Ion Fury - Test (Switch, PS4, Xbox One): Old-School-Freuden mit Schwächen

Kein sauberer Port.

Weckt auf angenehme Weise Erinnerungen an Shooter der alten Garde, inhaltliche und technische Schwächen trüben aber die Freude.

Pures Old-School-Gameplay verspricht euch der Shooter Ion Fury. Okay, so pur ist das nicht, es gibt moderne Elemente wie automatische Speicherpunkte - wenngleich nicht an jeder Ecke - und natürlich die Möglichkeit, das alles hochauflösend und ohne Pixelbrei zu spielen. In Sachen Auflösung ist Ion Fury einige Schritte weiter als die einstigen Shooter, die Engine ist indes die gleiche. Im Hintergrund werkelt nämlich die Build-Engine, auf der Genrekollegen wie Duke Nukem 3D und Shadow Warrior basieren.

Ion Fury ist weit von den Shootern der heutigen Zeit entfernt und nimmt euch wenig an die Hand, vielmehr stößt es euch in dieses Becken voller gefährlicher Gegner und ihr schwimmt ums Überleben. Das hier fühlt sich exakt so an wie früher, die Entwickler gehen wenig Kompromisse ein und auch auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist das von Zeit zu Zeit eine harte Nuss. Schnelle Reaktionen sind gefragt und buchstäblich ein gutes Händchen, denn Munition ist nicht im Überfluss vorhanden, was ebenso für Medi-Kits und Rüstung gilt. Macht das Beste aus den Geschossen, die ihr habt - ihr wisst nie, wann ihr Nachschub bekommt.

Gleichermaßen orientiert sich der Levelaufbau an dem früherer Spiele, ist hier und da verwinkelt und es ist nicht immer offensichtlich, wo es lang geht. Und natürlich ist es möglich, eine Übersichtskarte einzublenden. In den meisten Fällen geht es darum, Keycards zu finden und neue Wege zu öffnen oder Schalter zu aktivieren, damit ihr euren Weg fortsetzt und alles über den Haufen ballert, was euch vors Fadenkreuz springt. Und das macht im Rahmen der Möglichkeiten, die das Spiel bietet, einfach Spaß. Hier gibt's keine kinoreife Michael-Bay-Blockbuster-Inszenierung wie in einem Call of Duty, Ion Fury konzentriert sich auf die reine Essenz des Old-School-Ballerns.

Ion_Fury_Test
Einzelne Kugeln der 'Penetrator' setzen Gegner in Brand. (Ion Fury - Test)

Es hat auf jeden Fall seine Momente und wer ein Faible für solche Spiele hat, findet daran mit Sicherheit Freude. Von Perfektion ist das Spiel indes ein gutes Stück entfernt. Das betrifft zum einen die Auswahl der Waffen, die eher 08/15-mäßig ausfällt. Es ist ein Arsenal, das so prima in jeden x-beliebigen Modern-Military-Shooter, echte Eigenständigkeit lässt es vermissen. Es gibt keine witzigen oder abstrusen Ideen, die für echte Aha-Momente sorgen. Zudem lassen einige der Waffen von Kraft und Feedback vermissen, sie fühlen sich nicht wie die tödlichen Instrumente an, die sie im Grunde sind. Ein positives Beispiel ist hier die Shotgun, während der Revolver schwächelt. Zum anderen führt das Spiel neue Gegnertypen in einem langsamen Tempo ein. Was erstaunt, da eure Widersacher nicht mehr als flache 2D-Texturen sind - es bleibt das Gefühl, mehr Variation hätte mit geringem Aufwand möglich sein können.

Ebenso wenig beeindrucken die Bossgegner am Ende der Kapitel. Ihre Verhaltensmuster habt ihr schnell durchschaut, daraus resultiert hier nicht die Schwierigkeit. Vielmehr sind es die Massen an zusätzlichen Gegnern, die dabei auftauchen, sowie die zahlreichen Geschosse, die euch währenddessen um die Ohren fliegen und es zu einer Herausforderung machen. Ab und an fühlt ihr euch dabei wie in einem Bullet-Hell-Shooter. Der normale Spielablauf gestaltet sich ohne Frage interessanter und spannender, weniger chaotisch.

Hinzu kommen einige Unzulänglichkeiten auf technischer Seite. Trotz Zielhilfe ist die Steuerung auf Konsolen nicht optimal, was euch vor allem bei kleineren und beweglichen Gegnern eher zum Nachteil gereicht, da sie nicht leicht zu treffen sind. Ebenso hilfreich wäre ein Waffenrad zur Auswahl eures gewünschten Arsenals gewesen. Stattdessen drückt ihr so lange auf dem D-Pad nach unten oder oben, bis ihr die passende Waffe in den Händen haltet. Im Eifer des Gefechts ist das nicht immer die beste und schnellste Lösung, vor allem wenn mit fortschreitenden Spielverlauf mehr Waffen hinzukommen. Am PC dürftet ihr damit aber keine Probleme haben.

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Sieht fast aus wie früher, nur in höherer Auflösung. (Ion Fury - Test)

Das gilt auch für die absolut unverständlichen Slowdowns, die das Spiel regelmäßig fabriziert. Damit wir uns richtig verstehen: Dass ein Spiel mit dieser Technik als Grundlage auf einer Xbox One X regelmäßig Performance-Probleme hat, ist ein Unding. Grundsätzlich läuft das Spiel mit 60fps, es gelingt der Engine aber nicht, diese konstant aufrechtzuerhalten. Das artet nie in exzessives Ruckeln aus, ihr spürt die kurzen Slowdowns aber und sie stören. Und es ist kein exklusives Erlebnis in anspruchsvollen Kampfszenen mit mehreren Gegnern oder ähnlichen Situationen. Es kommt häufig einfach so vor, während ihr durch den Level marschiert oder Bereiche erkundet. In eine Ecke zu blicken, ist für eine Engine im Normalfall kein großer Stresstest - und doch kommt es dabei ab und an zu Slowdowns, um eines von vielen Beispielen zu nennen. Hier ist auf jeden Fall noch eine Nachbesserung und Optimierung erforderlich, was kein Ding der Unmöglichkeit sein sollte.

Im Endeffekt ist Ion Fury eine schöne Reminiszenz an die gute, alte Shooter-Zeit des letzten Jahrtausends. Für das, was es sein möchte, macht es seine Arbeit ganz gut. Es ist kein außergewöhnliches Spielerlebnis, das ihr nie vergesst, doch was den reinen Spielspaß anbelangt, ist das hier pures Ballervergnügen. Eines, das schnelle Reaktionen und Präzision erfordert, was es herausfordernd macht und euch über inhaltliche Mängel hinwegsehen lässt. Ihr könnt es euch nicht leisten, viele Treffer einzustecken oder die Hälfte eurer Munition in den Sand zu setzen. Das alles gilt vor allem für die seit einiger Zeit erhältliche PC-Fassung. Auf den Konsolen ist die Steuerung nicht ganz perfekt und die Performance des Spiels benötigt eine weitere Optimierungsrunde. Wenn ihr gerne Old-School-Gameplay haben möchtet, ist Ion Fury somit in jedem Fall einen Blick wert. Alleine durch die Nutzung der gleichen Engine wie damals hinterlässt es technisch und visuell den Eindruck einer guten Hommage - es spielt sich einfach wie früher und ist somit einer der besseren Retro-Shooter.

Entwickler/Publisher: 3D Realms/1C - Erscheint für: PC, PS4, Xbox One, Switch - Preis: zirka 25 Euro - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: Xbox One X - Sprache: Deutsch (Texte), Englisch und andere

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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