung seid, wie wild durch die Arenen hüpft, um den Tod zu entgehen. In Superhot kann Bewegung einen schnellen Tod zur Folge haben. Und bis das ins Blut übergeht, bis ihr verinnerlicht habt, nicht ständig die Kamera nach Belieben zu drehen oder einen unbedachten Schritt zur Seite zu machen, dauert es ein paar Level.

Die Wiederholungen zeigen, wie das Geschehen in Echtzeit abläuft.

Es kommt auf eine gute Planung an und wie gesagt hilft euch nach dem Ableben der Lerneffekt. Mit der Zeit versteht ihr, welche Feinde ihr am besten zuerst ausschaltet, um an eine Waffe zu gelangen. Was kein Allheilmittel ist, nach ein paar Schüssen ist das Magazin leer. Ihr werft die leer geschossenen Schießeisen auf die Kontrahenten, um andere Gegner zu entwaffnen oder aus dem Tritt zu bringen, ebenso andere Gegenstände aus der Umgebung, wenn vorhanden. Beobachten, lernen und planen sind in Superhot drei wichtige Elemente.

Das Spielprinzip ist so eingängig, dass es schwer fällt damit aufzuhören. "Okay, jetzt nur noch einen Level...", denkt ihr euch und spielt vier Level später noch immer. Dazu bietet sich Superhot an, weil die einzelnen Abschnitte nie lang sind. Jeder ist eine Herausforderung für euch und alles perfekt hinzubekommen, hinterlässt am Ende ein wahres Glücksgefühl - vor allem, wenn ihr das ohne zu sterben schafft.

Obendrein verzückt das Spiel mit einem wunderbaren Menü, das an die gute alte MS-DOS-Zeit erinnert - die Älteren unter uns erinnern sich -, was obendrein im Verlauf des Spiels in der Geschichte der Kampagne zum Einsatz kommt. Weiterhin findet ihr viele kleine Details, darunter Mini-Spiele, Bildschirmschoner und andere Dinge. Da hat sich ein Entwickler bei der Gestaltung was dabei gedacht.

Ihr nutzt auch Objekte aus der Umgebung für eure Zwecke.

Insgesamt beschäftigt euch die Kampagne nicht mehr als ein paar Stunden, wenngleich ihr diese auf jeden Fall genießt. Und das heißt nicht, dass danach Schluss wäre. Es gibt noch einen selbsterklärenden Endlosmodus, in dem ihr so lange spielt, wie ihr überlebt. Und einen Challenge-Modus, der die Kampagne mit spezifischen Voraussetzungen - kämpft zum Beispiel ausschließlich mit einem Katana - zu einer schwierigeren Angelegenheit macht.

Darüber hinaus unterstützt das Spiel die Bewegungssteuerung der Switch. Damit kam ich allerdings nicht so richtig klar, weil sie die Angelegenheit durch kleinste Bewegungen nicht einfacher macht und empfindliche reagiert. Mein Tipp wäre, es definitiv mit der normalen Controller-Steuerung in Angriff zu nehmen. Davon abgesehen ist die Umsetzung auf die Switch weitestgehend sauber, ganz vereinzelt gibt es leichte Probleme mit der Framerate, die sich aufgrund der Natur des Spiels kaum störend auswirken.

Daher: Möchtet ihr einen der innovativsten Shooter der letzten Jahre unterstützen, dann holt euch Superhot. Es ist ein spannendes, forderndes und zugleich befriedigendes Spiel mit einer interessanten Prämisse und einem einzigartigen Look.

Entwickler/Publisher: Superhot Team - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: 22,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: Switch - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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