Panzer Dragoon: Remake (Switch) - Test: Für eine letzte Runde aufgehübscht

Eine Mischung aus Erfolg und verpasster Chance.

Es ist kein Tech-Showcase mehr, aber als leicht eigenwilliger Rail-Shooter mit viel Charakter kommt es auch heute noch über die Runden.

Ich wünschte, Panzer Dragoon hätte das Budget eines Resident Evil 3 oder Final Fantasy 7. Diese beiden Spiele zeigen gerade mal wieder, was möglich sein kann, um Klassiker frisch zu halten, aber das sind eben auch andere Namen. Wer kennt denn heute noch Panzer Dragoon? Das ist eines der Spiele, bei denen man erst mal wieder erklären muss, warum es mal wichtig war.

Diese Geschichte beginnt für das "neue" Panzer Dragoon aus heutiger Sicht nicht gerade ideal. Das Ding war ein Tech-Showcase für das damals frisch in Japan erschienene SEGA Saturn - Ende 94, also vor ziemlich genau 25 Jahren. Und meine Güte, erfüllte es diesen Job mit Bravour. Wir kamen alle gerade aus der Super-Nintendo-Zeit. Erste 3D-Experimente fanden schon statt, Panzer Dragoon war schwerlich der erste WOW!-Moment der noch jungen 32-Bit-Ära. Aber er war einer, bei dem alles zusammenkam, was Leute wie mich dazu brachte, ihre umfangreiche Mega-Drive-Sammlung zu verticken, um über 1.000 Mark für diese neue Wundermaschine auf den Tisch zu legen.

Bereute ich das? Nicht wirklich. Auch wenn ich mit Daytona USA noch viel mehr Zeit verbrachte als mit Panzer Dragoon, es blieb doch immer eines dieser besonderen Spiele, die eine Ära markierten und ihr ein Gesicht gaben. Sein organisches, bis heute außergewöhnliches Design, der ergreifende Soundtrack, Panzer Dragoon hatte und hat Charakter. Das kann man nicht von jedem Spiel sagen und nur wenige haben so viel davon wie dieses.

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Zeitloses Design, aber der kleine Screen kommt dem Detailgrad schon sehr entgegen. Mal gucken, wie das später auf dem PC in 4K dann wird.

Das Spiel selbst war völlig okay für seine Zeit, sogar dezent innovativ, weil es erstmals die technischen Möglichkeiten hatte. Rail-Shooter wie Rebel Assault waren damals längst nichts Neues mehr, vielmehr als Sackgasse zu einem Teil schon abgeschrieben. In Panzer Dragoon lenkt ihr einen Drachen durch ein halbes Dutzend Level, um den bösen Drachen am Ende zu töten. Viel komplexer wurde es hier noch nicht. War auch okay. Wer Story und Hintergründe haben wollte, musste auf Panzer Dragoon RPG warten. Euer Flugweg ist dabei größtenteils vorgegeben, aber in einem gewissen Rahmen dürft ihr euch bewegen. Stellt es euch so vor: Rebel Assault war eine Linie, von der es kein Abweichen gab, Panzer Dragoon erweiterte diese zu einem Korridor, innerhalb dessen ihr ein paar Möglichkeiten hattet und den Blick in 90-Grad-Schritten drehen durftet. Auch konnte man ausweichen. Es waren die heutigen Selbstverständlichkeiten, die man sich in dieser Ära als Entwickler noch hart erarbeiten musste.

Die Frage ist, ob es sich heute noch lohnt, ein Spiel aus einem Genre zu starten, das mittlerweile zu einem guten Teil abgehakt und vergessen wurde. Das seine Perfektion vor zehn Jahren auf der Wii (U) mit Sin and Punishment erreichte. Die Antwort ist sehr gemischt. Vom Design her, ja, auf jeden Fall. Panzer Dragoon hat hier eine zeitlose Qualität, die mehr an Fantasy-Kunst aus den 70ern erinnert. Es war immer cheesy, das wird es immer bleiben, aber es reicht ein Blick, um zu wissen, ob es für einen selbst die gute Art dessen ist. Wenn ihr diese Screens seht und denkt, dass das visuell und akustisch reizvoll ist, dann kann das allein reichen.

Spielerisch war Panzer Dragoon nie mehr als solide. Ihr rudertet noch etwas ungelenk herum, schließlich war das Genre gerade erst frisch weiterentwickelt worden, und zielt mit dem Fadenkreuz. Die Mischung aus einem direkten Schuss und einem, mit dem ihr mehrere Ziele markiert und dann kollektiv abschießt, gab eine für das Genre solide Spieltiefe und ermöglichte ein wenig mehr Strategie, als man sonst bei reinen Fadenkreuz-Festen gewohnt war. Dazu müsst ihr mit den Schultertasten den Blick nicht frei, sondern in 90-Grad Schritten drehen. Der zweite Stick war schließlich noch nicht erfunden (technisch gesehen nicht mal der erste ...).

Das Remake ändert an all dem rein gar nichts. Es gibt kein neues spielerisches Element, es ist eine 1:1-Umsetzung des Gameplays. Ich finde das ein wenig schade, denn es gibt zwar eine "moderne" Steuerung, die aber nicht den zweiten Stick für eine freie Kamera nutzt, sondern nur zum getrennten Zielen. Das Spiel ist so, wie es ist, aber auf 90-Grad-Schritte und eine Kombination aus Bewegung und Zielen auf einem Stick ausgelegt und diese moderne Variante fühlt sich lediglich anstrengend an und bringt spielerisch herzlich wenig. Wie gesagt, wenn das Zielen eine freie 360-Kamera bedeuten würde, dann hätte das echtes Potential. So ist es nur etwas, das man extra tun muss, ohne dass das Spiel das eigentlich will.

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Der Foto-Modus erlaubt besondere Inszenierungen wie einen bisher unbekannten Blick auf die Welten.

Ich kann es nicht oft genug sagen, das ist kein Free-Roaming-Drachensimulator, das ist ein leicht eigenwilliger Rail-Shooter. Selbst ich musste mich erst wieder an das Umschalten der Blickrichtung und die Mischung aus Ballern und Lock-On-Zielen gewöhnen. Aber nach einer halben Stunde kam dann doch echter Spaß auf und der bleib auch ein wenig. Die Gegnerformationen sind intelligent genug gesetzt, ihr habt ein paar sehr solide Bosskämpfe und Abwechslung wäre zwar ein zu großes Wort, aber Panzer Dragoon weiß, wie es seine recht kurze Spielzeit frisch genug bleibt. Schließlich ist das Ganze, wenn man erst mal den Dreh raus hat, nur etwas mehr als ein Stunde lang. Es gibt sieben Level, kaum einer dauert länger als 10 bis 15 Minuten - sehr großzügig geschätzt -, das waren 1994er-Spieldauern. Für 25 Euro mag das manchem, der es aus reiner Neugier kauft, ein wenig mager sein. Aber zumindest bleibt eine spaßige Stunde, denn das Gamedesign hat sich doch besser gehalten, als ich es erwartet hätte.

Grafisch ist es durchaus eine Schönheit - in einzelnen Momenten. Sicher, es ist jetzt nicht auf dem Level eingangs erwähnter Schwergewichte in Sachen Remake, aber hier helfen Farbenfreude und der eigenwillige Stil weiter, der das Ganze durchaus noch auf den nicht zu genauen Blick zeitgemäß wirken lässt. Und sogar recht hübsch. Was leider fehlt, sind ein paar Details, wie die Reflexionen der Objekte im Wasser im ersten Level, was etwas seltsam ist. Aber das wird durch viel mehr Objekte in der Welt ausgeglichen, was damals nicht möglich war. Ob es damals erwünscht war, darüber kann man jetzt streiten, aber in der Regel wirkt zumindest für mich die Welt jetzt "vollständiger", selbst wenn die Texturen oft genug auf PS3-Niveau liegen. Auch mag ich den Kamera-Modus. Nicht unbedingt, um Erinnerungsbildchen zu schießen, sondern um mich in Ruhe an den Feinheiten der Level zu erfreuen, die 25 Jahre lang an mir vorbeirauschten. Es sollte wohl ein Remaster-Soundtrack kommen, aber das der wohl noch fehlt, schmerzt jetzt nicht so. Das Original wird oft als ewiger Klassiker gezählt und beweist einmal mehr, dass das wirklich der Fall ist.

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Die Bosskämpfe waren spielerisch schon immer die Highlights.

Ich war sehr skeptisch. Zum einen, weil das Spiel jetzt ohne großes Trara praktisch vom Himmel fiel, nachdem so lange Sendepause herrschte, zum anderen, weil ich die Haltbarkeit der eh nie übertrieben berühmten spielerischen Qualitäten von Panzer Dragoon anzweifelte. Aber doch, ja, ich wurde positiv überrascht. Erst einmal sieht dieses Remake anständig aus, hält sich strikt an alles, was das ursprüngliche Design zu etwas Einzigartigem machte, und hievt es damit gerade so ins Jetzt. Aber auch als am Ende natürlich immer noch simples Ballergame mit legendärem Soundtrack hat es sich ordentlich gehalten. Sicher, ich hätte eine freie Kamera auf dem zweiten Stick erwartet, als ich "modern" auswählte und nicht etwas, dass man besser schnell vergisst, aber wenn das Original dann doch noch funktioniert, dann ist nicht alles verloren. Ich bin Realist genug, um zu sagen, dass 25 Euro für alle, die damals nicht dabei waren, etwas heftig sind, und ihr, egal ob im Action-Bereich oder generell, Spiele bekommt, die besser sind als das hier. Aber wer damals dabei war und es liebte oder einfach nur ein großartiges Design mit ebensolcher Musik zu schätzen weiß, dann ja, bitte, Panzer Dragoon hat den Sprung auf die Switch geschafft, wenn auch nicht in die Moderne.

Entwickler/Publisher: MegaPixel Studio / Forever Entertainment - Erscheint für: Switch, (PC und vielelicht andere Konsolen sollen Ende des Jahres folgen) - Preis: zirka 25 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: Englisch - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Martin Woger

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Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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