Alien Isolation sieht auf der Nintendo Switch besser aus als auf der PlayStation 4

Kleinere optische Downgrades können die drastisch verbesserte Bildqualität nicht ungesehen machen.

Seit der Umsetzung des 2016er Doom-Ports auf die Switch sind wir immer wieder davon beeindruckt, was Entwickler leisten, um Spiele auf Nintendos Konsolenhybriden zu bringen, die ursprünglich für weit stärkere Hardware designt wurden. Selbst in den besten Fällen sieht man aber überdeutlich die Abstriche, die die Entwickler machen mussten: Niedrigere Auflösung, langsamere Bildrate und deutlich weniger Bilddetails. Die typischen Sachen eben, aber wenn die Entwickler entlang des Weges die richtigen Entscheidungen treffen, können die Resultate angesichts der Hardware immer noch gut aussehen. Aber was, wenn ich euch erzählte, dass Feral Interactives Switch-Version von Alien Isolation sogar besser aussieht als die auf PS4 und Xbox One?

Es ist eine schlichtweg bemerkenswerte Umsetzung eines brillanten Spiels - eines der besten Survival-Horror-Actionspiele dieser Generation. 2014 erschien es zeitgleich sowohl auf den Konsolen der aktuellen als auch der letzten Generation. Alien Isolation setzt auf Creative Assemblys eigene Engine, mit hochwertigem physikbasiertem Rendering, großartigem Post-Processing und schummrig-stimmungsvoller Beleuchtung. All das hat es auch auf die Switch geschafft, aber die Durchführung ist schlichtweg auf einem anderen Level im Vergleich mit den anderen Umsetzungen.

Erinnern wir uns: Die Current-Gen-Versionen lieferten beide 1080p mit SMAA T2x Anti-Aliasing, während die PS3- und 360-Fassungen Auflösungen unterhalb von 1280x720 schafften. Die Performance war auf den älteren Geräten instabil, auf den aktuellen relativ sauber - zumindest nach einigen Patches. Egal, welche Version man aber spielte, die Art Direction, Materialqualität und das Design der Welt sind alle große Klasse. Ich für meinen Teil finde, kein Spiel davor oder seither hat je das "Look and Feel" seines Ursprungsmaterials wieder so eingefangen wie dieses hier. Der starke Einsatz von Post-Processing-Effekten, wie Filmkörnung und Chromatic Aberration, funktioniert in diesem Fall wundervoll. Es ist noch heute ein sehr schönes Spiel - und die Switch-Umsetzung ist bemerkenswert.

Obwohl in bestimmten Bereichen Opfer gebracht werden mussten, gibt es auch Verbesserungen und insgesamt muss ich sagen, dass diese Version sich über die ursprünglichen Konsolenversionen erhebt. Die größte Verbesserung liegt in der Bildqualität. Auf der Switch nutzt Isolation einen Mix aus dynamischer Auflösungsskalierung, Contrast Adaptive Sharpening und TAA. Im gedockten Modus hält das Spiel die meiste Zeit 1080p, ab und an fällt die Auflösung aber auch auf 1026p, 900p, 882p und im schlimmsten Fall auf 756p.

Seht, wie groß die Verbesserung ist, die Alien Isolation's neues TAA und das Contrast Adaptive Sharpening der Switch-Version einbringen.

Und hier wird es interessant. Ich habe schon in der Vergangenheit gesagt, dass schiere Pixelzahlen längst nicht mehr so wichtig sind - und das aus gutem Grund. Während die PS4 und Xbox One mit festen 1080p laufen, sieht die Switch-Version in Bewegung bedeutend sauberer aus. Das liegt daran, dass man auf ein moderneres Accumulation Temporal Anti-Aliasing setzte. Dieser Ansatz reduziert so massiv das Oberflächen-Aliasing und Kantenschimmern, dass das Spiel schlichtweg besser aussieht als auf der ursprünglichen Konsole, selbst wenn die mehr Pixel auf die Mattscheibe bringt.

Das zieht sich durch das ganze Abenteuer und macht sich an einer großen Zahl Oberflächen bemerkbar, deren Kanten nun auf der Switch deutlich glatter aussehen. Selbst wenn die Auflösung unter die 1080p wegtaucht, ist das Resultat optisch immer noch sauberer und attraktiver. Wirklich beeindruckend und die Kombination aus TAA und Adaptivem Sharpening hilft dabei, eine wundervolle Bildqualität zu garantieren.

Auch im Handheld-Modus glänzt Isolation. Wie erhofft sind hier 720p das Ziel, im schlimmsten Fall geht es auf 504p runter. Aber das passiert nicht häufig. Und all die Dinge, die das Spiel auch im Dock so sehenswert machen, funktionieren auch hier ausgezeichnet. Bedeutet: Super-saubere Kanten und minimales Aliasing. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass die Bildqualität insgesamt besser ist als in jeder anderen Konsolenversion des Spiels - das ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Nintendo Switch, dass das der Fall ist.

Das bedeutet aber nicht, dass es eine perfekte, in Sachen Features vollumfänglich komplette Umsetzung wäre. Zum einen scheint Ambient Occlusion nicht mehr zu existieren oder wurde signifikant verändert. Es hat in diesem Fall keine großen Auswirkungen, weil das Spiel ohnehin dunkel ist. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man, dass es fehlt. Außerdem ist das Motion Blur deaktiviert, das in der ursprünglichen Version sehr subtil eingesetzt wurde. Weiterhin gibt es Anpassungen am LOD und der Schattenzeichendistanz. Teilweise wird Levelgeometrie erst näher am Spieler eingeblendet.

PS4Switch im Dock
Alien Isolation scheint in Sachen Grafikfeatures fast identisch auf Switch und PS4. Der größte Unterschied liegt in der Veränderung oder Entfernung der Ambient Occlusion.
PS4Switch im Dock
Die Änderungen am AO sind definitiv sichtbar in dieser Szene, gleichzeitig erkennt man hier aber auch die stark verbesserte Bildqualität, die in der Implementierung von TAA begründet liegt. Schaut euch etwa die Tastatur genau an, um das zu sehen.
PS4Switch im Dock
Das bedeutet, dass das Flimmern und die Pixelbildung entlang von Kanten deutlich reduziert sind, selbst wenn die die dynamische Auflösungsskalierung unterhalb die 1080p fällt.
PS4Switch im Dock
Der Handheldmodus schlägt sich ebenfalls gut und hält die meiste Zeit seine 720p Auflösung oder bleibt zumindest in der Nähe. Das Spiel sieht in beiden Spielweisen sehr sauber aus.

Auch abseits der Render-Effekte sind einige Faktoren bemerkenswert. Der Ton ist in Isolation zum Beispiel besonders wichtig - vor allem der Surround Sound. Viele der letzten Switch-Spiele haben auf diese Option verzichtet und stattdessen nur Stereo angeboten. Das ist hier nicht der Fall. Isolation nutzt die Surround-Fähigkeiten der Switch voll aus und der Klang ist auf einem Level mit dem der PS4. Dann sind da die Filmsequenzen und das ist der eine Bereich, in dem die Qualität hinter den anderen Versionen zurücksteht. Diverse Sequenzen greifen auf Video-Playback zurück und diese scheinen auf der Switch stärker komprimiert zu sein, vermutlich um die Dateigröße klein zu halten. Immerhin laufen sie flüssig. Als das Spiel auf der PS4 launchte, war das nicht der Fall. Immerhin kam später ein Patch.

Und dann sind da die Ladezeiten. Die sind auf jeder Konsole relativ lang, wenn man von einer Map zur anderen wechselt, und die PS4 ist hier etwas schneller. Aber die Switch-Version ist nicht weit abgeschlagen. Zum Glück sind die Ladezeiten nach einem Tod sehr kurz. Eine Rolle spielen also nur noch die Wechsel zwischen größeren Gebieten. Wenn wir also sagen, dass die Switch-Version von Alien Isolation die beste Konsolenversion des Spiels ist, meinen wir nicht, dass sie in jedem einzelnen Bereich den anderen überlegen ist. Ein paar Details fehlen, es lädt eine Idee länger und die Video-Clips sind komprimierter. Im allgemeinen Spielablauf jedoch hat die neue Anti-Aliasing-Technik einen stärkeren Einfluss darauf, wie das Spiel wirkt. Das Kantenflimmern ist auf der PS4 so allgegenwärtig, dass das Bild zu keinem Zeitpunkt sauber aussieht. Das war immer ein Problem. Die Switch-Version ist durchgehend stabiler, sauberer und einfach netter anzusehen.

Kurz gesagt: Feral hat hier die richtige Entscheidung getroffen, die Bildqualität zu priorisieren, während andere Änderungen sicher mit Performance-Verbesserungen zusammenhängen und ohne Direktvergleiche kaum auszumachen sind. Am wichtigsten ist, dass der Switch-Port von Alien Isolation den Großteil aller technischen Features beibehält.

perf
Alien Isolation läuft fast immer mit festen 30fps, nur kleinere Absacker sind zu verzeichnen, wie dieser hier.

Ich kann nicht genug Gutes über die Materialqualität sagen. Für ein Spiel von 2014 ist die Qualität fantastisch und vermittelt gleichermaßen bestens den Eindruck von poliertem Metal oder Karton und darüber hinaus. Lens Flares werden effektiv eingesetzt, um Kontraste zwischen Dunkelheit und intensiven Lichtern zu unterstreichen. Sogar ihre Form verändert sich je nach Lichtquelle. Die volumetrische Beleuchtung ist ebenfalls weiterhin in offenbar unveränderter Qualität vorhanden und simuliert prächtig die Interaktion des Lichtes mit der Atmosphäre der Umgebung. Sowohl Chromatic Aberratoin als auch Filmkörnung darf man neuerdings auf der Switch abschalten, auf der PS4 ging das nur mit der Körnung. Insgesamt ist die Präsentation auch fünf Jahre nach der ersten Veröffentlichung noch phänomenal.

Auch Vergleiche mit der Last-Gen PS3-Version von Alien Isolation sind faszinierend. Die Switch läuft in höherer Auflösung, hat sehr viel mehr Effekte, die auf der alten Sony-Konsole fehlen, und läuft sehr, sehr viel stabiler. Falls euch der Vergleich albern vorkommt, denkt daran, dass es Spiele gab, die auf der Nintendo-Maschine schlechter liefen als auf Last Generation Konsolen.

Die Performance ist ebenfalls ein interessantes Thema. Sie zielt auf 30fps und schafft durchweg stabile 33ms. Etwaige Abtaucher darunter sind geringfügig und kurz, bevor das Spiel wieder bei 30fps steht. Es ist wahrscheinlich, dass IO Vorgänge dafür verantwortlich sind. Alpha-Effekte können ebenfalls kurze Absacker der Performance auslösen, die Versionen für Xbox One und PS4 hatten vergleichbare Probleme. Tatsächlich läuft die Xbox One Version auf der ursprünglichen Konsole deutlich weniger flüssig als auf Switch und weist sogar Tearing auf. Auf der Switch gibt es offenbar Triple-Buffer V-Sync anstatt adaptives wie im Original. Tearing ist damit komplett eliminiert, bei etwas höherem Input-Lag.

handheld
Sowohl im Dock als auch im Handheld-Modus überzeugt die Alien-Isolation-Umsetzung.

Mir ist aber noch eine Eigenheit aufgefallen. An bestimmten Punkten, insbesondere, wenn neue Bereiche geladen werden - ist das Spiel kurz nicht mehr flüssig. Und zwar auf eine Art, die auf keinem unserer Benchmark-Tools zu sehen ist. Das liegt daran, dass die Bildrate an sich nicht einbricht - stattdessen ist die Distanz, die sich die Kamera bewegt, für Augenblicke inkonsistent, sodass es weniger flüssig wirkt. Ein seltsames Phänomen und ich frage mich, ob das mit einem Patch gelöst werden kann. Aber selbst mit diesen kleineren Fehlern ist das Erlebnis insgesamt stabil und eine massive Verbesserung gegenüber der Last-Gen-Version.

Die Kirsche auf der Torte stellen die zusätzlichen Features auf der Switch dar. Zunächst einmal enthält diese Version alle DLCs, die für das ursprüngliche herausgekommen sind, es ist also vom Start weg vollständig. Zweitens gibt es die Option, die Bewegungssteuerung zu nutzen - aber nur, wenn man mit der Pistole zielt oder den Motion Tracker benutzt. Das ist ein ziemlich genialer Kniff, weil man sich im normalen Spielablauf keine Gedanken um seine Handposition machen muss, beim Gebrauch eines dieser Werkzeuge aber direkt auf das Feature zugreifen kann. Es fühlt sich toll an.

Also ja, der Switch-Port ist unterm Strich glorreich und eine wunderbare Ausrede, das Spiel noch einmal in die Hand zu nehmen. Ich würde außerdem sagen, dass es eine Sternstunde für den Entwickler Feral Interactive ist. Die Firma gibt es schon eine ganze Weile, bisher konzentrierte sie sich auf Umsetzungen von Spielen auf Mac und Linux. Ihre Leistungen auf der Switch mit Alien Isolation und Grid Autosport stellen einen beachtlichen Grad an Beschlagenheit zur Schau - ich freue mich darauf, mehr von diesem Studio zu sehen.

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Über den Autor:

John Linneman

John Linneman

Staff Writer, Digital Foundry

An American living in Germany, John has been gaming and collecting games since the late 80s. His keen eye for and obsession with high frame-rates have earned him the nickname "The Human FRAPS" in some circles. He’s also responsible for the creation of DF Retro.

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