EGX Berlin 2019: Cloudpunk - einmal DHL-Fahrer im Blade-Runner-Universum sein!

Über den Wolken ... ist immer noch die Stadt.

Wer auf der EGX Berlin an Cloudpunk eigentlich nur vorbeilaufen will, bleibt trotzdem erstmal stehen und schaut sich an, was hier vor sich geht: Als hätte jemand die Stadt aus Blade Runner in Voxeln nachgebaut, saugt einen die schummrig ausgeleuchtete Skyline dieses Future-Molochs förmlich in den Screen hinein. Es ist die Sorte anziehend, die auch das mittlerweile von der Bildfläche verschwundene The Last Night von vor ein paar E3s zum Hingucker machte.

Es hängt eine neonlichterne, regennasse Versifftheit über diesem Stahlbeton-Dschungel, in dem man sich als Landei Rania nach dem Tod ihrer Eltern als Kurierin mit einem Schwebeauto verdingt. Es ist ein eher meditativer Job, Geschicklichkeit und Tempo haben keinen Einfluss auf euren Erfolg (auch wenn der Entwickler Ion Lands aktuell noch darüber nachdenkt, ob derartige Elemente vielleicht in Nebenquests eine Rolle spielen sollen).

Aber ja, im Großen und Ganzen wird Erfolg in Cloudpunkt eher darin gemessen, auf euren Hol- und Bringdiensten immer tiefer in die Geschichte der mehrere Hundert Meter hohen Metropole einzutauchen. Und die reicht so weit zurück, dass zeitgenössische Örtchen wie Tokio nur noch eine bestenfalls blasse Erinnerung sind.

Die Stadt selbst erkundet ihr auf sieben Ebenen, die oberste bewohnen Genre-gerecht die Reichsten der Reichen, während ganz unten Endstation für alle an diesem System Gescheiterten ist. Der Spielablauf scheint linear und zugleich recht offen: Es gibt so etwas wie Straßen, aber ob ihr euch an deren Lichtgrenzen haltet oder nicht, interessiert niemanden. Ihr holt einfach auf welchem Weg ihr auch wollt, ein Paket an der markierten Stelle ab. Parkt euer Auto an gekennzeichneten Parkplätzen und lauft dann zu Fuß zur Ladung. Auch die Zustellung funktioniert nur in persona - und dabei lernt ihr allerlei schräge Charaktere kennen und habt an ihren Schicksalen teil.

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Hier und da sollt ihr Entscheidungen treffen, die den Verlauf der Geschichte beeinflussen. Worum genau es in Cloudpunk geht, da hält sich Marko Dieckmann, der programmiert, designt und für die Art zuständig ist, sich noch bedeckt. Ihr sollt über Ranias Charakter und die Anziehungskraft der Welt ins Spiel finden - aber mir scheint, als steckte noch mehr dahinter, vor allem, weil die Entwickler darüber sprechen, dass es im Laufe der Handlung durchaus auch spannungsgeladene Stellen geben wird.

Das Spiel sieht einfach himmlisch und wunderbar stimmungsvoll aus, auch wenn in Sachen Pacing noch einiges zu richten ist. Dieckmann ist sich dessen bewusst. Bestimmte überflüssige Wege möchte man vermeiden und/oder mit mehr Interaktionen oder Events füllen. Was sich wohl nicht mehr ändern wird, ist die Struktur der Stadt, denn anstatt einfach mit dem Auto von Hand durch die sieben Ebenen zu tauchen, werdet ihr mit einem Lift in einer kurzen Schwarzblende auf die gewünschte "Etage" versetzt, was natürlich nicht ganz so einheitlich und aus einem Guss wirkt.

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Ich denke, es war technisch einfach nicht anders machbar, denn jede Ebene von Nivalis - so der Name der Megametropole - ist schon für sich gigantisch und unterscheidet sich in Design und Stimmung deutlich. Ich bin ziemlich sicher, dass das die Atmosphäre nicht allzu schwer drücken dürfte, aber bemerkt habe ich es schon. Sehr positiv stimmte mich auch die Zusammenarbeit mit Science-Fiction Autor Thomas Welsh, der die Handlung verfasste. Viel zu selten greifen Entwickler auf die Dienste von Leuten zurück, die wissen, wie man eine Geschichte strukturiert und wie man Charaktere auf eine Art miteinander sprechen lässt, die natürlich und nicht gestelzt klingt.

Also, seid ihr auf der EGX Berlin zugegen, versucht auch mal, an Cloudpunk vorbeizulaufen. Ihr werdet sehen, was ich meine.

Entwickler/Publisher: Ion Lands Erscheint für: PC - Geplante Veröffentlichung: 2020

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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