Cyberpunk 2077 verschiebt sich: Mit diesen 5 Spielen kommt ihr trotzdem stilsicher bis zum Herbst

Cyberpunk gibt es ja auch so genug.

Gut, ich will jetzt nicht sagen, man hätte das kommen sehen können. Aber klang der April-Termin, wie ihn Keanu Reeves auf der E3 (die mir vorkommt, als wäre sie letzte Woche gewesen) ankündigte, nicht irgendwie seltsam früh? Vielleicht lag es an der selbstbewussten Präsentation des "atemberaubenden" Hollywood-Testimonials - ist halt auch ein Schauspieler -, dass man nicht weiter darüber nachdachte, ob das Datum haltbar sei. Man schluckte es einfach und fing an, sich konkret zu freuen.

Umso härter trifft es einen nun, dass man doch bis Spätsommer warten darf. Und sei es nur, weil man neugierig war, was nun dran ist, an dem ambitionierten Rollenspiel-Entwurf eines der wichtigsten zeitgenössischen Entwickler. Nicht mal, weil man direkt hätte losspielen wollen. Jetzt müssen wir es eben aussitzen, bis es soweit ist und ich dachte mir, ich trage mal ein paar Spiele zusammen, die auf die eine oder andere Art darauf einstimmen, was da auf uns zukommt.

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Ich kann warten ... kann ich doch, oder?

Wer auf einen Waschzettel voller RPG-Zeitfresser gehofft hatte, dem ziehe ich kurz die Ohren lang und sage ihm, dass er genau weiß, dass er Divinity Original Sin 2 noch längst nicht durchhat, ihm in The Witcher 3 die eine oder die andere Erweiterung noch fehlt, Pathfinder und Pillars 2 gute Arbeit machen und er ruhig Greedfall (Test) hätte eine Chance geben dürfen, denn das Ding ist erstaunlich toll geworden. Meine Vorschläge sehen jedenfalls folgendermaßen aus:

Technobabylon (PC)
Technobabylon - Test

Ich weiß, nicht jeder hat von Wadjet Eye (The Blackwell Conspiracy, Gemini Rue, Unavowed) gehört, was allerdings in erster Linie daran liegt, dass das Team im Grunde nur Adventures der klassisch-pixeligen Point-and-Click-Art macht. Aber die, die es macht - oder mit auf den Weg bringt - genügen selbst höchsten Genre-Ansprüchen, wenn man nicht gerade Humor auf altem Lucas-Arts-Niveau erwartet. Dafür wären Geschichten von Spielen wie Technobabylon es auch dann noch wert, erlebt zu werden, wenn es kein Spiel drumherum gäbe, mit so sicherer Feder schrieben die Autoren diesen stimmungsvollen und wendungsreichen Cyberpunk-Thriller.

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Das Szenario um eine von einer KI samt Geheimpolizei regierten Stadt, süchtig machenden Cyberspace und körperliche Modifikationen ist nicht ganz neu, das tolle Puzzle-Design, die vielen kleinen Entscheidungen, die zwei grundverschiedenen, toll geschriebenen Enden und ein Trio an Hauptfiguren, aus dem jeder für sich in einer interessanten Bredouille steckt, holen aus dem Setting aber eine gewaltige Menge heraus. Wer es klassischer will, der holt sich alternativ Westwoods Blade Runner von GOG, aber warum nicht einfach mal die kostenlose Demo von Technobabylon probieren?

Deus Ex: Mankind Divided (PC, PS4, Xbox One)
Deus Ex: Mankind Divided - Test

Ich glaube, wir müssen uns nichts vormachen: Mankind Divided war längst nicht alles, was es hätte sein können - vor allem, weil das Ende nicht wirklich eines war. Das war bedauerlich, wenn man bedenkt, wie gut Human Revolution die Reihe neustartete. Das Sequel floppte jedenfalls und wurde auch von der Kritik verhaltener aufgenommen. Weitergehen mit der Marke dürfte es wohl nur mit einem erneuten Reboot. Und doch ist das mittlerweile vielerorten schon zum Schnäppchenpreis erhältliche zweite Deus Ex von Eidos Montreal nun gerade der richtige Lückenfüller, um die Zeit bis zu Cyberpunk 2077 zu überbrücken. Der transhumanistische Ansatz, die Megacorp-Neon-Skylines und die grundsätzliche, wenngleich nicht starre Aufteilung der Vorgehensweisen in "Brechstange" und Schattierungen unterschiedlicher Eleganzgrade sind nicht so weit von CD Projekt Reds Hoffnungsträger weg und die Chancen, dass ihr es noch nicht gespielt habt, stehen nicht allzu schlecht.

Es ist sicher nicht der Überflieger, den wir von den Warschauern erwarten, aber stilistisch und in Sachen Ausdrucksspielraum für den User das nächstbeste Ding.

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Shadowrun: Dragonfall (PC)
Shadowrun: Dragonfall - Test

Klar, das Cyberpunk-2077-Universum ist noch mehr in der echten Welt geerdet als Shadowrun, das Elfen und Orks in einer Hacker-verliebten Neon-Future versetzt. Aber beide siffige Zukunftsvisionen eint die bewegte Pen-and-Paper-Vergangenheit und auch der allgemein versiffte, kaputtkommerzialisierte und -globalisierte Video ihrer Welt. Nur, dass man sich hier eben noch mit Magie herumschlagen muss. Dragonfall, die beste und als Standalone-Version erhältliche Erweiterung von Harebrained Schemes isometrischer Taktik-RPG-Reihe, spielt in einem Berlin, mit dem die Immobiliengeier längst fertig sind und in dem man nun mithilfe seines Teams einem mythischen Drachen auf die Spur kommt, den es schon längst nicht mehr geben sollte. Ich sagte ja, dass es etwas abgehobener ist.

Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Welt fasziniert, die Geschichte packend erzählt ist und anhand einiger exzellent geschriebener Figuren nacherlebt wird. Mit rundenbasierter Taktik, in der die Kämpfe ausgefochten werden, sollte man aber kein Problem haben.

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Disco Elysium (PC; PS4 und Xbox One 2020)
Disco Elysium - Test

Natürlich ist das hier kein Cyberpunk. Ich bin mir nicht mal sicher, ob es auch nur annähernd die Zukunft irgendeiner Welt darstellen soll. Unsere ist es nicht. Aber es fühlt sich an, als könnten es ihre kläglichen Überreste sein. Warum Disco Elysium aber eigentlich in diesem Artikel auftaucht und mit Blick auf Cyberpunk interessant ist, das liegt an der Art, wie es seinen Spieler rollenspielen lässt und auf unfassbar viele seiner Entscheidungen gefasst zu sein scheint. Ein Punkt, mit dem CD Projekt Red ebenfalls gerne hausieren geht. In Disco Elysium geht es zwar häufig subtiler zu, aber das muss nichts Schlechtes sein. Im Gegenteil. Was ich meine? Nun, lauft mal eine Weile ohne Klamotten durch Revachol, dann findet ihr es heraus.

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So oder so: Wie man hier beim Spielen seinen Charakter durchdefiniert, an den Fäden der Handlung zupft und zieht, das setzt Maßstäbe bei der virtuellen Erzählung, an denen sich auch die talentierten Autoren von CD Projekt Red messen lassen müssen. Wer Cyberpunk wegen seiner hohen Ansprüche an eine Spielegeschichte und den Spielerausdruck in einer virtuellen Welt auf dem Zettel hat, hat bis September reichlich Zeit, in Disco Elysium ein paar Verbrechen zu lösen. Einzige Einschränkung: Macht euch darauf gefasst, jedwedes Problem mit virtuellen Würfeln zu lösen. Wie auch immer geartete Action oder ein tiefgründiges Kampfsystem gibt es hier nicht.


Cyberpunk ist euer Ding? Dann könnte das hier was für euch sein.
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2064 Read Only Memories (PC, Switch, PS4, Xbox One)

Es mag ein Klon sein, aber wenn die Vorlage auf legalem Wege heutzutage so gut wie unmöglich zu bekommen, geschweige denn zu spielen ist, ist das mehr als nur ok. Was hier kopiert wird? Der Allgemeine Ablauf von Snatcher, einem Frühwerk von Hideo Kojima, das in Europa nur auf dem SEGAs Mega-CD, einer Konsole für Wahnsinnige, erschien. Dabei handelte es sich um ein bildschirmweise umschaltendes Adventure mit gelegentlichen Simpel-Ballersequenzen, Sprachausgabe und schwer an Blade Runner angelehnter, aber Kojima-artig verschrobener Geschichte.

2064 leiht sich sowohl Ästhetik als auch den grundlegenden Ablauf - sogar einen robotischen Sidekick gibt es -, strickt aber inhaltlich etwas ganz Eigenes daraus, wirkt allgemein freundlicher und nicht so sehr, oder höchstens in der Technik, den Achtzigern verpflichtet. Sogar ein paar queere Themen werden angepackt. Herausgekommen ist ein durchweg liebenswerter, gleichzeitig aber auch spannender Blick in eine andere Version der nahen Zukunft, die sogar direkt um die Ecke von Cyberpunks Night City spielt, nämlich in San Francisco. Und wer es noch abgehobener mag, der schaut sich Va-11 HALL-A an, das im Stil ähnlich gehalten ist, euch aber in die Rolle eines Barkeepers versetzt, der Cyberpunk-Charakteren ihre Drinks mixen muss.

Jetzt seid ihr dran: Womit schlagt ihr die Zeit tot, bis Cyberpunk erscheint? Welche Spiele erscheinen euch thematisch passend, was ist im "Pile of Shame" nach oben gewandert, als ihr von der Verschiebung gelesen habt? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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