Trials of Mana - Test: Pixel sind manchmal völlig okay

Nett. Ist doch auch was.

Charakter-befreit nach 3D-Lifting: Trials spielt sich zwar solide, aber zwischen mauer Story und schwachem Re-Design bleibt nicht viel.

Habt ihr letztens - oder vielleicht gerade im aktuellen Sale - die Mana Collection gekauft? Cool, dann braucht ihr das hier nicht, weil ihr die bessere Version von Trials of Mana schon habt. Es ist das dritte Spiel in der Sammlung, das dort zum ersten Mal offiziell außerhalb von Japan erschien, nun englische und deutsche Texte mitbrachte und ein wirklich gutes Spiel ist. Für das Super Nintendo wenigstens und die Mitt-90er. Wie gut, das zeigt das aufwändige Remake.

All das, was in Trials of Mana Remake technisch neu gestaltet wurde, folgt scheinbar dem klaren Wunsch, zu zeigen, wie Trials of Mana auf der PS2 ausgesehen hätte, wenn man keiner klaren Art-Design-Richtung folgt, sich zum Beispiel beim König von einer Spielkarte inspirieren lässt, bei den Helden von Dragon Ball und beim Rest von Asset-Resten aus der Dragon-Quest-Entwicklung. Alles mit einem möglichst niedrigen Grad an Aufwand bei der Texturierung und Details. Trials of Mana Remake ist ein nicht sehr erfreulich anzuschauendes Spiel, um es höflich auszudrücken.

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Eine neue Welt, so bunt wie generisch. Etwas, das man nicht über das Original sagen konnte.

Nicht nur das, es verfehlt damit auch komplett den Geist des Originals. Es ist sicher eine Kunst, ein 2D-Spiel in 3D zu übertragen und das Ergebnis war schon in Secret of Mana eher durchwachsen. Aber dort gab man sich scheinbar mehr Mühe und das ist auch kein Wunder. Secret of Mana kennt "jeder", Trials of Mana ... Bis zur Mana Collection letztes Jahr nur in Japan zu haben, auch dort, was Square-Releases angeht, damals fast eher ein (sehr relativer) Geheimtipp, da hätte ich jetzt auch nicht große Ressourcen hingeschaufelt, um das ultimative Remake zu basteln. Vor allem aber befinden wir uns in einer Phase, in der gut gemachte 2D-Animation eher gelobt als verachtet wird. Etwas, das nicht für rückständiges 3D gilt und hier mag alles neu sein, Trials of Mana sieht aus wie ein hochskalierter früher PS2-Titel ohne eigenen Charakter oder Charme.

Das wäre weniger wild, wenn es sich denn richtig gut spielen würde, aber auch hier scheint das eigentlich neue Spiel etwas hinterherzuhinken. Auch wenn er seine Qualitäten hat, der Action-Kampf erinnert öfters an Dinge wie Rogue Galaxy und fühlt sich ähnlich "zeitgemäß" an. Die Kamera ist komplett manuell und muss ständig justiert werden, da die meisten Feinde eh nur zwei Treffer aushalten. Es fühlt sich vor allem zum einfach geratenen Einstieg alles mehr nach Arbeit an, aber zum Glück ändert sich das zum ersten Mal drastisch, sobald ihr nach ein bis zwei Stunden alle drei Charaktere zusammen habt und endlich echte Tiefe in das Spiel findet. Langsam kommt ihr in den Fluss, ihr habt mehr Kampfvariation, da ihr von zwei KI-Kämpfern dezent definierbare Unterstützung bekommt, und die Kamera fällt irgendwann weniger auf. Es ist viel Gewöhnung dabei, aber auch real wird der Kampf besser, je länger ihr spielt. Nie wirklich großartig, aber spaßig genug, dass er für die 25 Stunden Laufzeit hält. Oder zumindest nie stört.

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Je weiter ihr in das Spiel kommt, desto besser werden die Kämpfe.

Noch mehr Spieltiefe versteckt sich noch mal zusätzlich im Progressionssystem, denn es ist anders als die anderen und irgendwie scheinbar auch stolz darauf. Ihr habt verschiedene Attribute und könnt auf diese Punkte verteilen. Mit mehr Punkten schaltet ihr mehr Fertigkeiten frei, aber alles ist auf ein möglichst unübersichtliches Interface verteilt und weitere Ebenen sind nicht nur noch versteckter, manche Level- und Klassen-Aufstiege sind zufallsbasiert, weil ihr irgendwelche Samen pflanzen müsst, aus denen dann irgendwas kommt. Es ist alles konfuser als es sein müsste, aber das gilt in diesem Punkt auch für das Original.

1995 war es auch mehr als nur eine kleine Besonderheit, dass man aus sechs Charakteren einen wählt, zwei weitere als Ergänzung bestimmt und jeder einen eigenen spielbaren Hintergrund und sogar eigene Story-Elemente mitbringt. Heute, mit einer in den besten Fällen nicht idealen und in den schlimmsten Fällen grausigen Vertonung, schaltet man die englischen Stimmen besser schnell ab. Vor allem Charlotte. Ihr müsst ein verzogenes, nerviges Kind, dessen Texte falsch gesprochen wie geschrieben sind - es soll wohl niedlich sein - mitnehmen. Sechs Charaktere und die einzige echte Heilerin ist das Kind, das man seinem ärgsten Feind wünscht. Fantastisch.

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Jeder braucht Charlotte, weil sie die einzige Heilerin ist. Ich verzeihe Trials viel, aber hier hörte es auf.

Technisch kitzelte der damals sehr eigene Stil viel aus der Hardware raus und war im Gegensatz zu seiner Neuauflage alles Mögliche, aber sicher nicht beliebig. Die inhaltlichen Stärken von damals sind heute alle noch vorhanden, aber man darf halt auch nicht vergessen, dass ein paar Jahre ins Land gingen. Selbst mit den erweiterten Dialogen bleibt es am Ende eine recht simple Geschichte, die oft genug einfach vor sich hinplätschert. Eine Geschichte mit einem sehr schönen Ende, sicher, aber einem sehr gradlinigen und oft genug schlicht vorhersehbar langweiligen Weg dorthin.

Ich sehe mich auch noch weniger als sonst dabei, dass ich das Spiel zwei Mal oder mehr beende, um alle Charaktere auszutesten. Sie spielen sich unterschiedlich genug, aber erst, wenn ihr angefangen habt, ordentlich zu leveln. Vorher, ohne magische Kräfte, spielt sich die Magierin eben wie eine schlechte Version des Kämpfers. Später hat sie Zugriff auf bessere Fertigkeiten, aber eigentlich merkt man doch, dass man die meiste Zeit über mit dem Kämpfer schlicht und einfach am besten fährt. Wiederum kein Wunder, selbst die Zeldas waren zu diesem Zeitpunkt erst wenige Jahre alt und die Erfahrungen im Action-RPG-Genre weltweit noch übersichtlich. Heute jedoch haben wir Dinge wie Ys 8, die Lichtjahre weiter sind, selbst wenn dieses gar nicht mal so viel besser aussieht.

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Man kann der zweiten Hälfte des Spiels vorhalten, dass es irgendwann zu einer Art Boss-Rush verkommt, aber ehrlich gesagt ist das für mich angesichts der guten Bosskämpfe eine Stärke.

Trials of Mana hätte eigentlich eine schöne Pixel-Aufbereitung statt dieser Polygon-Schäbigkeit bekommen sollen. Pixel sind in, das Spiel nicht so groß, das wäre sicher machbar gewesen und wäre ein besserer Tribut an eines der etwas unbekannteren Großen aus der 16-Bit-Zeit gewesen. So bleibt ein nach heutigen Maßstäben spielerisch bestenfalls nettes und inhaltlich etwas belangloses Action-RPG, mit dem man so schmerzfrei wie unenthusiastisch ein paar Abende totschlagen kann. Fans der Reihe haben eh schon die Collection of Mana und damit das Original. Ich würde es dabei belassen.

Entwickler/Publisher: Square Enix- Erscheint für: PS4, PC, Switch - Preis: zirka 40 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Switch - Sprache: Englisch, Japanisch, Deutsch (Untertitel) - Mikrotransaktionen: nein

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Über den Autor:

Martin Woger

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Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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