Monster Hunter World: Iceborne - Test: So cool ist es im Schnee

Fast schon ein Sequel.

Von wegen Erweiterung: Die Jagd in der wunderschönen Raureif-Weite fühlt sich fast wie ein rundum verbesserter Nachfolger an!

Monsterjäger aufgepasst - nach der Story von Monster Hunter: World und den Late-Game-Inhalten sind die Abenteuer mit Capcom noch nicht vorüber. Seit Monaten wirbt der Publisher mit Iceborne, einer Erweiterung, die den Dschungel-verwöhnten Monster Huntern ein wenig Eiseskälte durch die Fenster reinpusten soll. Soll heißen: ganz viel Schnee, Eis und riesige Kreaturen. So weit, so gut, so erwartet. Was mich dann aber doch überrascht hat, ist der Umfang von Iceborne. Das Ding ist schlicht riesig!

Die Story war noch nie die größte Stärke von Monster Hunter und so finden sich schon in der ersten Szene von Iceborne Logikfehler. Mein Jäger und seine Partnerin beobachten, wie ein Schwarm Legiana aus dem Uralten Wald flüchtet. Sie fliegen hoch hinaus und steuern auf eine vernebelte Landmasse zu, die sich später als der neue Schauplatz entpuppt. Die beiden Experten für Monster stellen fest, dass sich entweder das Habitat verändert und die Legiana deshalb einen neuen Platz zum Leben suchen oder sie vielleicht sogar verjagt werden. Doch anstatt sich im Uralten Wald vor unserer Tür umzusehen, folgen wir lieber direkt den Monstern in Richtung Eiseskälte.

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Ganz schön kalt hier!

Ein paar Momente und Videosequenzen später, springe ich auch schon ab und suche einen geeigneten Landeplatz für den Rest der Crew in der Raureif-Weite. Dass der optimale Punkt für das neue HUB zunächst von einem Monster befreit werden muss, bildet den Einstieg und ersten Kampf in Iceborne. Der Angriff auf Beotous zeigt bereits viele wichtige Neuerungen. So fällt es mir im Schnee oft schwerer, mich zu orientieren, außerdem versinke ich regelrecht in den pulvrigen Massen. Beotodus hingegen ist das gewohnt und nutzt das Habitat zu seinem Vorteil: Er taucht unter, wälzt sich und gleitet blitzschnell auf mich zu. Der Kampf selbst sollte für Veteranen nicht besonders schwer sein. Gelegenheitsspieler hingegen merken sicher bereits hier, dass der Schwierigkeitsgrad noch einmal richtig angezogen hat. Aber keine Sorge - als Anfänger verirrt sich hier niemand hin. Die Voraussetzungen für den Start in die eisige Wildnis sind das Abschließen der Story und das Erreichen von mindestens Jägerrang 16.

Die Witterungsumstellung ist neu für mich und abgesehen von dem strahlenden Weiß, das schon fast in den Augen schmerzt, muss ich mich auch mehr um meine Gesundheit und Resistenzen kümmern. Zum Glück liegt in meinem kleinen Camp bereits eine Dekorüstung parat, die perfekt zu dem Wetter in der Raureif-Weite passt. Ich kann sie über meiner Rüstung tragen und behalte alle Stats bei. Ganz nach dem Motto "Mix and Match" bietet die Erweiterung die Möglichkeit, mehr Effekte (Stichwort Eisresistenz und extra Feuerschaden), mit neuen Kleidungsstücken hinzuzufügen. Das funktioniert durch die Dekorationsteile der Stufe 4, die zwei Slots für neue Fähigkeiten bereithalten. Besonders wichtig als Vorbereitung ist zudem der Kälteschutz-Trank. Ohne ihn fällt meine Ausdauer in Windeseile auf den Nullpunkt, was mir in Kämpfen einen deutlichen Nachteil geben würde. Mein Tipp: Sammelt auf euren Wegen ganz fleißig Pfefferschoten!

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Banbaro's Geweih ist gefährlich - für Jäger und andere Monster.

Wenn Capcom etwas beherrscht, dann ist es, dieser Welt und ihren Bewohnern ein beeindruckendes Gefühl von Größe zu geben. Die Revierkämpfe zwischen den einzelnen Kreaturen waren schon im Uralten Wald nett anzusehen und die kleinen Zwischensequenzen ein Leckerbissen für das Auge. Ich finde, die Qualität dieser Darstellungen hat in Iceborne noch einmal richtig zugelegt. Ich habe mich bereits mehrmals dabei erwischt, wie ich hinter einem großen Stein Deckung gesucht und dabei einfach die imposanten Biester beobachtet habe. Es ist fast wie ein Spielfilm, wenn Banbaro mit seinem riesigen Geweih ein anderes Monster attackiert und hochwirft, um es dann zu rammen.

Den beeindruckenden Kreaturen im XXL-Format stehen auch die kleinen Details in Monster Hunter: Iceborne in nichts nach. Das fängt bereits bei den Reifkäfern in den ersten Spielminuten an, die Mini-Schneekugeln zu großen Bällen rollen. Niedlich sind auch die kleinen Äffchen, die sich in der Nähe der heißen Quellen aufhalten und entspannt durch das Wasser treiben. Im Laufe der Story von Iceborne habe ich zudem ein Katzographie-Set erhalten, was mein Auge nur noch mehr auf die kleinen Dinge im Spiel gerichtet hat. Mit diesem Gerät sollen nämlich die kleinen Freunde aus der Raureif-Weite fotografiert werden. Dazu gibt es spezielle Aufgaben, die zusätzliche Items und vor allem Erfahrungspunkte bringen.

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Eisige Herausforderungen erwarten euch.

Neue Forschungsaufträge gibt es im HUB, das nach dem Besiegen von Beotodus nun im Schnee einen Platz findet. Die Jäger taufen die Basis Seliana und beginnen sogleich damit, alle Annehmlichkeiten bereitzustellen. Anstatt einer kleineren Basis mit eingeschränkten Möglichkeiten, ist Seliana eine verbesserte Version des Hauptlagers aus dem Grundspiel. Vor allem die leichte Erreichbarkeit aller Stationen ist ein Segen. Ich muss nicht mehr durch verschiedene Ebenen stiefeln, Ladezeiten in Kauf nehmen und ewig suchen, bis ich die richtige Station gefunden habe. Die Schmiede, das schwarze Brett, mein luxuriös eingerichtetes Zimmer und die NPC's sind alle nah beieinander. Das spart Zeit und Nerven.

Für Entspannung ist ebenfalls gesorgt, denn ich kann mich von einer Katzen-Oma mit tollen Speisen bekochen lassen, die noch leckerer aussehen als im Hauptspiel. Außerdem verpassen sie meinem Jäger einen ordentlichen Boost. Neu ist auch, dass im Versammlungsraum (für den Multiplayer) nun alles vorhanden ist und ich den Ort nicht verlassen muss, um eine neue Rüstung anzulegen oder ein paar Kräuter zu ernten. Außerdem wird der Schwierigkeitsgrad an die Anzahl der Spieler angepasst. Verlassen also zwei Spieler die Gruppe während einer Mission, sinkt die Stärke des gesuchten Monsters.

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Hier ist es aber gemütlich!

Ob nun allein, im Team oder mit Verstärkung durch ein Notsignal, geht es auch in der Erweiterung vor allem um eines: das Kämpfen. Mit Beotodus am Anfang bekam ich die Möglichkeit, mich wieder in die Mechaniken reinzufinden und die ersten Schritte im Schnee zu wagen. Doch das war noch lange nicht alles. Ausgerüstet mit wärmenden Tränken, dem Lebensretter-Mantel, sowie jeder Menge Heilitems, habe ich mich in das eisige Gebiet gewagt und bin in gewohnter Manier den Fußspuren gefolgt. Am Spielprinzip selbst hat sich nämlich nicht viel verändert: Auftrag annehmen, Spuren folgen und das Monster mit maximal drei Versuchen platt machen.

Da der Schwierigkeitsgrad vor allem ab der Hälfte von Iceborne richtig zulegt und ich allein nicht mehr weiterkam, habe ich eine neue Technik ausprobiert. Die Klammerklaue bietet Jägern die Möglichkeit, sich an den riesigen Kreaturen festzukrallen und so aus nächster Nähe richtig Schaden zu verursachen. Kralle ich mich dabei an ein Körperteil, das eine Attacke ausführt, werde ich prompt wieder abgeworfen. Ansonsten heißt es: festhalten und zuschlagen! Die Technik erleichtert das Erlegen von starken Monstern enorm, sodass es auch allein schaffbar ist, ohne ein Veteran auf dem Maximallevel zu sein. Gerade für Casual-Spieler ist die permanente Verwendung der Klammerklaue eine große Hilfe. Für erfahrene Spieler hingegen bei dauerhafter Nutzung ein Element, das ihnen die Kämpfe zu leicht macht. Das ist zwar schade, aber da diese Technik völlig optional ist, muss ich sie auch nicht (so viel) verwenden. Sollte sich Iceborne zudem an dem Hauptspiel orientieren, erwartet die erfahrenen Spieler neben dem neuen Meisterrang auch noch eine Reihe an wirklichen Herausforderungen im Late Game.

Monster Hunter: World - Iceborne sieht einfach nur beeindruckend aus. Obwohl viele der im neuen Gebiet lebenden Monster bereits aus früheren Teilen des Franchises bekannt sind, stellen sie eine Herausforderung dar. Viber-Tobi-Kadachi kenne ich zum Beispiel bereits in einer ähnlichen Form, die Eis-Variante hat mich trotzdem ordentlich ins Schwitzen gebracht. Abgesehen von den weiterhin zermürbenden Ladezeiten, hat Iceborne für mich einen großen Schritt nach vorn gemacht und sich in nahezu allen Belangen weiterentwickelt. Gelegenheitsspieler finden hier eine große Herausforderung und Veteranen kommen zumindest ab der Hälfte auch ein bisschen in Bredouille. Dazu noch unzählige Details, zusätzliche Missionen und Ränge, sowie brandneue Monster. Die Inhalte des DLC's sprengen meine Erwartungen und fühlen sich an wie eine echte Fortsetzung.

Entwickler/Publisher: Capcom - Erscheint für: PS4, Xbox One. PC später - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: ja, kosmetisch - Getestete Version: PS4

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Über den Autor:

Franziska Behner

Franziska Behner

Freie Redakteurin

Die begeisterungsfähige Düsseldorferin hält sich eigentlich nur von Pixelspielen und Star Wars fern. Findet, dass in jedem Game Hasen(ohren) vorkommen sollten. Mit Kuchen und einem PS4-Controller in den Händen fast immer glücklich.

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