EGX Berlin 2019: Stronghold Warlords schaut mit Diplomatie und Leiterträgern nach vorn und zurück zugleich

Festungen feiern, wie sie fallen!

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber dass ein neues Stronghold kommt, hat mich zumindest ein wenig überrascht. Nicht, dass der Marke nicht noch ein langes Leben zuzutrauen wäre - auch wenn ihr Weg bisweilen ein holpriger war -, aber irgendwie war die Ankündigung im Sommer unter meinem Radar durchgeflogen.

So oder so: Besucher der EGX Berlin können den neuen Teil an diesem Wochenende anspielen und auch wenn er keine Zahl im Titel trägt, hat Firefly Großes damit vor. Warum auch nicht: Schon der Crusader-Ableger war ein Favorit der Fans, wo der zweite Teil lange eine Bug-Hölle war und der Dritte nie so recht auf einen grünen Zweig kam.

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Tatsächlich dürfte Crusader auch so ein guter Bezugspunkt sein, denn wie auch in dem Kreuzzügler-Ableger verlegt man hier das Szenario von Europa an einen exotischeren Ort, diesmal nach Asien, wo sich "mongolische Horden, imperiale Krieger und Samurai" mit epochengerechten Einheiten und Belagerungsgerät an den Kragen gehen. So kommen neben Schwarzpulverfallen und Feuerwerksraketentürmen auch explodierende Ochsen zum Einsatz, die laut Fireflys Pascal Heymann, der das Spiel auf der Messe vorstellt, tatsächlich historisch belegt sind.

Fans der Reihe wird freuen, dass die Leiterträger-Einheiten ebenso zurück sind wie die Belagerungstürme. Aber ein großer neuer Aspekt wird die Diplomatie sein, wenngleich die recht einfach gehalten ist. Im Grunde erwirtschaftet ihr in Konsulaten und Botschaften Diplomatiepunkte als neue Ressource und könnt damit die Loyalität der umliegenden Warlords gewissermaßen "kaufen". Vermutlich ist es verfrüht, von dem Belagerungsmodus, in dem ich 15 Minuten gegen Wellen anstürmender Angreifer bestehen musste, auf den Rest des Spiels zu schließen, aber das System wirkte beinahe arcade-artig in seiner Simplizität.

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Das war zum einen irgendwie cool, weil ich mich im gespielten Szenario entscheiden musste, in welchen Verbündeten ich Diplomatiepunkte investieren wollte, um verschiedene Boni zu erhalten. Einer lieferte Ressourcen, der andere hielt als vorgelagerte Verteidigungsbasis die Gegner ein wenig auf, während der dritte Truppennachschub lieferte. Man trifft einfache strategische Entscheidungen und sieht schnell das Resultat, was in einem so kurz angelegten Modus sicherlich förderlich ist. In einer historisch angehauchten Kampagne dürfte hingegen arg einfältig wirken, wie schlicht man sich hier seine Freunde einfach einkauft.

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Der Hagel eurer Raketen und Pfeile aus euren Geschütztürmen trifft auch im dichtesten Gerangel immer nur die Feinde, womit Firefly Gefahr läuft, das Ganze zur Materialschlacht verkommen zu lassen, die der gewinnt, wer mehr Einheiten und Verteidigungsanlagen auf dem Spielfeld parkt. Ressourcen-Raffgier könnte hier wertvoller sein als taktische Winkelzüge. Aber das muss ein eingehenderer Test im nächsten Jahr zeigen.

Aber ich würde lügen, wenn ich behauptete, dass mich nicht direkt wieder motivierte, die Burgmauern mal wieder so hübsch und einfach in die Landschaft zu ziehen, mich zu fragen, wie ich die Feinde durch eine bestimmte Passage lotse und mir über die optimale Platzierung von Holzfällern und Äckern den Kopf zu zerbrechen, und mich darüber zu freuen, wie schön die Mauern bröckeln - selbst wenn es meine eigenen sind. Für ein gutes Stronghold ist halt immer Zeit - oder man nimmt sie sich einfach. Das Feld unkomplizierter Schlachten- und Aufbau-fokussierter Spiele ist längst nicht so dicht bestellt, wie ich es gerne hätte. Unvermittelt über diesen Stand auf der EGX zu stolpern, war deshalb eine erfreuliche Überraschung.

Entwickler/Publisher: Firefly Studios Erscheint für: PC - Geplante Veröffentlichung: 2020

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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