Nintendo Switch Lite - Test: Unwiderstehliches Handheld Gaming

Mobile Magie.

Wer hätte das gedacht? Die Switch, die nicht wirklich "switchen" kann, ist ein absoluter Triumph - eine geschrumpfte Version der Hardware, die durchaus spektakulär demonstriert, dass dieses System abseits der Hybrid-Funktionalität schon immer im Herzen ein Handheld war. Und ein brillantes noch dazu. Ja, das neue Modell ist günstiger, zusammengeschrumpft, deutlich vereinfacht und lässt einige nette Features vermissen. Aber man bekommt das Gefühl, dass das bestmögliche Gerät auf die Beine wollte. Ist es perfekt? Nein. Ist einen Kauf wert? Absolut!

Schon wenn man die Schachtel öffnet, schlägt einem die Einfachheit der Lite förmlich entgegen. Abgesehen von etwas stützender Pappe gibt es lediglich die Konsole, das Netzteil und ein dünnes Handbuch - das war's. Verglichen mit dem Standardmodell mit seinen separaten Joy-Con, dem Griff, der sie zu einem Controller zusammenfasst, den Handgelenkschlaufen, dem Dock und all den Kabeln, bekommt man hier direkt den Eindruck, dass es sich um ein Gerät handelt, dass sich nicht von Kleinigkeiten aufhalten lassen will. Es will euch nicht mit neuen klugen Ideen verblüffen, sondern einfach nur ein Handheld sein.

Nimmt man das Gerät aus seiner Papp-Behausung, wird direkt klar, dass die Philosophie dahinter nicht die gleiche ist, wie bei der robusten "Kinder-Handheld"-Formel des ersten 2DS. Das hier ist ein kleines, leichtes, wunderhübsch gestaltetes Gerät. Das nette matte Plastik mag nicht unbedingt von absoluter Premiumqualität sein, fühlt sich in den Händen aber gut an. Schaltet man das Gerät das erste Mal ein, kommt man nicht umhin, ein wenig baff zu sein. Der Bildschirm mag kleiner sein, aber er ist gestochen scharf, extrem hell und einfach schön.

Aus pessimistischer Perspektive gesehen, bedeuten der konzentriertere Ansatz und das günstigere Design des Handhelds, dass man natürlich Funktionalität verliert, die man ihm auch einfach hätte lassen können - der USB-C-Port lässt Dock-Unterstützung vermissen und, um das deutlich zu sagen, das Gerät passt nicht einmal in den Standard-Dock. Dass der Ständer an der Rückseite fehlt, bedeutet zudem, dass man es nicht ohne Weiteres im Tabletop-Modus nutzen kann, wenn man einen Pro Controller hat. Die gute Nachricht ist, dass USB-Peripherie ganz normal funktioniert. Nur der Video-Ausgang wurde gestrichen.

Dadurch, dass die Lite ein dediziertes Handheld ist, fehlen natürlich auch abnehmbare Joy-Con. Die Steuereinheit ist fest integrierter Bestandeil der Hardware und wenn ich ehrlich bin, bevorzuge ich es so. Weniger bewegliche Teile bedeuten auch, das weniger schiefgehen kann und zudem ist das klassische Nintendo-Steuerkreuz wieder mit dabei. Natürlich bedeutet das auch, dass Spiele, die HD-Rumble, den Infrarot-Pointer oder die Joy-Con Bewegungssteuerung benutzen, nicht mehr funktionieren. Drahtlos könnt ihr natürlich immer noch Joy-Con anschließen, nur aufladen geht aus naheliegenden Gründen nicht. Die einzige andere Änderung, die ich feststellen konnte, ist die fehlende automatische Helligkeitssteuerung des Displays, was darauf hindeutet, dass der entsprechende Sensor der normalen Switch ebenfalls fehlt.

Nachdem wir über all die Dinge gesprochen haben, die die Lite nicht kann, sollten wir uns darauf konzentrieren, was sie gut macht - und das beginnt mit der niedlichen Bauweise. In Sachen Abmessungen und Volumen ist die Switch Lite 22 Prozent kleiner als das Standardmodell (die Dicke ist so gut wie unverändert), aber was wirklich einen enormen Unterschied macht, ist das Gewicht. Mit seinen 275 Gramm ist es 123 Gramm Leichter als das Original samt Joy-Con - macht insgesamt 31 Prozent weniger Gewicht. Das vereinfachte Design und die Controller leisten einen großen Beitrag dabei, das Gerät zu miniaturisieren. Doch die Lite nutzt außerdem die neue T210b01-Version des Tegra X1 Processor - Codename Mariko -, der eine kleinere, kühlere und energieeffizientere Version des ursprünglichen Chips ist.

Der Energieverbrauch kann zwischen 40 und 50 Prozent niedriger sein als in der normalen Switch, was Nintendo zum Anlass nahm, auch die Batteriekapazität zu reduzieren - ein wichtiger Schritt, um das Gerät zu schrumpfen. Die 4310mAh/16Wh-Batterie der Standard-Switch ist auf 3570mAh/13.6Wh verkleinert, also um 15 Prozent. Das Gute daran: Der Mariko-Prozessor kompensiert das - gestützt durch effizienteren LPDDR4X-Speicher - mehr als ausreichend. Die Lite halt zwar längst nicht mit der neuen Standard-Switch mit Mariko-Prozessor mit, hält aber länger durch als das alte Modell.

In unserem normale Batterietest mit Zelda: Breath of the Wild spielt man mit der Lite bei 50-Prozent Bildschirmhelligkeit 16 Prozent länger, während es auf voller Helligkeit 28 Prozent mehr Spieldauer sind. Und natürlich hat das auch Implikationen für die Ladedauer. Die Lite lädt zwar immer noch nicht schnell, aber sie ist 45 Minuten früher wieder auf voller Kapazität als die alte Switch. Und weil wir immer noch über USB-C laden, verlängert man die Spielzeit immer noch problemlos mit externen Power-Bänken.

mariko
Der Stromverbrauch der Launch-Switch im Vergleich mit der neuen (nicht der Lite) - 13,3W gegenüber 7,0W. Dies zeigt die Effizienz des neuen Prozessors und demonstriert, weshalb die Lite trotz der kleineren Batterie länger durchhält als das ursprüngliche Modell.
Switch Lite HDH-001 Neue Switch HAC-001(-01) Original-Switch HAC-001
Batterielaufzeit: 50% Bildschirmhelligkeit 3 Stunden, 35 Minuten (215 Minuten) 5 Stunden, 2 Minuten (302 Minuten) 3 Stunden, 5 Minuten (185 Minuten)
Batterielaufzeit: 100% Bildschirmhelligkeit 3 Stunden, 5 Minuten (185 Minuten) 4 Stunden, 18,5 Minuten (258.5 Minuten) 2 Stunden, 25 Minuten (145 Minuten)
Batterieladedauer: 0-100% 2 Stunden, 17 Minuten (137 Minuten) 3 Stunden, 3 Minuten (183 Minuten) 3 Stunden, 1 Minuten (181 Minuten)

Auch aufseiten der Temperaturen gibt es gute Neuigkeiten: Ein kleineres Gerät mit demselben Prozessor und denselben Taktfrequenzen wie sein größeres Gegenstück - das neue Modell HAC-001(-01) - sollte wahrscheinlich die gleiche Hitzeentwicklung zeigen. Der Lite gelingt allerdings ein netter Trick: Während die Temperaturen am Luftauslass ein wenig höher sind, ist die tatsächliche Gehäusetemperatur niedriger, wenn wir uns die Messungen unserer Wärmekamera anschauen.

Nintendo hat hier zwar keine passiv gekühlte Switch abgeliefert - im Inneren dreht sich immer noch ein Ventilator - aber selbst bei anhaltenden Belastungstests mit einem fordernden Spiel bei maximaler Bildschirmhelligkeit und bei ladender Batterie war die Lite immer noch so leise, dass ich es nicht hören konnte, wenn ich es neben mein Ohr hielt. Es ist nicht gerade einfach gewesen, festzustellen, ob der Ventilator sich überhaupt bewegte. Mit den Fingern spürte ich nichts. Erst an angefeuchteten Lippen (sensibler als die Finger) spülte ich in Auslassnähe einen Luftzug.

Bis jetzt steht die Switch Lite im Vergleich also ganz gut da. Sucht ihr nach einem Gerät mit längerer Akkulaufzeit, ist die verbesserte Version des ursprünglichen Modells eher was für euch, aber auch die Lite hat mehr Ausdauer als die Original-Variante. Vor allem dann, wenn ihr mit einer hohen Helligkeit spielt. Das deutet auf die Verwendung eines wesentlich effizienter arbeitenden Bildschirms und eines weniger stromhungrigen Prozessors hin.

Switch Lite HDH-001 Neue Switch HAC-001(-01) Ursprüngliche Switch HAC-001
Maximale Gehäusetemperatur (nicht im Dock) 43°C 46°C 46°C
Maximale Lüftertemperatur (nicht im Dock) 48°C 46°C 48°C
Maximale Lüftertemperatur (im Dock) - 50°C 54°C

Der Bildschirm selbst ist indes ein echtes Prachtstück. Mit 5,5 Zoll gegenüber den 6,2 Zoll des Originals ist er ein wenig kleiner und verliert auch ein wenig Kontrast im Vergleich zu den anderen Modellen. Das äußert sich dadurch, dass sich Farben nicht ganz so reichhaltig anfühlen und schwarz nicht ganz so schwarz aussieht. Allerdings scheint es der hellste Bildschirm von allen zu sein (zumindest von denen, die ich habe). Es könnte auch eine im Vergleich zu den anderen Modellen angepasste Farbtemperatur sein, aber der Weißpunkt erstrahlt auf jeden Fall in einem "passenderen" Weiß als bei meinen anderen Geräten.

Der leicht gelbe Farbton meiner ursprünglichen Switch ist nicht vorhanden und der recht offensichtliche rote Farbton der mit Mariko ausgestatteten "neuen" Switch ist komplett weg. Den Bildschirm zu fotografieren, kann ein wenig knifflig sein, aber das Bild unten veranschaulicht ganz gut, wie die Bildschirme meiner drei Nintendo-Handhelds nebeneinander im Vergleich aussehen. Alle drei Bilder stammen aus dem gleichen Foto, daher bekommt ihr einen Eindruck davon, wie sich die Displays unterscheiden und wie viel ihr bei der Größe des Displays gegenüber dem etablierten Design einbüßt.

In Software-Tests betrachten wir die Switch häufig als High-End-Handheld und nicht als Heimkonsole, die man überall hin mitnehmen kann. Die Kerntechnologien des Geräts wurden für den Mobile-Markt designt und funktionieren dort am besten. Und der integrierte Bildschirm hat die fast magische Fähigkeit, die technischen Kompromisse zu kaschieren, die der Betrieb auf einem Tegra X1 erfordert. Offensichtlich könnte die Switch Lite mit ihrem kleineren Bildschirm bei gleicher Auflösung diesen Effekt zumindest theoretisch noch weiter steigern. Das neue Modell nutzt einen Bildschirm mit 267ppi, beim Original sind es 236ppi - er ist kleiner, zeigt aber mehr Details. Es ist schwierig, das zu erkennen, aber selbst bei verschwommenen Titeln mit dynamischer Auflösung wie Wolfenstein und Hellblade wirkt das Bild klarer. Die nativen 720p-Titel wie Mario Kart 8 oder Zelda: Breath of the Wild sehen mit einer 1:1-Wiedergabe der Pixel definitiv fantastisch aus.

screencomp3
Bildschirmvergleich: Launch-Modell (oben links), verbessertes Modell (unten links) und Switch Lite (rechts).

Was die Performance betrifft, ist es schwierig, die Switch Lite auf die gleiche Art zu testen wie die anderen Versionen, da kein HDMI-Output verfügbar ist. Allerdings nutzt das verbesserte Modell den gleichen Prozessor und einen optimierten Arbeitsspeicher. Im dazugehörigen Test merkte ich an, dass die Mariko-Switch leichte Performance-Vorteile in Gameplay-Szenarios hat, in denen die Arbeitsspeicher-Bandbreite für Einschränkungen sorgt. Meines Wissen nach erreicht der neue LPDDR4X-Arbeitsspeicher theoretisch eine Taktrate von 2.133 MHz, ist aber heruntergetaktet, um auf der gleichen Linie mit dem alten Modell zu liegen. Die Konsequenz daraus sind vermutlich bessere Latenz-Timings beim Arbeitsspeicher, was den kleinen Boost erklären könnte.

Ohne die normalerweise verfügbaren Tools habe ich die Switch Lite dabei gefilmt, wie sie eine Wiederholung in Mortal Kombat 11 abspielt. Hier lässt sich der Vorteil des Mariko-Setups gegenüber dem ursprünglichen Logan-Modell ausmachen, da das Gameplay identisch ist. Das Interessante an MK11 ist, dass hier keine Frames übersprungen werden, die Wiederholung wird buchstäblich verlangsamt. Nach dem Abfilmen des Bildschirms verglich ich die Länge der Wiederholung und Punkte, an denen es ruckelte, bei der alten und der neuen Version. Dadurch bestätigte sich, dass die Performance-Upgrades des verbesserten Modells - welcher Natur sie auch immer sind - sich ebenso auf die Lite erstrecken.

Im Endeffekt ist es schwierig, viel an der Switch Lite zu kritisieren. Nintendos Verkleinerungsprozess hat sich ausgezahlt und resultiert in einem günstigeren, beschnittenen Gerät, das noch immer zu einem der besten Handhelds zählt, die ich je verwendet habe. Es nutzt einen brillanten Bildschirm und der Formfaktor passt noch besser zum mobilen Spielen als bei den anderen Versionen. Wenn es einen Kritikpunkt abseits des glanzlosen WiFi gibt, dann die ABXY-Button-Gruppe. Wie bei der Standard-Switch sind die Buttons winzig und dicht aneinander platziert. Hätte man das Design von Grund auf neu entwickelt, hätte das vielleicht verbessert werden können. Darüber hinaus sind die jüngsten Neuigkeiten besorgniserregend, wonach die Switch Lite ebenso für die Joy-Con-Drift-Probleme anfällig zu sein scheint, was wir aber noch selbst verifizieren möchten.

Abseits dieser Kleinigkeiten und den Bedenken hinsichtlich der Sticks ist die Switch Lite ein entzückender Handheld. Ich kann mich nicht erinnern, jemals voll und ganz ein solches Gerät empfohlen zu haben, das im Vergleich zum Original Features streicht und das ursprüngliche Konzept einschränkt. Für mein Geld fühlt sich die Switch Lite aber nach einem vollständigen Produkt zu einem tollen Preis an. Es funktioniert, weil es sich auf einen Aspekt des Gesamterlebnisses konzentriert und für mein Geld ist das der wichtigste Aspekt - Handheld-Gaming. Welche Switch ihr kaufen solltet, hängt stark davon ab, wie ihr gerne bei euch zuhause spielt. Sieht man von meiner Arbeit für Digital Foundry ab, habe ich die Switch-Titel immer ausschließlich im Handheld-Modus gespielt. Und wenn ihr die Wahl zwischen dem ursprünglichen Modell und der Lite für mobiles Spielen habt, dann würde ich dafür das kleinere, niedlichere Gerät bevorzugen.

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Über den Autor:

Richard Leadbetter

Richard Leadbetter

Technology Editor, Digital Foundry

Rich has been a games journalist since the days of 16-bit and specialises in technical analysis. He's commonly known around Eurogamer as the Blacksmith of the Future.

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