Wie der Bus Simulator mir einen lange gehegten Wunsch erfüllte

Endlich anderen vor der Nase wegfahren.

Ich möchte an dieser Stelle einmal meinen Dank an den Bus Simulator aussprechen, weil er mir einen lange gehegten Wunsch erfüllt hat. Endlich hatte ich die Möglichkeit, am Steuer eines Busses zu sitzen, an der Haltestelle zu stehen und auf Passagiere zu warten. Und dann dem Letzten von ihnen, der sich meinem Gefährt nähert, die Tür vor der Nase zuzumachen und davonzufahren. Eine Erfahrung, die der eine oder andere von euch unter Umständen aus dem echten Leben kennt.

Jahrelang habe ich mich gefragt, was die Leute an Simulatoren so toll finden. Ob Autobahnpolizei oder Feuerwehr, es gibt sie in unzähligen Varianten und der Landwirtschafts-Simulator ist nicht ohne Grund so erfolgreich. Nachdem ich in letzter Zeit einige Touren im Bus Simulator absolvierte, habe ich eine gute Vorstellung davon, warum solche Spiele so beliebt sind.

Nach einem langen Tag und zwischen all den Action-orientierten Spielen hat es was Entspannendes, gemütlich durch die Stadt oder übers Land zu fahren, an Haltestellen neue Fahrgäste aufzulesen oder abzusetzen und jeden an sein Ziel zu bringen. Ich verkaufe Fahrscheine in mehreren Kategorien und gebe Wechselgeld heraus, kontrolliere zwischendurch vereinzelt die Tickets auf der Suche nach Schwarzfahrern, weise Mitfahrende auf zu laute Musik hin oder schnappe mir einen vergessenen Wertgegenstand, stürme aus dem Bus und überbringe ihn der Person, die ihn liegen ließ. Leider ist es nicht möglich, ausgestiegenen Passagieren ihren liegengelassenen Müll hinterherzuwerfen.

Es ist entweder trocken oder es regnet. Schnee oder Nebel gibt es nicht.

Ebenso entscheide ich, wann und wie ich fahren möchte, ob zum Beispiel bei Tag, Nacht oder bei Regen. Dynamische Wetterwechsel gibt es bedauerlicherweise nicht. Es gibt Rundfahrten - zum Ende und zurück zum Ausgangspunkt -, ihr absolviert eine Strecke zwei Runden lang und hier und da streut das Spiel zufällige Ereignisse ein. Es ist möglich, dass ihr in die Rush Hour geratet, dass es Baustellen gibt und Haltestellen nicht erreichbar sind, Schlaglöcher erfordern eure Aufmerksamkeit ebenso. Das sorgt für ein wenig Abwechslung im Busfahreralltag.

Dabei motiviert es mich, nach und nach alle der zwölf verschiedenen Stadtteile in der fiktiven europäischen Stadt Seaside Valley zu erschließen und jede einzelne Haltestelle an das Busnetz meines Unternehmens anzuschließen. Ja, es gibt hier einen dezenten Management-Part, in dem ihr eure eigene Busfirma aufbaut, Fahrer einstellt und Busse kauft. Und wie es sich für waschechte Simulation gehört, handelt es sich dabei um lizenzierte Busse, zum Beispiel von Mercedes-Benz. Und es gibt verschiedene: Stadtbusse, Überlandbusse, Gelenkbusse, für jede Situation das Richtige.

Bus_Simulator
Cyberdyne baut jetzt teuflische Busse auf dem Weg zur Weltherrschaft.

So stark ich mich darüber wundere, dass mich ein Spiel wie dieses motiviert - zum Teil liegt es mit Sicherheit auch an den Xbox-Erfolgen -, so traurig macht mich die Tatsache, dass es technisch alles andere als sauber ist. Der Bus Simulator nutzt die Unreal Engine 4, die mit der Xbox One X - auf der ich spiele - gut zurechtkommen sollte. Es zeigt, dass am Ende mehr die Fähigkeiten der Entwickler im Umgang mit der Engine über die Performance entscheiden.

Ausgehend davon haben die Macher des Bus Simulators noch einiges zu lernen. Beim Fahren läuft es überwiegend okay und stabil, ab und an sind kleinere Einbrüche der Framerate spürbar. Ein echter Graus ist häufig das Menü des Spiels, in dem ihr neue Busrouten plant, Fahrer einstellt und Busse verwaltet. Hier ruckelt es zum Teil extrem beim Scrollen der Karte, was mir unverständlich ist. Es ist einfach eine 2D-Karte, die auf der aktuell leistungsstärksten Konsole derart für Schwierigkeiten sorgt. Hier herrscht definitiv Optimierungsbedarf.

Endlich konnte ich auch mal jemandem vor der Nase wegfahren.

Es gibt hier Vieles, was sich technisch und spielerisch - dynamisches Wetter, mehr Ereignisse, Konkurrenz, um ein paar Beispiele zu nennen - verbessern und erweitern ließe und in der Lage wäre, das Spiel in der nächsten Version um eine Stufe nach oben zu heben - sofern eine kommt. Trotz seiner Makel übt das Spiel in dieser Fassung eine spezielle Faszination aus, die ich mir nicht erklären kann. Am ehesten vermute ich dahinter den entspannenden Aspekt des Spiels, den ich zu Anfang erwähnte. Es ist wie eine kleine Oase der Ruhe inmitten des stressigen Alltags. Eine gute Gelegenheit, ein wenig zu chillen, wenn ihr mit dem Bus nicht ständig im Stau steht. Wer damit Probleme hat, fährt einfach nachts, da ist auf den Straßen weniger los. Und jetzt entschuldigt mich, ich muss mich sputen, da hinten kommt jemand gerannt, der meint, den 9:20 Bus noch erreichen zu müssen.

Der Bus Simulator unterstützt auf den Konsolen folgende Lenkräder:

  • PS4: Logitech G29, Thrustmaster T150, Thrustmaster T300 RS
  • Xbox One: Logitech G920, Hori Racing Wheel Overdrive, Thrustmaster TMX

Entwickler/Publisher: stillalive studios/astragon - Erscheint für: PS4, Xbox One - Preis: ca. 40 Euro - Erscheint am: erhältlich - Gespielte Version: Xbox One

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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