Pokémon Go und sein neues Event: Eine kolossale Entdeckung oder eine kolossale Enttäuschung?

Ein Fazit zum ersten globalen Ticket-Event.

Ich war gedanklich schon darauf eingestimmt, Kritik zu äußern. Aber Niantic hat zum Glück mitgedacht. Am Wochenende und bis gestern Abend fand das erste globale Ticket-Event in Pokémon Go statt, für das im Vorfeld eine Investition von 8,99 Euro erforderlich war, um daran teilzunehmen. Im Unterschied zu anderen Dingen im Spiel war dieses Ticket allein für Geld erhältlich und nicht mit In-Game-Münzen erwerbbar.

Gleichzeitig fand von Freitag bis gestern analog dazu ein Event statt, bei dem spezifische Pokémon in der Wildnis und das Regi-Trio Registeel, Regice und Regirock in Raids auftauchten. Was nötig war, denn die Quests der Event-Spezialforschung erforderten bei drei von vier Schritten, dass ihr jeweils eines der legendären Pokémon fangt - und im letzten Schritt, dass ihr Fotos von ihnen macht.

Anders gesagt: Die Spezialforschung war maßgeblich von den Wildnis- und Raid-Spawns abhängig, die am Wochenende auftraten. Und wer keine Zeit hatte, weil zum Beispiel was dazwischen kam oder sich trotz abgeschwächter Level-5-Raids keine Gruppe fand? Gucken die Spieler in die Röhre? Nein, nach dem Ende des Events haben sich jetzt die Quests geändert. Statt eines der erwähnten legendären Pokémon zu fangen, besteht eure Aufgabe jetzt darin, einfach drei Raids zu gewinnen. Und statt sieben Eis- oder Stahl-Pokémon fangt ihr einfach 49 x-beliebige Pokémon.

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Regigigas bekommen aktuell nur Teilnehmer des Events.

Somit ist die Spezialforschung nach dem Wochenende weiterhin machbar und zugleich für die Spieler, die eher für sich spielen. Ansonsten hätten sie darauf warten müssen, bis das Regi-Trio erneut auftaucht, was eine Zeit lang dauern kann. Und das wäre die wenig erfreulichere Option gewesen.

Hat es sich insgesamt gelohnt? Niantic hat gut geplant, um "Eine kolossale Entdeckung" zu unterstützen. Es gab an so gut wie jeder Arena ständig Raids mit einem Pokémon des Regi-Trios, die Schwierigkeit senkten die Entwickler wie erwähnt, damit viele Leute sie problemlos machen konnten. Obendrein waren sie in ihrer schillernden Form und mit einer neuen Attacke fangbar, um noch mehr Anreize zu bieten.

Hinzu kamen bis zu zehn Raid-Pässe, die ihr durch das Drehen der Arena-Fotoscheiben erhalten habt. Wenngleich die Spieler, die am Wochenende nicht spielen konnten, jetzt nichts davon haben. Es sind keine permanenten Raid-Pässe, es gab sie allein am Wochenende als Bonus. Dahingehend verpassen diese Spieler jetzt einen Teil dessen, wofür sie mit diesem Ticket im Grunde bezahlt haben. Beim nächsten Event hier bitte permanente Raid-Pässe anbieten.

Umgekehrt braucht keiner auf Regigigas zu verzichten. Wer nicht für das Ticket zahlte, wartet einfach ein wenig länger. Ähnlich wie Celebi und Jirachi, bei denen zuerst Teilnehmer eines Go Festes die Chance hatten, sie zu fangen, taucht Regigigas später für alle auf. Nicht in Form einer Quest, vielmehr Ende November in Ex-Raids.

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Das Regi-Trio stand am Wochenende im Mittelpunkt der Forschung.

Woran Niantic noch arbeiten sollte, ist die Kommunikation und Transparenz. Vor dem Start des Events gab es keinen Indikator dafür, was zu tun ist und wie lange das alles dauert. Problematisch bei einer Investition mit echtem Geld. Spieler verließen sich hier auf die ersten Berichte der Spieler aus Neuseeland und Australien, um eine Vorstellung davon zu bekommen, welche Aufgaben sie erwarten. Sofern Niantic einen weiteren Versuch mit einem solchen Event unternimmt, wäre es ratsam, vorher eine Empfehlung für Gruppengröße und benötigte Zeit zu erhalten.

Die Quest ließ sich - je nach Tempo und vorhandenen Spawns - innerhalb von zwei Stunden oder weniger abschließen. Darüber hinaus gab es nicht den riesigen Anreiz, sich noch weiter im Freien aufzuhalten. Zugegeben, mehr Spawns von Kleinstein, Magnetilo oder Stollunior waren nett, um Bonbons zu sammeln und mit Glück (ich hatte keines) eine schillernde Version abzustauben, ebenso führte Niantic die schillernde Version von Panzaeron ein. Zu Letzterem gab es passende Quests mit einem Panzaeron als Belohnung, ähnlich wie ihr es von den begrenzten Forschungsevents kennt.

Was die Belohnungen für den Abschluss der einzelnen Quest-Phasen anbelangt, ist diese Form des Events noch verbesserungswürdig. Bei einem Go Fest, für das ihr ebenso zahlt, erhaltet ihr bessere Belohnungen. Abseits der erwähnten Raid-Pässe durch das Drehen und der Begegnung mit Regigigas gibt es drei goldene Himmihbeeren, einen Sinnoh- und einen Einall-Stein, Sternenstaub, Bälle und eine Avatar-Pose für den Abschluss der Aufgaben. Aber keinen Rauch, keine Brutmaschinen, keine Premium-Lockmodule oder ähnliche Dinge. Sagen wir es so: Bei einem Premium-Event wie diesem ist da noch mehr möglich. Hinzu kommen für erfüllte Quests Begegnungen mit Despotar, Koknodon oder Lapras, was nett ist.

Im Großen und Ganzen war es eine gelungene Premiere für diese neue Form eines Premium-Events in Pokémon Go. Mit einem In-Game-Event, von dem auch andere Spieler profitierten, unterstützte Niantic die neue Spezialforschung so gut es ging und anschließend guckt dank der angepassten Aufgaben keiner in die Röhre, der sie am Wochenende nicht abschließen konnte.

Für den zweiten Versuch bleibt zu hoffen, dass sich Niantic die Kritik zu Herzen nimmt und einige Verbesserungen vornimmt. Das betrifft vor allem bessere Belohnungen und permanente Raid-Pässe, die für mich ein Muss sind. Wer dafür zahlt, sollte diese auch nach Abschluss des Events nutzen können.

Zugleich sollte Niantic darauf bedacht sein, es jetzt nicht damit zu übertreiben. Wenn die Spieler das Gefühl bekommen, dass solche Premium-Veranstaltungen andere und kostenlose Events ersetzen, läuft was falsch. Es braucht Fingerspitzengefühl und die richtige Auswahl an Pokémon für solche Anlässe. Kriegen die Entwickler das hin, ist das hier eine vernünftige Premium-Ergänzung für maximal zwei oder drei Gelegenheiten im Jahr, die keine Pokémon hinter einer Paywall versteckt und somit anderen Spielern Dinge vorenthält.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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