Kingdom under Fire 2 - Der Genremixer: Strategie und Action gelungen vereint

Und zum Glück kein Free-to-Play

So sieht es wohl in der Entwicklungshölle aus: Vor über einer Dekade ursprünglich für PC und Xbox 360 angekündigt, ist es lange verdächtig still um Kingdom under Fire 2 des südkoreanischen Entwicklers Blueside gewesen. Auftauchende Gerüchte über finanzielle Engpässe und verzögerte Gehaltszahlungen wurden zwar flott dementiert, aber die Lebenszeichen des Genre-Hybriden waren bislang spärlich und lagen weit auseinander. Umso überraschender, dass der deutsche Publisher Gameforge aus Karlsruhe, spezialisiert auf Free-to-Play Online-Spiele wie Metin 2, Aion oder Tera, das Erscheinen des Langzeitprojekts hierzulande spontan für den 14. November angekündigt hat.

Und das nicht, wie ursprünglich in Fernost geplant, in einer mit Mikrotransaktionen beladenen Pay-to-Win-Version, sondern - und das ist ein Novum für Gameforge - als Kauftitel. Mit rund 30 Euro sichert ihr euch die Standardversion und braucht euch keine Gedanken mehr darüber zu machen, immer wieder Echtgeld in spielentscheidende Gegenstände investieren zu müssen. Einen In-Game-Shop mit Premiumwährung gibt es aber trotzdem. Wenn ihr euch von der Masse der Spieler optisch abheben wollt, dann zückt ihr die Kreditkarte und kauft euch mit virtuellen Diamanten besonders auffällige Rüstungen oder Reittiere. Vorteile im Spiel verschafft ihr euch damit aber nicht.

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Ihr habt fünf Klassen zur Auswahl, zum Beispiel den Berserker, der mit seinem riesigen Schwert ordentlich austeilt und auch jede Menge Schaden einstecken kann.

Genug der Vorrede: Ich konnte bereits einige Stunden mit Kingdom under Fire 2 verbringen und mich mit meinem Helden in die Schlacht um den Kontinent Bersia stürzen. In der Fantasywelt tobt ein Kampf des Lichts gegen die Dunkelheit und die Fraktionen der Menschen, der Dunklen Legion und der dämonischen Encablossian balgen sich um die Splitter eines mächtigen Artefakts. So ganz habe ich die recht generisch anmutende Story noch nicht durchblickt, aber da muss ich dann wohl erst die angepeilten 50 bis 60 Stunden Spielzeit für die Kampagne investieren, um schlauer zu werden.

Ihr habt zum Start des Spiels mit Gunslinger, Spellsword, Berserker, Elementalist und Ranger fünf Klassen zur Auswahl. Das Geschlecht ist dabei festgelegt, aber in einem üppig ausgestatteten Heldenbaukasten dürft ihr akribisch das Aussehen euren Vorstellungen anpassen. Die Auswahl des Protagonisten ist dabei definitiv nicht rein kosmetischer Natur, denn die Helden spielen sich erfreulich diversifiziert und erlauben so einen individuellen Spielstil zu finden. Es macht schon einen deutlichen Unterschied, ob ihr die Schlachten mit einem guten Allrounder wie dem Ranger oder einem Berserker, der ordentlich Schaden austeilen und einstecken kann, angeht oder als fragile Spellsword-Runenmagikerin mit wenigen Gesundheitsreserven besser das Kampfgetümmel meidet.

Die erste Stunde nach dem actionreichen Tutorial, in dem ihr die Basisbefehle für den Kampf gegen die Horden der Dunkelheit beigebracht bekommt, gestaltet sich ernüchternd. Überwiegend 08/15-Quests a la „Töte mir mal ein halbes Dutzend Wölfe", „Ich bräuchte schnell fünf Elchgeweihe" oder „Such mal ein paar verletzte Soldaten in der Stadt und verabreiche ihnen Medizin", halten euch auf Trab und ihr lauft immer wieder die gleiche Gegend ab. Das füllt zwar recht zügig das Erfahrungspunktekonto, ist aber in etwa so aufregend wie ein Bingonachmittag im Altenheim.

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Das Geschlecht ist je nach gewählter Klasse festgelegt, das Erscheinungsbild könnt ihr aber nach Wunsch individualisieren.

Lasst euch von der stupiden Rennerei aber nicht entmutigen, denn wenn ihr die Voraussetzungen für die erste von insgesamt 50 Story-Missionen erfüllt habt, zeigt sich der ungewöhnliche Genre-Mix von seiner besten Seite und ihr könnt euch in epische Schlachten stürzen. Stellt euch das am besten wie eine Mischung aus Total War und Dynasty Warriors vor: Mit eurem Helden metzelt ihr euch im Musou-Stil durch Horden an Goblins, Orks, Dämonen und allem anderen, was ein High Fantasy-Universum eben so an Fieslingen hergibt. Zwischen den Massen an gleich aussehenden Monstern begegnet ihr Minibossen und stärkeren Befehlshabern, die ihr tunlichst zügig aus dem Weg räumt, um die Moral der Gegner zu schwächen.

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Schutt wegräumen, wie langweilig. Aber was macht man nicht alles für ein paar Erfahrungspunkte. Die Verkaufsversion hat übrigens englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel.

Schön: Mit einem Tastendruck wechselt ihr nahtlos von der Third-Person-Kampfansicht in den taktischen Bereich. Hier könnt ihr euren Begleittruppen Befehle erteilen und in Echtzeit eine Strategie gegen übermächtige Gegnerhorden entwickeln. Macht euch ein Drachengeschwader zu schaffen, ruft eure Bogenschützen auf, die Biester vom Himmel zu holen. Artillerie greift ihr mit berittenen Truppen an, eure Infanterie gesellt sich schützend zu euch. Es gilt das bewährte Stein, Schere, Papier-Prinzip, um für jede Art von Feind die geeignete Truppengattung ins Feld zu werfen. Auch schön: Ihr könnt die Schlachten allein schlagen, aber auch kooperativ mit bis zu vier Spielern austragen.

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Die Massenschlachten, bei denen ihr gemeinsam mit einer stattlichen Anzahl an Truppen in den Kampf zieht, sind episch inszeniert.

Insgesamt gibt es rund 80 unterschiedliche Einheiten aus allen Fraktionen, die ihr im Verlauf des Spiels befehligt. Allerdings könnt ihr immer nur maximal drei davon mit in die Missionen nehmen. Das hat eine Menge strategisches Potential, ob ihr nun mit drei Fußeinheiten aus Menschen, Orks oder Oger aufmarschiert und im Zweikampf ordentlich aufräumt, aber feindlicher Artillerie schutzlos ausgeliefert seid oder lieber Kampfskorpione und Luftschiffe mitnehmt und so die Verteidigungsstellungen der Gegner zerschlagt. Eure Einheiten lassen sich nach dem Kampf verbessern und bis zum maximalen Level 30 verstärken. Das ist übrigens auch bisher der höchste Rang, den euer Held erreichen kann.

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Per Knopfdruck wechselt ihr nahtlos vom Kampfbildschirm in die Echtzeitstrategie-Ansicht, in der ihr euren Begleittruppen Befehle erteilt.

Die Missionen, soweit ich diese in meiner Anspielzeit erkunden konnte, erweisen sich als abwechslungsreich und fordern euer Kampf-Können an der vordersten Front sowie eine ordentliche Portion taktisches Geschick. Aber was habt ihr zu tun, wenn ihr die Kampagne erledigt und Bersia wahrscheinlich erstmal vom Bösen befreit habt? Dann könnt ihr die Missionen erneut spielen, die Story mit einem anderen Charakter angehen oder euch dem Endgame widmen.

Die Entwickler haben einiges an Herausforderungen vorbereitet und auf euch warten schwierige Raids, in denen ihr mit acht oder sechzehn Spielern gegen mächtige Gegner, wie einem untoten Drachen, antretet oder ihr messt euch in PvP-Massenschlachten mit anderen Helden. Neue Klassen sind ebenfalls bereits angekündigt, so könnt ihr schon bald mit einer Dark-Sorceress-Klasse Monsterhorden dezimieren.

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In den Kämpfen trefft ihr regelmäßig auf Zwischen- und Minibosse, die sich als ganz schön hartnäckig erweisen.

Mir hat der Ausflug nach Bersia nach einem holprigen und etwas langatmigen Beginn dann doch noch richtig gut gefallen. Der Mix aus Dynasty Warriors-Massenkloppereien, klassischen Rollenspielelementen und dem im Verlauf immer komplexer werdenden Echtzeitstrategie-Anteil gefällt und motiviert mich Kingdom under Fire 2 weiterzuspielen. Schließlich muss man so feiern, dass es sich diesmal gelohnt hat, Wölfe und Wildschweine zu töten und ihr Opfer nicht umsonst war.

Entwickler/Publisher: Blueside/Gameforge Erscheint für: PC- Geplante Veröffentlichung: 14. November 2019 - Angespielt auf Plattform: PC

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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