Steelseries Sensei Ten - Der Gaming-Maus Klassiker bleibt sich selbst treu

Zehn Jahre und kein bisschen langsam

Steelseries war so nett, zwei neue Stücke Gaming-Hardware zu schicken und von beiden bin ich durchaus beeindruckt. Okay, von einem bin ich beeindruckt, das zweite ist eher etwas, das ich euch ans Herz legen möchte, aber es ist sicher nicht die Revolution. Fangen wir damit an: Die Sensei, einer der Maus-Klassiker aus dem Haus, hat einen Nachfolger bekommen. 2014 testete ich die schicke MLG-Version und ich kann über diese Maus auch nach fünf Jahren kein schlechtes Wort verlieren. Im Gegenteil, ich benutze sie heute noch gelegentlich, sie zeigt keinerlei Ausfallerscheinungen und in den ersten Jahren hatte ich sie intensiv im Einsatz. Ob die neue Sensei Ten - Kostenpunkt ca. 80 Euro - das auch schafft, werde ich natürlich nicht vor 2024 wissen. Aber hier ein "erster" Eindruck. Anders kann man den initialen Test bei solchen Zeiträumen ja leider nicht nennen. Das Ten steht übrigens nicht für das zehnjährige Jubiläum der Sensei und das japanische Zeichen für "Himmel". Weil ... warum nicht. Marketing muss sein und ihr findet es sogar dezent in klein auf der Maus.

Wichtiger sind sicher andere Features. Zum Beispiel "hyperhaltbar". Nicht "sehr" haltbar, nicht "super", nein "hyper". Was der Hersteller uns damit sagen will, ist dass die Sensei Ten aus einer sehr leichten, aber ebenso stabilen Polymer-Verbindung besteht, die bei durchaus leichten 92 Gramm ohne Kabel alles mitmacht, was ihr ihr unter halbwegs normalen Umständen antun könnt. Okay, wenn es hyper ist, dann Sonic Boom halt. Ich tat der Sensei an, was mir so einfiel: Ich lies sie vom Tisch fallen, ein paar Mal aus einem Meter Höhe auf Fliesen. Ich donnerte mit der Faust in gespieltem Frust drauf - etwas, das ich sonst nie tue - und schubste sie mit Wucht an die Wand hinter dem Monitor - mein Signature-Move für Computer- und Gaming-Frust. Stellte Kisten darauf ab. Mir fiel irgendwannnichts mehr ein und Maus-Folter wurde mittlerweile auch langweilig. Vor allem, weil das Ding nicht mal einen Kratzer zeigte. Das ist das Maus-Äquivalent von Rambo, wenn es um Technik-Folter geht. Die Sensei zeigt keine Regung und macht stoisch weiter.

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Wie vor zehn Jahren. Never change a running system.

Was aber, wenn ihr euch nicht an einem Marketing-Wort aufhängt und sie Sensei Ten sachgemäß benutzen möchtet? Nun, wie gesagt, erst einmal ist sie sehr leicht. 92 Gramm sind für normale Maus-Benutzer nichts und vor allem, wenn ihr sonst ein Tasten-beladenes Monster in der Hand habt oder eine kabellose Maus. Im High-Speed-Gaming-Bereich jedoch ist das relativ viel und angesichts der übersichtlichen Zahl an Tasten und direkten Features ist das genau die Ecke, in die die Sensei eigentlich zu wollen scheint. Zum Vergleich, Razers Viper kommt auf 69 Gramm, die Cooler Master MM710 ist zwar so hässlich, dass ich sie nicht anfassen möchte, aber 53 Gramm geben dem Design wohl recht. Für mich fühlen sich 92 Gramm allerdings schon wie eine Feder an, noch weniger, wäre zu wenig für mich. Vieles ist relativ und subjektiv, wenn es um Haptik geht. So auch das Soft-Touch-Material der Oberfläche, das sich recht sanft und warm anfühlt, vor allem im Vergleich zur MLG-Edition mit ihrer metallischen Oberfläche. Die der Ten ist unauffällig, matt und angenehm. Kann ich gut mit leben. Die Unterseite hat drei große, sehr leichtläufige Füßchen, die es aber - wie fast alle anderen auch - nicht mit denen von Lexip aufnehmen können - siehe Test der Lexip PU 94 hier -, aber die könnt ihr ja dazukaufen und der Sensei wortwörtlich Beine machen.

Das Design selbst war vor zehn Jahren recht revolutionär, war es doch sehr minimalistisch, reduziert auf das, was man wirklich braucht und vor allem gleichberechtigt für Links- und Rechtshänder mit Tasten auf beiden Seiten. Daran hat sich nichts geändert und überhaupt: Lege ich die MLG neben die Ten, dann würde sich auf den ersten Blick sagen, dass "never change a running system" hier die oberste Designprämisse war. Zwei Tasten auf jeder Seite, eine oben, das Rad, selbst die Ausformungen der Griffmulde und der Wölbung scheinen sehr nah beieinander. Langjährige Sensei-Nutzer können also beruhigt sein, es hat sich nicht viel getan. Gut so aus meiner Sicht, denn egal ob ich gerade Hand auflegen möchte oder die Griff-Klaue mache und auf die beiden Tasten mit den Fingerspitzen tippe, die Form fühlt sich ziemlich ideal an. Womit die Sensei nach wie vor einer der echten Form-Allrounder ist, nicht nur bei der Handseite, sondern auch der Art, wie ihr die Maus greift.

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Die Form ist relativ schlank.

Innen wurden durch die Bank Mikroschalter mit einem sehr zarten Klicken verbaut, lediglich die beiden Haupttaster haben dieses etwas lautere Klicken, das ich auch von meinem beiden anderen Senseis kenne. Tradition scheint sich auch dort fortzusetzen, nach wie vor ist eher wenig Druckkraft nötig, um auszulösen, aber nicht so wenig, dass ich je Fehlzündungen gehabt hätte. Die Taster halten wohl 60 Millionen Klicks aus, nicht, dass ich das wüsste, aber sie fühlen sich so an, als könnten es auch 60 Millionen und ein Klick werden. Sehr solide, wie auch der Rest der Maus. Das Mausrad hat einen relativ leichten Druckpunkt, den ihr erreichen könnt, ohne die Maus zu bewegen. Auch der Widerstand beim Drehen ist so ausgelegt, um schnell zu sein, ohne es je aus Versehen weiterzudrehen. Es ist kein 3D-Rad, das heißt, es gibt keine Seitwärts-Buttons oder ähnliche Spielereien. Einfach nur ein haptisch tadelloses Rad, das hoffentlich genauso lange hält wie der Rest der Maus. Die seitlichen Tasten schließlich sind schmal genug, dass ihr den Daumen bequem darunter ruhen lassen könnt, aber immer erreichbar, fast egal, wie ihr die Maus greift. Insgesamt ist es ein sehr zeitloses, schlichtes Design, das durch und durch auf Funktion ausgelegt wurde und das mit Erfolg.

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Keine Taste extra. Oder zuviel. Je nachdem, wie man es sehen möchte.

Und das ist es an äußerlichen Features auch schon. Wie gesagt, es ist ein eher minimalistischer Ansatz, was für viele sicher eher willkommen ist. Die inneren Werte prahlen mit einem TrueMove Pro Sensor, der 18.000 DPI erfasst, wobei ich hier mal kurz Steelseries loben möchte, dass sie den richtigen Begriff CPI nutzen. Nicht, dass es wirklich einen Unterschied macht. Einstellbar ist dieser natürlich über die Software, wo ihr auch die Umschalttaste in fünf Stufen ganz nach eigenen Vorstellungen definieren könnt. 18k ist sicher mehr als jeder normale Mensch braucht, selbst mit drei Monitoren und Desktop-Breite von über 5000 Pixeln brauche ich nicht mehr als 4k, aber hey, es ist da, wenn ihr eine Maus mit Halb-Millimeter-Bewegungen sicher steuern könnt. Der Sensor ist dabei auch sehr vergebend, auf welcher Oberfläche ihr ihn bewegt, selbst den Wechsel von einer nicht polierten Holzoberfläche zu Papier macht er ohne Murren mit. 50g Beschleunigung und 450 IPS sind weitere schöne Werte für Sensor-Fetischisten und am oberen Ende des normalen Consumer-Bereichs.

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Ich bin etwas erstaunt, dass ich die Sensor-Erfassung der Pickup-Höhe nicht definieren kann, aber das ist eh relativ ideal ausgelegt. Ihr habt einen Millimeter, bevor der Kontakt verloren geht, es war bei normaler Nutzung kein Thema. Im Gegenteil, selbst bei hektischen Bewegungen mit leichtem Kippeln scheint das System brav das Tracking im Griff zu haben. Was in der Sammel-Software Steelseries Engine 3 eingestellt werden kann, ist das Angle-Snapping - nicht ganz alltäglich und fürs Gaming auch nicht spannend - und die Beschleunigung. Letzteres mit zwei Werten, der eigentlichen Beschleunigung und der Verzögerung, sodass ihr hier auf jeden Fall euren persönlichen Idealzustand finden solltet. Natürlich lassen sich alle Tasten, auch die DPI-Taste, frei umbelegen und es gibt einen sehr intuitiven Makro-Editor. Und ja, das Leuchten des Logos und Mausrades lässt sich definieren, aber auch abschalten.

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Die Software ist übersichtlich und intuitiv.

Die Sensei Ten ist das Gegenteil einer Revolution. Es ist die tadellose Fortsetzung einer Dekade-langen Erfolgsstory. Keine Experimente, wer die Sensei kennt und mag, der wird auch die Ten mögen, wer sie nicht kennt, sollte auf jeden Fall einen Blick auf das werfen, was fast schon eine Art Proto-Gaming-Maus ist. Beidhändig, freundlich zu allen Griffarten, alle Tasten, die man braucht, tadelloser Sensor, keine Extras. Dazu kommen noch ein zeitloses Design und fantastische Verarbeitung. Die Sensei ist nicht mehr die Gegenbewegung in Richtung Minimalismus, die sie mal war, viele andere Mäuse bewegen sich im gleichen Feld, aber in diesem Falle spricht nichts dagegen, zum Original zu greifen. Mit diesen Werten und Design sehe ich keinen Grund, dass sie nicht weitere zehn Jahre ein treuer Begleiter sein sollte.

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Über den Autor:

Martin Woger

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