Nacon Revolution Pro Controller 3 für PS4 - Test: Verkabelter Einstieg ins Premium-Segment

Mit der nächsten Version dann rundum glücklich?

Formschöner, verkabelter Controller mit Schwächen im Detail: Sticks und D-Pad sind sehr leichtgängig, die Sondertasten schlecht platziert.

Unsere Expedition durchs Segment der Premium-Joypads für die PS4 geht weiter, auch wenn - oder "weil" - der Scuf Impact uns im Test wahrlich nicht überzeugen konnte. Uns bleibt auch wenig übrig, weil sich Xbox-One-User schon eine Weile über den zweiten Elite-Controller von geradezu konkurrenzlos hoher Qualität freuen - Test noch diese Woche -, während Sony sich in dieser Richtung immer noch bitten lässt.

Nun denn, immerhin gibt es genügend Auswahl an hochwertigen und vor allem nicht ganz günstigen Eingabegeräten mit offizieller PlayStation-Lizenz und Nacon geht mit seinem Revolution sogar schon in die dritte Runde. Martin zeigte sich von den Vorgängermodellen durchaus angetan, im direkten Vergleich mit der neuesten Generation zahlreicher anderer Luxus-Controller fallen aber einige Schwächen auf, die ihn trotz unterm Strich solider Leistung hinter die Konkurrenz zurückfallen lassen.

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Wirkt wertig und sieht gut aus, wenngleich die Buttons rechts seltsam groß wirken. Übrigens: Der Controller kommt in einem schön formstabilen Case samt Putztuch.

Aber das muss nicht jeder gleichermaßen so sehen, vielleicht beurteilt ihr einige Eigenheiten auch anders und könnt mit dem Revolution 3 mehr anfangen als ich. Deshalb vielleicht erstmal zu den Details: Auch in seiner dritten verkabelten Iteration kostet Nacons Pad etwa 100 Euro. Soll es drahtlos sein, muss der Unlimited her, der dann nochmal deutlich mehr physische Anpassungsmöglichkeiten mitbringt und vom Material her handschmeichelnder daherkommt, aber auch gut 50 Euro teurer ist.

Die Eckdaten des Nacon Revolution 3: Asymmetrische Stick-Anordnung, also "Xbox-Style", vier am PC voreinstellbare Profile und umfassende Software-seitige Anpassungsmöglichkeiten für Sticks und Trigger. Dazu vier rückwärtige Zusatztasten, die sich leicht mit Pad-Funktionen belegen lassen, und ein Steuerkreuz, das man zwischen vier und acht Wegen umschalten darf - ebenfalls in der Software - und wie bei allen Premium-Controllern, außer dem Scuf Impact, eine fehlende Leuchtleiste. Für Pad-basierte VR-Spiele ist der Revolution also nicht zu gebrauchen. Die drei Meter USB-C-Kabel sind lang genug, um niemanden zu stören, textilummantelt und vielleicht eine Idee steifer, als man es erwarten würde. Wer mag, nutzt die mitgelieferten Gewichte, die man ohne größeren Aufwand in die Griff-Hörner einsetzt, um dem Controller etwas mehr Masseeindruck zu verleihen. Ich mag ihn, leicht wie er ist, aber fast lieber. Trigger-Stops, tauschbare Elemente oder sonstigen Schnickschnack gibt es nicht.

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Die glatten Tasten können schmierig werden.

Alles in allem macht Nacon mit dem dritten Revolution seine Sache ordentlich. Der Preis hängt nicht zu hoch und der Steuerknochen liegt gut und nicht zu wuchtig in der Hand. Es sind keine gigantischen Sprünge in der Qualität zur PS4, aber man sieht, dass er teuer war, nicht nur am Leuchtring am rechten Stick oder an den wunderbaren Gleithilfen, die beide analogen Steuerknüppel umrahmen, sondern überhaupt am subjektiven Anfass-Eindruck.

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Die Probleme, wenn man das so nennen will, denn eigentlich sind es allesamt Kleinigkeiten, beginnen bei der Software. Um den Download-Link zur Programmiersoftware zu finden, musste ich einen französischen Übersetzer bemühen ("TÉLÉCHARGER LE LOGICIEL PC" bedeutet "Software für PC herunterladen"), was ihr euch hiermit sparen könnt. Nicht nur, weil ihr jetzt wisst, was es bedeutet, sondern weil es der einzige französische Button auf der deutschen Website ist, den niemand übersetzen wollte. Die nächste Hürde, die dafür sorgte, dass ich eine ganze Weile der Meinung war, hinter diesem Button falsch zu sein, lag darin, dass ich allem Anschein nach tatsächlich eine Registration auf der Seite durchführen musste, um das Programm herunterladen zu können. Was - da will ich nicht lügen - meine Geduld wirklich etwas strapazierte.

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Die Software ist einfach zu bedienen - aber nicht so einfach zu bekommen ...

Die eigentliche Software selbst funktioniert aber tadellos und veranschaulicht übersichtlich so fortgeschrittene Funktionen wie tote Zonen und Beschleunigungskurven der Sticks. Und wenn man einmal alles auf die Profile des Controllers gespeichert hat, braucht man das Programm so schnell nicht wieder.

Mikroschalter sitzen, soweit ich das sagen kann, nur unter R1 und L1, der Rest sind Rubberdomes. Die L1-Taste ist bei meinem Testmuster aus irgendeinem Grund einen guten Millimeter tiefer im Gehäuse als R1. Es sieht fast aus, als wäre er auf die Taste gefallen oder jemand hätte viel zu feste draufgedrückt. Die Funktionstüchtigkeit ist nicht eingeschränkt, die Taste fühlt sich an sich gut an, sie klingt nur etwas anders als ihr Gegenstück auf der anderen Seite. Die Trigger sind recht schwergängig, was Rennspielfans durchaus gefallen könnte.

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Die Gewichte sind im Handumdrehen getauscht.

Die Facebuttons - Kreuz, Quadrat, Dreieck, Kreis - sind fast schon komödiantisch groß und deshalb subjektiv recht eng beieinander. Dennoch sitzen sie etwas wackliger in ihren Aussparungen, als mir das gefallen würde. Das bedeutet, dass sie etwas an ihren Rändern schaben können, wenn man nicht ganz senkrecht draufdrückt. Auch missfällt mir die Form der Kreistaste, die nach außen hin ein wenig abfällt, um der Rundung des rechten Controller-Horns zu folgen. Und noch ein Detail: Sowohl diese Tasten, als auch D-Pad und Schultertasten sind von einem glatten Material, das Fingerfett anzieht und bei schwitzigen Fingern etwas schmierig wird.

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Die Analogsticks sind nach meinem Dafürhalten deutlich zu leichtgängig und ihre konkaven Daumenkappen so tief eingedellt, dass meine Daumen links wie rechts nur an den Rändern aufliegen. Menschen mit kleineren Daumen haben hier bessere Karten, aber meine sind wirklich nicht allzu groß. Auch das D-Pad ist ebenfalls von der leichtgängigen Sorte und hat gefühlt eine Menge Hub. Tatsächlich gefällt mir das Steuerkreuz aber recht gut, weil ich präzise Plattformer und Beat-em ups recht entspannt damit spielen kann. Das Touchpad fühlt sich gut an und der Sound über die integrierte Kopfhörerbuchse steht dem des Original-Controllers in nichts nach.

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Kann man machen. Vielleicht 'muss' man ja mit der nächsten Ausgabe.

Auf der Rückseite wohnen unten an den Hörnern des Controllers die in dieser Preisklasse standardmäßigen Sondertasten. Der Scuf hatte hier Paddles, die bestens zu erreichen waren, der Revolution 3 wollte wohl dezenter sein und versteckt die Dinger fast zu gut, als dass man sie intuitiv benutzen könnte. Oft weiß man nicht, auf welcher Taste Mittel- und Ringfinger nun gerade liegen. Ich habe irgendwann die oberen Sondertasten deaktiviert und nur die unteren benutzt. Eindeutig die schwächste Lösung in dieser Richtung am Markt.

Insgesamt rechtfertigt der Revolution Pro 3 zwar die Mehrkosten gegenüber einem normalen Dual Shock, er ist wertig und die Anpassungsmöglichkeiten über die Software - wenn man sie erstmal hat - dürften vielen Spielern gefallen. Aber er macht in Detailfragen immer noch nicht den ausgereiften und komplett durchdachten Eindruck, den man bei einem Controller mit dreistelligem Preisschild erwartet. Es ist nicht die Sorte Kaufentscheidung, mit der man lange hadert, wer leichtgängige Sticks liebt, sieht sich hier sogar besser bedient als anderswo. Aber der Mehrheit dürfte es nicht so gehen.

Mich würde nicht wundern, wenn Nacon in der vierten Generation mit dem Rundum-glücklich-Controller um die Ecke kommt, den ich mit dieser Artikelreihe suche. Der Revolution 3 ist aber noch ein gutes Stück entfernt davon.

Hersteller: Nacon - kompatibel mit: PS4, PC - Preis: ca. 100 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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