Hori Split Pad Pro - Test: Der beste Controller für die Nintendo Switch?

Beinahe wunschlos glücklich.

Im Grunde müsste hier ein güldenes Herausragend drüberstehen, denn entspannter habe ich noch nie im Handheld-Modus Switch gespielt. Dabei habe ich bereits zwei ordentliche Schutzschalen mit vergrößerten Griffen und eine leicht angepasste Joy-Con-Alternative ausprobiert. Aber besser als das hier war noch nichts. Tatsächlich liefert Hori mit dem Split Pad Pro das vermutlich beste Switch-Zubehör ab, das man aktuell kaufen kann.

Dafür muss man allerdings einige Einschränkungen voranstellen, denn so transformativ sich dieses Dinger auch anfühlen, wenn man vornehmlich alleine und unterwegs mit seiner Switch spielt, so opfert man auch ein wenig Flexibilität. Das beginnt damit, dass die Split Pad Joy-Con keinen Akku enthalten und deshalb nur funktionieren, wenn sie an den Seiten der Konsole stecken. Das alleine würde den so Werbespot-tauglichen spontanen Multiplayer-Partien einen Strich durch die Rechnung machen, wenn da nicht noch der Formfaktor wäre, der von vorneherein jeden Gedanken daran erstickt. Das hier ist kein symmetrisches Design wie das der Joy-Con, sondern wirklich ein gewissermaßen in der Mitte gesplitteter Pro Controller.

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Gute Verarbeitung, guter Look. Tatsächlich ist das hier ein dezent im Daemon-X-Machina-Branding gehaltener Sonder-Controller, was man aber kaum merkt. Fragt sich, ob es andere Editionen geben wird?

Das bedeutet allerdings auch, dass hier niemand erwarten würde, die Dinger querzuhalten und dieselbe Funktionalität wie bei Nintendos Originalen zu bekommen. Dass man ihn allerdings nicht im TV-Modus aus der Ferne nutzen kann, ist schon ein wenig schade. Vielleicht kommt von Hori ja noch irgendwann eine Halterung, in die man die beiden Seitenteile einsteckt und die dann die drahtlose Kommunikation mit der Switch übernimmt? Ruft mich an Hori, ich hätte da ein paar Ideen.

So, das wäre also vom Tisch: Die Dinger nutzt ihr nur im Handheld-Modus und wer fein damit ist, für den ist das nichtmal ein Kritikpunkt. Der andere Haken ist, dass weder Rumble noch Gyro-Sensoren oder Accelerometer gibt. Ersteres ist mir egal, letzteres aber insofern etwas schade, als dass ihr einige Moves in Super Mario Odyssey nur durch bestimmte Bewegungen ausführen könnt. In Splatoon 2 muss man sich ebenfalls auf traditionelles Zielen umgewöhnen und in Zelda: Breath of the Wild korrigiert ihr die Flugbahn eurer Pfeile nicht länger durch leichte Bewegungen der Controller. Dasselbe gilt für Doom und Wolfenstein, in denen die Bewegungssteuerung eine willkommene Ergänzung war, sich mit dem Split Pad aber verschmerzen lässt, weil die Sticks deutlich genaueres Zielen ermöglichen - womit wir endlich bei den Vorzügen meiner neuen Lieblings-Peripherie angekommen wären: Es ist einfach ein ziemlich guter Controller.

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Passt mit Split Pad Pro noch bestens ins Dock. Nett!

Gerade im Vergleich mit einem Test-Controller einer selbsterklärten Premium-Marke für eine andere Konsole wird sofort klar, dass Hori das hier nicht erst seit gestern macht. Wo man dort zum Preis von schon mal 150 Euro in der Tendenz öfter enttäuscht ist über Elemente, die nicht mit dem Original für 60 Euro mithalten können, bekommt man bei Hori genau das, eigentlich sogar mehr, als man für 50 Euro erwartet. Im Gegensatz zu vielen sehr teuren Möchtegern-"Elite"-Joypads, die es gerade für PS4 und Xbox zu kaufen gibt, wird man dem Standard, den der Plattformhalter vorlegte, nämlich durchaus gerecht. Sie fühlen sich leicht an (was für Handheld-Genuss ein klares Plus ist), aber nicht fragil. Die Buttons wohnen auf ehrlichen Rubber-Domes mit klaren und weitestgehend identischen Druckpunkten (was sogar Nintendo mit dem Pro nicht ganz gelang) und die Systemtasten für Screenshots und Home-Screen sind sogar leichter zu betätigen, denn Hori implementierte sie als erhöhte Gummi-Buttons.

Bester Kaufgrund für das Split-Pad-Pro dürfte das voll ausgewachsene und richtig gute Steuerkreuz sein. Sicher, es ist nicht ganz einfach, rauszufiltern, ob die eigenen Ansprüche wegen des D-Pads des Joy-Con längst in den Keller der Begehrlichkeiten umgezogen sind, oder ob Hori hier wirklich gute Arbeit machte. Aber ich habe nach mehreren Stunden Valfaris und Shovel Knight nichts zu beanstanden und wüsste nicht, was ich besser machen würde. Die Sticks sind ebenfalls gut, leicht gummiert und mit einer Delle in der Mitte steuert es sich damit prima, auch wenn man sich hier nach meinem Empfinden ruhig ein wenig vom in meinen Augen zu leichtgängigen Stick von Nintendos Pro Controller hätte abgrenzen dürfen. Ein wenig fester als der hätten die hier schon sein dürfen. Aber auch hier gilt: Was Nintendo für seinen Pro Controller gut genug war, ist auf keinen Fall schlecht. Geschmackssache.

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Mir gefällt die Farbkombination ausgezeichnet.

Richtig toll sind die Zusatzfunktionen. Es gibt auf der Rückseite beider Controller-Hälften einen gut erreichbaren dritten Trigger, auf den man jedwede Taste legen kann - wobei die Controller natürlich nicht miteinander "sprechen": Die Y-Taste des rechten Controllers auf den dritten Trigger des linken zu legen, ist daher nicht möglich. Und auch die System-Tasten darf man nicht dort platzieren, was ich für Screenshots sehr nützlich gefunden hätte.

Aber sei es drum. Es gibt dennoch genügend Einsatzmöglichkeiten: Etwa R und L auf FR und FL - so nennt sich das dritte Trigger-Paar - zu legen, falls man die Anordnung der Schultertasten der Switch schon immer ein wenig zu "eng" fand. Und wer es nicht mag, zum Nachladen in einem Shooter den rechten Stick loslassen zu müssen, sieht sich ebenfalls clever bedient.

Zudem darf man jede Taste auch in einen Dauerfeuer-Modus versetzen, was wiederum bei Valfaris extrem gut war, denn die Hauptwaffe von Therion feuert Einzelschüsse und wird so deutlich mächtiger. Man darf sogar die Intensität des Dauerfeuers einstellen. Auf jeden Fall eine coole und toll implementierte Option. Die Verarbeitung wirkt wertig, die Tasten, Sticks und das Steuerkreuz wie gesagt Nintendo-würdig und die Joy-Con rasten satt in den Führungsschienen ein. Natürlich wackeln sie ein bisschen, denn ein größerer Controller bedeutet auch mehr Hebelwirkung, aber man hat nie den Eindruck, etwas säße locker oder könnte sich zufällig lösen.

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Cool: Die rückwärtigen Tasten liegen perfekt, um die Zeigefinger an den Schulter-Buttons zu entlasten. Wenn man möchte.

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Wie gesagt: Ich wüsste im Grunde nicht, was ich hieran ändern würde. Ein zusätzliches Mittelteil, dass die Konsole auch im Dock noch anfunken könnte, wäre etwas, für das ich mit Freuden noch mal bis zu 30 Euro ausgeben würde. Ich will das Split Pad Pro nie mehr hergeben. Einzig die fehlende Bewegungssteuerung schürt ein wenig Zweifel daran, ob man auch in Zukunft noch optimal mit diesen beneidenswert guten Steuerknochen bedient ist. Es ist nicht auszuschließen, dass man sich doch ein wenig ärgert, falls das nächste Zelda oder Metroid ein paar coole Features für Gyro und Beschleunigungssensor einbaut. Für den Moment ist das ein Risiko, das ich gerne eingehe, denn der Komfortgewinn ist enorm.

Ich bin mit dem Split Pad Pro einfach sehr glücklich. Ob in 2D - von Indies bis hin zu den SNES-Titeln von Switch Online - oder in 3D, wo die Sticks deutlich feinfühliger und präziser sind als die mitgelieferten: hiermit spielt es sich im Handheld-Modus genau so gut wie am großen Fernseher. Das ist keine kleine Leistung und sollte mit dem entsprechenden Erfolg honoriert werden. Kommt mir nur nicht in sechs Monaten mit dem "Split Pad Pro Pro", das dann alles hat. Ich habe nämlich nur einmal im Jahr Geburtstag, an dem ich mir so ein Teil schenken lassen kann.

Hersteller: Hori - Kompatibel mit: Nintendo Switch - Preis: ca. 50 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel. test

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