Nintendo Switch Ring Fit Adventure - Test: Verdammt, ist das anstrengend

Das Wii Fit der Switch. Nur besser.

Ich bewege den Ring-Con von einer Seite meines Körpers zur anderen, mit jedem Schwung treffe ich jeden der Gegner, der vor mir steht. Danach halte ich den Ring über meinen Kopf, presse ihn über 20 Mal zusammen, zuerst langsam, am Ende im höheren Tempo. Bevor es am Schluss in die Hocke geht, während ich den Ring vor mich halte, ihn langsam über meinen Kopf nach oben strecke und zurück. Mit jeder Bewegung teile ich Schläge aus, jeder Treffer erfordert eine Kraftanstrengung. Eine, die sich am Ende auszahlt, denn der Weg ist frei und ich setze meinen Weg durch die farbenfrohe Fantasy-Welt von Ring Fit Adventure fort.

Nintendos Titel ist im Grunde eine natürliche Weiterentwicklung des erfolgreichen Wii Fit. Ein weiterer Versuch, Fitness mit Spielen zu verknüpfen. Und dabei geht das Unternehmen diesmal noch einen Schritt weiter und setzt nicht allein auf Fitnessübungen. Nein, vielmehr bietet Ring Fit Adventure einen kompletten Story-Modus. Das ist das, was Wii Fit fehlte.

Mit zirka 100 Levels, die sich über 20 verschiedene Bereiche erstrecken, dient der dazu, euch zu motivieren. Ihr lauft buchstäblich durch jeden einzelnen Level. Im Spiel tut das euer Charakter, während ihr vor dem Bildschirm auf der Stelle lauft und durch euer eigenes Tempo festlegt, wie schnell er das tut. Ab und an tut ihr das im höheren Takt, damit der Protagonist über Laufbänder vorankommt, die sich in eure Richtung drehen. Oder ihr zieht beim auf der Stelle laufen die Knie weit nach oben, weil ihr im Spiel durch einen Sumpf stampft oder eine Treppe nach oben steigt.

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Die Welt ist schön gestaltet. (Ring Fit Adventure - Test)

Ihr lauft wie auf Schienen vom Start zum Ziel durch jeden Level. Und es ist definitiv eine Bewegung eurerseits erforderlich, ansonsten steht euer Charakter nicht mehr als in der Gegend herum und guckt sich die Landschaft an. Ihr überwindet dabei Hindernisse und nehmt es zwischendurch mit einzelnen Gegnern auf, bevor ihr am Ende eines jeden Bereichs gegen den muskelbepackten Bodybuilder-Drachen Drako antretet. Und das allein mit euren Bewegungen, wobei euch der erwähnte Ring-Con und ein Beingurt helfen.

Am Ring-Con bringt ihr den rechten Joy-Con an, am Beingurt den linken. Der Ring-Con entspricht im Grunde einem Pilates-Ring, der bei dieser Trainingsmethode Verwendung findet. Drückt ihr den Ring zusammen oder zieht ihn auseinander, erkennt das System das und führt anhand dessen Aktionen aus. Haltet ihr ihn vor euch nach unten und drückt ihn zusammen, führt ihr einen Sprung aus. Haltet ihn zusammengedrückt und ihr schwebt. Umgekehrt lassen sich zum Beispiel Münzen abseits des Weges ansaugen, indem ihr ihn auseinander zieht.

Der Joy-Con im Beingurt registriert die dort ausgeführten Bewegungen. Beides funktioniert weitestgehend präzise und erkennt eure Bewegungen, wenn ihr zum Beispiel in die Hocke geht oder das Tempo beim Laufen variiert. Probleme hatte ich mit dem Beingurt eher dann, wenn er über einer Hose angebracht war. Das kann aber an deren Material liegen, dass er dabei zum Runterrutschen tendierte. Unter einer kurzen Trainingshose und mit einem enger geschnallten Gurt saß dieser dann bombenfest.

Gegen Drako tretet ihr häufiger an. (Ring Fit Adventure - Test)

Zugegeben, Wii Fit bot damals ebenso die Möglichkeit, auf der Stelle zu laufen und über die Insel zu joggen. Es war aber immer das Gleiche. Hier gibt es mehr Abwechslung, mehr Schauplätze und eine Geschichte. Das macht es von Grund auf interessanter und motivierender. Ihr sammelt Erfahrungspunkte, steigt im Rang auf und schaltet so neue Übungen beziehungsweise Attacken frei. Stoßt ihr beim Laufen auf eine Gegnerposition, wechselt das Spiel in einen Rundenkampfmodus.

Hier wählt ihr eine Übung aus, um einen oder mehrere Widersacher zu attackieren. Danach presst ihr den Ring gegen euren Bauch, um euch mit einer Art Schild zu verteidigen, und wiederholt das Spielchen, bis alle besiegt sind. Habt ihr es anfangs noch mit einzelnen Gegnern zu tun, kommen später mehr hinzu. Ebenso lernt ihr Angriffe, die mehreren Kontrahenten gleichzeitig schaden. Und gehört ein Angriff zur gleichen Farbgruppe wie ein Gegner, verursacht ihr Bonusschaden. Ein wenig Taktik und Überlegung sind dabei auf jeden Fall gefragt, zumal ein Scheitern möglich ist. Gehen euch die Herzen aus, fliegt ihr aus dem Level und es geht von vorne los. Achtet daher darauf, ein ausgewogenes Portfolio an Übungen zu haben, da nicht unendlich viele Slots für Attacken verfügbar sind.

Abhängig davon, wie gut ihr seid und mit wie vielen Gegnern ihr es zu tun habt, arten die Kämpfe gegen Feinde in echte Arbeit aus. Die Übungen verlangen unterschiedlich viele Wiederholungen und ihr seht dabei immer, ob ihr es richtig macht. Stimmt eure Pose nicht, weist euch das Spiel darauf hin. Je länger ein Kampf dauert, umso anstrengender ist er. Und umso befriedigender ist es am Ende, wenn ihr nach getaner Arbeit eure Gegner in die Schranken verweist. Es entsteht das Gefühl, wirklich was für den Erfolg geleistet zu haben.

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Vor dem Start eines Levels seht ihr, wie anstrengend es wird. (Ring Fit Adventure - Test)

Wer nicht zu den fittesten Menschen gehört, merkt das schnell. Ihr habt die Möglichkeit, einen Schwerpunkt in Ring Fit Adventure festzulegen, ebenso gebt ihr natürlich Daten wie eure Größe und das Gewicht an, legt die Intensität der Übungen fest. Und das Spiel fragt bei jedem Start, ob ihr damit zufrieden seid oder ob ihr was ändern möchtet. Ich wählte die Ausdauer als Schwerpunkt und ja, Ring Fit Adventure bringt mich dabei innerhalb kurzer Zeit ganz schön ins Schwitzen. Mehr, als ich es in einer Stunde im Fitnessstudio tue, wenngleich ich dort nicht auf der Stelle laufe, sondern primär sitze, stehe und liege und meine Muskeln trainiere.

Habt ihr die Story durch oder möchtet zwischendurch was anderes machen, ist es wie damals in Wii Fit möglich, zum Beispiel einzelne Übungen frei Schnauze zu absolvieren oder kleinere Mini-Spiele zu spielen. Dabei legt ihr ebenso den Fokus auf einzelne Körperbereiche, womit sich diese gezielt trainieren lassen.

Ring Fit Adventure ist in seiner Gesamtheit nicht einfach Wii Fit für die Switch, vielmehr ist es die nächste Evolutionsstufe, das bessere Wii Fit. Standet ihr in Letzterem damals primär auf dem Balance Board, seid ihr hier viel beweglicher und absolviert ein gutes, anstrengendes Workout. Vorausgesetzt, ihr schummelt nicht und versucht die Software auszutricksen. Aber dann bräuchtet ihr dieses Spiel nicht zu kaufen, wenn das euer Plan wäre. Ring Fit Adventure funktioniert einfach, es macht Spaß, es registriert eure Bewegungen präzise und es lässt den Schweiß fließen, wenn ihr es darauf anlegt.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass es eine hundertprozentige Alternative zum Gang ins Fitnesstudio ist, aber es ist eine gute Ergänzung dazu, wenn ihr nicht jeden Tag dorthin geht. Oder wenn ihr in eurem Alltag ein wenig spielerische Bewegung haben möchtet und - aus welchen Gründen auch immer - nicht ins Studio möchtet. Und wer weiß, unter Umständen bringt euch das Spiel ja dazu, sportlich aktiver zu sein? Wer es ernst nimmt und richtig spielt, spürt es am nächsten Tag definitiv in seinen Muskeln. Und obendrein ist es motivierend und zugleich unterhaltsam, bietet mehr als ein trockenes Aneinanderreihen von Übungen. Nach dem Ankündigungstrailer war ich skeptisch, aber mir macht das hier viel Spaß und ich hoffe, dass der Ring-Con künftig in weiteren Spielen als Controller Verwendung findet.

Entwickler/Publisher: Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: zirka 60 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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