Bulletstorm bringt kindischen Humor, übertriebene Gewalt und Duke Nukem auf die Nintendo Switch

Innovation in einem sonst eher einfallslosen Genre.

People Can Flys Bulletstorm ist ein Shooter, der euch dazu ermutigt, die Dinge anders zu regeln. Nicht wie in einem Call of Duty, das im Grunde immer dem gleichen Muster aus Zielen und Schießen folgt. Das tut ihr hier ebenso, allein die Möglichkeiten sind weit umfangreicher. Ganze 131 Arten, einen Gegner ins Jenseits zu befördern, gibt es in Bulletstorm. Ob durch Explosionen, Elektroschocks, aufgespießt an riesigen Kakteen - die Umgebung ist in diesem Spiel euer tödlicher Komplize.

Exakt diese 131 Skillshots sind es, die den Ansporn dazu liefern, es nicht auf die 08/15-Art zu machen. Das funktioniert im Grunde ebenso, durchs Visier gucken und feuer ist in einem Spiel wie diesem indes einfach die langweiligste Vorgehensweise. Gleichzeitig ist es ein brutaler Shooter. Alles ist in höchstem Maße überzeichnet und übertrieben dargestellt und doch stechen die Schmerzensschreie eurer Gegner immer hervor, wenn ihr sie zum Beispiel in eine elektrische Leitung tretet. Blut spritzt, Körper explodieren, harmlos sieht anders aus.

Ein Stück weit ist Bulletstorm somit Geschmacksfrage. Es hat zum Teil vor Klischees triefende Dialoge und einen kindischen Humor, der nicht jedermanns Sache ist. Als ich es damals erstmals spielte, war es für mich noch nicht so ein Störfaktor wie heute. Was der Grund dafür ist, vermag ich nicht mit Sicherheit auszumachen. Acht Jahre liegen dazwischen, ich würde sagen, dass sich mein Humor und mein Anspruch seit damals weiterentwickelt haben.

Reiht Skillshots aneinander, um eure Punkteausbeute zu steigern.

Unter dieser gewöhnungsbedürftigen Hülle und der Geschichte rund um Grayson Hunt und seine Gruppe von Kopfgeldjägern, die auf dem Planeten Stygia ums Überleben kämpfen, verbirgt sich in spielerischer Hinsicht ein brillanter Shooter. Wo andere auf Nummer sicher gehen, entwickelt sich Bulletstorm schnell zu einem von vorne bis hinten aufeinander abgestimmtes Action-Feuerwerk.

Um euch eurer Gegner zu entledigen, habt ihr zum einen verschiedene Waffen in eurem Arsenal. Zum anderen leistet euch die Energiepeitsche, die ihr früh im Spiel erhaltet, beste Dienste. Häufig ist sie ein wichtiges Element für Skillshots. Ihr zieht mit ihr Gegner heran, die dann in Zeitlupe auf euch zu fliegen. Ihr habt dann ausreichend Zeit, um ihnen einen Tritt zu verpassen oder sie mit eurer Waffe zu bearbeiten.

Für jeden Skillshot, für kreatives Töten und die Ausnutzung der Umgebung belohnt euch das Spiel mit Punkten - der entscheidende Knackpunkt, warum die USK seinerzeit ein Problem damit hatte. Heute gibt es Bulletstorm ungekürzt, da es seit 2017 nicht mehr auf dem Index steht. Die erhaltenen Punkte investiert ihr in die Verbesserung eurer Ausrüstung und somit in effektivere Tötungsmethoden. Die Skillshots stellen dabei eine Art Sammelgegenstand dar, denn es gilt, zuerst die richtigen Kombinationen herauszufinden, bevor ihr alle davon freigeschaltet habt.

Öfter mal einen Tritt riskieren.

Es ermutigt euch, abseits der Norm zu agieren. Spielt ihr das hier wie ein Call of Duty, spielt ihr es falsch. Es ist ein entscheidender Vorteil, den Bulletstorm gegenüber vielen anderen Shootern hat. An jeder zweiten Ecke lädt es euch zum Experimenten mit den Waffen und der Umgebung ein. Und das Level-Design unterstützt das auf die bestmögliche Weise. Alle paar Meter lauern tödliche Gefahren. Ihr tretet ein explosives Fass inmitten einer Gegnergruppe und lasst es noch im Flug mit einer gezielten Feuersalve explodieren. Die Umgebung schreit im Grunde danach, mit ihr zu interagieren, sich den nächsten Feind vorzuknöpfen und ihn in den nächsten Kaktus, die nächste Hochspannungsleitung oder in den nächsten Abgrund zu treten. Es ist ein befriedigendes Gefühl, hohe Kombo-Zahlen durch effektives Vorgehen zu erreichen.

Ihr steuert einen gewaltigen, Laser feuernden Dinosaurier, versucht einem gewaltigen Rad zu entkommen, das euch zu überrollen droht. Die Entwickler fahren einiges auf, was die Kampagne zu einem wilden und zugleich reizvollen Ritt macht. Technisch basiert die Switch-Version von Bulletstorm dabei auf dem Remaster aus dem Jahr 2017. Und das merkt ihr. Im Dock läuft der Shooter in 1080p, im Handheld-Modus setzt das Spiel auf eine dynamische Auflösung - und das überwiegend problemlos, womit einem unterhaltsamen Spielvergnügen nichts im Wege steht. Mit dabei sind natürlich ebenso die Duke-Nukem-Inhalte. Heißt: Ihr spielt die Kampagne auf Wunsch als Duke Nukem durch, inklusive passender Kommentare seinerseits.

Eure Energiepeitsche ist ein nützliches Hilfsmittel.

Einige Dinge fehlen der Switch-Umsetzung allerdings. Das betrifft vor allem den Multiplayer-Modus des Spiels, der wie der kooperative Anarchy-Modus durch Abwesenheit glänzt. Schade, aber auch nichts, was ich großartig vermisse und mir den Spaß am Spiel raubt. Ich nehme an, Gearbox machte sich ein paar Gedanken darüber, ob die Community groß genug für einen Multiplayer ist, und kam zu einem negativen Ergebnis. Gleichzeitig gibt es hier kein bewegungsgestütztes Zielen, wie es bei anderen Shootern der Fall ist. Nicht, dass ich das bräuchte, aber bevor einer fragt ...

Es bleibt festzuhalten, dass es Bulletstorm auf der Switch prima gelingt, seine Stärken auszuspielen, wenngleich Dialoge und Story eher weniger dazu zählen. Wenn ihr Interesse an einem innovativen Shooter mit komplett übertriebener Gewaltdarstellung habt, macht euch das Spiel definitiv glücklich. Zudem ist die Umsetzung wunderbar gelungen, was Bulletstorm in der Switch-Fassung zu einem lohnenden Ausflug macht - vor allem, wenn ihr es bis jetzt nicht gespielt habt.

Entwickler/Publisher: Gearbox - Erscheint für: Switch - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: Switch - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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