Thrustmaster eSwap Pro Controller für PS4 - Test: Die Zukunft modularer Controller?

Beeindruckender erster Versuch eines hässlichen, aber vielseitigen Entleins.

Geniales Konzept, gute Umsetzung und extrem hochwertige Buttons kämpfen gegen Ergonomieschwächen und bisweilen fragwürdige Materialwahl.

Man merkt irgendwie sofort, wenn man ihn auspackt, dass Thrustmaster ein alter Hase in diesem Geschäft ist: Der eSwap wirkt wahnsinnig solide verarbeitet und liegt schwer in der Hand. Aber hübsch, das ist er nicht. Das hier ist von Industriedesignern entworfene Hardware, die sich dem Nutzen unterordnet und von Mode keine Ahnung hat. Aber in diesem Fall sind es die inneren Werte, die zählen und die können sich wahrlich sehen lassen.

Tatsächlich bin ich nicht rundum zufrieden mit diesem mit gut 150 Euro nicht ganz billigem Gerät, weshalb es sich im Mittelfeld meiner Testreihe an Premium-PS4-Controllern (die neben diesem hier den Scuf Impact, den Nacon Revolution 3, den Astro C40 und den Razer Raiju TE umfasst) einordnet. Aber vom Konzept und in vielen seiner Verarbeitungs- und Funktionsfacetten gefällt es mir sogar am besten. Der eine oder andere dürfte hierfür ebenso eine Schwäche entwickeln und/oder seine speziellen Spielgewohnheiten so gut bedient sehen, dass er den Kauf wagt.

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So sieht er aus, nachdem man fast 50 Stunden Death Stranding damit gespielt hat. Hier in der Xbox-Konfiguration.

Was haben wir hier also? Einen verkabelten PS4- und PC-kompatiblen Controller mit extrem durchdachtem modularem Aufbau, exzellenten Mikroschaltern, wo es darauf ankommt, und einer netten Idee zur Personalisierung. Aus der Packung fallen außerdem ein etwas windiger Transportbeutel (da sind Astro und der Nacon weiter) und drei Meter textilummanteltes Kabel mit proprietärem Stecker, wohl um den Anschluss an den Controller zu schützen.

Größter Pluspunkt und Aufhänger des eSwap-Konzepts: Ähnlich dem Astro C40, auf den ich demnächst zu sprechen kommen werde, steckt ihr beim eSwap Steuerkreuz und Sticks so um, wie ihr sie haben wollt: Symmetrisch, wie auf der PS4, oder eben asymmetrisch nach Xbox-Art. Und zwar einfach durch rausziehen und wiedereinsetzen, geht in zwei Sekunden - Magnettechnik und eine gefühlt kontaktlose Schnittstelle machen es möglich. Schneller und unkomplizierter geht das nicht mehr. Außerdem fühlt es sich gut an.

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Alle abnehmbaren Elemente. Die Schnittstelle von Sticks und Steuerkreuz ermöglicht blitzschnelles Plug and Play. Trotzdem wackelt oder klappert nichts.

Gleichzeitig verkauft Thrustmaster für etwa 30 Euro modulare "Color Packs", mit denen ihr Sticks, Griffflächen, Trigger und D-Pad in anderer Farbe bekommen könnt. Ebenfalls drin: Zwei kurze und zwei lange Sticks, jeweils ein konkaver und ein konvexer. Die Color Packs sind die einzige Möglichkeit, die Kopfform der Sticks zu ändern. Die Stick-Kappen der mitgelieferten Analogsticks sind fest verbaut. Aber großer Pluspunkt: Im Vergleich zum Astro hat man nicht das Gefühl, man müsste den Stick aus dem Gelenk reißen, um die Kappe abzunehmen. Ihr schraubt die Daumenauflage einfach ab.

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Ebenfalls in so einem Color Pack: ein zweites Steuerkreuz, zwei farbige, glatte Griff-Verkleidungen, die man anstelle der standardmäßigen gummierten an den Controller pappen darf (was eigentlich Humbug ist, auch wenn die magnetische Verbindung nett gemacht ist). Und nicht zu vergessen: Zwei längere Trigger, die sich durch Lösen einer Schraube an der Rückseite austauschen lassen. Mit ihrer Form, genauer gesagt mit ihrem "Buckel" in der Mitte, wurde ich nicht so richtig warm, aber Rennspielfreunden mag das anders ergehen. Mehr Präzision holt man aus dem festen, aber subjektiv etwas kurz wirkenden Hub der Trigger so auf jeden Fall raus. Wer aber auf die vorderen Schultertasten umgreifen will, hat's nicht mehr ganz so leicht. Ich wüsste aber auch nicht, wie man das besser lösen sollte.

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Und noch mal umkonfiguriert mit dem silbernen Color Pack und den langen Sticks für feinfühligere Kontrolle. Nicht zu sehen: Die längeren Trigger.

Unterm Strich ist diese Lösung eines modularen Controllers die schönste und unkomplizierteste, wenn man auch an der PS4 das Xbox-Layout der Sticks bevorzugt und hier und da zwischen den Genres springt. Wer viel Prügler spielt, steckt nach der Partie God of War den Stick wieder auf die Mittelposition und holt das D-Pad hoch, und hat dann ergonomisch optimalen Zugang dazu - oder holt sich gleich das Fighting Pack von Thrustmaster dazu, das dann das D-Pad als daumenschonende Scheibe interpretiert und den rechten Stick durch zwei zusätzliche Buttons ersetzen lässt.

Wie man es auch dreht und wendet, die Buttons und das D-Pad überzeugen durch den Einsatz extrem taktiler Mikroschalter. Das Steuerkreuz muss ein wenig Hub haben, bevor eine Richtungstaste auslöst und das fühlt sich hier auch wirklich gut an, während die kleinen Face Buttons dermaßen gut und schnell reagieren, dass es eine Freude ist. Sogar die vier Tasten an der Rückseite des Controllers sind mit Mikroschaltern unterlegt. Die Sticks an sich haben nach dem sehr leichtgängigen Nacon genau den richtigen Widerstand und bieten in der optionalen längeren Variante viel Raum für feinfühlige Aktionen. Für den ersten Anlauf auf das Segment der Premium-Controller ist Thrustmaster hier Beachtliches gelungen, zumal sich in der Software auch alles einstellen lässt, was das Herz begehrt - Stick- und Trigger-Wege, Rumble, Belegung der Zusatztasten und so weiter. Das Ding steckt so voller Features, dass ich die Tasten zum Stummschalten eines angesteckten Headsets und zum Wechsel zwischen zwei verschiedenen Profilen fast vergessen hätte. Lediglich an "Trigger-Stops" hat Thrustmaster nicht gedacht.

Ergänzung: Dabei sollte aber nicht untergehen, dass der eSwap, wie auch der Rest der Premium-Controller in dieser Testreihe, mit Ausnahme des Scuf Impact, sowohl auf die Leuchtleiste als auch auf die Gyro-Sensoren des DualShock 4 verzichten. Für PSVR-Titel oder bewegungsgesteuerte Spiele wie zum Beispiel Dreams sind sie also nicht geeignet.

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Und hier sieht's dann doch ein bisschen nach Prototyp aus, oder? Die oberen Tasten sind nahezu unbrauchbar.

Am Ende reicht es trotzdem nicht ganz für eine uneingeschränkte Empfehlung. Das beginnt damit, dass viel der Umsteckerei von D-Pad und linkem Stick vielleicht nicht mal nötig wäre, wären der rechte Stick und sein Gegenstück auf der anderen Seite nicht so dicht zusammen. Ob ihr nun das Steuerkreuz oder den linken Stick dort stecken habt, ganz egal: Was auch immer ihr hier unterbringt - um dorthin zu langen, fährt der Daumen weiter runter als es sich optimal anfühlt. Im Xbox-Layout liegt der Daumen perfekt auf dem Stick, nach Art der PS4 konfiguriert, kann es passieren, dass die Daumen in der Mitte zusammenstoßen, wenn ihr nach rechts lauft und nach links schauen wollt.

Gleichermaßen sehen das glossy Finish der Schultertasten und des Steuerkreuzes gut aus, sie sammeln aber auch recht schnell einen Fettfilm an, der sich unter den Fingern schmierig anfühlt, sodass ich wirklich oft den Impuls verspürte, mit einem trockenen Tuch über diese Elemente wischen zu wollen. Das ist der eine Punkt, in dem die Designer nicht die Form über die Funktion stellten und etwas, das mich im Verlauf mehr gestört hat, als man eigentlich annehmen sollte.

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Hier nochmal mit Triggern und den längsten Sticks. Ich mag ihn, auch wenn er noch einen weiten Weg vor sich hat. Wie wäre es mit einem 'Grip Pack', mit texturierten Triggern und nicht so glossy Steuerkreuz?

Und dann wären wir da bei den vier rückwärtigen Tasten, die eigentlich gut gemeint sind, aber nach dem Nacon die zweitschlechteste Lösung in dieser Hinsicht sind. Sie sind rund und sehr klein und genau zwei davon - die beiden unteren - lassen sich bedienen, ohne großartig nachzudenken. Auf ihnen ruhen die Mittelfinger halbwegs natürlich (auch wenn sie zu klein sind, als dass man sorglos mit ihnen umginge und für meinen Geschmack noch weiter unten liegen dürften). Die beiden darüber ... einen "Use-Case" habe ich für sie noch nicht gefunden.

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Am Ende ist auch der eSwap nicht von vorne bis hinten (buchstäblich) so durchdacht, dass ich ihn zu dem gefragten Preis jedermann empfehlen könnte. Aber die wechselbaren Module sind ein kleines Design-Kunststück und die Buttons wohl mit die besten in diesem Business. Dieser Controller wird - hübsch-hässlich und von Kinderkrankheiten befallen, wie er nun mal ist - seine Freunde finden, da bin ich sicher. Mir ist er extrem sympathisch und ich werde die Augen nach dem unweigerlichen Nachfolgemodell offenhalten, für das ich große Hoffnungen hege.

Hersteller: Thrustmaster - kompatibel mit: PS4, PC - Preis: ca. 150 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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