NiOh 2 - Die Wasser dieser Dark-Souls-Inspiration sind tief ...

All die Möglichkeiten, einen Dämon zu besiegen.

So nett es meist auch ist, auf einem Event ein Spiel in Ruhe - zwei Stunden in diesem Fall - anspielen zu können, so frustrierend kann es mitunter auch sein. Vor allem, wenn man nicht vom Start anfängt. Nioh 2 wäre so ein Fall. Stellt euch einfach vor, ihr habt einen Dark-Souls-Clone noch nie gespielt, The Surge vielleicht oder Lords of the Fallen. Ihr kennt die generellen Mechaniken des Genres, seid also nicht völlig verloren, aber in der Mitte des Spiels, wo ihr jetzt starten sollt, habt ihr nicht nur all die Waffen, die ihr normal bis dahin finden konntet und habt euch ein wenig spezialisiert, alle diese Waffen sind einheitlich auf der höchsten Stufe. Zwei Dutzend davon. Es gibt zig Items, deren Nutzen ihr zwar in wenigen Worten lesen, aber deren wirkliche Gameplay-Bedeutung ihr kaum erahnen könnt. Die Gegner sind darauf ausgelegt, dass ihr nicht nur die Bewegungen bis dahin kennt, eure Möglichkeiten und Geschwindigkeiten, sondern auch die Untiefen der Level, der Spezialattacken, all den Kram im Inventar. Nur habt ihr keine Chance, das alles wirklich zu ergründen, wenn ihr in der euch gegebenen Zeit auch nur drei Räume schaffen wollt.

Zu sagen, dass ich mich hier bei Nioh 2 etwas unfair behandelt fühlte, würde es noch milde fassen. Aber man wächst mit den Aufgaben nehme ich an und ... scheitert sowohl am Boss des Abschnitts wie auch an seinem optionalen Kollegen zig Mal. Die Fortsetzung ist nicht einfacher, sollte das eure Sorge gewesen sein. Und vor allem ist sie der komplette Gegenentwurf zu der Richtung, die From Software selbst mit Sekiro nahm. Dort habt ihr weit weniger Werte, Items und Waffen, stattdessen kommt es auf die Beherrschung der wenigen Arm-Specials und vor allem auf das perfekte Timing an. Nioh 2 dagegen spielt sich deutlich langsamer, vergleichbar mit einem Souls, und setzt auf einen an diesem Punkt wohl eher gefühlten Overkill all dieser anderen Dinge.

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Ihr habt drei Haltungen im Kampf. Hält euer Samurai die Waffe hoch über den Kopf ist er recht offen und Attacken brauchen relativ lange, hauen dann aber rein, wenn sie treffen. Haltet ihr die Waffe tief, landet ihr schnell Unterhandschläge und die Mitte ist die Mitte. Diese Posen verändern ihre Effizienz auch noch mal ausgehend von der Waffe. Eine Sichel-Kette verhält sich grundlegend anders als zwei Schwerter oder eines, das beidhändig geführt wird. Es gibt sogar eine Transformers-Waffe, deren Form sich passend zur Haltung optimiert und wie alle Multitalente müsst ihr hier akzeptieren, dass jede ihrer drei Formen von den besten Waffen in den einzelnen Disziplinen geschlagen wird. Nur halt nicht in allen. Da die Bosse euch augenscheinlich wenig Spielraum für Fehler oder verschenktes Potenzial lassen, war eure Wahl der Waffe besser weise. Aber immerhin dürft ihr zwei auf den Schnellzugriff legen.

Dann gibt es Fernkampfwaffen, die äußerst effektiv sind, um den Kampf zum Start ein wenig in eure Richtung zu verschieben. In dem optionalen Boss-Raum warten ein paar Feinde extra, weil es sonst zu langweilig wäre und diese vorher schon auszusortieren, ist natürlich ein riesiger Bonus. Hier ist es aber die drastisch begrenzte Munition, die euch ausbremst und die in aller Regel von regulären Fernkampfgegnern gefarmt werden muss. So will ein Boss-Run wohlüberlegt sein, denn wenn der gut laufen soll, dann heißt das wertvolle Muni verbraten. Ein weiteres Element, das nur bedingt mit einer Spiel-Session wie dieser zusammengeht.

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Und doch ... Ich liebte meine zwei Stunden mit Nioh 2. Auch wenn es am Ende dann "nur" ein weiteres Japan-Dark-Souls mit einem gewissen Maß an Feature-Overkill war, das tat weder dem Spaß, einmal mehr lächerlich starken Feinden gegenüberzutreten noch der Freude an der Erkundung einen Abbruch. Schließlich ist ein guter Souls-like am Ende immer noch besser als das meiste andere, was einem so über den Weg läuft und ich habe keine Zweifel, dass Nioh 2 genau das werden dürfte.

Es macht einfach Freude, sich einem übergroßen Monster zu nähern, das zwischen irgendwelchen Kadavern wühlt, zu zirkeln, auszuweichen, seine Moves zu lernen und schließlich mit den eigenen zu kontern. Es hilft dabei ungemein, dass das Design der Monster mitunter durchaus auf den Punkt gelungen scheint. Mystisch und unheimlich zugleich, fremdartig genug, aber immer in das Thema des alten Japan passend. Aber lasst euch nicht täuschen und freut euch nicht, wenn mal ein im Vergleich harmlos wirkender Schwertkämpfer vor euch steht. Wie immer in diesen Spielen sind die unscheinbarsten Gegner die heftigsten und diese Regel scheint hier immer noch zu gelten.

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Bei den Kämpfen selbst hat mich beeindruckt, dass das gute alte Blocken und Kreisen noch viel weniger eine Option darstellt als im Vorgänger. Zu Blocken kostet einfach zu viel Ausdauer. Es lohnt sich, mehr in Bewegung zu bleiben, exakte Konter zu üben und so den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen. In diesem Punkt ähnelt es Sekiro, ohne jedoch auch nur annährend so brutal in den Timings zu sein. Aber trotzdem, wenn ihr einfach nur mal kurz draufhakt und euch wieder zurückzieht oder gar stehenbleibt, um das im besten Falle endlos zu wiederholen und im ungünstigsten ist der Kampf nach ein paar Sekunden mit euch am Boden vorbei. Es geht oft darum, den richtigen Konter auszulösen und dann den schnellen Kill zu landen.


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Dabei hilft euch, dass der Held selbst ein Halbdämon ist. Ihr könnt euch erwartungsgemäß kurzzeitig in einen Dämon verwandeln und mit dem richtigen Timing kann das einen Bosskampf deutlich verkürzen. Aber oft hat es mich mehr aus dem Rhythmus gerissen als alles andere. Ein weiterer Punkt, der wohl dem Absetzen in der Mitte des Spiels geschuldet ist. Schwierig vom Timing, aber weit effizienter fand ich eine Art Dämonen-Konter, der euch nur für diesen Konter eine dämonische Fratze gibt und dem sicher auch etwas überraschten Gegner ordentlich eins mitgibt. Ein System mehr, das von Anfang an gemeistert werden und stets berücksichtigt werden will, was meine Sorge steigert, dass Nioh 2 ein wenig zu sehr mit zu vielen Features zu beeindrucken versucht und dabei über das Ziel hinausschießen könnte. Aber das bleibt abzuwarten.

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Wo es auf den Punkt landet, ist das Szenario. Sicher, eine brennende japanische Festung bringt wieder ein paar zu viele Erinnerungen an Sekiro, aber der deutlich höhere Dämonen-Horror-Vibe sorgt schon für die eigene Stimmung. Der Aufbau des Levels an sich ist das, was man erwartet. Nach und nach öffnet man die Türen, die zurück zum Speicherpunkt führen, tritt Leitern nach unten und eröffnet so neue Wege. Das kennt man zur Genüge und in dem kleinen Ausschnitt hier beeindruckte es jetzt auch nicht über die Gebühr. Solide halt, hier erfindet keiner des Fürsten Archive neu, wie es aussieht. Aber egal, zusammen mit der gelungenen Atmosphäre beschwere ich mich in keiner Weise.

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Nioh 2 ist die konsequente Fortsetzung der eigenen Stärken. Es baut auf den Systemen des Vorgängers auf, erweitert sie innerhalb der eigenen Lore mit viele Waffen und den dämonischen Fertigkeiten, bleibt aber nah genug an der großen Vorlage, dass der Befreiungsschlag, den Sekiro landete, ausbleiben dürfte. Das wird jetzt die wenigsten stören und mich auch nicht. Nachdem der Anfangsschock der tiefen Wasser überwunden war, spielte sich alles, wie sich ein richtig guter Souls-like spielen sollte. Sammeln, Erkunden, Kämpfen, Abkürzungen öffnen und immer wieder sterben. Das, woraus wunderbare, sehr lange Abende gemacht sind und ich gehe davon aus, dass ich das nächste Mal, wenn ich diese brennende Feste sehe, sehr viel besser auf sie vorbereitet sein werde. Die Gegner tun mir dann jetzt schon leid.

Entwickler/Publisher: Team Ninja/Sony Erscheint für: PS4 - Geplante Veröffentlichung: 13. März 2020 - Angespielt auf Plattform: PS4 Pro

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Über den Autor:

Martin Woger

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