Voller Charme und Leben: Luigi's Mansion 3 ist das technisch beeindruckendste Spiel auf der Switch

DAS Horrorerlebnis zu Halloween ... trägt Latzhose an schlotternden Knien.

Ich war schon ziemlich beeindruckt von der Demonstration, die Luigi's Mansion 3 auf der Switch darstellt. Gestern hatte ich die Gelegenheit, eine neue Etage des virtuellen Spukhotels anzuspielen, die gut aufzeigte, wie viel Leben und Charme, aber auch technische Beschlagenheit BigN mal wieder zur Schau stellt.

Diese Leistungen bringt einfach niemand anderes - und bitte fangen wir jetzt keine Grundsatzdebatte darüber an, inwieweit Doom und Wolfenstein auf der Switch (bei aller imponierenden Skalierbarkeit) noch schön aussehen oder gut spielbar sind. Jeder Bildschirm steckt hier so voller Details und interaktiver Elemente, während die Echtzeit-Ausleuchtung, die Reflexionen und wunderbar wackelpuddingartigen Transparenzen auf dem halb-durchsichtigen Sidekick und Koop-Avatar Fluigi für maximale Stimmung sorgen.

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Man möchte ihn einfach nur in den Arm nehmen. Oder wahlweise schadenfreudig über ihn lachen, denn ihm passiert so einiger Schabernack.

Sogar die Performance bleibt auf einem durchweg guten Level, auch wenn 60fps bei dieser Pracht naturgemäß vom Tisch sind. Aber was soll's, wenn es bei den stabilen 30 bleibt, mit denen sich das Spiel gestern präsentierte, reicht das für diese Sorte Spielablauf auch. Man kann wirklich nicht genug darüber schwärmen, wie gut und vor allem zeitgemäß das hier aussieht. Vor allem nicht in einer Zeit, in der Entwickler ihren Xbox-One- und PS4-Spielen bisweilen sonst was antun, um sie auch auf der Nintendo-Konsole zum Laufen zu bekommen. Fast vergisst man, was möglich ist, wenn diese Hardware Ausgangspunkt der Entwicklung ist, den man von Anfang im Blick hatte, anstatt nachträglich in einen technisch rücksichtslosen Sturzflug gehen zu müssen.

Das Resultat ist beeindruckend. Wenn Luigi in der überwucherten Garten-Etage des verfluchten Hotels, in dem er und die Mario-Bande eigentlich nur Urlaub machen wollten, den Geister-Staubsauger anwirft, neigt sich jeder Zweig und jedes Blatt in Richtung des mächtigen Sogwirbels. Von der rissigen Kloschüssel bis zum Sofa beginnen Einrichtungsgegenstände stärker zu wackeln, als Luigis herzig schlotternde Knie. Als ich mit einer Kettensäge ein altes Sofa zerlege, erfreuen mich Staubpartikel und ein kleinteiliges Zerstörungsmodell, bei dem man sogar die Polsterfedern aus den Bruchstellen herausragen sieht. Und dass aus allem, was man mit seinem Haushaltsgerät irgendwie in Bewegung versetzt, auch noch Goldmünzen herausklimpern, die mit einem unfassbar befriedigenden Klingeln ins Inventar wandern, macht es nur umso befriedigender, sich in jeden Bildschirm so lange zu vertiefen, bis man sich sicher ist: Hier haben wir alles gesehen.

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Hinter Fluigi langzulaufen, sieht selbst dann noch toll aus, wenn man nebenher Control am PC mit einer RTX-Karte spielt.

Und das dauert tatsächlich, denn wie gesagt: Jeder neue Raum ist sehr individuell gestaltet und hält ein, zwei Geheimnisse bereit, die neben Sammelgegenständen und Währung oft auch individuelle Animationen springen lassen, die einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. In einem Raum kann sich Luigis Gelee-artiges Ebenbild Fluigi durch einen Gulli glitschen (mit "s") lassen, und dadurch die Rohranlagen unterhalb eines Badezimmers untersuchen. Was hätten die Mario-Brüder für diesen Skill wohl gegeben, als sie noch Klempner waren!

Also ja: Mir gefällt ausgezeichnet, wie dieses Spiel jeden seiner Räume als kleines Puzzle versteht, in dem man ein paar verschiedene Dinge machen kann. Als wir Koop spielten, gab es sogar ein, zwei Dinge, die uns das Spiel klar als "hier könnt ihr noch etwas machen" auswies, aber weder ich noch der Nintendo-Mitarbeiter neben mir kamen auf die Lösung. Das hatte schon was. Überhaupt wirkt alles außerhalb der Kämpfe gegen die zu blendenden und schließlich einzusaugenden Geister doch ziemlich entschleunigt und sympathisch gemütlich. Und dass man sich von der strengen Missionsstruktur des Vorgängers löste, spricht für schön ganzheitliche, ununterbrochene Erkundungsausflüge, was der Atmosphäre guttun dürfte.

Tinas Ersteindruck von der gamescom, dass sich der Titel ein wenig fummelig spielt, kann ich allerdings bestätigen. Ich habe nicht in die Optionen schauen können, ob noch alternative Kontrollschemata angeboten werden, aber der rechte Stick steuert Luigis Blickrichtung relativ zur Spielfigur, nicht relativ zum Bildschirm. Ergo ist es keine Lösung wie in einem Twin-Stick-Shooter, die Bewegung und Blick voneinander entkoppelt. Ich kann nicht sagen, ob das für Luigi besser wäre, vor allem nicht nach nur einer halben Stunde in einem Abschnitt am Ende des ersten Drittels. Aber mein Gehirn erwartete zumindest, dass es sich so steuern müsste. Das sorgte oft dafür, dass ich Luigi konfus um seine eigene Achse rotierte, anstatt den Gegner anzuvisieren. Zum Schluss hatte ich das jedoch gut genug drauf, um auch den Bosskampf zu schaffen. Und wer weiß: Vielleicht gibt es noch alternative Kontrollschemata.

So oder so: Luigi's Mansion 3 dürfte auf absehbare Zeit das technische Showcase für die Switch schlechthin bleiben. Und weil es mit seinem auf Erkundung und Sammelwut ausgelegten Spielablauf ohnehin ein wenig ohne Gleichen ist, dürfte Halloween dieses Jahr in vielen Haushalten Luigi mehr oder weniger allein gehören. Spiele mit Gruselthema, die sich an die ganze Familie richten, sind selten genug. Das hier ist eines von den Guten!

Entwickler/Publisher: Next Level Games/Nintendo Erscheint für: Nintendo Switch - Geplante Veröffentlichung: 31. Oktober

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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