Devolver: Behind the Scenes. Business and Punk Attitude - Buchrezension: Vom Scheitern und Auferstehen

Indie-Geschichte.

In einer Branche, in der vieles nach bekannten Mustern läuft, sind sie die Rebellen. Die, die gegen den Strom schwimmen, nicht den allerneusten Trends folgen, ihre Spiele nicht mit Lootboxen und Mikrotransaktionen überschwemmen, um die Aktionäre mit ihren Dollarzeichen in den Augen glücklich zu machen. Die Entwickler sind bei ihnen die Stars und über die Jahre hinweg gelang ihnen ein phänomenaler Aufstieg.

Es kommt einem noch nicht so lange vor, aber Devolver Digital existiert mittlerweile seit elf Jahren. Was für die Gründer ein enormer Erfolg ist. Wieso? Das wüsstet ihr, wenn ihr dieses Buch gelesen hättet. Devolver: Behind the Scenes ist der umfassendste Einblick in die Geschichte des Indie-Publishers, den ihr derzeit bekommt. Eine Geschichte voller Hochs und Tiefs, voller amüsanter Anekdoten und Dinge, die von anderen Unternehmen so nicht zu erwarten sind.

Devolver ging aus den Vorgängerpublishern Gathering of Developers und Gamecock hervor, die aus verschiedenen Gründen zum Scheitern verurteilt waren. Es ist somit eine Geschichte des Scheiterns, aber ebenso des Auferstehens, denn aus der Asche stieg Devolver hervor und folgte einem neuen Ansatz. Das Unternehmen konzentrierte sich allein auf den digitalen Markt, fand die richtigen Partner und hatte mit dem immer mehr an Popularität gewinnenden Steam die richtige Plattform, um erfolgreich zu sein.

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Es gibt viel zu lesen und dazu schöne Artworks. (Devolver: Behind the Scenes. Business and Punk Attitude - Buchrezension)

Und das mit einer Vorgehensweise, die sich von anderen Publishern unterscheidet. Frech, aber immer auf den Punkt getroffen. Mit Kritik an der Industrie macht sich Devolver ebenso einen Namen, nicht zuletzt durch seine E3-Pressekonferenzen der letzten Jahre. Entwickler bekommen hier die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, Spiele mehr Zeit, wenn sie diese aus qualitativen Gründen benötigen. Wir haben ihnen Spiele wie Hotline Miami, Shadow Warrior, OlliOlli, Broforce, Reigns, diverse Serious-Sam-Titel und viele mehr zu verdanken.

Grund genug, diesem "Punk Spirit" ein ganzes Buch zu widmen, findet ihr nicht? Ich weiß nicht, ob die Geschichten anderer Publisher, die es weit länger gibt, ebenso interessant wären. Diese hier ist es. In dem Werk der Journalisten Baptiste Peyron und Pierre Maugein geht es zum einen darum, wie Devolver entstand, was passierte, bevor es dazu kam. Es sind die erwähnten Fehlschläge und der Gedanke, trotz allem nicht aufzugeben.

Im Zuge dessen kommen mehr als 40 verschiedene Personen aus der Devolver-Welt zur Sprache, darunter die fünf Gründer des Unternehmens. Sie geben tiefe Einblicke in die Kultur des Publishers, seine Vorgehensweise bei der Arbeit mit Indie-Studios und darin, wie sie sich mit der Industrie anlegen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Geschichten rund um die E3, bei der Devolver darauf verzichtete, sich einen teuren Stand zu mieten. Vielmehr machte sich das Unternehmen nebenan auf einem gemieteten Parkplatz breit oder brachte all seine Entwickler in einem einzelnen Haus unter, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

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Das richtige Buch für Devolver-Fans. (Devolver: Behind the Scenes. Business and Punk Attitude - Buchrezension)

Es sind schöne Geschichten, die hier Erwähnung finden. Sie zeigen, dass Devolver das ist, was dieser Industrie lange Zeit fehlte, was sie braucht. Ein Gegenentwurf zu den traditionellen, von Investoren und Aktionären beeinflussten Publishern, deren Ziele häufig darin bestehen, den nächsten großen Mainstream-Blockbuster zu erschaffen. Spiele, die in der Form von Devolver nicht zu erwarten sind, wenngleich Titel wie Hotline Miami Achtungserfolge sind.

Devolver macht einfach sein eigenes Ding und versucht sich nicht an den vermeintlichen "Standards" der Industrie zu orientieren - und das ist gut so. Das vermittelt dieses Buch auf eine mehr als gelungene Art, untermalt von einer ganzen Reihe an Artworks und Fotos. Mit 224 Seiten fällt es dabei weder zu lang noch zu kurz aus, es verliert sich nicht in endlosen Textmassen und bleibt immer interessant. Und das alles in einer durch die Bank gelungenen Druckqualität und einem Look, der den rebellischen Geist von Devolver perfekt einfängt.

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Wer sich im Ansatz für die Geschichte von Devolver Digital interessiert, macht mit dem Kauf dieses Buches nichts falsch. Es ist ein faszinierender Einblick in die Entstehung und Entwicklung des Unternehmens, zeigt seinen Umgang mit den Entwicklern und der Industrie auf. Und erzeugt Sympathien für die Menschen, die hinter all dem stehen und versuchen, die Industrie ein wenig besser zu machen - schöne Anekdoten inklusive.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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