Warten auf das Resident Evil 3 Remake - Platz 2: Resi 1 und die Erfindung meiner Angst

Die fünf besten Resident Evils.

Hier ist unser Platz Zwei der unserer Meinung nach besten Resident Evils. Nach dem Ausschlussverfahren könnt ihr euch sicher denken, wie es weitergeht: Resident Evil - Survivor heimst nächste Woche den Titel des besten Biohazards überhaupt ein und alle sind sich einig (außer Martin, er sagt: Resident Evil: Deadly Silence auf dem DS, wir werden sehen…)! (Und nein, mir ist es überhaupt nicht zu dumm, den gleichen Witz zwei Mal in Folge zu bringen. Das wäre es nur, wenn die Resis Spin-offs nicht so sagenhaft schlecht wären).

Die Arbeit an dieser Artikelreihe hat mir jedenfalls nochmal die Besonderheit dieser Serie vor Augen geführt. Jeder denkt an etwas anderes, wenn er "Resident Evil" hört und doch meint am Ende jeder dasselbe. Die Auswahl unserer fünf liebsten Resis zeigt ganz gut, wie viele Gesichter diese Serie hat. Und auch wenn sie dafür durch die eine oder andere Selbstfindungskrise gehen musste, ging es für sie doch immer weiter, oft mit mehr Verve als zuvor. Der Kern von Resident Evil ist eben einfach nicht totzukriegen. Eine besondere Reihe eben. Aber wem sage ich das? Ihr seid nicht aus Zufall hier und lest bereits den vierten Teil einer Reihe über Spiele, die mindestens von gestern sind.

Den Rest der Top 5 Resident-Evil-Spiele findet ihr hier:

Resident Evil 1 - und, wenn ihr wollt, das HD Remaster

Das hier musste eigentlich auf Platz eins landen, oder? Fand ich auch oder dachte es zumindest, als ich meine Notizen für diese Top 5 anlegte. Dieses Spiel hat mich und zahlreiche Freunde damals so wahnsinnig geprägt - ich habe kein Resident Evil jemals so geliebt und werde wohl nie eines jemals wieder so lieben wie dieses hier. Es ist so randvoll mit sagenhaften Momenten, hat die vermutlich schönste und erinnerungswürdigste Location der Serie und keinerlei szenariotechnische Hänger.

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'Wow, what a mansion!' - Meine Rede.

Abgesehen von einigen überflüssigen Wegen (danke, Inventar!) ist dieses Spiel, als Ort genommen, für mich der Inbegriff von "tight". Und selbst das Hin- und her war für mich als Weglaufer immer wieder aufs Neue spannend, weil ich förmlich spüren konnte, dass sich die Vermeidungsstrategie irgendwann rächen würde. RE1 ist die quintessenzielle Monsterhaus-Flucht mit Schockeffekten, an die ich mich ein Vierteljahrhundert später auch noch bestens erinnere (und an den arhythmischen Puls, den sie bei mir verursachten). Bis heute rennen Videospiele dem Ideal dieser prägenden Erschrecker oft erfolglos hinterher und mir fährt viel von der gekonnt aufgebauten Stimmung immer noch mit Leichtigkeit in Mark und Bein.

Und doch steht Resi 1 jetzt hier, auf Platz zwei. Der Grund ist, dass ich feststellen musste, dass meine Liebe dafür vornehmlich nostalgischer Natur ist. Spielerisch ist das hier selbst im 2015er Remaster, das ich eine Zeit lang genauso liebte und das ihr gerne auch anstelle des Originals hier hineinlesen könnt (obwohl mir dort die alten, schlimm doofen Dialoge abgehen), heute nur noch schwer verdaulich. Ich weiß noch wie es geht, kenne die Tastenbelegung auswendig. Aber meine Finger wollen meinem Kopf nicht so recht Folge leisten. Sie haben die vergangenen Jahrzehnte Videospielevolution hindurch eine eigene Vorstellung davon entwickelt, wie man sich im dreidimensionalen Raum bewegt, wie man mit einer Pistole zielt, und so weiter. Fast immer, wenn ich RE1 mal wieder für einen Durchgang einlege, ist die erste Stunde, manchmal mehr, ein einziger Krampf - einer, den ich mir gerne wegmassiere, bis die Daumen wieder so wollen wie ich, aber doch ein Krampf.

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Das HD-Remaster hat sich optisch bestens gehalten. Die vorgerenderten Hindergründe machen immer noch etwas her.

Für mich ist Resident Evil 1 in jeder seiner Ausführungen daher mehr eine Zeitkapsel, als ein Spiel, das ich aus reinem Spaß einlege. Alle Jahre wieder drehe ich sie einmal auf, halte die Nase an die Öffnung und lasse mich vom Aroma von damals in eine einfachere und sicher auch verklärte Zeit zurückversetzen. Um das ganz klar zu sagen: Das soll nicht heißen, es hätte keine Qualitäten, die die Zeit überdauerten. Im Gegenteil: Wie einfach es Resident Evil oder auch seinem HD Remaster, immer wieder gelingt, mich zurückzutransportieren, das spricht nicht nur für meine Zuneigung zu diesen Teilen.

Es sagt auch viel über ihre universellen Stärken aus, denen die Zeit nichts anhaben kann - über ihr Verständnis vom Raum, in dem sie sich bewegen, die einzigartige Stimmung, die Eleganz, mit der der Bedrohungsgrad eskaliert und ihr pervers gutes Verständnis des Survival-Begriffs. Man hatte damals keine Ahnung, was einen hier erwarten würde. Das sagt einem jede einzelne neue Kameraeinstellung, indem sie den Blick nur auf das Nötigste richtet, manchmal nicht einmal das. So fordert sie den Spieler dazu auf, sich die Schrecken auszumalen, die sein Charakter gerade mitansehen muss. Und die Fantasie ist immer mächtiger als jeder Grafiker. Ich bin trotzdem ziemlich sicher, dass meine Zuneigung dafür und meine vollen Hosen davor, was wohl hinter der nächsten Ecke lauerte, nicht ohne Weiteres für jemanden nachfühlbar sind, der sich heute das erste Mal hieran macht.

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Das ändert nichts daran, dass ich Resident Evil 1 immer noch bewundere und es eines der wichtigsten Spiele meiner Gamer-Sozialisation und der vieler anderer ist. Ich glaube nicht, dass jemals wieder ein Spiel dieser Reihe einen vergleichbaren geschichtlichen Stellenwert hatte - der vierte kam phasenweise vielleicht nah ran - und ich habe keine Ahnung, was ein kommendes Resident Evil schaffen müsste, damit 24 Jahre nach Release jemand einen vergleichbaren Liebesbrief daran adressiert. Cool auch, dass schon das erste Remaster zeigte, wie sehr Capcom seinen eigenen Kreationen noch nachhängt, nachdem sie längst erschienen sind. Die verdammten Crimson Head Zombies, Untote, die euch durch Türen in andere Räume folgen und die neue Synchronisation - ob man die alte nun lieber mochte oder nicht - zeichnen ein Bild eines Studios, das nicht allein daran interessiert ist, mit einer Neuauflage leichtes Geld zu verdienen. Es sagt mir, dass die Macher selbst niemals wirklich zufrieden mit ihrer Arbeit sind.

Im Fall von Teil eins hätten sie es ruhig sein können, denn das hier ist nicht weniger als lebendige, atmende Videospielgeschichte, auch wenn sie ein bisschen röchelt. Ich sage das nicht nur, damit ich auch in Zukunft möglichst einfach meinen Nostalgie-Kick bekomme, aber dieses Spiel hat es sich trotz aller handhabungstechnischer und dem Zeitgeist vergangener Tage geschuldeter Widrigkeiten verdient, dass man es auf jede neue Plattform umsetzt, die die Konsolenhersteller auf den Markt werfen. Was ja auch seit einer geraumen Weile passiert. Wie schön, dass dieses sich ach-so-ungelenk und von gestern steuernde Spiel es auf diesem Wege zu einer immerhin ideellen Zeitlosigkeit gebracht hat.

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Mehr über Horror, Survival und Action-Adventures findet ihr hinter den entsprechenden Links.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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