Magic The Gathering: Arena - Test: Die Mutter aller Sammelkartenspiele

Duell der Karten.

Strategischer und komplexer als die Konkurrenz, aber unterhaltsam umgesetzt und mit vielen Verlockungen, echtes Geld auszugeben.

Sammelkartenspiele gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Und das betrifft nicht allen die klassisch analogen Vertreter wie Pokémon, Yu-Gi-Oh!, Star Wars und zahllose weitere. Längst sind diese Spiele in der digitalen Welt angekommen, der Erfolg von bekannten Vertretern wie Hearthstone oder Gwent spricht für sich. Sie alle haben eines gemein, denn sie bauen auf dem Erfolg von Magic: The Gathering auf, das sich einst Richard Garfield erdachte und gemeinsam mit Wizards of the Coast in die Läden brachte.

Im Fokus des Mainstreams tummeln sich eher Pokémon und andere, vor allem bei der Jugend. Und wer an Magic denkt, sieht mittlerweile zahllose Erweiterungen und zehntausende Karten. Ein Fakt, der ein wenig einschüchternd wirkt. Umso wichtiger ist es, neue Interessenten für den Urvater der Sammelkartenspiele zu gewinnen, der bei vielen immer noch als das beste seiner Art gilt.

Aktuell erlebt Magic so was wie einen Aufschwung. Erst in diesen Tagen erfolgte die Ankündigung von Magic: Legends, einem neuen MMO-ARPG von den Machern von Star Trek Online, während die Regisseure von Avengers: Endgame für Netflix eine animierte Serie zu Magic: The Gathering produzieren. Es ist der Versuch, Magic mehr ins Rampenlicht zu rücken, wobei ebenso Magic: The Gathering Arena helfen soll, das in diesem Jahr offiziell an den Start ging und das altgediente Magic: Online in ein modernes Zeitalter hievt.

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Ihr bastelt euch eure eigenen Decks zusammen und durchstöbert dazu eure Sammlung. (Magic The Gathering: Arena - Test)

Im Deckbaukasten stellt ihr das zusammen, womit ihr in den Kampf zieht: ein Deck aus mindestens 60 Karten mit Kreaturen, Zaubersprüchen, Artefakten, Helden und Mana. Letzteres gibt es in fünf Varianten und ihr braucht es zum Ausspielen eurer Karten, indem ihr Landkarten aufs Spielfeld legt. Im Gegensatz zu Hearthstone erhaltet ihr es somit nicht automatisch. Ihr durchsucht euer Kartenarchiv, indem ihr entweder stöbert oder gezielt nach einzelnen Karten sucht.

Blizzards Spiel ist insgesamt einsteigerfreundlicher und weniger komplex, wenngleich MTG Arena verschiedene Möglichkeiten bietet, um Teile eures Zuges zu automatisieren. Das hilft euch unter Umständen, wenn ihr noch nicht so vertraut damit seid, erwartet aber nicht, dass das Spiel immer die besten Entscheidungen trifft. Den Einstieg erleichtern darüber hinaus mehrere Tutorials und Starter-Decks. Damit ist es möglich, sich in die ersten Ranglistenkämpfe zu stürzen. Und wer gerne an seinen Decks feilt und alle möglichen Dinge damit ausprobieren möchte - oder einfach übt -, absolviert Spiele gegen die KI ohne große Risiken.

Und vor allem für Neulinge empfiehlt es sich dringend, die Tutorials zu absolvieren. Denn trotz allem ist das hier kein Zuckerschlecken, es gibt viele Informationen aufzusaugen, sich Fachbegriffe anzueignen. Ihr lernt die verschiedenen Aspekte des Spiels im Detail kennen, erfahrt mehr über die Optionen, die ihr in jeder Phase des Spiels habt, über die verschiedenen Arten von Decks und was es dabei an wichtigen Sachen zu beachten gibt. Es wirkt auf den ersten Blick überwältigend, zumal ihr beim Zug des Gegners nicht tatenlos zuseht und ständig überlegt und Entscheidungen trefft. Ab und an hilft ein simples "learning by doing" mehr als trockene Theorie.

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In Booster Packs warten neue Karten auf euch. (Magic The Gathering: Arena - Test)

Schnelle Einzelmatches gibt es ebenso wie Turnier-Spiele in den Modi Best-of-One und Best-of-Three. Durch Erfolge sammelt ihr Punkte, mit denen ihr in der Rangliste steigt und verschiedene Ligen durchquert - vorausgesetzt, ihr seid gut genug. Und mit höheren Ligen steigt zugleich die Schwierigkeit, denn ihr tretet gegen ähnlich erfolgreiche beziehungsweise gute Spieler an, was es mitnichten einfacher macht. Dabei ging MTG Arena ohne Freundesliste an den Start - im Jahr 2019 ein Unding. Andere Spieler ließen sich nur über den Nutzernamen oder eine Nummer herausfordern. Jüngst kam aber die Freundesliste als Ergänzung hinzu.

Zu den weiteren Spielvarianten zählen Sealed- und Draft-Events, zu denen ihr mit echtem Geld in Form der Währung Diamanten (Sealed) oder über die In-Game-Währung Gold Zugang erhaltet. Durch die Teilnahme daran klettert ihr in der Limited-Rangliste nach oben, wobei es erneut verschiedene Ränge gibt. Und am Ende einer Saison erhaltet ihr, abhängig von eurer Position, verschiedene Belohnungen wie Booster Packs oder Gold. Wer es ab und an gerne weniger ernsthaft hätte, wirft einen Blick auf unterschiedliche Casual-Modi, bei denen es primär um Spaß und nicht um den Wettbewerb geht.

Das eigentliche Spielen macht Spaß und ist gut umgesetzt, die Karten hübsch gestaltet, wenngleich es im Endeffekt nicht mehr als ein Kartenspiel in digitaler Form ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei mir rufen seltene digitale Karten nicht den gleichen Effekt hervor wie seltene physische Karten, die schön glänzenden in euren Händen liegen oder ins Sammelalbum wandern.

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Ihr kämpft entweder gegen andere Spieler oder gegen die KI. (Magic The Gathering: Arena - Test)

Das ist es auch, was viele Spieler anlockt. Was wir heute als Lootboxen in Spielen kennen, ist nichts anderes als Booster Packs oder Packungen mit Panini-Stickern, wie es sie früher und heute immer noch gibt. Der Unterschied zu Panini-Bildern ist, dass es hier um einen Wettbewerb geht. Und wer viel investiert, hat in der Regel eine größere Chance, mehr und bessere Karten zu erhalten. Es entsteht so ein Ungleichgewicht zwischen Spielern, die viel Geld darin investieren, und denen, die das nicht tun.

In diesem Free-to-play-Titel ist das nicht anders. Der Unterschied zum normalen, physischen Magic ist, dass es hier keinen Zweitmarkt gibt. Kauft ihr dort einzelne Karten von anderen, gibt es hier alleine Packs mit Zufallsinhalt für ein paar Euro. Wer sechs Packs öffnet, erhält eine Wildcard der Stufe Rare oder Mythic, die ihr in eurem Deckbaukasten gegen eine Karte auf dieser Seltenheitsstufe eintauscht. Ein weiterer Nachteil ist, dass es nicht möglich ist, wie zum Beispiel in Hearthstone Karten zu zerlegen und weiterzuverwerten. Wer hier bei den Wildcards die falschen Entscheidungen trifft oder ihr neue Karten aus Packs bekommt, die euch nicht weiterhelfen, sitzt ihr darauf fest, es lässt sich nichts weiter damit anfangen. Da hilft dann allein, weiterzuspielen und mehr zu verdienen oder mehr Kohle zu investieren.

Es ist nicht die einzige Möglichkeit, hier Geld loszuwerden. Besondere Karten, Kartenrücken, virtuellen Kartenhüllen und andere Dinge verlocken Fans dazu, noch den ein oder anderen Euro mehr springen zu lassen. Klar, keiner steht unter Zwang, sich all diese Sachen zu kaufen, ein wenig übertrieben wirkt es hier und da aber doch. Es gibt zum Beispiel einen Season Pass, der euch zirka 20 Euro kostet. Und wer keine Lust hat, die künstlich eingeschränkten Erfahrungspunkte mit den täglichen Aufgaben zu verdienen, schaltet sich für 250 Edelsteine - die natürlich ebenso Geld kosten - einfach Stufen gegen Bares frei. Wo bleibt da der Spaß im Vergleich dazu, sich das alles zu erspielen? Wie gesagt, alles davon ist freiwillig, ein Geschmäckle bleibt indes über aufgrund der vielen Optionen zur Monetarisierung.

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Manche Dinge verlangen nach Edelstein und die bekommt ihr für Geld. Andere Sachen lassen sich wiederum direkt gegen Geld kaufen. (Magic The Gathering: Arena - Test)

Es ist klar, dass Wizards of the Coast nichts zu verschenken hat und aufgrund des Free-to-play-Modells darauf angewiesen ist, Geld zu verdienen. Und das versucht das Unternehmen hier auf viele verschiedene Arten, die nicht jedem schmecken. Um hier Spaß zu haben, ist es vor allem erforderlich, sich nicht an der Tatsache zu stören, dass andere Spieler mit mehr Geld mehr und bessere Dinge bekommen. Und es braucht die Bereitschaft, hier und da ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, um unter Umständen mitzuhalten. Wer hier kein Geld investieren möchte, braucht im Gegenzug Zeit. Denn dann dauert es natürlich deutlich länger, In-Game-Geld zu verdienen und so Stück für Stück seine Kartensammlung und sein Deck zu erweitern. Wer diese Geduld und Ausdauer mitbringt, findet hier durchaus seinen Spaß mit einem komplexen und strategisch anspruchsvollen Kartenspiel, in das man sich reinfuchsen kann.

"Fertig" ist Magic: The Gathering in seiner jetzigen Form nicht, in Zukunft wird es sich weiterentwickeln, so wie es bei der von der Community geforderten Freundesliste der Fall war. Ob es insgesamt in die richtige Richtung geht, sehen wir dann, wenn es so weit ist. Bis dahin habt ihr ein ansprechend präsentiertes Spiel mit den aktuellen Regeln und Sets von MTG. Es schadet mit Sicherheit nicht, wenn sich WotC von der Konkurrenz noch ein paar Scheiben abschneidet.

Entwickler/Publisher: Wizards of the Coast - Erscheint für: PC - Preis: Kostenlos - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Ja (Booster Packs, etc.)

PC-Spiele testen wir auf Lenovo Legion PCs und Laptops, die uns von Lenovo zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt wurden. Hier erfahrt ihr mehr über Gaming-Laptops 2019 im Allgemeinen und hier geht es zur Website von Lenovo Legion Gaming.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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