Im Taktik-RPG Iron Danger werdet ihr zum Neo einer bildhübschen Fantasy-Matrix

Nicht zu verwechseln mit Iron Harvest.

Daedalic hat offenkundig mal wieder ein gutes Händchen bewiesen: Nach Iratus, Unrailed und Barotrauma arbeiten die Hamburger schon wieder mit einem talentierten Studio zusammen, um als deren Publisher ein ambitioniertes Spiel auf den Markt zu bringen, das angenehm am allzu glattgebügelten Mainstream vorbeizielt.

Wie so oft seit einer Weile steht auch in Iron Danger - nicht zu verwechseln mit King Arts Iron Harvest - von den finnischen Action Squad Studios das Spiel mit der Zeit im Vordergrund. Wenngleich hier ausnahmsweise mal keine Zeitschleife zum Einsatz kommt, sondern eine großzügige Kontrolle über den Ablauf der Geschehnisse, indem man seine Aktionen auf einer Zeitleiste plant (nicht ganz unähnlich dem ebenfalls in diesem Jahr erscheinenden Phantom Brigade). Aber vielleicht fange ich besser von vorne an: Auf der Flucht vor plündernden Nordländern stürzt die junge Kipuna auf einen magischen Kristall, der sie durchbohrt und fortan in ihrer Brust steckt. Eine Heilerin kann sie am Leben erhalten, den Kristall aber nicht entfernen. Das stellt sich aber nicht unbedingt als Nachteil heraus, denn der Klunker verleiht Kipuna die Macht, die Uhr ein Stück weit zurückzudrehen.

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Optisch und gestalterisch kann sich das hier durchaus sehen lassen - vor allem, weil viel von der Umgebung auf euer Wirken reagiert.

Aus der Draufsicht steuert ihr Kipuna und ihren Begleiter durch die malerischen Umgebungen, ganz wie ihr es in Spielen wie Divinity: Original Sin tun würdet. Gleichzeitig stehen Dialoge und Interaktionen mit der Umgebung, die nichts mit den Kämpfen zu tun haben, eher im Hintergrund, denn das hier ist im Herzen ein Taktikspiel. In erster Linie kämpft ihr, indem ihr eure Zauber, Attacken und Defensivmanöver auf der in 14 "Herzschläge" gegliederten Zeitleiste so arrangiert, dass ihr möglichst alle Gegner abräumt, ohne getroffen zu werden. Trifft euch doch einmal der buchstäbliche Schlag, scrollt ihr auf dem Mausrad einen Herzschlag in der Zeit zurück und trefft andere Entscheidungen, um dieses Schicksal abzuwenden. Wie gesagt: Es ist mehr ein Taktikspiel als ein RPG, auch wenn es nach jedem Level natürlich Fähigkeiten-Upgrades gibt, ihr durchaus ordentlich geschriebenen und gesprochenen Dialogen lauscht und hier und da ein Rätsel löst.

Die Herausforderung liegt in erster Linie darin, eine Mission mit dem gegebenen Kontingent an Gesundheit zu überleben, was Anfangs trivial erscheint. Später wird das jedoch zusehends kniffliger, wenn man den Aggro gleich mehrerer Gegner im Auge und den Überblick über seine Fähigkeiten-Cooldowns behalten muss. Nichts aus dem Repertoire der Helden kann man spammen, wenn man von grundlegender Bewegung einmal absieht, die häufig schon gute Dienste leistet, eine Gruppe Gegner an eine für den Spieler vorteilhafte Stelle zu locken. Aber im Grunde ist Zeitmanagement alles, denn selbst der Block eures Tanks Topi muss sich erst wieder aufladen. Hat man das verinnerlicht, beginnt man, mehr und mehr auf Effizienz zu spielen und die gegensätzlichen Fähigkeiten seines Duos für maximale Synergien miteinander zu kombinieren. Wenn nicht beide jederzeit etwas zu tun haben, macht man etwas falsch!

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Die Geschichte mag eingangs nicht wahnsinnig einfallsreich wirken, die Dialoge sind aber mehr als ordentlich geschrieben.

Später nimmt man munter auch andere Figuren in seine Party auf, aber die Gruppe, die auf die Mission geht, besteht stets nur aus zwei Charakteren. Das Wechselspiel zwischen Kipuna und dem bärbeißigen Topi verdeutlicht schon gut, wohin die Reise geht: Sie belegt seinen Kriegshammer mit einem Feuerzauber, setzt Ölfässer und Feinde mit Funkenzauber und Feuerball in Brand und versucht, ihre Gegner für maximalen Schaden von hinten mit dem Schwert zu treffen. Während Topi die Aufmerksamkeit eher auf sich lenkt und die abwehrt, sobald die Feinde sie in Angriffe ummünzen, kann Kipuna Gegner an eine gewünschte Stelle umleiten, also immer von sich weg.

Das ist auch insofern hilfreich, als dass ihr die Umgebung zu euren Gunsten einsetzen könnt: Schleicht durch "Stealth Gras" (immerhin sind sie ehrlich!) an eure Feinde heran, fackelt nicht nur Ölpfützen, sondern auch giftige Dämpfe oder Kornfelder für Brandschaden ab, lasst einen Stapel gefällter Baumstämme eine Anhöhe herunterpurzeln und dergleichen. Es macht Spaß, solche Situationen zu kreieren und ich bin gespannt, was in der Richtung im weiteren Spielverlauf noch kommt! Immerhin schaltet Kipuna im weiteren Verlauf immer neue Kristallscherben frei, die neue Skills mitbringen.

Es dauerte eine Weile, bis ich die Zeitleiste effizient nutzte und die Geschehnisse richtig zu lesen begann. Aber dann empfand ich es als sehr motivierend, die beste Vorgehensweise für ein Scharmützel auszubaldowern - und befriedigend, wenn ich mich unangetastet durch eine Feindbegegnung gepuzzelt hatte - als wäre ich Neo in einer Fantasy-Matrix. Hier steckt eine Menge Potenzial drin, gut aussehen tut es obendrein und wenn die Szenarien abwechslungsreich bleiben und bis zum Release am 25. März keine Katastrophen mehr passieren, die sich nicht mit dem Mausrad wieder rückgängig machen lassen, könnte Iron Danger einer der Geheimtipps des Frühlings werden.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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