Streets of Rage 4 - Test: Zurück in das New York der 80er, einmal noch die Fäuste schwingen

Der letzte harte Schlag eines toten Genres.

Ein Spiel macht alles richtig und kommt doch 25 Jahre zu spät. Trotzdem, für Nostalgiker und Ästheten ist es fast schon ein Muss.

Ich werde hier keine weiteren philosophischen Überlegungen anstellen, ob dieses Spiel was im Jahr 2020 zu suchen hat. Das tat ich an anderer Stelle bereits und das sollte reichen. Stattdessen kann ich mich nun ganz darauf konzentrieren, dass dies das beste Spiel seiner Art seit 25 Jahren ist. Zugegeben, es ist eine Art, die seit etwa 20 praktisch ausgestorben ist, aber vielleicht war es deshalb jetzt Zeit für ein Streets of Rage 4. Aber nur dieses eine bitte, niemand braucht eine Welle an Sidescroller-Prüglern.

Ein Spiel wie Streets of Rage 4 braucht nicht viele Dinge, um glücklich zu sein und zu machen.

1. Coole Settings: Streets of Rage 4 glänzt hier absolut. Der Look der 80s-Fun-Dystopie in einem John-Carpenter-New-York wird perfekt in Neon eingefangen - ich würde sagen zu gleichen Teilen Assault on Precinct 13, Escape from New York und Ausverkauf im letzten Neon-Lampenladen. Liebe, Hingabe, Kreativität und Hommage an alte Zeiten kommen zu gleichen Teilen vor allem in den Feinheiten durch. Ich weiß, die Screenshots geben es nicht so her, wie es in echt direkt vor einem glänzt, aber ihr könnt mir glauben, dass ich als Skeptiker startete und nun zum Gläubigen wurde. Das plus all die liebevollen Animationen und Sprites vor allem der Helden und Bosse zaubern in Verbindung mit dem besten CRT-Filter bis heute - vielleicht dem ersten wirklich guten - eine hinreißende Spielwiese aus einer anderen Zeit.

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Das hier würde ich allein schon für die Ästhetik kaufen.

2. Punch!: Jeder Schlag muss sitzen, egal ob man ihn austeilt oder kassiert. Der Screen muss rütteln, selbst wenn man den Screen-Shake ausgestellt hat und wenige Spiele des Genres trumpfen in diesem Punkt so auf wie Streets of Rage 4. Man kann es dabei auch leicht übertreiben, man kann zu zurückhaltend sein, hier spürt ihr selbst mit den eigentlich unwürdigen Joy-Con diesen Einschlag, am PC oder der Konsole mit einem Aracde-Board wird es legendär. Das hier ist Neo-Geo-Niveau.

3. Abwechslung: In diesem Genre klingt das fast absurd, scheint es doch nur einen einzigen oder manchmal auch zwei Moves zu kennen, aber es ist wichtig, dass die Level nicht zu lang sind und die Feinde sich nicht zu oft wiederholen. Vor allem spezielle Gegner müssen mit Bedacht eingesetzt werden und diese Regeln beherzigt Streets of Rage 4. Gut, denn es gibt zwar ein paar Schlagkombinationen, einen energiezehrenden Special und den Sprung, aber das war es auch schon. Die Abwechslung muss daher kommen, wie die Feinde darauf reagieren und ihr dann auf sie. Diese Not zur Variation wird hier gekonnt beherzigt.

4. Multiplayer: Das richtige Spiel zur falschen Zeit könnte man sagen. In den Wochen und Monaten des Social Distancing hat ein Vier-Spieler-Couch-Koop es nicht gerade leicht, aber Streets of Rage 2 kann man heute noch mit Wonne für eine halbe Stunde spielen und das wird hier in ein paar Monaten mit Teil vier auch der Fall sein. Und ja, allein ist es okay, zu zweit nett, zu viert um den TV ideal. Je mehr, desto besser. Das war bei dieser Art Prügler immer so, hat sich nichts dran geändert.

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Ein Känguru mit Boxhandschuhen, das habe ich doch schon mal in meinem Leben irgendwo gesehen ...

Streets of Rage 4 macht also alles richtig, wenn es um sein Genre geht und legt sogar noch ein wenig drauf. Über ein Dutzend genau richtig langer Level, ein fein abgestimmter Schwierigkeitsgrad, Animationen zu Verlieben und ein Soundtrack, den ich erst anzweifelte, aber dessen nicht gerade preiswerte Vinyl-Version ich nun vorbestellte. Ich bin also halbwegs überzeugt von dem, was Master Koshiro und Co. abgeliefert haben. Genauso wie vom restlichen Spiel auch.

Was das Problem ist? Nun, dazu verweise ich noch mal auf den eingangs verlinkten Artikel oder gebe euch hier einfach die Kurzfassung: Der Sidescroller-Prügler ist tot! Aus gutem Grund, weil er immer hohl wie die Nacht finster war, kein Entwicklungspotenzial hatte, wie dieses Spiel einmal mehr beweist und niemand dieses Genre so richtig vermisst hat. Das heißt nicht, dass man mit Freunden hier nicht eine Stunde richtig Spaß haben kann wie früher, aber danach bietet die Original-Version von Bomberman mehr taktische Multiplayer-Tiefe, da muss man gar nicht die komplexen Mehrspieler-Freuden anderer Indies heute bemühen. Allein spielt man das nur für ein oder zwei Level, um die Optik zu genießen, wenn man dafür zu haben ist, aber sonst ... Nein, sorry, wir leben nach 1995.

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Nur nicht einmischen, wenn sich die Gegner mal nicht leiden können.

Streets of Rage 4 ist ein liebevoll im Labor geklonter Super-Saurier. 32-Bit-Glorie auf Steroiden. Wenn SEGA das damals rausgebracht hätte, dann wäre das Genre immer noch untergegangen, die Welt hätte sich kein Stück anders gedreht, aber es wäre heute ein echt cooler Klassiker, über den damals schon jeder gesagt hätte, dass seine Ära eigentlich vorbei sei, er es aber noch einmal richtig beben lässt. Aber hey, nehmt euch ein paar Bier, schmeißt euch wieder mit Kumpels auf die Couch, sobald das eine gute Idee ist, und haut richtig auf die Buttons. Für eine glorreiche Stunde. Immer mal wieder zwischendurch.

Entwickler/Publisher: DotEmu, Lizardcube, Guard Crush Games/DotEmu - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: ca. 25 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: Switch

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Über den Autor:

Martin Woger

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Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

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