Astro C40 PS4-Controller - Test: Der Handschmeichler

Was kostet "Elite"-Status?

Entschuldigt, wenn es mit dem Test des Astro C40 dann doch etwas länger gedauert hat. Unser Muster hatte ein Problem mit einem knarzenden Analogstick und musste ausgetauscht werden. Das Ersatzexemplar, das mir jetzt vorliegt, verrichtet seinen Dienst aber einwandfrei und wie vorgesehen. Gut so, denn mit fast 200 Euro Straßenpreis ist er der teuerste unserer mittlerweile fünf Geräte langen Testreihe der aktuellen PS4- und PC-kompatiblen Premium-Controller.

Allerdings zweifelt man nur wenig an dem Preisschild, wenn man ihn das erste Mal aus der Packung holt. Zunächst einmal wohnt er nämlich in einem sehr robusten und praktischen Case, ähnlich dem des Elite Controllers von Microsoft, in dem neben dem Pad selbst zwei Meter proprietäres, leider nicht textilummanteltes Kabel, ein Inbus-Schraubendreher, ein Wireless-Adapter sowie vier tauschbare Stickaufsätze wohnen. Aussparungen für ein Steuerkreuz und eine Scheibe deuten an, dass Zubehör geplant ist. Bisher sehe ich online bei Astro aber nur Sticks, Kabel und Cases zum Nachkaufen.

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Der Astro im praktischen Case: Hingucker auf den zweiten Blick.

Was nicht ganz so schön ist: das Zubehör wohnt unter einem Stück Schaumstoff, das trennend zwischen Kleinkram und dem Controller liegt. Funktional, aber nicht hübsch und - wenn man auf Reisen ist, sicher auch irgendwann mal einfach weg. Der Look des Gerätes selbst ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig und nicht direkt schön, aber meine modebewusste bessere Hälfte, die mit Gamer-Ästhetik sonst nichts anfangen kann, bemerkte immerhin ungefragt, dass das Material sehr ansprechend aussähe und reagierte nicht so abwehrend wie sonst.

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In jedem Fall ist er optisch Fall weit entfernt von dem charakterlosen Design des ansonsten recht sympathischen Thrustmaster eSwap, mit dem der Astro in Sachen Funktionen noch am ehesten zu vergleichen ist, denn auch der C40 ist im weitesten Sinne Layout-agnostisch. Um die Sache mit dem Aussehen abzuschließen: Ich mag den matten Look und die roten Akzente, vor allem an den mechanischen Schaltern an der Ober- und Rückseite, könnte aber gut ohne die schraffierte Faceplate leben.

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Oben zu sehen: Die Kippschalter für Profilwahl und das Umschalten zwischen Drahtlos- und Kabelmodus. Der Stecker ist Mini-USB, die Buchse aber proprietär, wie auch bei all den anderen getesteten Controllern - wohl, um eine Beschädigung der Buchse zu vermeiden.

Trotzdem war es doch Zuneigung - wenn schon nicht Liebe - auf den zweiten Blick, denn nach ausgiebigem Anfassen habe ich ihn umso lieber geworden. In diesem Fall sehen die Hände einfach mit, denn das samtig gummierte Material, in das sich der nicht zu leichte C40 sich kleidet, sieht nicht nur fantastisch aus, es fühlt sich auch so an. Schnell werden natürlich Erinnerungen an die Deckel alter Thinkpads wach, auch an die Beschichtung einiger meiner AiAiAi-Kopfhörer oder die Seiten der alten Logitech MX518 Maus muss ich denken, denn diese Sorte Material löst sich nach einigen Jahren ganz gerne mal zu einer klebrigen Pampe auf - ähnliches hatte Martin ja schon beim Xbox Elite Wireless Series 2 befürchtet. Dann wiederum bin ich alles andere als sicher, dass es sich um exakt denselben Werkstoff handelt, denn komplett identisch fühlt er sich nun auch wieder nicht an.

Was man für den Moment wissen muss: Den hier zu halten, ist sowohl haptisch als auch ergonomisch eine Freude und die beiden rückwärtigen Zusatztasten - "UL" und "UR" - liegen unter den Mittelfingern, als wären sie schon immer dagewesen, ohne, dass ich sie jemals ungewollt ausgelöst hätte. Kurzum: Ich mag sehr, was ich hier in den Händen halte.

Was den Funktionsumfang angeht: Auch dieser Premium-Controller hat keine Leuchtleiste und keine Gyro-Sensoren. Für VR und sonstige Spiele mit Bewegungssteuerung ist er also nicht geeignet. Ein Lautsprecher sowie eine Kopfhörerbuchse sind aber verbaut. In Sachen Zusatzbuttons verfügt der C40 ausschließlich über die beiden an der Rückseite, wo die meisten anderen Geräte dieser Klasse auf ein Quartett zusätzlicher Tasten setzen. Der Razer Raiju TE hatte nach meinem Dafürhalten mit seinen beiden inneren Bumpern die beste Lösung, wenn man vier Zusatztasten braucht. Aber die besseren rückwärtigen Mittelfingertasten hat - knapp - der Astro.

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Hinten dann die Umschalter für die Trigger-Stops sowie die großzügig dimensionierten Zusatztasten.

Ansonsten gefällt der modulare Aufbau: Löst man mit dem mitgeliefertem Werkzeug die vier Schrauben der Faceplate, darf man die Anordnung der Sticks und des D-Pads tauschen. Das ist cool, auch wenn der eSwap dafür die deutlich elegantere, weil einfachere Methode gefunden hat. Aber da nicht zu erwarten steht, dass die meisten Spieler häufiger als einmal umstecken - schließlich ist das Steuerkreuz selbst in der Xbox-Konfiguration noch sehr gut erreichbar -, ist das zu verschmerzen. Ich mag die Flexibilität in jedem Fall, die sich auch auf die tauschbaren Stick-Kappen und -Hälse bezieht. Auch dort ist zwar die Art der Umsetzung nicht mein Favorit, weil diese Teile allzu bombenfest gesteckt sind, während man etwa beim eSwap eine Schraublösung wählte. Vielleicht habe nicht die richtige Technik entwickelt (im Handbuch steht wenig hilfreich etwas von "vorsichtig nach oben ziehen"), aber wie viel Gewalt ich hier aufwenden musste, das passte mir ehrlich gesagt gar nicht.

Geklappt hat es trotzdem und der Stick hat offensichtlich nicht gelitten. Und jetzt darf ich rechts mit einem deutlich längeren Analogstick präziser zielen. Wie gesagt: Der Funktionsumfang ist toll, der Weg, ihn zu ermöglichen, aber ein wenig ... wie soll ich sagen ... er wirkt etwas grobschlächtig. Der Nutzbarkeit und Performance des Controllers tut das zum Glück keinen Abbruch und sie erweist sich als enorm: Gerade das flache, auf Mikroschaltern gelagerte Steuerkreuz gefällt mit befriedigendem, schnellen Feedback, sowohl die Sticks als auch die analogen Trigger sind ein feinfühliger Traum (auch wenn das Auslenken der Sticks aus der Mittelposition ein leises, aber gut hörbares Schnalzen erzeugt). Die mechanischen Trigger-Stops, die den Auslöseweg der Schultertasten dritteln und die Umschalter zwischen verschiedenen Profilen und zwischen dem Kabel- und Drahtlosmodus sind auf mechanischen Kippschaltern gelagert, die mir sehr zusagen.

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Das Steuerkreuz fühlt sich wunderbar sauber und reaktiv an.

Müssten wir also nur noch über die Front-Buttons reden: Das ist nun die Glaubensfrage, ob ihr auf Mikroschalter schwört, oder euch Rubberdomes genügen. Der eSwap von Thrustmaster setzt, ebenso wie Razers Raiju, auf nett klickende, ultra-taktile Switches unter den Tasten von Kreuz bis Kreis und Astro hält es da deutlich traditioneller, wohl um das Originalgefühl des DualShock zu emulieren. Allerdings muss ich sagen, dass sich diese Rubberdomes dann doch noch mal ein Stück besser, weil knackiger anfühlen als die des originalen PS4-Controllers.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass man die Zusatztasten sehr einfach on-the-fly konfigurieren darf: Einen kleinen runden Knopf an der Rückseite gedrückt, dann die Taste, die ihr umbelegen wollt, und schließlich den Button, der darauf liegen soll. Geht für jedes Spiel in Sekundenschnelle - durchdacht und extrem praktisch. Vor allem in meinem Lieblingsbeispiel, Control, wo der Wechsel der Schulter, über die man zielt, auf Steuerkreuz unten liegt, was natürlich Humbug ist. Niemand will dafür den Stick loslassen. Also legt man "D-Pad unten" einfach auf "UL" und spielt anschließend deutlich krampfloser und flüssiger.

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Beides keine kleinen Controller, aber im Direktvergleich mit dem Razer Raiju wirkt der C40 beim Anfassen noch etwas wuchtiger - wenngleich nicht auf die unangenehme Art.

Trotzdem gibt es eine recht potente Konfigurationssoftware, die sogar einen Equalizer für die Kopfhörerbuchse mitbringt, was mehr als nur nett ist. Sogar Sidetone spuckt der Anschluss aus, wodurch man sich selbst reden hört und auch im dicksten Schlachtengedonner nicht ins Schreien kommt. Das ist in der Form, soweit ich weiß, einzigartig und vorbildlich. Und überhaupt hatte ich wegen der guten Drahtlosverbindung per USB-Dongle eine deutlich bessere Soundqualität und Reichweite, wenn ich die Joypad-Buchse nutzte. Weiterhin stellt man vollkommen frei die Sensitivität der Sticks und der Trigger ein und reguliert das durchaus kräftige Rumble nach eigenem Gutdünken. Die Drahtlos-Akkulaufzeit gibt Astro mit 12 Stunden an, was deutlich weniger ist als beim Raiju (19 Stunden), aber immer noch sehr viel mehr als beim DualShock 4.

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Ist nun die Frage, ob der Astro C40 seinen Preis rechtfertigt? In Anbetracht der Tatsache, dass ich bisher mit einem Gerät von um die 120 Euro am glücklichsten war, dem Razer Raiju TE, sind gut 80 Euro Aufpreis natürlich stramm. Dann wiederum bringt der Astro neben seiner hohen Flexibilität und dem netten Zubehör (wie seiner Tasche) auch einen Verarbeitungsstandard mit, der den Rest der PS4-Controller-Riege - auch den sehr gut gemachten Raiju - nochmal übertrifft. Die Möglichkeit, Sticks zu tauschen, verspricht zumindest etwas mehr Langlebigkeit und allgemein kommt das Premiumgefühl schon gut rüber. Wer darauf, auf seine Flexibilität und das überlegene Steuerkreuz verzichten kann und mehr Wert auf Mikroschalter unter den Face-Buttons legt, wird mit dem Raiju TE glücklicher. Alle anderen finden im Astro C40 ein annäherndes "Elite"-Äquivalent.

Hersteller: Astro/Logitech - Kompatibel mit: PS4, PC - Preis: ca. 200 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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