Huntdown ist das Spiel, auf das sich Stallone und Schwarzenegger schon 1990 hätten einigen können

Nicht neu, aber gut.

Hey, ich weiß genauso gut wie ihr, dass Videospiel-Hommagen an die Ära der glorreich dummen 80er-Actionfilme mittlerweile ein wenig bemüht rüberkommen. Im Grunde war das schon in Far Cry: Blood Dragon nicht mehr neu und natürlich entblödet sich auch Huntdown nicht, einen seiner angemessen martialisch benannten Charaktere - John Sawyer - ein "Yippee ki-yay" brüllen zu lassen. Aber nachdem ich mich den letzten Abend durch die erste, fünf Level lange Welt (von vier) geschossen habe, obwohl ich eigentlich etwas anderes vorhatte, muss ich sagen, Huntdown hat was!

Es hilft natürlich, dass das hier wieder eines von der Sorte opulenter Pixel-Art-Spiele ist, wie sie Retro-Fans seit einigen Jahren kaum fassen können. Nominell ist das hier 16-Bit-Look, nur dass natürlich jedes SNES oder Mega Drive schwer hieran zu ochsen gehabt hätte, so viel ist hier auf dem Screen los. Vor allem in Sachen Animationen würde man Huntdown eher in der Arcade verorten: Mündungsfeuer, ausgeworfene Patronenhülsen, die hörbar auf den Asphalt klimpern, glühende Asche, die durch die Straßenzüge dieser Escape-from-New-York-artigen Postapokalypse weht - solche Details freuen das Auge und erklären wohlgepixelte Sprites zu einer Kunstform.

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Die Dame mit dem Flammenwerfer heißt Anna Conda. Kapiert!?

Diese Sorte von nostalgisch potentem Stil-Remix in handwerklich exzellenter 2D-Grafik schaue ich mir einfach gerne an und lasse mich in mein jüngeres Ich zurückversetzen, das gerade unverhofft einen neuen 2D-Platform-Shooter mit Referenzgrafik und interessantem Spielablauf entdeckt hat. Letzterer fühlt sich trotz der Einschränkung, dass immer nur nach links und rechts geschossen wird, erstaunlich modern an. Es ist kein schnelles Contra, in Sachen Tempo noch eine Idee behäbiger unterwegs als Valfaris und will sogar, dass ihr ab und an Deckung sucht.

Ihr habt einen Dash auf der rechten Schultertaste, der in der Luft entweder senkrecht nach unten oder diagonal nach vorne geht, schlittert aus dem Lauf in die Hocke und hinter Kisten oder verschwindet auf Druck nach oben wie im Blizzard-Frühwerk Blackthorne in eine Aussparung im Hintergrund, um Schüssen zu entgehen. Schält euch aus dieser heraus, um das Feuer zu erwidern und verschwindet bei Bedarf wieder darin. In den meisten Kampfszenarien bisher entstand dadurch ein cooler Rhythmus, in dem es eine nette Herausforderung darstellte, den Ansturm der verschieden bewaffneten Gegner zu managen.

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Vier Gangs und deren Anführer stehen auf eurer Abschussliste.

Kommt euch ein Feind zu nahe, kickt ihr ihn in die Luft, gegen eine Wand, von der er abprallt, oder in Feuer. Manches Mal durchlöchert ihr ihn noch in der Luft mit Schüssen, was sich ziemlich cool anfühlt. Anschließend schießt man seinem Kollegen weiter hinten den Molotov aus der Hand, damit die umstehenden Schläger Feuer fangen. Neben der endlos munitionierten Standardwaffe, die jedem der drei Charaktere eigen ist, sammelt ihr eine zweite Spezialwaffe mit beschränktem Magazin auf und verfügt je nach Charakter über einen anderen Wurfgegenstand mit Cooldown - der ebenfalls noch durch Granaten oder Molotovs ersetzt werden darf. Ihr merkt schon, es steckt durchaus einiges an moderner Dynamik in diesen Kämpfen.

Noch dazu läuft es auf der Switch selbst im mobilen Modus bisher absolut makellos, was nach der Start-Performance von Valfaris und Dead Cells offenbar nicht selbstverständlich ist. Von den Witzen landet ein gutes Viertel, ein weiteres Viertel kitzelt immerhin die Hirnregion, in der "Die gute alte Zeit" abgespeichert ist und der Rest ist genauso daneben wie in vielen Filmen von damals. Insofern gehört das wohl dazu. Die Musik ist bisher schön treibend und dem Stil angemessen, auch wenn ich aktuell keines der Stücke losgelöst vom Spiel hören würde, wie ich das zum Beispiel regelmäßig mit dem Soundtrack von The Messenger tue. Aber bisher audiovisuell und technisch ein rundes Paket.

Ich habe noch nicht ganz 20 Prozent vom Spiel gesehen und bin noch nicht sicher, wie lange ich mich hieran erinnern werde. Bis jetzt bin ich aber sehr angetan und freue mich schon darauf, wovon mich Huntdown heute Abend abhalten wird.

Entwickler/Publisher: Easy Trigger/Coffee Stain - Erscheint für: Switch, PC, PS4, Xbox One - Preis: ca. 20 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: nein - Getestete Version: Nintendo Switch

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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