Google Stadia auf dem PC im Browser - Ja, es funktioniert. Aber das ist nichts für Enthusiasten.

Läuft. Aber wozu?

Heute früh habe ich ausgiebig über die Stadia-Chromecast-Erfahrung gesprochen, die man am TV bekommt, jetzt ist es Zeit, sich das Ganze mal am PC im Chrome-Browser anzugucken. Und hier beginnen die echten Probleme, die Stadia noch hat. Denn während es als Konsolenersatz am Fernseher prinzipiell eine ganz gute und vor allem günstige Figur macht, muss es am PC zeigen, dass es nicht nur läuft, sondern was den PC-Gamer jetzt daran überzeugen soll. Die kurze Antwort lautet derzeit leider: rein gar nichts.

Nicht, dass es nicht funktionieren würde. Ihr braucht natürlich einen Chrome-Browser, andere sind nicht kompatibel. Einen Google-Account müsst ihr auch haben, aber sonst ist nichts weiter nötig, um generell zu starten. Natürlich einen Controller, aber da tut es prinzipiell jeder, der sich auch sonst mit dem PC verbindet. Eigentlich ist der Stadia-Controller sogar die letzte Wahl, weil er als einziger per USB angeschlossen sein muss, etwas, das in Kürze behoben werden soll. Eigentlich nicht mal einen Controller, denn M/K wird unterstützt, wenn ihr ein Spiel in Stadia startet. Insoweit ist der Zugang für jedermann sofort verfügbar. Das ist der gute Teil des Ganzen. Auch, dass es prinzipiell sofort funktioniert, sei es nun Destiny 2 oder Tomb Raider, sie starteten brav sofort.

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Man kann jetzt nicht sagen, dass sie einem die Spiele aufdrängen würden: Im Stadia-Screen werden nur Games gezeigt, die ich habe ...

Jetzt die schlechten Nachrichten: PC-Spieler sind Skalierbarkeit gewohnt. Dass Stadia-Spiele im Browser im Moment noch auf 1080p beschränkt sind, damit kann ich leben, zumindest wenn das Problem bis Anfang 20 behoben wird und dann auch hier die 4K60 rennen. Aber das ist nicht, was prinzipiell geht, jeder G-Free-Sync-Nutzer weiß das. 144 ist eigentlich das Ziel, nicht 60 und ich kann in der Regel auch selbst dran schrauben, wie ich das erreiche und wie viel Schönheit ich für die Framerate opfern möchte. Es ist einer der wichtigsten Aspekte des PC-Gamings, dass ich zumindest relative Hoheit über diese Aspekte des Spielerlebnisses habe. Das gebt ihr mit Stadia auf.

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... während ich für neue Käufe in die App auf dem Handy wechseln muss. Das wirkt noch nicht ganz ausgereift.

In keinem der Spiele konnte ich PC-Grafik-Einstellungen finden. Es gibt Maus- und Keyboard-Einstellungen, die Anpassung an den PC wurde also nicht vergessen. Es wurde nur nicht implementiert. Ihr habt auch derzeit nicht die Flut an Community-Features in den Games, das Modding dürfte nicht annähernd so weit gehen. Stadia ist als Convenience-Erfahrung gedacht und so funktioniert es auch. Simpel, ohne große Hürden, aber eben auch mit weniger Möglichkeiten. Selbst die Vorteile im Vergleich zur Konsole wiegen auf dem PC nicht viel auf. Sicher, kein Download und keine Updates sind immer noch nett, aber die Ladezeiten am PC sind in der Regel eh deutlich kürzer.

Bleibt die Frage, wen das jetzt überzeugen soll, denn die Technik schränkt hier die Zielgruppe ein. Gaming-Fans werden wohl kaum auf diese Features verzichten wollen, selbst wenn sich der Enthusiasmus bei den Grafikkarten-Preisen alle paar Jahre in Grenzen halten dürfte. Für mobiles Gaming fehlt meist die Bandbreite. Im ICE-WLAN und selbst oft bei LTE fehlt einfach die stabile Bandbreite, das heißt ein wenig auf dem Laptop in der zu Bahn zocken, fällt aus. Selbst Luxus-Hotels bieten oft nicht so viel MBit, von einfacheren Herbergen mal ganz abgesehen.

Es bleibt der PC auf dem Schreibtisch von jemandem, der eigentlich sonst nicht viel spielt oder eine Konsole hat und auch am Arbeitsplatz mal eine Runde zocken will. Der Switch-Fan, der eben doch mal Red Dead 2 spielen will. Das ist jetzt alles noch nicht überzeugend und hier muss Stadia sich ein wenig mehr den Gepflogenheiten der Plattform annähern. Was gut genug für den Fernseher ist - und aktuell dort auch zigmal besser aussieht, aber das dürfte Stadia wohl mittelfristig hinbekommen -, ist noch lange kein Ersatz für selbst oberes Mittelklasse-Gaming. Ich habe hier eine 1070 mit einem nicht mehr frischen i7 und bekomme deutlich mehr visuellen Punch, den ich auch noch selbst bestimmen darf.

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Wie? Meine Spiele darf ich nicht auf Englisch umstellen, aber hier kommst Du mir mit Englisch? Let me get back to you on that ...

Sofern ihr nicht zu der oben genannten, etwas eingeschränkten Zielgruppe gehört, bleibt mein Fazit für Stadia im Chrome-Browser unenthusiastisch: Wenn ihr PC-Gamer seid, euch damit identifiziert und zumindest gelegentlich bereit seid, ein paar Hunderter in die Hardware zu stecken, dann ist das nichts für euch, zumindest im Moment. Ihr gebt mit Stadia viele inhärente Freiheiten der Plattform auf und bekommt aktuell nicht viel zurück. Es ist halt eine Möglichkeit, ohne jeglichen Hardware-Einsatz diese Spiele erleben zu können, das ist nicht uninteressant. Aber es ist weit davon entfernt, das auf optimale Weise zu ermöglichen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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