Age of Empires 2: Definitive Edition - Test: Wie eine Zeitreise in die RTS-Glanzzeiten

Riesiger Umfang, kleine Schwächen.

Ein Klassiker der Echtzeitstrategie, im modernen Gewand mit sinnvollen Ergänzungen und Neuerungen aufbereitet. Ein Pflichttitel!

In seiner ursprünglichen Fassung erschien Age of Empires 2 noch im letzten Jahrtausend. Es war das Jahr 1999 und mit dem zweiten Teil eroberten die Ensemble Studios die Herzen der RTS-Fans rund um die Welt. Der Definitive Edition des Klassikers gelingt das aller Voraussicht nach ebenso, sie vereint die spielerischen Stärken mit einer modernisierten Technik und sinnvollen Verbesserungen. Daraus ergibt sich etwas Wunderbares, das den Geist des Originals einfängt, wenngleich es einige Schwächen im Detail gibt.

Auf diese Schwächen kommen wir später zu sprechen, befassen wir uns zuerst mit den Neuerungen dieses umfangreichen Pakets. Es gibt neue Einheiten und Technologien, die sich auf die vier neuen Kampagnen (insgesamt jetzt 26) der "The Last Khans"-Erweiterung verteilen. Damit einher gehen vier zusätzliche Zivilisationen: die Bulgaren, Kumanen, Litauer und Tataren. Sie stärken den zuvor enormen Umfang des Spiels noch mehr, die Entwickler sprechen von über 200 Stunden an Einzelspieler-Content. Euer Stapel der Schande wächst in der Zwischenzeit definitiv weiter, wenn ihr damit beginnt, Age of Empires 2 zu spielen.

Für alle neuen und für alle alten Kampagnen gibt es eine neue beziehungsweise ergänzte Sprachausgabe, zugleich wurde der Soundtrack des Spiels neu aufgenommen und kommt in bester Qualität aus euren Lautsprechern. Die Sounds der Einheiten und Gebäude klingen ebenso vertraut und zugleich klarer. Manche der Änderungen am Spiel sind auf den ersten Blick so subtil, dass sie nicht ins Auge fallen. Nehmen wir zum Beispiel die Farmen, bei denen ihr per Tastendruck dafür sorgt, dass eure Arbeiter sie automatisch erneuern, sofern ausreichend Rohstoffe vorhanden sind.

Das Spiel sieht schöner aus als je zuvor. (Age of Empires 2: Definitive Edition - Test)

Ihr habt die Möglichkeit, mehrere Wegpunkte für Einheiten festzulegen und Belagerungsgeräte wie Bliden bewegen sich automatisch in Schussreichweite und bauen sich auf, wenn ihr ein Angriffsziel außerhalb ihrer aktuellen Reichweite festlegt. Oben am Bildschirmrand seht ihr, was sich zum aktuellen Zeitpunkt in der Produktion befindet - Einheiten und Technologien. Unter den vorhandenen Rohstoffen zeigt das Spiel an, wie viele eurer Arbeiter derzeit den jeweiligen Rohstoff sammeln - praktisch! - und es ist nicht mehr nötig, eine Rohstoffquelle anzuklicken, um zu sehen, wie viel noch von ihr übrig ist.

Es sind viele kleine Änderungen, die sich am Ende summieren und für ein besseres, einfacheres und übersichtlicheres Spielgefühl sorgen. Wer die alten Versionen gespielt hat, findet sich hier von der ersten Sekunde an zurecht und Neueinsteiger haben es durch die Anpassungen einfacher als je zuvor. Bei manchen Dingen habt ihr die Wahl, ob ihr sie lieber deaktiviert. Das betrifft zum Beispiel eine Option, bei der ihr mithilfe des Auswahlrahmens ausschließlich Militäreinheiten auswählt und das Spiel die Arbeiter nicht berücksichtigt. Oder ihr quartiert eure Einheiten allein per Rechtsklick in Gebäuden ein, ohne dafür die Alt-Taste gedrückt zu halten.

Wie gesagt ist es ab und an einfach, diese Dinge zu übersehen und zu denken, dass es sie früher gab. Wenn ihr Zweifel habt, ob es das früher gab, ist es wahrscheinlich neu. Die meiste Arbeit erfuhr indes die visuelle Seite des Spiels. Die Definitive Edition von Age of Empires 2 unterstützt Auflösungen bis hin zu 4K und die Sprites haben die Entwickler daran angepasst. Schöner als jetzt sah dieses Spiel nie aus. Zoomt auf die maximale Stufe hinein ins Geschehen und ihr seht all die Details bei Gebäuden. Bauten zerbröckeln in ihre Einzelteile, Burgen fallen spektakulär in sich zusammen und hinterlassen einen riesigen Haufen Schutt und Asche. Und auf der höchsten Stufe habt ihr viel Übersicht, um im Eifer des Gefechts nicht den Überblick zu verlieren.

Mit den neuen Kampagnen hat es einen noch enormeren Umfang. (Age of Empires 2: Definitive Edition - Test)

Wenn ihr alle Singleplayer-Inhalte absolviert habt, stehen euch das Standardspiel (Matches gegen die KI) und der Multiplayer für unendlich viele weitere Spielstunden offen. Alle klassischen Modi sind mit dabei, neu ist die Variante "Reichskriege", in der jeder Teilnehmer in der Feudalzeit und mit einer Reihe von Produktionsgebäuden und Arbeitern startet. Es ist eine schnellere Möglichkeit, um ins Spiel zu kommen. Eine neue Option sind die Herausforderungsmissionen "Die Kunst des Krieges". Sie eignen sich vor allem, aber nicht allein für Einsteiger. Hier erfahrt ihr, wie ihr eure Wirtschaft in Schwung bringt, schnell durch die einzelnen Zeitepochen kommt oder mit einem Rush umgeht - defensiv wie offensiv.

Großen Wert legten die Entwickler dabei auf die überarbeitete KI. Age-Fans wissen, dass die KI auf den höheren Stufen früher schummelte. Das war einmal. Jetzt agiert die KI mehr wie ein menschlicher Spieler und bereitet euch so besser auf Matches gegen echte Menschen vor. Zugleich habt ihr die Möglichkeit, euren KI-Verbündeten eine Vielzahl an neuen Befehlen zu erteilen, mit denen sie zum Beispiel mit spezifischen Einheiten in den Kampf ziehen oder sich auf einzelne Aspekte des Spiels konzentrieren. Es macht einen spürbaren unterschied und auf den höheren Schwierigkeitsstufen ist die KI jetzt eine echte Herausforderung. Weiterhin gibt es im Multiplayer Ranglisten, einen Zuschauermodus und neue Matchmaking-Features - einfach moderne Dinge. Und Nutzer auf Steam und im Microsoft Store spielen gemeinsam miteinander.

Womit wir bei den angesprochenen Schwächen im Detail wären. In Sachen Optimierung gibt es ein wenig Handlungsbedarf. Mein Rechner ist jetzt nicht der schlechteste - Ryzen 7 1800X, 16 GB RAM und GeForce GTX 1060 6 GB - und trotz allem produziert das Spiel von Zeit zu Zeit einige mir unerklärliche Ruckler. Ich kann nicht behaupten, es würde an zu vielen Einheiten auf dem Bildschirm liegen, es kommt in jeder erdenklichen Situation vor. Und bei aller Liebe für die grafische Verbesserung der Definitive Edition: So stark sollte sie einen Rechner dann nicht auf die Probe stellen. Wie gesagt, das geht mit ein wenig Optimierung mit Sicherheit noch besser.

Ein Pflichttitel für RTS-Fans. (Age of Empires 2: Definitive Edition - Test)

Und trotz Verbesserungen bei der Wegfindung gibt es ab und an noch immer Probleme damit oder mit der Verteilung der Aufgaben. Arbeiter tun vereinzelt nicht das, was sie sollen, und Militäreinheiten stehen sich hier und da gegenseitig im Weg. Nicht immer treffen Einheiten außerdem die logischste aller möglichen Entscheidungen und greifen lieber ein Gebäude an, statt sich um feindliche Truppen zu kümmern. Nichts davon nimmt dramatische Ausmaße an, wenngleich es unschön und unsauber wirkt.

Indes unterstützt Age of Empires 2 natürlich Mods und ihr habt die Möglichkeit, eigene Szenarien und ganze Kampagnen zu erstellen. Einem umfangreichen Nachschub an spielerischen Inhalten steht somit wenig im Weg. Wer neben dem Spielen noch was lernen möchte, wirft einen Blick auf die "Geschichte", wo euch zu den Zivilisationen, Technologien, der Wirtschaft der damaligen Zeit und mehr erwarten. Eine kleine Geschichtsstunde und ein nettes Gimmick.

Trotz der erwähnten Kleinigkeiten ist die Definitive Edition von Age of Empires 2 eine wunderbar aufbereitete Version des Echtzeitstrategie-Klassikers. Eine, die diesem Spiel würdig ist und ihm einen modernen Touch verleiht. Es gibt sinnvolle Ergänzungen, brandneue Inhalte und einfach massenhaft zu tun, das Spiel erschlägt euch förmlich mit Content. Zugleich weckt es schöne Erinnerungen an meine Jugend und es fühlt sich exakt so an wie damals - nur besser und schöner! Ich weiß nicht, was ich hierzu noch großartig sagen soll. Wer früher gerne Age of Empires 2 gespielt hat: Das hier ist die beste Gelegenheit, das noch einmal zu tun und zugleich neue Inhalte zu genießen. Und wer dem Spiel bis jetzt fern geblieben ist: Holt euch diesen Genre-definierenden Klassiker ins Haus. Es gibt jetzt keine Ausrede mehr, es nicht zu tun. Ihr erlebt damit ein Stück Genre-Geschichte und Echtzeitstrategie in (beinahe) Perfektion. Möchtet ihr das allen Ernstes verpassen? In diesem Sinne: Wololo!

Entwickler/Publisher: Forgotten Empires, Tantalus /Microsoft - Erscheint für: PC - Preis: zirka 20 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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